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Fünfunddreißig - Eine Midlife Story


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Rezension von

Lesefreund

Fünfunddreißig - Eine Midlife Story Eigentlich könnte alles so einfach sein: Gehrer, erfolgreicher Marketing-Chef und versierter Taktiker in Sachen Geschäftsalltag, bekommt auf Firmenkosten kurz vor seinem 35. Geburtstag die Teilnahme an einem Harvard-Business-Seminar gesponsert, um nach einigen Wochen als noch gemachterer Mann aus den Vereinigten Staaten zurückzukehren. Doch zum ersten Mal in Gehrers bisher so geordnetem Alltag kommt es zu einer Abweichung. Nachdem die Stationen seines bisherigen Lebens wie Kinderträume an ihm vorbeizurauschen schienen - die Schule, seine Wehrdienst-Zeit, das Studium und schließlich der abwechslungsarme Alltag im Büro -, gerät der sich bescheiden gebende Vorzeige-Mitarbeiterin in Konflikt mit sich selbst: Wie soll es weitergehen mit seinem Leben? Soll er lieber Vorstandsvorsitzender oder Vater werden? Aufsteiger mit Weltmarkt-Ambitionen oder Aussteiger mit Hang zum Schriftstellerischen? Vielleicht sogar alles auf einmal? Oder doch wenigstens alles zu seiner Zeit. Gehrer will eine neue Perspektive in die gähnende Gleichförmigkeit seines Lebens bringen. Er ist unzufrieden. Wie in der Geschichte von König Midas hat sich für Gehrer zwar alles, was er in seinem Leben angepackt hat, zum Glänzenden gewendet, doch ist er nicht in der Lage, seinen Erfolg genießen zu können. Weder seine attraktive Frau Jeannette, die ihm der Leser schnell neidet, wenn er Dobellis Beschreibungen aufmerksam folgt, noch sein Haus oder das Porsche Cabrio in der Garage können Gehrer zufrieden stellen. Fast scheint es so, als habe Dobelli die Geschichte eines zweiten Polykrates erzählen wollen, den das Glück niemals verlässt. Was tut ein Mensch, der kein Unglück und keine Sorgen kennt? Er grübelt. Vermutlich, weil er ahnt - vielleicht sogar hofft -, dass auch für ihn einmal andere Zeiten kommen werden. Gehrer ist ständig unterwegs. Von Zürich nach Boston, von Boston nach Neu-Delhi - und wieder zurück. Wie eine homerische Gottheit bewegt er sich dabei mit atemberaubender Geschwindigkeit von einem Erdteil zum anderen. Gehrer als Fliegender ist ein häufiges Bild in Dobellis Geschichte. Dass er eigentlich als Passagier geflogen wird, vergisst man als Leser nur allzu gern. Zu dem Eindruck des Erfolgreichen passt es einfach besser, wenn er die Dinge aus eigener Kraft voranbringt - auch beim Reisen. Doch auch seine Rastlosigkeit lässt Gehrer nicht zur Ruhe kommen. Nach unzähligen Flügen, Landungen und Zwischenstopps bleibt immer noch die wichtigste Frage unbeantwortet: Wohin? Weil Gehrer keine Antwort findet, treibt es ihn weiter, und er wandelt träumerisch durch die Welten seiner Erinnerung und Phantasie. In diesen Sphären ist Gehrer unvorbereiteter als sonst, die Bilder kommen ohne Ankündigung über ihn, werden von keinem Termin-Planer vorher angezeigt. Endlich kann wieder einmal etwas passieren. Am Ende wissen weder der Leser noch Gehrer so ganz genau, für welche Sicht der Dinge man sich eigentlich entscheiden soll. Hat er sich aus dem Staub gemacht? Ist er in seine geordneten Verhältnisse zurückgekehrt? Weiß seine Frau, wo er ist? Mit letzter Sicherheit kann das wohl niemand so genau sagen. Und genau diese Unbestimmtheit ist es, was Dobellis Geschichte so herrlich undurchsichtig macht. Wo Gehrer in Wirklichkeit denkt, träumt oder geht, kann nur vermutet werden. Ist es wirklich die Bank am See, die ihn festhält? Oder ist Gehrer nicht vielmehr längst über alle Schweizer Berge geflohen und im Rausch seiner Gedanken ohnehin nicht ganz bei sich? Fragen über Fragen. Was der Leser bei Dobelli vor allem lernen kann, ist Lakonik. Kurze, treffende Sätze beschreiben das, was nötig ist, um Gehrers Welt vor den Augen des Lesers entstehen zu lassen. Effizienz und Klarheit sind die Bausteine seines Business-Lebens, gepaart mit Detailkenntnis und Situationsübersicht. Immer in Bewegung bleiben, das ist das Muster Gehrers und seines Erzählers. Aus diesem Grund lahmen dem Leser bei der Lektüre von Dobellis Geschichte auch zu keiner Zeit Langatmigkeit oder gedehnte Verhältnisse entgegen. Mit jeder Seite wird man mehr und mehr Teil von Gehrers Denk-Sprech. Und so vermischen sich Selbstgespräch und Zeit-Bewusstsein bei Dobelli zu einem Lebensgefühl, das sich mancher erst noch erarbeiten muss: Abgeklärtheit. Generation Rolf eben.

