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Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen Unter dem Titel „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ erschien Anfang des Jahres 2015 im Hanser-Verlag eine Geschichtensammlung zum Thema „wütend werden“. Protagonisten der insgesamt zwölf Geschichten sind eines oder mehrere Tiere, die allesamt über irgendetwas in Rage geraten oder sich anders mit der Wut auseinandersetzen müssen. Text und teils großformatige Illustrationen halten sich die Waage, sodass man zunächst aufgrund dieser Aufteilung, wegen der relativen Kürze der Geschichten und natürlich auch wegen der Thematik davon ausgehen könnte, das Buch sei schon für Kinder geeignet, die etwa um das Lebensalter von drei Jahren herum ihre Wut so richtig entdecken und bewältigen müssen. Dem ist aber nicht so. Die Geschichten sind inhaltlich definitiv erst ab Grundschulalter - wenn überhaupt - geeignet. Warum? Zum einen wegen der Auswahl mancher Tiere: gleich die erste Geschichte beginnt mit dem „Klippschliefer“. Wer um Himmels Willen kennt denn dieses Tier? Immerhin ist die Geschichte, in der sich der Klippschliefer darüber ärgert, dass die Sonne jeden Tag untergeht, von seiner Lebensumgebung her passend (nicht aber von der Lebensweise: die Tiere leben in Rudeln, nicht wie hier alleine), aber das müsste man erst einmal nachschlagen. Hingegen passt in der Geschichte „Der Krebs“ - wobei dieser eher als Hummer gemalt wird - die Umgebung gar nicht zu den Tieren. Der Krebs kommt als Wutverkäufer zu einer Maus in ein normales Wohnhaus. Gleiches gilt für die Geschichte von Nilpferd und Nashorn, die sich im herbstbunten Laubwald treffen. Hier braucht es also schon eines gewissen Abstraktionsvermögens, um die Tier in eine für sie fremde Umgebung zu verorten, sie als Metaphern wirken zu lassen. Das gravierendste Argument für eine Eignung des Buches erst ab 6-8 Jahren ist aber meiner Einschätzung nach, dass die Geschichten selbst vom Verständnisgrad, den thematisierten Gefühlen und dargestellten Handlungsoptionen sehr anspruchsvoll sind, manchmal sogar irritieren. Da redet bspw. einmal der Elefant ständig mit sich selbst über die Frage, ob er der Vernunft zuwider doch auf den Baum klettern soll. Er tut es - und fällt natürlich. Zwischendrin wird die mahnende Stimme auch mal böse und beleidigend. Tut am Ende der Geschichte aber irgendwie nichts mehr zur Sache. Seltsam und überdreht. Auch in der Geschichte „Das Erdferkel“ kann man die Stirn runzeln: das Erdferkel ist nur dann nicht wütend und streitsüchtig, wenn es einen Kopfstand macht. Das Eichhörnchen glaubt das nicht, dreht das Erdferkel um und hat danach alle Mühe, sich den Schlägen und Flüchen des Erdferkels zu erwehren. Gruselig, wie explizit hier in einem Kinderbuch Gewalt dargestellt wird. Auch dass das Eichhörnchen am Ende vor dem Erdferkel flieht, weil es befürchtet, dieses könnte schon wieder auf seinen Beinen gelandet sein, ist eine reichlich merkwürdige Pointe für ein Kinderbuch. In der schon genannten Geschichte über den Krebs verkauft dieser nicht nur verschiedene Wutformen, sondern auch Wehmut, sodass die Maus am Ende seufzend vor dem Fenster sitzt. Deprimierend durch und durch. In der Geschichte mit Eichhörnchen und Spitzmaus will letztere - warum auch immer - unbedingt, dass das Eichhörnchen böse wird und wird unterwürfig, beleidigend und randaliert durch die Wohnung des Eichhörnchens, nur um am Ende nach der hundertsten Beteuerung, dass das Eichhörnchen nicht böse sei, regelrecht frustriert für immer zu verschwinden. Was soll man aus so einer Geschichte mitnehmen? Natürlich gibt es auch Geschichten, die kindgerecht geschrieben sind. Da wird allgemein über die Wut nachgedacht, darüber wie man damit umgeht, dass Wut dazugehört und dass zufrieden sein wesentlich schöner ist. Aber leider überwiegen die guten Geschichten in diesem Buch nicht, sodass ich insgesamt keinen guten Eindruck gewonnen habe. Hinzu kommen merkwürdige Formulierungen (Regenwurm und Käfer nach einem Streit darüber, wer am wütendsten war: sie „bliesen sich gegenseitig auf die Schulter“. Bitte?) und Druckfehler (Das Erdferkel erstick(t)e fast vor Lachen). Letzten Endes bleibt ein durchwachsenes Fazit: Das Thema wäre kleinkindgeeignet, die Texte sind es nicht. Die Illustrationen sind sehr gut gemacht und passen toll zu den Geschichten. Es gibt innerhalb der zwölf Texte richtig gute Ausführungen, die für Grundschulkinder wichtige Denkansätze bieten und gut zu verstehen sind. Prägend für den Gesamteindruck sind aber die seltsamen Geschichten.

