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Skippy stirbt: Hopeland-Heartland-Ghostland


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Skippy stirbt: Hopeland-Heartland-Ghostland Die Aufmachung des Romans ist eine Augenweide: ein Schuber mit drei Einzelbänden, graphisch stimmig gestaltet, so beginnt man eine Lektüre gern. Der erste Band nimmt recht rasch das Ergebnis der Geschichte vorweg, den Tod des Daniel Juster, genannt Skippy, der in einem Dubliner Internat für Jungen lebt und in die achte Klasse geht. Er und seine Freunde sowie diverse Lehrer der Institution sind die maßgeblichen Protagonisten und ein beigefügtes Lesezeichen nennt die wichtigsten Personen samt Spitznamen, denn ansonsten könnte man bisweilen den Überblick verlieren. Im ersten Band stirbt Skippy, scheinbar bei einem Doughnut-Wettessen mit seinem Freund Ruprecht, und erst im dritten Band wird aufgeklärt, dass er zum einen aus Liebeskummer, zum anderen wegen eines stattgefundenen Missbrauchs eine Überdosis Tabletten geschluckt hatte und daran gestorben ist. Danach und im Folgenden immer wieder erhält der Leser nötige Rückblenden oder verschiedene Sichtweisen der jeweils beteiligten Personen einer Situation. Dies umfasst Präsentationen der Mitschüler, Lehrer und anderen wichtigen Personen, darunter den Liebeskonkurrenten Carl sowie Lori, die von Carl Ritalinpillen als Aufputschmittel bezieht und in die sich Skippy hoffnungslos verliebt. Nach etlichen Kapiteln zum Aufbau der Charaktere findet eine Halloween-Party statt, nach der Skippy Loris Herz gewinnt und mit einem Kuss der beiden endet der erste Band, just als Metapher zum Titel des ersten Bandes „Hopeland“, Name eines Computerspiels, bei dem man gegen Ghule kämpfen und eine Prinzessin retten muss. Die Szene, in der sich Skippy und Lori nach der Feier mit Ritalin und Asthmaspray berauschen, ist sprachlich glänzend umgesetzt und der Leser wird in die entfesselte Arglosigkeit der beiden regelrecht hineingezogen. Der zweite Band, „Heartland“, ist immer wieder ein wenig langatmig, und bereitet den Weg zu diversen Showdowns im dritten Band, „Ghostland“. Insbesondere die physikalischen Experimente von Ruprecht mitsamt den dazu gehörenden Überlegungen bringen das Buch meist nicht voran, aber auch die Nebenstory um die Lehrer Howard und Aurelie kann man nach Beendigung der Lektüre aller drei Bände nur als zu stark gewichtet einschätzen. Sprachwitz und gelungene Bilder finden sich zwar auch im zweiten Band immer wieder, aber das Begehren, Zehren und Verzweifeln, dem Skippy und Carl in ihrem Werben um Lori ausgeliefert sind, wird ein wenig arg strapaziert. Die wirre Gedankenwelt von Carl immerhin ist glänzend ausgearbeitet und es werden viele Hinweise auf im letzten Band aufgelöste Handlungsstränge gegeben, sodass man dennoch stets mit Spannung weiterliest. Der letzte Band beinhaltet dann neben den Reaktionen auf Skippys Tod die Magersucht von Lori, die psychische Degeneration von Carl und allerlei Macht- und Vertuschungskämpfe innerhalb des Internats, was aber alles nicht immer sinnvoll ineinander greift. Das Ende ist vertretbar, aber angesichts der vorherigen Eindrücke zu unrealistisch, insbesondere was die geistige Liaison zwischen Ruprecht und Lori angeht. Auch werden bestimmte Erzählansätze nicht zu Ende gebracht, sodass man offene Teilenden vorfindet, die auch im Schlusskapitel „Afterland“ nicht ergänzt werden. Lesenswert ist das Buch aber neben dem insgesamt gelungenen Spannungsbogen vor allem wegen der steten aber dezenten Kritik an den gesellschaftlichen Um- und Zuständen, wenn Fassaden aufrechterhalten werden, stattfindende Wohlstandsverwahrlosung auch durch eine Zugehörigkeit zum berühmten College nicht geändert werden kann und vor allem das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern bzw. Lehrern und Kindern massiven Störungen und Diskommunikation unterliegt. So bleibt am Ende der schale Beigeschmack, dass Skippys Tod sinnlos war, was aber gut zur Diskrepanz zwischen scheinbar heilem Internatleben und gewissenloser moderner Realität passt. Trotz der genannten Minuspunkte lautet mein Fazit: lesenswert.