Eigentlich könnte alles so einfach sein: Gehrer, erfolgreicher Marketing-Chef und versierter Taktiker in Sachen Geschäftsalltag, bekommt auf Firmenkosten kurz vor seinem 35. Geburtstag die Teilnahme an einem Harvard-Business-Seminar gesponsert, um nach einigen Wochen als noch gemachterer Mann aus den Vereinigten Staaten zurückzukehren.

Doch zum ersten Mal in Gehrers bisher so geordnetem Alltag kommt es zu einer Abweichung. Nachdem die Stationen seines bisherigen Lebens wie Kinderträume an ihm vorbeizurauschen schienen - die Schule, seine Wehrdienst-Zeit, das Studium und schließlich der abwechslungsarme Alltag im Büro -, gerät der sich bescheiden gebende Vorzeige-Mitarbeiterin in Konflikt mit sich selbst: Wie soll es weitergehen mit seinem Leben? Soll er lieber Vorstandsvorsitzender oder Vater werden? Aufsteiger mit Weltmarkt-Ambitionen oder Aussteiger mit Hang zum Schriftstellerischen? Vielleicht sogar alles auf einmal? Oder doch wenigstens alles zu seiner Zeit.

Gehrer will eine neue Perspektive in die gähnende Gleichförmigkeit seines Lebens bringen. Er ist unzufrieden. Wie in der Geschichte von König Midas hat sich für Gehrer zwar alles, was er in seinem Leben angepackt hat, zum Glänzenden gewendet, doch ist er nicht in der Lage, seinen Erfolg genießen zu können. Weder seine attraktive Frau Jeannette, die ihm der Leser schnell neidet, wenn er Dobellis Beschreibungen aufmerksam folgt, noch sein Haus oder das Porsche Cabrio in der Garage können Gehrer zufrieden stellen.

Fast scheint es so, als habe Dobelli die Geschichte eines zweiten Polykrates erzählen wollen, den das Glück niemals verlässt. Was tut ein Mensch, der kein Unglück und keine Sorgen kennt? Er grübelt. Vermutlich, weil er ahnt - vielleicht sogar hofft -, dass auch für ihn einmal andere Zeiten kommen werden. Gehrer ist ständig unterwegs. Von Zürich nach Boston, von Boston nach Neu-Delhi - und wieder zurück. Wie eine homerische Gottheit bewegt er sich dabei mit atemberaubender Geschwindigkeit von einem Erdteil zum anderen. Gehrer als Fliegender ist ein häufiges Bild in Dobellis Geschichte. Dass er eigentlich als Passagier geflogen wird, vergisst man als Leser nur allzu gern. Zu dem Eindruck des Erfolgreichen passt es einfach besser, wenn er die Dinge aus eigener Kraft voranbringt - auch beim Reisen.

Doch auch seine Rastlosigkeit lässt Gehrer nicht zur Ruhe kommen. Nach unzähligen Flügen, Landungen und Zwischenstopps bleibt immer noch die wichtigste Frage unbeantwortet: Wohin? Weil Gehrer keine Antwort findet, treibt es ihn weiter, und er wandelt träumerisch durch die Welten seiner Erinnerung und Phantasie. In diesen Sphären ist Gehrer unvorbereiteter als sonst, die Bilder kommen ohne Ankündigung über ihn, werden von keinem Termin-Planer vorher angezeigt. Endlich kann wieder einmal etwas passieren.

Am Ende wissen weder der Leser noch Gehrer so ganz genau, für welche Sicht der Dinge man sich eigentlich entscheiden soll. Hat er sich aus dem Staub gemacht? Ist er in seine geordneten Verhältnisse zurückgekehrt? Weiß seine Frau, wo er ist? Mit letzter Sicherheit kann das wohl niemand so genau sagen.

Und genau diese Unbestimmtheit ist es, was Dobellis Geschichte so herrlich undurchsichtig macht. Wo Gehrer in Wirklichkeit denkt, träumt oder geht, kann nur vermutet werden. Ist es wirklich die Bank am See, die ihn festhält? Oder ist Gehrer nicht vielmehr längst über alle Schweizer Berge geflohen und im Rausch seiner Gedanken ohnehin nicht ganz bei sich?

Fragen über Fragen. Was der Leser bei Dobelli vor allem lernen kann, ist Lakonik. Kurze, treffende Sätze beschreiben das, was nötig ist, um Gehrers Welt vor den Augen des Lesers entstehen zu lassen. Effizienz und Klarheit sind die Bausteine seines Business-Lebens, gepaart mit Detailkenntnis und Situationsübersicht. Immer in Bewegung bleiben, das ist das Muster Gehrers und seines Erzählers.

Aus diesem Grund lahmen dem Leser bei der Lektüre von Dobellis Geschichte auch zu keiner Zeit Langatmigkeit oder gedehnte Verhältnisse entgegen.

Mit jeder Seite wird man mehr und mehr Teil von Gehrers Denk-Sprech. Und so vermischen sich Selbstgespräch und Zeit-Bewusstsein bei Dobelli zu einem Lebensgefühl, das sich mancher erst noch erarbeiten muss: Abgeklärtheit.

Generation Rolf eben.

geschrieben am 24.12.2006 | 624 Wörter | 3619 Zeichen

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