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Stephen King, Wind


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Informationen zum Buch
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  Extras

Rezension von

Thomas Stumpf

Stephen King, Wind Stephen King fĂŒgt seinem Opus Magnum, seiner legendĂ€ren ErzĂ€hlung „Der Dunkle Turm“, einen weiteren Band hinzu und lĂ€sst seine Leser zu Roland Deschain, Revolvermann von Gilead, und dessen GefĂ€hrten Eddie, Susannah und Jake zurĂŒckkehren. Es ist der mittlerweile achte Band der eigentlich abgeschlossenen Reihe, so dass diese nunmehr einen Umfang von fast 5.000 Seiten aufweist. Die leidliche deutsche Ein-Wort-Betitelung wird auch hier beibehalten, obwohl das Buch im Original den sehr schönen und prosaischen Titel „The Wind Through The Keyhole“ - Der Wind durchs SchlĂŒsselloch trĂ€gt. Die Handlung ist zwischen Band 4 („Glas“) und Band 5 („Wolfsmond“) angesiedelt und setzt da ein, wo Roland und seine Begleiter, sein Ka-Tet (Eins-aus-Vielen), den GrĂŒnen Palast hinter sich lassen und ihre Reise auf dem Pfad des Balken zum Dunklen Turm fortsetzen. Geschildert wird eine kleine Sequenz, in welcher das Ka-Tet von einem unheimlichen NaturphĂ€nomen, dem Stoßwind, ĂŒberrascht wird. Es ist dies ein urplötzlich hereinbrechender und sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreitender Sturm, dem eine Phase unnatĂŒrlicher Hitze und SchwĂŒle vorausgeht. Im Augenblick lĂ€sst der Stoßwind die Temperaturen ins Bodenlose stĂŒrzen, Vögel fallen gefroren und tot vom Himmel, riesige BĂ€ume zerplatzen unter dem Schockfrost und Mensch wie Tier werden in Sekundenschnelle getötet. Die Schicksalsgemeinschaft findet eine Zuflucht um dem Sturm zu trotzen. WĂ€hrend sie dessen Weiterziehen abwarten, erzĂ€hlt Roland zwei Geschichten. Diese kleine Episode gibt daher nur den Auftakt und funktioniert als klassische Rahmenhandlung fĂŒr die beiden nachfolgenden Geschichten. Die erste der beiden Geschichten („Der Fellmann“) ist eine, die Roland selbst erlebt hat und fĂŒhrt zurĂŒck in seine Jugendzeit und seine AnfĂ€nge als Revolvermann. Zusammen mit seinem Freund und ebenso jungen Revolvermann Jamie reist er in eine sturmgepeitschte Salzbergwerksiedlung, um das mörderische Treiben eines Gestaltwandlers zu erforschen und dem ein Ende zu setzen. Der unbekannte Gestaltwandler wird unter den Bergleuten vermutet und Roland heckt einen Plan aus, um diesen zu ĂŒberfĂŒhren. Helfen soll ihm dabei der junge Bill Streeter, der einzige Zeuge, der vom TĂ€ter in dessen menschlicher Gestalt nur eine auffĂ€llige TĂ€towierung gesehen hat. WĂ€hrend er mit dem Jungen zur Vorbereitung alleine ist, erzĂ€hlt Roland diesem eine Geschichte, die ihm wiederum seine Mutter (Gabrielle Deschain, die von Roland aus unglĂŒcklicher FĂŒgung getötet wurde) als kleines Kind oft erzĂ€hlt hat. Dies ist die zweite und namensgebende Geschichte „Der Wind durchs SchlĂŒsselloch“. Auch in dieser spielen ein tapferer Junge (Tim, der selbst zu einer Art Revolvermann heranwĂ€chst) und der Stoßwind eine wichtige Rolle. Nachdem diese Geschichte zu Ende erzĂ€hlt ist, kehrt die Handlung zur Fellmann-Story zurĂŒck, die dann ihrerseits zum (blutigen) Ende gebracht wird. Danach ist auch der Stoßwind weitergezogen und Roland und seine GefĂ€hrten setzen ihre Reise fort, womit das Buch endet. So bewegt sich die ErzĂ€hlung geschickt auf drei ErzĂ€hlebenen leicht zu verfolgen hin und her. Die beiden Geschichten „Der Fellmann“ und „Der Wind durchs SchlĂŒsselloch“ sind beide stark. Die erste fĂŒhrt den Leser in Rolands Jugend. In der gesamten Dunkler-Turm-Saga waren dies stets die besten, intensivsten Momente. Zum VerstĂ€ndnis der komplexen Figur des Roland Deschain sind sie unverzichtbar und enthalten die wichtigen SchlĂŒsselmomente zu seinem Charakter und seinem Schicksal. „Der Wind durchs SchlĂŒsselloch“ ist die ergreifende ErzĂ€hlung eines kleinen tapferen Jungen, der erst den Tod seines Vaters verkraften und dann den schlimmen Stiefvater ertragen muss und seine Mutter retten will. Ein Motiv, dass nicht nur Rolands Leidensgeschichte spiegelt, sondern sich auch in anderen BĂŒchern Kings offenbart. Zufall- oder Gelegenheitsleser, die mit dem Werk um den Dunklen Turm nicht vertraut sind, werden zu Beginn des Buchs ĂŒber die eine oder andere Unebenheit und Begriffsverwendung stolpern, was jedoch nur von kurzer Dauer ist. Abgefedert wird dies zudem durch eine kurze EinfĂŒhrung im von Stephen King verfassten Vorwort. SpĂ€testens wenn kurz darauf die ErzĂ€hlung „Der Fellmann“ beginnt, hat auch der UngeĂŒbte keinerlei Probleme mehr zu folgen. Man kann das Buch daher auch lesen, wenn man den Rest der Saga nicht kennt. Wer den ganzen Dunkler-Turm-Zyklus kennt und ĂŒber die Jahre und Jahrzehnte seines Erscheinens verfolgt hat, der findet sich sofort in Rolands Welt und seiner altertĂŒmlichen Sprache zurecht. Man ist sofort wieder dabei, so als wĂ€re man nie weg gewesen. Und das ist schön. „Wind“ ist kein fehlendes Mosaiksteinchen, mit dem es plötzlich Klick macht und alle ZahnrĂ€der ineinander fallen und die Erleuchtung kommt. Große Geheimnisse werden nicht gelĂŒftet, man kommt dem Dunklen Turm oder dem Schwarzen Mann nicht nĂ€her als in den anderen BĂŒchern. Aber einige neue Facetten kann man dem großen Ganzen doch abgewinnen, vor allem was das VerhĂ€ltnis zwischen Roland uns seinem Vater, sowie zwischen Roland und seiner Mutter betrifft. Man begegnet freundlichen und hilfreichen Muties, die sich deutlich von den Langsamen Mutanten unterscheiden und erfĂ€hrt lehrreiches ĂŒber die cleveren kleinen waschbĂ€rartigen Billy-Bumbler. Wenn Stephen King seine ErzĂ€hltechnik beibehĂ€lt, könnten noch zahlreiche unerzĂ€hlte Geschichten ĂŒber Roland von Gilead auf uns warten.

