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Die neuen Strategen


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Informationen zum Buch
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  Extras

Rezension von

Adrian Witt

Die neuen Strategen Vor ziemlich genau vier Jahren war der Bayer-Konzern das wertvollste Unternehmen Deutschlands. Auf fast 120 Milliarden Euro wurden die Rheinländer taxiert und der damalige Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers sah exzellente Wachstumsperspektiven voraus. Dann jedoch wendete sich das Blatt, als mit der Übernahme des US-amerikanischen Saatgutkonzerns Monsanto tausende Glyphosat-Klagen den Konzern überrollten. Seitdem hat sich der Börsenwert von Bayer mehr als halbiert. Die Krise des in Leverkusen ansässigen Konzerns hat aber nicht nur viele Aktionäre kalt erwischt, sondern auch eben so viel Inhaber von Indexfonds auf den DAX. Eine Erklärung hierfür liefert die Konstruktion des deutschen Leitindex: Die Mitglieder werden nach Marktkapitalisierung gewichtet. Bayer, auf dem Kurszettel nur eines von insgesamt 30 Unternehmen, machte zeitweise mehr als zehn Prozent des Index aus. Einen oder auch zwei Krisenfälle wie am Beispiel von Bayer hätte der deutsche Aktienindex durchaus verkraften können. Doch die Liste der negativen Ausreißer im DAX, der oft als das Spiegelbild der deutschen Wirtschaft bezeichnet wird, ist mittlerweile ziemlich lang: Ob nun der Abgasskandal oder Manipulationsvorwürfe bei BMW, Daimler und Volkswagen oder die skandalöse Selbstdemontage der einst hoch angesehenen Deutschen Bank. Viele deutsche Unternehmen, die einst als Inbegriff deutscher Wirtschaftsleistung galten, sind für Aktionäre zu Geldvernichtern mutiert und haben den DAX in einen Schatten früherer Jahre verwandelt. Oftmals sind hierfür Skandale und strategische Fehlentscheidungen in den Chefetagen vieler Unternehmen als Ursachen von Krisen und Missständen auszumachen. Doch vielerorts fehlt es auch am Verständnis, dass sich die Welt in einem kontinuierlichen Wandel befindet und Unternehmen das eigene Geschäftsmodell den Entwicklungen entsprechend immer wieder anpassen müssen, um nicht in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit zu geraten. Eine besondere Schlüsselrolle kommt dabei den Unternehmensstrategen zu, denen der renommierte Wirtschaftsprofessor Günter Müller-Stewens (Universität St. Gallen) erst kürzlich mit dem Fachbuch „Die neuen Strategen“ aus dem Schäffer-Poeschel Verlag ein neues Werk gewidmet hat. In diesem erhält der Leser in sieben umfangreichen Kapiteln verteilt auf 292 Seiten einen Eindruck davon, wer Unternehmensstrategen sind, welche besondere Rolle ihnen im unternehmerischen Rahmen zukommt und wie professionelle Strategen arbeiten, sich organisieren und vor allem welcher Methoden und Techniken sie sich bedienen, um in ihrer Rolle als strategische Führungskraft ihr Unternehmen zum Erfolg zu führen. Die dabei im gesamten Buch transportierte Botschaft ist, dass angesichts der globalwirtschaftlichen Veränderungen und der Verschiebung der geopolitischen und wirtschaftlichen Machtblöcke die Strategie vieler Unternehmen für die 2020er Jahre neu gedacht werden muss, ebenso wie Rolle der strategischen Entscheidungsträger. Denn die Strategie/Strategen ist/sind die Architektur/Architekten der Zukunft: Sie registrieren nicht nur schneller und schärfer die Trends und Entwicklungen von morgen, sondern haben oft auch ein Auge dafür, wie sich die Zukunft entfaltet und können daher Handlungsorientierung für ihr Unternehmen geben. Basierend darauf wird zu Beginn des Buches, in Kapitel 1, die Bühne für die neuen Strategen vorbereitet, indem ihre programmatische Basis auch normativ festgelegt wird. Das 2. Kapitel widmet sich den verschiedenen Typen von Akteuren bzw. Strategen auf dieser Bühne. Denn strategische Entscheidungen werden im unternehmerischen Rahmen meist nicht alleine gefällt. Oft sind viele verschiedene Akteure mit ganz unterschiedlichen Rollen und Sichtweisen an den Prozessen beteiligt und die Entscheidungen aus einer Vielzahl von Gesprächen und Diskursen, in- und externen Analysen sowie diversen Meetings und Workshops erwachsen. Die Vorstellung der verschiedenen Akteure beginnt dort, wo man den Chefstrategen vermutet, beim CEO und den obersten Führungsgremien. Wichtig ist aber auch das mittlere Management, wie Abteilungs- oder Bereichsleiter, die die getroffenen Beschlüsse von oben nach unten und umgekehrt übernehmen. Auf der Bühne dürfen außerdem die Strategieberater als externe Signalgeber und Impulsgeber nicht vergessen werden, da sie bei vielen großen Unternehmen inzwischen zu gern gesehenen Begleitern auf Dauer geworden sind. Im 3. und 4. Kapitel des Buches stehen dagegen die Vollzeitstrategen im Mittelpunkt einer eingehenden Betrachtung. Angeführt werden diese oft durch einen Chief Strategy Officer (CSO), der den Strategen einer Zentralabteilung Strategie vorsteht. Zudem koordinieren sie die Strategen, die oft noch dezentral in den operativen Einheiten angesiedelt sind. In den Kapitel 5 und 6 stehen die Kernkompetenzen im Vordergrund, die die neuen Strategen mitbringen müssen, damit sie auf der Bühne Erfolg haben. Außerdem erfährt der Leser, welches Handwerkszeug ihnen in der Ausübung ihrer Rolle unterstützend zur Verfügung steht. Wer jedoch nur am Kern der Thematik des Buches „Die neuen Strategen“ interessiert ist, kann sich auf das Kapitel 1 und das zusammenfassende Kapitel 7 beschränken. Angesichts zahlreicher Beispiele der Vergangenheit einstmals renommierter, hoch angesehener und wirtschaftlich starker Unternehmen wie Kodak, Nokia, General Electric oder die Deutsche Bank, die durch strategische Fehlentscheidungen des Managements in wirtschaftliche Schieflage gelangt sind, darf dem Bereich der Unternehmensstrategie im unternehmerischen Rahmen keine untergeordnete Rolle zugedacht werden. Mit „Die neuen Strategen“ aus dem Schäffer-Poeschel Verlag hat der Autor Günter Müller-Stewens eine brauchbare und verständliche Fachlektüre geschrieben, wie Strategie in Zukunft gedacht werden muss, um als Unternehmen im zunehmenden Wettbewerb auch weiterhin Erfolg zu haben.

