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Murder Park


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Informationen zum Buch
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Rezension von

Thomas Stumpf

Murder Park Zodiac Island, ein Vergnügungspark für Familien, gelegen auf einer kleinen Insel vor der Ostküste der USA. Es ist ein Themenpark, der sich die zwölf Tierkreiszeichen zur Vorlage macht und dessen Attraktionen sich an diesen orientieren. Doch der Serienkiller Jeff Bohner macht den Park zu seinem Jagdrevier und tötet dort drei Frauen, sämtlich alleinstehende, junge Mütter mit jeweils einem einzigen Kind. Bohner hat die Mütter bewusst ausgewählt, die Kinder verschont er. Die Parkleitung versucht zunächst, die Sache kleinzuhalten, nach dem dritten Mord wird Zodiac Island aber für immer geschlossen. Zwanzig Jahre später steckt Investor Rupert Levin eine Menge Geld in den Erwerb der Insel samt Park. Sein Ziel: Auf Zodiac Island soll ein neuer „Vergnügungspark“ nur für Erwachsene entstehen, der „Murder Park“. Thematischer Hintergrund sollen berüchtigte Serienmörder der Kriminalgeschichte sein und, na klar, Jeff Bohner soll die Hauptattraktion werden. Denn was könnte unheimlicher und prickelnder sein, als in dem Hotel zu übernachten, in dem der Mörder selbst übernachtete, die (Tat-)Orte aufzusuchen, die er aufgesucht hatte, direkt seinen Spuren zu folgen? Der Park wendet sich an erwachsene Singles, die sich unter der spannend-aufreizenden Atmosphäre gerne intim näher kommen und dabei den gewissen Nervenkitzel des True-Crime-Szenarios spüren wollen. Kurz vor Eröffnung des „Murder Park“ lädt Rupert Levin zwölf handverlesene Gäste auf die Insel ein, die sich vorab ein Bild von der Anlage machen und danach kräftig die Werbetrommel rühren sollen. Einer von ihnen ist der junge Journalist Paul Greenblatt. Seine Mutter war Jeff Bohners letztes Opfer, Paul war damals gerade vier Jahre alt. Die Gäste kommen freitags an, die Fähre wird erst am Montag wieder anlegen. Ein Sturm zieht auf, Festnetz und Mobilfunk fallen aus (was sonst?). Dann ereignet sich der erste Mord, das Spiel beginnt. So viel zu Setting und Plot, mehr soll nicht verraten werden. Dem Roman von Jonas Winner liegt mit dem Themenpark über Serienmörder eine spannende Idee zugrunde. Die gleichzeitige Verquickung mit einem amourösen Spielplatz für Singles allerdings ist für mich zu viel des Guten und verwässert diesen interessanten Ansatz. Macht die Story auch irgendwie unglaubwürdig und das völlig ohne Not. Die gesamte sexuelle Komponente hätte es für dieses Szenario überhaupt nicht gebraucht, die Idee mit dem Killerpark an sich war gut genug. Aber schön. Bei den zwölf geladenen Gästen handelt es sich dann tatsächlich um Singles, was natürlich kein Zufall ist, sondern von langer Hand geplant. Ein anderer Schluss liegt von Anfang an ebenfalls gleich offen auf der Hand: zwölf Gäste, zwölf Tierkreiszeichen. Auch das selbstredend kein Zufall. Das Vermächtnis von Zodiac Island lebt im neuen Murder Park fort, die Vergangenheit ist noch nicht abgeschlossen, das begreift man als Leser sehr früh. Und natürlich haben alle zwölf irgendein Geheimnis, das mit dem Park und seiner Vergangenheit in Verbindung steht. Als dann die Morde beginnen, breitet sich nicht nur Angst, sondern vor allem gegenseitiges Misstrauen aus. So entwickelt sich ein klassisches Wer-war‘s-Szenario und man kann als Leser fröhlich miträtseln, wer denn der Strippenzieher ist und wer am Ende überlebt, wenngleich sich ein Verdächtiger relativ zeitnah abzeichnet. Die Geschichte versucht, einige Wendungen zu nehmen, verstärkt im letzten Teil. Das mag etwas