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Traumland


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Rezension von

Frank Drehmel

Traumland “Traumland” bildet eine Art Intermezzo zu den beiden umfangreicheren Zyklen “Das Puppenhaus” (Sandman #9 bis #16) und “Die Zeit des Nebels” (Sandman #21 bis #28), wobei dem Comic - oder besser: den Comics - die gewöhnliche Leichtigkeit eines Zwischenspiels fehlt. Während sich die drei ersten Geschichten um Oneiros, Morpheus, - den Sandman - in unterschiedlichen Rollen drehen, ist die Hauptprotagonistin von “Fassade” Death, die Schwester des Traumkönigs. In “Kalliope” missbraucht ein Schriftsteller, dem die Ideen ausgegangen sind, die Muse der epischen Dichtung nicht nur als Inspirationsquelle, sondern auch indem er sie körperlich vergewaltigt. Da das mythische Geschöpf durch ein magisches Ritual gebunden wurde, besteht die einzige Hoffnung Kalliopes auf Freiheit in einem Eingreifen Oneiros, ihres einstigen Geliebten. Doch der Sandman entkam gerade erst selbst einer quälenden Gefangenschaft und außerdem trennten sich die Wege der beiden vor langer, langer Zeit. Eine Hauskatze, die mit ihrem eigenen Dasein und dem ihrer Spezies als Sklaven der Menschen unzufrieden ist, erfährt vom Sandman, dass ein gleichzeitiger “Traum von 1000 Katzen” nötig ist, um die Realität so zu verändern, dass - wie es einstmals war - die Katzen die Herrenrasse und die Menschen ihre Spielzeuge sind. Die Geschichte “Ein Sommernachtstraum” erhielt als erstes und bislang einziges Comic 1991 den World Fantasy Award in der Kategorie “Short Fiction” (seitdem dürfen Comics nur noch in “Special Award”-Kategorien ausgezeichnet werden). Man schreibt den 23. Juni 1593, den Tag vor Sommersonnenwende: Einst gewährte der Sandman dem Theater-Schreiber Will Shekespear die Gnade, Stücke von ewiger Schönheit zu schreiben, heute treibt er die Schuld ein. Auf des Traumkönigs Bitte hin führt Shekepears kleine Truppe fahrender Schauspieler das Stück “Ein Sommernachtstraum” unter freiem Himmel und inmitten grüner Felder vor einem ganz besonderen Publikum auf: dem Herrscher der Anderswelt, Oberon, seiner Gemahlin Titania und einem Teil ihres Hofstaates. Die Elfen hatten sich eigentlich schon aus der Menschenwelt zurückgezogen, aber der Einladung des Sandmans leisten sie ein letztes Mal Folge. In “Fassade” sehnt sich eine vergessene und wegen ihres abstoßenden Äußeren einsame Superheldin - Element Girl - nach dem Tod, beherrscht aber auf Grund ihrer Unverwundbarkeit nicht die Kunst des Sterbens. Das Leiden der gequälten Seele weckt das Mitgefühl von Death. Auch wenn die Ewige selbst nicht handeln darf, so weist sie Element Girl einen Weg. Gaimans Storys sind tief- und hintergründig, sprudeln über vor geradezu opulenter Phantasie, sodass der Leser sich auf die Handlung einlassen, der traumhaften Atmosphäre und Magie hingeben muss, um sie zu begreifen, verstehen, fühlen zu können. Sämtliche Storys ranken sich trotz ihrer inhaltlichen Unterschiede um ein zentrales Thema: das Wesen der Wirklichkeit und die Verantwortung des Einzelnen für ihre Gestaltung bzw. Erschaffung. Bei dem Herangehen an diese elementare, philosophische Frage bedient sich Gaiman sowohl phantastisch-allegorischer Bilder, als auch - wie in “Der Traum von 1000 Katzen” - eines “Fabel”-haften Ansatzes. Im Widerspruch zu vielen Fans halte ich nicht Gaimans größere Zyklen (“The Doll´s House” oder “Season of Mists”) für seine Comic-Meistwerke, sondern wegen ihrer unglaublichen Intensität und Dichte sowie des ungebundeneren, freieren Fabulierens seine kurzen Sandman-Erzählungen, zu denen bspw. auch “Men of Good Fortune” (Sandman #13) gehört. So wundervoll Gaimans Geschichten, so exzellent und passend das Artwork der involvierten Grafiker. Sei es Kelly Jones feiner Strich mit seinen tiefen, harten Schatten, Charles Vess’ luftig leichter Duktus oder Colleen Dorans merkwürdig zerrissen wirkende Linienführung, immer ergänzen sich Story und Zeichnungen in nahezu perfekter Weise. Von ähnlich hoher Qualität ist die zurückhaltende, weiche Koloration Malcolm Jones III, eines Künstlers, der sich 1996 im Alter von nur knapp 26 Jahren das Leben nahm. Fazit: Märchenhafte, dichte Storys und erstklassiges Artwork. Comic-Kunst auf höchstem Niveau.