Vor ziemlich genau vier Jahren war der Bayer-Konzern das wertvollste Unternehmen Deutschlands. Auf fast 120 Milliarden Euro wurden die Rheinländer taxiert und der damalige Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers sah exzellente Wachstumsperspektiven voraus. Dann jedoch wendete sich das Blatt, als mit der Übernahme des US-amerikanischen Saatgutkonzerns Monsanto tausende Glyphosat-Klagen den Konzern überrollten. Seitdem hat sich der Börsenwert von Bayer mehr als halbiert.

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Die Krise des in Leverkusen ansässigen Konzerns hat aber nicht nur viele Aktionäre kalt erwischt, sondern auch eben so viel Inhaber von Indexfonds auf den DAX. Eine Erklärung hierfür liefert die Konstruktion des deutschen Leitindex: Die Mitglieder werden nach Marktkapitalisierung gewichtet. Bayer, auf dem Kurszettel nur eines von insgesamt 30 Unternehmen, machte zeitweise mehr als zehn Prozent des Index aus. Einen oder auch zwei Krisenfälle wie am Beispiel von Bayer hätte der deutsche Aktienindex durchaus verkraften können. Doch die Liste der negativen Ausreißer im DAX, der oft als das Spiegelbild der deutschen Wirtschaft bezeichnet wird, ist mittlerweile ziemlich lang: Ob nun der Abgasskandal oder Manipulationsvorwürfe bei BMW, Daimler und Volkswagen oder die skandalöse Selbstdemontage der einst hoch angesehenen Deutschen Bank. Viele deutsche Unternehmen, die einst als Inbegriff deutscher Wirtschaftsleistung galten, sind für Aktionäre zu Geldvernichtern mutiert und haben den DAX in einen Schatten früherer Jahre verwandelt. Oftmals sind hierfür Skandale und strategische Fehlentscheidungen in den Chefetagen vieler Unternehmen als Ursachen von Krisen und Missständen auszumachen. Doch vielerorts fehlt es auch am Verständnis, dass sich die Welt in einem kontinuierlichen Wandel befindet und Unternehmen das eigene Geschäftsmodell den Entwicklungen entsprechend immer wieder anpassen müssen, um nicht in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit zu geraten. Eine besondere Schlüsselrolle kommt dabei den Unternehmensstrategen zu, denen der renommierte Wirtschaftsprofessor Günter Müller-Stewens (Universität St. Gallen) erst kürzlich mit dem Fachbuch „Die neuen Strategen“ aus dem Schäffer-Poeschel Verlag ein neues Werk gewidmet hat.