konstruiert erscheinen, ist aber für diese Art von Thriller, wo Twists gerne auf Biegen und Brechen integriert werden, nicht ungewöhnlich. Gelingt mal besser, mal schlechter. Der Name Jeff Bohner hat mich von Anfang an das ganze Buch über gestört. Die Anlehnung an Jeff(rey) Dahmer, den berüchtigten Serienmörder aus Milwaukee, der mindestens 16 junge Männer tötete, ist zu offensichtlich. Davon abgesehen, dass „Bohner“ in der englischen Aussprache zu „Boner“ wird, was wiederum eine saloppe Bezeichnung für eine Erektion ist. Passt zwar zum Kontext, klingt aber irgendwie unfreiwillig komisch. Inwieweit das alles so beabsichtigt ist, kann ich natürlich nicht sagen, es ist mir nur aufgefallen. Die Morde unter den zwölf Gästen fallen teilweise recht spektakulär aus, manche ereignen sich dagegen still und leise, es wird das bekannte 10-Kleine-Jägermeister-Prinzip abgerufen. Das funktioniert zwar von der Story her, zieht sich aber ein wenig dahin. Auch ist man emotional nicht gerade nah an den Mitwirkenden dran, so dass man nicht wirklich mitfühlt. Im Grunde sind einem die Charaktere egal, und manchmal muss man sogar überlegen, wer das denn nun überhaupt war, der da den Löffel abgeben musste. Es fehlt an einer vorherigen Bindung zu den Figuren. Das mag daran liegen, dass mit 12 Personen auf 400 Seiten einfach zu viel handelndes Hauptpersonal verwendet wird. Der einzige, zu dem man wirklich Zugang bekommt, ist Protagonist Paul Greenblatt. Bei diesem wiederum hatte ich Probleme, ihm seine jungen 24 Jahre abzunehmen. So wirkt er nicht, spricht er nicht und handelt er nicht. Den „jungen Mann“ hatte ich beim Lesen nie vor Augen, für mich war das im Geiste immer ein Mitt- oder Enddreißiger. Gut gefallen hat mir der Kniff mit den Interviews. Wie bereits gesagt, werden die zwölf Gäste nicht zufällig zusammengestellt, sondern jeder von ihnen muss sich vorab einem Gespräch mit dem von Investor Rupert Levin beauftragten Psychiater Dr. Sheldon Lazarus (er heißt wirklich so) unterziehen, der letztlich selbst einer der zwölf Teilnehmer ist. Die von ihm geführten Interviews werden in Form von Gesprächsprotokollen nach und nach häppchenweise zwischen den einzelnen Kapiteln in die Story eingeführt, womit sich mit fortschreitender Länge des Buchs neue Aspekte zur Geschichte hinzugesellen, was zu variierenden Blickwinkeln führt. Das ist gut gemacht. „Murder Park“ ist keine rasante Achterbahnfahrt, wo sich Seite um Seite die Spannung steigert. Das Buch hat seine spannenden Momente, ja, lebt aber (ähnlich wie z.B. auch die einem dabei ständig in den Sinn kommende TV-Serie „Harper’s Island“) überwiegend vom Setting auf der Insel und der Frage, wer der Psycho ist und warum. Alles andere kennt man schon, große Überraschungen bleiben aus. „Murder Park“ ist nicht so innovativ wie sein Titel vermuten lässt. Der Mittelteil zieht sich in die Länge. Es stirbt einer, dann noch einer, dann noch einer, und es hat quasi keine Auswirkung auf die Story. Das Buch enthält einige Sexszenen, die irgendwie nicht reinpassen und überflüssig sind. Noch dazu sind sie zuweilen sehr seltsam, wie etwa die Szene unter der Autoscooteranlage. Damit konnte ich nichts anfangen. Erzählerisch hätte es dem Buch nicht geschadet, wenn man das Personal abgespeckt und vielleicht nur ein halbes Dutzend Figuren geführt, dafür aber einen stärkeren Fokus auf sie gelegt hätte. Schade fand ich auch, dass das spannende, vielseitige Setting des Vergnügungsparks, abgesehen von einer Exkursion ins ehemalige Spiegellabyrinth, nahezu ungenutzt bleibt. So geht einiges atmosphärisches Potenzial verloren, damit hätte man mehr spielen können. Insgesamt wäre mehr drin gewesen.