“Traumland” bildet eine Art Intermezzo zu den beiden umfangreicheren Zyklen “Das Puppenhaus” (Sandman #9 bis #16) und “Die Zeit des Nebels” (Sandman #21 bis #28), wobei dem Comic - oder besser: den Comics - die gewöhnliche Leichtigkeit eines Zwischenspiels fehlt.

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18.02.2018

Während sich die drei ersten Geschichten um Oneiros, Morpheus, - den Sandman - in unterschiedlichen Rollen drehen, ist die Hauptprotagonistin von “Fassade” Death, die Schwester des Traumkönigs.

In “Kalliope” missbraucht ein Schriftsteller, dem die Ideen ausgegangen sind, die Muse der epischen Dichtung nicht nur als Inspirationsquelle, sondern auch indem er sie körperlich vergewaltigt. Da das mythische Geschöpf durch ein magisches Ritual gebunden wurde, besteht die einzige Hoffnung Kalliopes auf Freiheit in einem Eingreifen Oneiros, ihres einstigen Geliebten. Doch der Sandman entkam gerade erst selbst einer quälenden Gefangenschaft und außerdem trennten sich die Wege der beiden vor langer, langer Zeit.

Eine Hauskatze, die mit ihrem eigenen Dasein und dem ihrer Spezies als Sklaven der Menschen unzufrieden ist, erfährt vom Sandman, dass ein gleichzeitiger “Traum von 1000 Katzen” nötig ist, um die Realität so zu verändern, dass - wie es einstmals war - die Katzen die Herrenrasse und die Menschen ihre Spielzeuge sind.

Die Geschichte “Ein Sommernachtstraum” erhielt als erstes und bislang einziges Comic 1991 den World Fantasy Award in der Kategorie “Short Fiction” (seitdem dürfen Comics nur noch in “Special Award”-Kategorien ausgezeichnet werden).

Man schreibt den 23. Juni 1593, den Tag vor Sommersonnenwende: Einst gewährte der Sandman dem Theater-Schreiber Will Shekespear die Gnade, Stücke von ewiger Schönheit zu schreiben, heute treibt er die Schuld ein. Auf des Traumkönigs Bitte hin führt Shekepears kleine Truppe fahrender Schauspieler das Stück “Ein Sommernachtstraum” unter freiem Himmel und inmitten grüner Felder vor einem ganz besonderen Publikum auf: dem Herrscher der Anderswelt, Oberon, seiner Gemahlin Titania und einem Teil ihres Hofstaates. Die Elfen hatten sich eigentlich schon aus der Menschenwelt zurückgezogen, aber der Einladung des Sandmans leisten sie ein letztes Mal Folge.

In “Fassade” sehnt sich eine vergessene und wegen ihres abstoßenden Äußeren einsame Superheldin - Element Girl - nach dem Tod, beherrscht aber auf Grund ihrer Unverwundbarkeit nicht die Kunst des Sterbens. Das Leiden der gequälten Seele weckt das Mitgefühl von Death. Auch wenn die Ewige selbst nicht handeln darf, so weist sie Element Girl einen Weg.

Gaimans Storys sind tief- und hintergründig, sprudeln über vor geradezu opulenter Phantasie, sodass der Leser sich auf die Handlung einlassen, der traumhaften Atmosphäre und Magie hingeben muss, um sie zu begreifen, verstehen, fühlen zu können.

Sämtliche Storys ranken sich trotz ihrer inhaltlichen Unterschiede um ein zentrales Thema: das Wesen der Wirklichkeit und die Verantwortung des Einzelnen für ihre Gestaltung bzw. Erschaffung. Bei dem Herangehen an diese elementare, philosophische Frage bedient sich Gaiman sowohl phantastisch-allegorischer Bilder, als auch - wie in “Der Traum von 1000 Katzen” - eines “Fabel”-haften Ansatzes.

Im Widerspruch zu vielen Fans halte ich nicht Gaimans größere Zyklen (“The Doll´s House” oder “Season of Mists”) für seine Comic-Meistwerke, sondern wegen ihrer unglaublichen Intensität und Dichte sowie des ungebundeneren, freieren Fabulierens seine kurzen Sandman-Erzählungen, zu denen bspw. auch “Men of Good Fortune” (Sandman #13) gehört.

So wundervoll Gaimans Geschichten, so exzellent und passend das Artwork der involvierten Grafiker. Sei es Kelly Jones feiner Strich mit seinen tiefen, harten Schatten, Charles Vess’ luftig leichter Duktus oder Colleen Dorans merkwürdig zerrissen wirkende Linienführung, immer ergänzen sich Story und Zeichnungen in nahezu perfekter Weise. Von ähnlich hoher Qualität ist die zurückhaltende, weiche Koloration Malcolm Jones III, eines Künstlers, der sich 1996 im Alter von nur knapp 26 Jahren das Leben nahm.

Fazit: Märchenhafte, dichte Storys und erstklassiges Artwork. Comic-Kunst auf höchstem Niveau.

geschrieben am 26.11.2007 | 582 Wörter | 3523 Zeichen

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