Die Aufmachung des Romans ist eine Augenweide: ein Schuber mit drei Einzelbänden, graphisch stimmig gestaltet, so beginnt man eine Lektüre gern. Der erste Band nimmt recht rasch das Ergebnis der Geschichte vorweg, den Tod des Daniel Juster, genannt Skippy, der in einem Dubliner Internat für Jungen lebt und in die achte Klasse geht. Er und seine Freunde sowie diverse Lehrer der Institution sind die maßgeblichen Protagonisten und ein beigefügtes Lesezeichen nennt die wichtigsten Personen samt Spitznamen, denn ansonsten könnte man bisweilen den Überblick verlieren.

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Im ersten Band stirbt Skippy, scheinbar bei einem Doughnut-Wettessen mit seinem Freund Ruprecht, und erst im dritten Band wird aufgeklärt, dass er zum einen aus Liebeskummer, zum anderen wegen eines stattgefundenen Missbrauchs eine Überdosis Tabletten geschluckt hatte und daran gestorben ist. Danach und im Folgenden immer wieder erhält der Leser nötige Rückblenden oder verschiedene Sichtweisen der jeweils beteiligten Personen einer Situation. Dies umfasst Präsentationen der Mitschüler, Lehrer und anderen wichtigen Personen, darunter den Liebeskonkurrenten Carl sowie Lori, die von Carl Ritalinpillen als Aufputschmittel bezieht und in die sich Skippy hoffnungslos verliebt.

Nach etlichen Kapiteln zum Aufbau der Charaktere findet eine Halloween-Party statt, nach der Skippy Loris Herz gewinnt und mit einem Kuss der beiden endet der erste Band, just als Metapher zum Titel des ersten Bandes „Hopeland“, Name eines Computerspiels, bei dem man gegen Ghule kämpfen und eine Prinzessin retten muss. Die Szene, in der sich Skippy und Lori nach der Feier mit Ritalin und Asthmaspray berauschen, ist sprachlich glänzend umgesetzt und der Leser wird in die entfesselte Arglosigkeit der beiden regelrecht hineingezogen.

Der zweite Band, „Heartland“, ist immer wieder ein wenig langatmig, und bereitet den Weg zu diversen Showdowns im dritten Band, „Ghostland“. Insbesondere die physikalischen Experimente von Ruprecht mitsamt den dazu gehörenden Überlegungen bringen das Buch meist nicht voran, aber auch die Nebenstory um die Lehrer Howard und Aurelie kann man nach Beendigung der Lektüre aller drei Bände nur als zu stark gewichtet einschätzen. Sprachwitz und gelungene Bilder finden sich zwar auch im zweiten Band immer wieder, aber das Begehren, Zehren und Verzweifeln, dem Skippy und Carl in ihrem Werben um Lori ausgeliefert sind, wird ein wenig arg strapaziert.

Die wirre Gedankenwelt von Carl immerhin ist glänzend ausgearbeitet und es werden viele Hinweise auf im letzten Band aufgelöste Handlungsstränge gegeben, sodass man dennoch stets mit Spannung weiterliest.

Der letzte Band beinhaltet dann neben den Reaktionen auf Skippys Tod die Magersucht von Lori, die psychische Degeneration von Carl und allerlei Macht- und Vertuschungskämpfe innerhalb des Internats, was aber alles nicht immer sinnvoll ineinander greift. Das Ende ist vertretbar, aber angesichts der vorherigen Eindrücke zu unrealistisch, insbesondere was die geistige Liaison zwischen Ruprecht und Lori angeht. Auch werden bestimmte Erzählansätze nicht zu Ende gebracht, sodass man offene Teilenden vorfindet, die auch im Schlusskapitel „Afterland“ nicht ergänzt werden. Lesenswert ist das Buch aber neben dem insgesamt gelungenen Spannungsbogen vor allem wegen der steten aber dezenten Kritik an den gesellschaftlichen Um- und Zuständen, wenn Fassaden aufrechterhalten werden, stattfindende Wohlstandsverwahrlosung auch durch eine Zugehörigkeit zum berühmten College nicht geändert werden kann und vor allem das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern bzw. Lehrern und Kindern massiven Störungen und Diskommunikation unterliegt.

So bleibt am Ende der schale Beigeschmack, dass Skippys Tod sinnlos war, was aber gut zur Diskrepanz zwischen scheinbar heilem Internatleben und gewissenloser moderner Realität passt. Trotz der genannten Minuspunkte lautet mein Fazit: lesenswert.

geschrieben am 18.02.2011 | 554 Wörter | 3362 Zeichen

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