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Die Kinder des Prometheus


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Informationen zum Buch
  ISBN
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  Extras

Rezension von

Ragan Tanger

Die Kinder des Prometheus When we were young Schwere Kost braucht schweren Umhang. So werden die knapp 900 Seiten der neuen Monographie von Hermann Parzinger, seines Zeichens habilitierter Prähistoriker und renommierter Fachautor, in der von der Geschichte der frühesten menschlichen Errungenschaften die Rede ist, eine Lektüre, die man nicht mal so eben unterm Arm oder in der Straßenbahn goutiert. Dennoch zeichnet sich auch hier die im C.H.-Beck-Verlag so angenehme Mischung aus Spezialistentum und Normalverständlichkeit aus. Das heißt also, dass Studierte und Experten aller Richtungen daran ebenso ihre Freude finden werden wie Hobbyhistoriker oder akademisch Interessierte. Nur ein bisschen Sprachniveau sollte man mitbringen, aber das ist ja auch klar, wenn man die Lektüre eines emeritierten, hochdotierten Professors in den Händen hält. Nun zum Inhalt: Das Buch greift viele Themen und historische Wirklichkeiten auf hervorragende, akribische und hochspezifische Art und Weise ab, was sich – ganz nebenbei – auch im Aufbau des Buches widerspiegelt, denn die am Rand in Fett markierten Zusammenfassungen der einzelnen Abschnitte sowie die hochauflösenden Fotografien oder Grafiken sind nicht nur augenfreundlich, sondern auch richtig wichtig. Im Text selbst, der groß angelegten Untersuchung der menschlichen Frühgeschichte, werden wortwörtlich alle Erdteile, Kulturen und Völker - und nicht nur die vermeintlich eurozentristischen - untersucht. Wo und wann aber anfangen, wo Grenzen ziehen? Die Erfindung der Schrift (oder wenn man dem Titel Glauben schenkt, die Entdeckung des Feuermachens), sind zwar vom Autor postulierte Grenzsteine; vielmehr aber werden hier die kulturellen Errungenschaften, die man grob zwischen Homo erectus und der Entstehung der Hochkulturen verorten könnte, portraitiert. Diese Zusammenfassung gelingt, ist aber nicht unbedingt einzigartig oder gar einmalig und hakt vor allem immer wieder bei dem Versuch, dem universitären Positivismus Rechnung zu tragen. Diese Erkenntnisse, seien sie auch noch so DNA-gesichert (auf die Parzinger gerne zurückgreift), sind immer noch variable und unsichere Momentaufnahmen aus der Sicht des Betrachters und keine ultima ratio. Wer also die Formulierungen, dort war der Mensch das erste Mal oder das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, überlesen oder freier deuten kann, hat am Lesen und Verstehen noch mehr Spaß, denn so wird auch ersichtlich, warum so manch ungesicherte Quelle (hier sei stellvertretend das bolivianische Sonnentor genannt, das mit Parzingers Zeitrecherchen nicht übereinstimmt und deshalb auch nicht Erwähnung findet) gar nicht erst diskutiert wird. Fazit: eine runde, ausführliche, qualitativ hochwertige Sache; allerdings stark dem harten Positivismus verpflichtet. Aber auf dieser Grundlage lässt sich ja bekanntlich (siehe Einstein auf Newton) sehr gut aufbauen.

When we were young

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Schwere Kost braucht schweren Umhang. So werden die knapp 900 Seiten der neuen Monographie von Hermann Parzinger, seines Zeichens habilitierter Prähistoriker und renommierter Fachautor, in der von der Geschichte der frühesten menschlichen Errungenschaften die Rede ist, eine Lektüre, die man nicht mal so eben unterm Arm oder in der Straßenbahn goutiert. Dennoch zeichnet sich auch hier die im C.H.-Beck-Verlag so angenehme Mischung aus Spezialistentum und Normalverständlichkeit aus. Das heißt also, dass Studierte und Experten aller Richtungen daran ebenso ihre Freude finden werden wie Hobbyhistoriker oder akademisch Interessierte. Nur ein bisschen Sprachniveau sollte man mitbringen, aber das ist ja auch klar, wenn man die Lektüre eines emeritierten, hochdotierten Professors in den Händen hält.

Nun zum Inhalt: Das Buch greift viele Themen und historische Wirklichkeiten auf hervorragende, akribische und hochspezifische Art und Weise ab, was sich – ganz nebenbei – auch im Aufbau des Buches widerspiegelt, denn die am Rand in Fett markierten Zusammenfassungen der einzelnen Abschnitte sowie die hochauflösenden Fotografien oder Grafiken sind nicht nur augenfreundlich, sondern auch richtig wichtig. Im Text selbst, der groß angelegten Untersuchung der menschlichen Frühgeschichte, werden wortwörtlich alle Erdteile, Kulturen und Völker - und nicht nur die vermeintlich eurozentristischen - untersucht. Wo und wann aber anfangen, wo Grenzen ziehen? Die Erfindung der Schrift (oder wenn man dem Titel Glauben schenkt, die Entdeckung des Feuermachens), sind zwar vom Autor postulierte Grenzsteine; vielmehr aber werden hier die kulturellen Errungenschaften, die man grob zwischen Homo erectus und der Entstehung der Hochkulturen verorten könnte, portraitiert. Diese Zusammenfassung gelingt, ist aber nicht unbedingt einzigartig oder gar einmalig und hakt vor allem immer wieder bei dem Versuch, dem universitären Positivismus Rechnung zu tragen. Diese Erkenntnisse, seien sie auch noch so DNA-gesichert (auf die Parzinger gerne zurückgreift), sind immer noch variable und unsichere Momentaufnahmen aus der Sicht des Betrachters und keine ultima ratio. Wer also die Formulierungen, dort war der Mensch das erste Mal oder das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, überlesen oder freier deuten kann, hat am Lesen und Verstehen noch mehr Spaß, denn so wird auch ersichtlich, warum so manch ungesicherte Quelle (hier sei stellvertretend das bolivianische Sonnentor genannt, das mit Parzingers Zeitrecherchen nicht übereinstimmt und deshalb auch nicht Erwähnung findet) gar nicht erst diskutiert wird. Fazit: eine runde, ausführliche, qualitativ hochwertige Sache; allerdings stark dem harten Positivismus verpflichtet. Aber auf dieser Grundlage lässt sich ja bekanntlich (siehe Einstein auf Newton) sehr gut aufbauen.

geschrieben am 24.10.2014 | 397 Wörter | 2444 Zeichen

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