Zodiac Island, ein Vergnügungspark für Familien, gelegen auf einer kleinen Insel vor der Ostküste der USA. Es ist ein Themenpark, der sich die zwölf Tierkreiszeichen zur Vorlage macht und dessen Attraktionen sich an diesen orientieren. Doch der Serienkiller Jeff Bohner macht den Park zu seinem Jagdrevier und tötet dort drei Frauen, sämtlich alleinstehende, junge Mütter mit jeweils einem einzigen Kind. Bohner hat die Mütter bewusst ausgewählt, die Kinder verschont er. Die Parkleitung versucht zunächst, die Sache kleinzuhalten, nach dem dritten Mord wird Zodiac Island aber für immer geschlossen.

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Zwanzig Jahre später steckt Investor Rupert Levin eine Menge Geld in den Erwerb der Insel samt Park. Sein Ziel: Auf Zodiac Island soll ein neuer „Vergnügungspark“ nur für Erwachsene entstehen, der „Murder Park“. Thematischer Hintergrund sollen berüchtigte Serienmörder der Kriminalgeschichte sein und, na klar, Jeff Bohner soll die Hauptattraktion werden. Denn was könnte unheimlicher und prickelnder sein, als in dem Hotel zu übernachten, in dem der Mörder selbst übernachtete, die (Tat-)Orte aufzusuchen, die er aufgesucht hatte, direkt seinen Spuren zu folgen? Der Park wendet sich an erwachsene Singles, die sich unter der spannend-aufreizenden Atmosphäre gerne intim näher kommen und dabei den gewissen Nervenkitzel des True-Crime-Szenarios spüren wollen.

Kurz vor Eröffnung des „Murder Park“ lädt Rupert Levin zwölf handverlesene Gäste auf die Insel ein, die sich vorab ein Bild von der Anlage machen und danach kräftig die Werbetrommel rühren sollen. Einer von ihnen ist der junge Journalist Paul Greenblatt. Seine Mutter war Jeff Bohners letztes Opfer, Paul war damals gerade vier Jahre alt. Die Gäste kommen freitags an, die Fähre wird erst am Montag wieder anlegen. Ein Sturm zieht auf, Festnetz und Mobilfunk fallen aus (was sonst?). Dann ereignet sich der erste Mord, das Spiel beginnt.

So viel zu Setting und Plot, mehr soll nicht verraten werden.

Dem Roman von Jonas Winner liegt mit dem Themenpark über Serienmörder eine spannende Idee zugrunde. Die gleichzeitige Verquickung mit einem amourösen Spielplatz für Singles allerdings ist für mich zu viel des Guten und verwässert diesen interessanten Ansatz. Macht die Story auch irgendwie unglaubwürdig und das völlig ohne Not. Die gesamte sexuelle Komponente hätte es für dieses Szenario überhaupt nicht gebraucht, die Idee mit dem Killerpark an sich war gut genug. Aber schön. Bei den zwölf geladenen Gästen handelt es sich dann tatsächlich um Singles, was natürlich kein Zufall ist, sondern von langer Hand geplant. Ein anderer Schluss liegt von Anfang an ebenfalls gleich offen auf der Hand: zwölf Gäste, zwölf Tierkreiszeichen. Auch das selbstredend kein Zufall. Das Vermächtnis von Zodiac Island lebt im neuen Murder Park fort, die Vergangenheit ist noch nicht abgeschlossen, das begreift man als Leser sehr früh. Und natürlich haben alle zwölf irgendein Geheimnis, das mit dem Park und seiner Vergangenheit in Verbindung steht. Als dann die Morde beginnen, breitet sich nicht nur Angst, sondern vor allem gegenseitiges Misstrauen aus. So entwickelt sich ein klassisches Wer-war‘s-Szenario und man kann als Leser fröhlich miträtseln, wer denn der Strippenzieher ist und wer am Ende überlebt, wenngleich sich ein Verdächtiger relativ zeitnah abzeichnet. Die Geschichte versucht, einige Wendungen zu nehmen, verstärkt im letzten Teil. Das mag etwas konstruiert erscheinen, ist aber für diese Art von Thriller, wo Twists gerne auf Biegen und Brechen integriert werden, nicht ungewöhnlich. Gelingt mal besser, mal schlechter.