Unter dem Titel „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ erschien Anfang des Jahres 2015 im Hanser-Verlag eine Geschichtensammlung zum Thema „wütend werden“. Protagonisten der insgesamt zwölf Geschichten sind eines oder mehrere Tiere, die allesamt über irgendetwas in Rage geraten oder sich anders mit der Wut auseinandersetzen müssen. Text und teils großformatige Illustrationen halten sich die Waage, sodass man zunächst aufgrund dieser Aufteilung, wegen der relativen Kürze der Geschichten und natürlich auch wegen der Thematik davon ausgehen könnte, das Buch sei schon für Kinder geeignet, die etwa um das Lebensalter von drei Jahren herum ihre Wut so richtig entdecken und bewältigen müssen. Dem ist aber nicht so. Die Geschichten sind inhaltlich definitiv erst ab Grundschulalter - wenn überhaupt - geeignet. Warum?

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Zum einen wegen der Auswahl mancher Tiere: gleich die erste Geschichte beginnt mit dem „Klippschliefer“. Wer um Himmels Willen kennt denn dieses Tier? Immerhin ist die Geschichte, in der sich der Klippschliefer darüber ärgert, dass die Sonne jeden Tag untergeht, von seiner Lebensumgebung her passend (nicht aber von der Lebensweise: die Tiere leben in Rudeln, nicht wie hier alleine), aber das müsste man erst einmal nachschlagen. Hingegen passt in der Geschichte „Der Krebs“ - wobei dieser eher als Hummer gemalt wird - die Umgebung gar nicht zu den Tieren. Der Krebs kommt als Wutverkäufer zu einer Maus in ein normales Wohnhaus. Gleiches gilt für die Geschichte von Nilpferd und Nashorn, die sich im herbstbunten Laubwald treffen. Hier braucht es also schon eines gewissen Abstraktionsvermögens, um die Tier in eine für sie fremde Umgebung zu verorten, sie als Metaphern wirken zu lassen.

Das gravierendste Argument für eine Eignung des Buches erst ab 6-8 Jahren ist aber meiner Einschätzung nach, dass die Geschichten selbst vom Verständnisgrad, den thematisierten Gefühlen und dargestellten Handlungsoptionen sehr anspruchsvoll sind, manchmal sogar irritieren.

Da redet bspw. einmal der Elefant ständig mit sich selbst über die Frage, ob er der Vernunft zuwider doch auf den Baum klettern soll. Er tut es - und fällt natürlich. Zwischendrin wird die mahnende Stimme auch mal böse und beleidigend. Tut am Ende der Geschichte aber irgendwie nichts mehr zur Sache. Seltsam und überdreht.

Auch in der Geschichte „Das Erdferkel“ kann man die Stirn runzeln: das Erdferkel ist nur dann nicht wütend und streitsüchtig, wenn es einen Kopfstand macht. Das Eichhörnchen glaubt das nicht, dreht das Erdferkel um und hat danach alle Mühe, sich den Schlägen und Flüchen des Erdferkels zu erwehren. Gruselig, wie explizit hier in einem Kinderbuch Gewalt dargestellt wird. Auch dass das Eichhörnchen am Ende vor dem Erdferkel flieht, weil es befürchtet, dieses könnte schon wieder auf seinen Beinen gelandet sein, ist eine reichlich merkwürdige Pointe für ein Kinderbuch.

In der schon genannten Geschichte über den Krebs verkauft dieser nicht nur verschiedene Wutformen, sondern auch Wehmut, sodass die Maus am Ende seufzend vor dem Fenster sitzt. Deprimierend durch und durch.

In der Geschichte mit Eichhörnchen und Spitzmaus will letztere - warum auch immer - unbedingt, dass das Eichhörnchen böse wird und wird unterwürfig, beleidigend und randaliert durch die Wohnung des Eichhörnchens, nur um am Ende nach der hundertsten Beteuerung, dass das Eichhörnchen nicht böse sei, regelrecht frustriert für immer zu verschwinden. Was soll man aus so einer Geschichte mitnehmen?

Natürlich gibt es auch Geschichten, die kindgerecht geschrieben sind. Da wird allgemein über die Wut nachgedacht, darüber wie man damit umgeht, dass Wut dazugehört und dass zufrieden sein wesentlich schöner ist. Aber leider überwiegen die guten Geschichten in diesem Buch nicht, sodass ich insgesamt keinen guten Eindruck gewonnen habe.

Hinzu kommen merkwürdige Formulierungen (Regenwurm und Käfer nach einem Streit darüber, wer am wütendsten war: sie „bliesen sich gegenseitig auf die Schulter“. Bitte?) und Druckfehler (Das Erdferkel erstick(t)e fast vor Lachen).

Letzten Endes bleibt ein durchwachsenes Fazit: Das Thema wäre kleinkindgeeignet, die Texte sind es nicht. Die Illustrationen sind sehr gut gemacht und passen toll zu den Geschichten. Es gibt innerhalb der zwölf Texte richtig gute Ausführungen, die für Grundschulkinder wichtige Denkansätze bieten und gut zu verstehen sind. Prägend für den Gesamteindruck sind aber die seltsamen Geschichten.

geschrieben am 02.02.2015 | 660 Wörter | 3782 Zeichen

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