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Wir zwei allein


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Informationen zum Buch
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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Wir zwei allein Das erste Kapitel des Romans namens „Theres“ handelt im Wesentlichen von den Versuchen eines mittelprächtig interessanten Obst- und Gemüseausfahrers mit abgebrochenem Studium, eine somnambule, aber natürlich undurchschaubare und künstlerisch hoch begabte Schuhverkäuferin für sich zu gewinnen. Man erhält Einblick in die Stammkneipe der beiden, die für beide Wohnzimmerersatz zu sein scheint, und ist ansonsten von den simplen Dialogen und der ebensolchen Sprache des Erzählers eher enttäuscht. Auch der lokale Bezug beschränkt sich auf die Nennung von Ortsnamen und ansässigen Lokalen, zu denen der Gemüseausfahrer geschickt wird, dazu noch ein paar Schwärmereien über den Schwarzwald und das unvermeidliche „Freiburger“ Bekenntnis, dass man doch gar nicht anderswo hinmüsse, weil es doch hier am schönsten sei. Diese Einstellung ist vor allem für Zugezogene in Freiburg und Umgebung, die selbst schon mehr von der Welt als die südbadische Regionalmetropole gesehen haben, auf die Dauer mehr als enervierend und prompt muss sie auch in diesem Buch das Lebensmotto des Protagonisten sein. Im zweiten Abschnitt mit dem Titel „Verglückt“ wird nach der jähen und scheinbar unermesslichen Freude über die Eroberung von Theres der Protagonist jäh von ihr abgestoßen und minimiert den Kontakt, wo er nur kann - eine Wendung, die in keiner Weise nachvollziehbar ist, außer man nimmt die bereits vorher sichtbare geistige und emotionale Unausgeprägtheit des Ich-Erzählers nun für bare Münze. Vielleicht soll es auch nur ein besonders lakonischer oder unausgereifter Charakter sein, jedenfalls verwirrt es den Leser eher als dass es fesselt. Dennoch ist der Ich-Erzähler scheinbar entsetzt, dass Theres am Ende die Entscheidung trifft, nicht mit ihm zusammen sein zu wollen, sondern nur befreundet. Er schlägt ihren Vorschlag aus, spontan nach Italien zu reisen (in Freiburg ist es ja so schön, s.o.) und ist dann wiederum erschüttert, als er sie am Folgetag auf dem Bahnhof in einen Zug in Richtung Schweiz steigen sieht. Auch in diesem Abschnitt dient die Umgebung wieder nur zum Namedropping, nicht aber um einen wirklichen Nexus für den Leser herzustellen. Was mit fortdauernder Lektüre zusätzlich stört sind die permanent kurzen Sätze des Autors. Alles ist stakkatoartig geschrieben, keinesfalls aber passt dies zur Langsamkeit der Handlung und der agierenden Personen und ist nicht einmal in sich künstlerisch anregend. Keinesfalls bestätigt sich das auf dem Buchumschlag abgedruckte Attribut „mitreißend“, noch weniger ist der Erzählstil „emphatisch“, denn statt Eindringlichkeit herrscht Eintönigkeit vor. Das dritte Kapitel ist „Ein Irokese“ getauft worden, ein weiterer fragwürdiger Aspekt des Buches bzw. des Hauptcharakters. Abgesehen davon, dass in diesem Abschnitt nur in einem Unterkapitel der „Irokese“ an sich thematisiert wird, nämlich als der Protagonist beschließt, kurzzeitig ohne Strom leben zu wollen, der furchtlose Einzelkämpfer, sind auch schon Bezüge in früheren und späteren Kapiteln einfach nur unverständlich. Der Protagonist hat, warum auch immer, ab und zu Visionen oder Anflüge von indianischem Leben in sich - wer weiß, was man sich auf Gemüsefahrten in den tiefen Schwarzwald so alles zusammenfantasieren kann, um seinem Leben einen Hauch von Sinn abzugewinnen… Letzten Endes ist auch diese Marotte des Gemüsefahrers nicht geeignet, dem Buch irgendeine Art von Spannung oder substantiellem Zusammenhang zu vermitteln. Die übrigen Unterkapitel handeln von seinem Sehnen nach Theres und allerlei kruden Gedanken rund um sie. Weiter geht es mit dem Abschnitt „Theres, talwärts“, in dem Theres nach ihrer Rückkehr mit dem Gemüsefahrer Nägel mit Köpfen machen will, sogar ein gemeinsames Haus in abgelegener Natur sucht, aber er sträubt sich nach Kräften, obwohl er sich ja offenbar doch innerlich nach ihr verzehrt und nur der eifersüchtigen Frage nachhängt, ob Theres eine Liaison mit Stefano hatte. „Wieden, Finstergrund“ ist das fünfte der sechs Kapitel und präsentiert Theres und den Gemüsefahrer im neuen Heim, Theres entzieht sich vollständig, ihre Handlungen und Gedanken werden zur Gänze undurchsichtig, die Reaktionen des Gemüsefahrers noch mehr, da er völlig ins Passive abgleitet und außer ständig Riegeler Landbier zu trinken (exakt und ständig in dieser Nennung - gabs da Sponsoring?) tut er nicht viel und im Dialog bringt er außer „Theres“ auch nichts Sinnvolles zustande. Doch - dramaturgischer Höhepunkt - Theres gesteht tatsächlich eine Affäre mit Stefano und ist von diesem schwanger, fällt spektakulär die Treppe im Haus hinunter und der Gemüsefahrer läuft erstmal weg und sieht sich vom Schauinsland einen Großbrand in Freiburg an - eine Reaktion genauso hanebüchen wie etliche der Wendungen zuvor. Aber natürlich kehrt er zurück und sie leben weiterhin zusammen in diesem abgeschiedenen Hof und im Schlusskapitel „Das schöne Wieden“ passiert auf unter 10 Seiten nichts mehr Wesentliches. Das Ende macht den Leser nicht schlauer als die Geschichte zuvor. Das Fazit ist leider klar: Hätte ich das Buch nicht zur Besprechung erhalten und deshalb komplett lesen wollen, hätte ich es spätestens am Ende des zweiten Abschnitts ad acta gelegt. Es hat mich weder inhaltlich, noch sprachlich, noch dramaturgisch überzeugt. Nicht einmal das regionale Flair kann mich als ehemaligen Bewohner Freiburgs dazu bringen, das Buch zu empfehlen.