Der Name Jeff Bohner hat mich von Anfang an das ganze Buch über gestört. Die Anlehnung an Jeff(rey) Dahmer, den berüchtigten Serienmörder aus Milwaukee, der mindestens 16 junge Männer tötete, ist zu offensichtlich. Davon abgesehen, dass „Bohner“ in der englischen Aussprache zu „Boner“ wird, was wiederum eine saloppe Bezeichnung für eine Erektion ist. Passt zwar zum Kontext, klingt aber irgendwie unfreiwillig komisch. Inwieweit das alles so beabsichtigt ist, kann ich natürlich nicht sagen, es ist mir nur aufgefallen.

Die Morde unter den zwölf Gästen fallen teilweise recht spektakulär aus, manche ereignen sich dagegen still und leise, es wird das bekannte 10-Kleine-Jägermeister-Prinzip abgerufen. Das funktioniert zwar von der Story her, zieht sich aber ein wenig dahin. Auch ist man emotional nicht gerade nah an den Mitwirkenden dran, so dass man nicht wirklich mitfühlt. Im Grunde sind einem die Charaktere egal, und manchmal muss man sogar überlegen, wer das denn nun überhaupt war, der da den Löffel abgeben musste. Es fehlt an einer vorherigen Bindung zu den Figuren. Das mag daran liegen, dass mit 12 Personen auf 400 Seiten einfach zu viel handelndes Hauptpersonal verwendet wird. Der einzige, zu dem man wirklich Zugang bekommt, ist Protagonist Paul Greenblatt. Bei diesem wiederum hatte ich Probleme, ihm seine jungen 24 Jahre abzunehmen. So wirkt er nicht, spricht er nicht und handelt er nicht. Den „jungen Mann“ hatte ich beim Lesen nie vor Augen, für mich war das im Geiste immer ein Mitt- oder Enddreißiger.

Gut gefallen hat mir der Kniff mit den Interviews. Wie bereits gesagt, werden die zwölf Gäste nicht zufällig zusammengestellt, sondern jeder von ihnen muss sich vorab einem Gespräch mit dem von Investor Rupert Levin beauftragten Psychiater Dr. Sheldon Lazarus (er heißt wirklich so) unterziehen, der letztlich selbst einer der zwölf Teilnehmer ist. Die von ihm geführten Interviews werden in Form von Gesprächsprotokollen nach und nach häppchenweise zwischen den einzelnen Kapiteln in die Story eingeführt, womit sich mit fortschreitender Länge des Buchs neue Aspekte zur Geschichte hinzugesellen, was zu variierenden Blickwinkeln führt. Das ist gut gemacht.

„Murder Park“ ist keine rasante Achterbahnfahrt, wo sich Seite um Seite die Spannung steigert. Das Buch hat seine spannenden Momente, ja, lebt aber (ähnlich wie z.B. auch die einem dabei ständig in den Sinn kommende TV-Serie „Harper’s Island“) überwiegend vom Setting auf der Insel und der Frage, wer der Psycho ist und warum. Alles andere kennt man schon, große Überraschungen bleiben aus. „Murder Park“ ist nicht so innovativ wie sein Titel vermuten lässt. Der Mittelteil zieht sich in die Länge. Es stirbt einer, dann noch einer, dann noch einer, und es hat quasi keine Auswirkung auf die Story. Das Buch enthält einige Sexszenen, die irgendwie nicht reinpassen und überflüssig sind. Noch dazu sind sie zuweilen sehr seltsam, wie etwa die Szene unter der Autoscooteranlage. Damit konnte ich nichts anfangen. Erzählerisch hätte es dem Buch nicht geschadet, wenn man das Personal abgespeckt und vielleicht nur ein halbes Dutzend Figuren geführt, dafür aber einen stärkeren Fokus auf sie gelegt hätte. Schade fand ich auch, dass das spannende, vielseitige Setting des Vergnügungsparks, abgesehen von einer Exkursion ins ehemalige Spiegellabyrinth, nahezu ungenutzt bleibt. So geht einiges atmosphärisches Potenzial verloren, damit hätte man mehr spielen können. Insgesamt wäre mehr drin gewesen.

geschrieben am 07.11.2017 | 1067 Wörter | 6009 Zeichen

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