Stephen King fĂŒgt seinem Opus Magnum, seiner legendĂ€ren ErzĂ€hlung „Der Dunkle Turm“, einen weiteren Band hinzu und lĂ€sst seine Leser zu Roland Deschain, Revolvermann von Gilead, und dessen GefĂ€hrten Eddie, Susannah und Jake zurĂŒckkehren. Es ist der mittlerweile achte Band der eigentlich abgeschlossenen Reihe, so dass diese nunmehr einen Umfang von fast 5.000 Seiten aufweist. Die leidliche deutsche Ein-Wort-Betitelung wird auch hier beibehalten, obwohl das Buch im Original den sehr schönen und prosaischen Titel „The Wind Through The Keyhole“ - Der Wind durchs SchlĂŒsselloch trĂ€gt.

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Die Handlung ist zwischen Band 4 („Glas“) und Band 5 („Wolfsmond“) angesiedelt und setzt da ein, wo Roland und seine Begleiter, sein Ka-Tet (Eins-aus-Vielen), den GrĂŒnen Palast hinter sich lassen und ihre Reise auf dem Pfad des Balken zum Dunklen Turm fortsetzen. Geschildert wird eine kleine Sequenz, in welcher das Ka-Tet von einem unheimlichen NaturphĂ€nomen, dem Stoßwind, ĂŒberrascht wird. Es ist dies ein urplötzlich hereinbrechender und sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreitender Sturm, dem eine Phase unnatĂŒrlicher Hitze und SchwĂŒle vorausgeht. Im Augenblick lĂ€sst der Stoßwind die Temperaturen ins Bodenlose stĂŒrzen, Vögel fallen gefroren und tot vom Himmel, riesige BĂ€ume zerplatzen unter dem Schockfrost und Mensch wie Tier werden in Sekundenschnelle getötet. Die Schicksalsgemeinschaft findet eine Zuflucht um dem Sturm zu trotzen. WĂ€hrend sie dessen Weiterziehen abwarten, erzĂ€hlt Roland zwei Geschichten. Diese kleine Episode gibt daher nur den Auftakt und funktioniert als klassische Rahmenhandlung fĂŒr die beiden nachfolgenden Geschichten.