In diesem erhält der Leser in sieben umfangreichen Kapiteln verteilt auf 292 Seiten einen Eindruck davon, wer Unternehmensstrategen sind, welche besondere Rolle ihnen im unternehmerischen Rahmen zukommt und wie professionelle Strategen arbeiten, sich organisieren und vor allem welcher Methoden und Techniken sie sich bedienen, um in ihrer Rolle als strategische Führungskraft ihr Unternehmen zum Erfolg zu führen. Die dabei im gesamten Buch transportierte Botschaft ist, dass angesichts der globalwirtschaftlichen Veränderungen und der Verschiebung der geopolitischen und wirtschaftlichen Machtblöcke die Strategie vieler Unternehmen für die 2020er Jahre neu gedacht werden muss, ebenso wie Rolle der strategischen Entscheidungsträger. Denn die Strategie/Strategen ist/sind die Architektur/Architekten der Zukunft: Sie registrieren nicht nur schneller und schärfer die Trends und Entwicklungen von morgen, sondern haben oft auch ein Auge dafür, wie sich die Zukunft entfaltet und können daher Handlungsorientierung für ihr Unternehmen geben. Basierend darauf wird zu Beginn des Buches, in Kapitel 1, die Bühne für die neuen Strategen vorbereitet, indem ihre programmatische Basis auch normativ festgelegt wird. Das 2. Kapitel widmet sich den verschiedenen Typen von Akteuren bzw. Strategen auf dieser Bühne. Denn strategische Entscheidungen werden im unternehmerischen Rahmen meist nicht alleine gefällt. Oft sind viele verschiedene Akteure mit ganz unterschiedlichen Rollen und Sichtweisen an den Prozessen beteiligt und die Entscheidungen aus einer Vielzahl von Gesprächen und Diskursen, in- und externen Analysen sowie diversen Meetings und Workshops erwachsen. Die Vorstellung der verschiedenen Akteure beginnt dort, wo man den Chefstrategen vermutet, beim CEO und den obersten Führungsgremien. Wichtig ist aber auch das mittlere Management, wie Abteilungs- oder Bereichsleiter, die die getroffenen Beschlüsse von oben nach unten und umgekehrt übernehmen. Auf der Bühne dürfen außerdem die Strategieberater als externe Signalgeber und Impulsgeber nicht vergessen werden, da sie bei vielen großen Unternehmen inzwischen zu gern gesehenen Begleitern auf Dauer geworden sind. Im 3. und 4. Kapitel des Buches stehen dagegen die Vollzeitstrategen im Mittelpunkt einer eingehenden Betrachtung. Angeführt werden diese oft durch einen Chief Strategy Officer (CSO), der den Strategen einer Zentralabteilung Strategie vorsteht. Zudem koordinieren sie die Strategen, die oft noch dezentral in den operativen Einheiten angesiedelt sind. In den Kapitel 5 und 6 stehen die Kernkompetenzen im Vordergrund, die die neuen Strategen mitbringen müssen, damit sie auf der Bühne Erfolg haben. Außerdem erfährt der Leser, welches Handwerkszeug ihnen in der Ausübung ihrer Rolle unterstützend zur Verfügung steht. Wer jedoch nur am Kern der Thematik des Buches „Die neuen Strategen“ interessiert ist, kann sich auf das Kapitel 1 und das zusammenfassende Kapitel 7 beschränken.

Angesichts zahlreicher Beispiele der Vergangenheit einstmals renommierter, hoch angesehener und wirtschaftlich starker Unternehmen wie Kodak, Nokia, General Electric oder die Deutsche Bank, die durch strategische Fehlentscheidungen des Managements in wirtschaftliche Schieflage gelangt sind, darf dem Bereich der Unternehmensstrategie im unternehmerischen Rahmen keine untergeordnete Rolle zugedacht werden. Mit „Die neuen Strategen“ aus dem Schäffer-Poeschel Verlag hat der Autor Günter Müller-Stewens eine brauchbare und verständliche Fachlektüre geschrieben, wie Strategie in Zukunft gedacht werden muss, um als Unternehmen im zunehmenden Wettbewerb auch weiterhin Erfolg zu haben.

geschrieben am 12.05.2019 | 785 Wörter | 5077 Zeichen

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