Das erste Kapitel des Romans namens „Theres“ handelt im Wesentlichen von den Versuchen eines mittelprächtig interessanten Obst- und Gemüseausfahrers mit abgebrochenem Studium, eine somnambule, aber natürlich undurchschaubare und künstlerisch hoch begabte Schuhverkäuferin für sich zu gewinnen. Man erhält Einblick in die Stammkneipe der beiden, die für beide Wohnzimmerersatz zu sein scheint, und ist ansonsten von den simplen Dialogen und der ebensolchen Sprache des Erzählers eher enttäuscht. Auch der lokale Bezug beschränkt sich auf die Nennung von Ortsnamen und ansässigen Lokalen, zu denen der Gemüseausfahrer geschickt wird, dazu noch ein paar Schwärmereien über den Schwarzwald und das unvermeidliche „Freiburger“ Bekenntnis, dass man doch gar nicht anderswo hinmüsse, weil es doch hier am schönsten sei. Diese Einstellung ist vor allem für Zugezogene in Freiburg und Umgebung, die selbst schon mehr von der Welt als die südbadische Regionalmetropole gesehen haben, auf die Dauer mehr als enervierend und prompt muss sie auch in diesem Buch das Lebensmotto des Protagonisten sein.

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Im zweiten Abschnitt mit dem Titel „Verglückt“ wird nach der jähen und scheinbar unermesslichen Freude über die Eroberung von Theres der Protagonist jäh von ihr abgestoßen und minimiert den Kontakt, wo er nur kann - eine Wendung, die in keiner Weise nachvollziehbar ist, außer man nimmt die bereits vorher sichtbare geistige und emotionale Unausgeprägtheit des Ich-Erzählers nun für bare Münze. Vielleicht soll es auch nur ein besonders lakonischer oder unausgereifter Charakter sein, jedenfalls verwirrt es den Leser eher als dass es fesselt. Dennoch ist der Ich-Erzähler scheinbar entsetzt, dass Theres am Ende die Entscheidung trifft, nicht mit ihm zusammen sein zu wollen, sondern nur befreundet. Er schlägt ihren Vorschlag aus, spontan nach Italien zu reisen (in Freiburg ist es ja so schön, s.o.) und ist dann wiederum erschüttert, als er sie am Folgetag auf dem Bahnhof in einen Zug in Richtung Schweiz steigen sieht. Auch in diesem Abschnitt dient die Umgebung wieder nur zum Namedropping, nicht aber um einen wirklichen Nexus für den Leser herzustellen. Was mit fortdauernder Lektüre zusätzlich stört sind die permanent kurzen Sätze des Autors. Alles ist stakkatoartig geschrieben, keinesfalls aber passt dies zur Langsamkeit der Handlung und der agierenden Personen und ist nicht einmal in sich künstlerisch anregend. Keinesfalls bestätigt sich das auf dem Buchumschlag abgedruckte Attribut „mitreißend“, noch weniger ist der Erzählstil „emphatisch“, denn statt Eindringlichkeit herrscht Eintönigkeit vor.