Die erste der beiden Geschichten („Der Fellmann“) ist eine, die Roland selbst erlebt hat und fĂŒhrt zurĂŒck in seine Jugendzeit und seine AnfĂ€nge als Revolvermann. Zusammen mit seinem Freund und ebenso jungen Revolvermann Jamie reist er in eine sturmgepeitschte Salzbergwerksiedlung, um das mörderische Treiben eines Gestaltwandlers zu erforschen und dem ein Ende zu setzen. Der unbekannte Gestaltwandler wird unter den Bergleuten vermutet und Roland heckt einen Plan aus, um diesen zu ĂŒberfĂŒhren. Helfen soll ihm dabei der junge Bill Streeter, der einzige Zeuge, der vom TĂ€ter in dessen menschlicher Gestalt nur eine auffĂ€llige TĂ€towierung gesehen hat.

WĂ€hrend er mit dem Jungen zur Vorbereitung alleine ist, erzĂ€hlt Roland diesem eine Geschichte, die ihm wiederum seine Mutter (Gabrielle Deschain, die von Roland aus unglĂŒcklicher FĂŒgung getötet wurde) als kleines Kind oft erzĂ€hlt hat. Dies ist die zweite und namensgebende Geschichte „Der Wind durchs SchlĂŒsselloch“. Auch in dieser spielen ein tapferer Junge (Tim, der selbst zu einer Art Revolvermann heranwĂ€chst) und der Stoßwind eine wichtige Rolle. Nachdem diese Geschichte zu Ende erzĂ€hlt ist, kehrt die Handlung zur Fellmann-Story zurĂŒck, die dann ihrerseits zum (blutigen) Ende gebracht wird. Danach ist auch der Stoßwind weitergezogen und Roland und seine GefĂ€hrten setzen ihre Reise fort, womit das Buch endet.

So bewegt sich die ErzĂ€hlung geschickt auf drei ErzĂ€hlebenen leicht zu verfolgen hin und her. Die beiden Geschichten „Der Fellmann“ und „Der Wind durchs SchlĂŒsselloch“ sind beide stark. Die erste fĂŒhrt den Leser in Rolands Jugend. In der gesamten Dunkler-Turm-Saga waren dies stets die besten, intensivsten Momente. Zum VerstĂ€ndnis der komplexen Figur des Roland Deschain sind sie unverzichtbar und enthalten die wichtigen SchlĂŒsselmomente zu seinem Charakter und seinem Schicksal. „Der Wind durchs SchlĂŒsselloch“ ist die ergreifende ErzĂ€hlung eines kleinen tapferen Jungen, der erst den Tod seines Vaters verkraften und dann den schlimmen Stiefvater ertragen muss und seine Mutter retten will. Ein Motiv, dass nicht nur Rolands Leidensgeschichte spiegelt, sondern sich auch in anderen BĂŒchern Kings offenbart.

Zufall- oder Gelegenheitsleser, die mit dem Werk um den Dunklen Turm nicht vertraut sind, werden zu Beginn des Buchs ĂŒber die eine oder andere Unebenheit und Begriffsverwendung stolpern, was jedoch nur von kurzer Dauer ist. Abgefedert wird dies zudem durch eine kurze EinfĂŒhrung im von Stephen King verfassten Vorwort. SpĂ€testens wenn kurz darauf die ErzĂ€hlung „Der Fellmann“ beginnt, hat auch der UngeĂŒbte keinerlei Probleme mehr zu folgen. Man kann das Buch daher auch lesen, wenn man den Rest der Saga nicht kennt.

Wer den ganzen Dunkler-Turm-Zyklus kennt und ĂŒber die Jahre und Jahrzehnte seines Erscheinens verfolgt hat, der findet sich sofort in Rolands Welt und seiner altertĂŒmlichen Sprache zurecht. Man ist sofort wieder dabei, so als wĂ€re man nie weg gewesen. Und das ist schön. „Wind“ ist kein fehlendes Mosaiksteinchen, mit dem es plötzlich Klick macht und alle ZahnrĂ€der ineinander fallen und die Erleuchtung kommt. Große Geheimnisse werden nicht gelĂŒftet, man kommt dem Dunklen Turm oder dem Schwarzen Mann nicht nĂ€her als in den anderen BĂŒchern. Aber einige neue Facetten kann man dem großen Ganzen doch abgewinnen, vor allem was das VerhĂ€ltnis zwischen Roland uns seinem Vater, sowie zwischen Roland und seiner Mutter betrifft. Man begegnet freundlichen und hilfreichen Muties, die sich deutlich von den Langsamen Mutanten unterscheiden und erfĂ€hrt lehrreiches ĂŒber die cleveren kleinen waschbĂ€rartigen Billy-Bumbler. Wenn Stephen King seine ErzĂ€hltechnik beibehĂ€lt, könnten noch zahlreiche unerzĂ€hlte Geschichten ĂŒber Roland von Gilead auf uns warten.

geschrieben am 28.02.2013 | 786 Wörter | 4735 Zeichen

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