Das dritte Kapitel ist „Ein Irokese“ getauft worden, ein weiterer fragwürdiger Aspekt des Buches bzw. des Hauptcharakters. Abgesehen davon, dass in diesem Abschnitt nur in einem Unterkapitel der „Irokese“ an sich thematisiert wird, nämlich als der Protagonist beschließt, kurzzeitig ohne Strom leben zu wollen, der furchtlose Einzelkämpfer, sind auch schon Bezüge in früheren und späteren Kapiteln einfach nur unverständlich. Der Protagonist hat, warum auch immer, ab und zu Visionen oder Anflüge von indianischem Leben in sich - wer weiß, was man sich auf Gemüsefahrten in den tiefen Schwarzwald so alles zusammenfantasieren kann, um seinem Leben einen Hauch von Sinn abzugewinnen… Letzten Endes ist auch diese Marotte des Gemüsefahrers nicht geeignet, dem Buch irgendeine Art von Spannung oder substantiellem Zusammenhang zu vermitteln. Die übrigen Unterkapitel handeln von seinem Sehnen nach Theres und allerlei kruden Gedanken rund um sie. Weiter geht es mit dem Abschnitt „Theres, talwärts“, in dem Theres nach ihrer Rückkehr mit dem Gemüsefahrer Nägel mit Köpfen machen will, sogar ein gemeinsames Haus in abgelegener Natur sucht, aber er sträubt sich nach Kräften, obwohl er sich ja offenbar doch innerlich nach ihr verzehrt und nur der eifersüchtigen Frage nachhängt, ob Theres eine Liaison mit Stefano hatte.

„Wieden, Finstergrund“ ist das fünfte der sechs Kapitel und präsentiert Theres und den Gemüsefahrer im neuen Heim, Theres entzieht sich vollständig, ihre Handlungen und Gedanken werden zur Gänze undurchsichtig, die Reaktionen des Gemüsefahrers noch mehr, da er völlig ins Passive abgleitet und außer ständig Riegeler Landbier zu trinken (exakt und ständig in dieser Nennung - gabs da Sponsoring?) tut er nicht viel und im Dialog bringt er außer „Theres“ auch nichts Sinnvolles zustande. Doch - dramaturgischer Höhepunkt - Theres gesteht tatsächlich eine Affäre mit Stefano und ist von diesem schwanger, fällt spektakulär die Treppe im Haus hinunter und der Gemüsefahrer läuft erstmal weg und sieht sich vom Schauinsland einen Großbrand in Freiburg an - eine Reaktion genauso hanebüchen wie etliche der Wendungen zuvor. Aber natürlich kehrt er zurück und sie leben weiterhin zusammen in diesem abgeschiedenen Hof und im Schlusskapitel „Das schöne Wieden“ passiert auf unter 10 Seiten nichts mehr Wesentliches. Das Ende macht den Leser nicht schlauer als die Geschichte zuvor.

Das Fazit ist leider klar: Hätte ich das Buch nicht zur Besprechung erhalten und deshalb komplett lesen wollen, hätte ich es spätestens am Ende des zweiten Abschnitts ad acta gelegt. Es hat mich weder inhaltlich, noch sprachlich, noch dramaturgisch überzeugt. Nicht einmal das regionale Flair kann mich als ehemaligen Bewohner Freiburgs dazu bringen, das Buch zu empfehlen.

geschrieben am 21.07.2012 | 789 Wörter | 4577 Zeichen

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