Navigation

Seiten der Rubrik "Bücher"


Google Anzeigen

Anzeigen

Bücher

Tao: Wege der taoistischen Lebenskunst


Statistiken
  • 2182 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Ragan Tanger

Tao: Wege der taoistischen Lebenskunst Kenner der Materie (und Nichtmaterie!) Wenn in modernen Zeiten westlicher Kultur Referenzen an asiatische Philosophien wach werden, ist dies zumeist ein trauriger und häufig falsch interpretierter Weg der Sehnsucht. Seit über hundert Jahren haben westliche Völker ihre eigene Entartung erkannt und suchen verzweifelt in allerlei exotischen Primaten - sei es Yoga, Qi Gong oder Tantra - nach ihrer Erlösung, die selbstredend nur in ihrem eigenen Körper und ihrer verlorenen Achtsamkeit zu finden ist. Mittlerweile ist die spezifisch asiatische Transformation zur Peinlichkeit verkommen. Da wird Yoga als Fitness und Meditation als Hobby feil geboten. Was sollte man auch anderes erwarten, möge man einwerfen. Doch bevor man sich dem modernen Saudade hingibt, sei dieser Schatz aus dem O.W.Barth-Verlag empfohlen, der die taoistische Religion nicht nur originär versteht, sondern dessen Essenzen auf kraftvolle und anmutige Art und Weise präsentiert. Die Doktorin der Sinologie Martina Darga hat trotz ihrer akademischen Laufbahn das Herz am rechten Fleck und überzeugt mit einer fantastischen Mischung aus eigenen Beschreibungen (zurückhaltend, pointiert, kenntnisreich) und einem reichen Oeuvre an klassischen Textauszügen. Laotses Klassiker Tao te King (bei Darga werden die weichen Konsonanten benutzt, also Daode jing, was heutzutage offizieller Standard ist - der Rezensent ist aber nicht heutzutage). Die Schrift des Meisters von Huinan, der Regelkanon des Herrn Lao, die Schrift der Innenschau oder natürlich die Klassiker des Meister Zhuang sind unter anderem vertreten. Überhaupt muss man attestieren, dass der gesamte wesentliche Kanon nicht nur verstanden, sondern auch integriert ist. Endlich kann man weit über Laotse hinausgehen, Hintergründe verstehen, historische Zusammenhänge einordnen, Yin und Yang oder das Qi begreifen und von den zahlreichen Originalzitaten erschlagen werden. Erschlagen von Reinheit und Glück, von Weisheit und Kraft. Zitieren wir derlei Wundervolles: Du schaust nach ihm und siehst es nicht. Sein Name lautet Unsichtbar. Du lauschst nach ihm und hörst es nicht. Sein Name lautet unhörbar. Du greifst nach ihm und ergreifst es nicht. Sein Name lautet Ungreifbar. Zu hoch, zu schwer, zu schön, um wahr zu sein? Ein Lesebuch der besonderen Art, das man sich in keinem Fall entgehen lassen sollte. Ein außergewöhnliches Schatzkästchen, das den Geist in der Moderne endlich wieder einmal kreativ entfachen kann.

Kenner der Materie (und Nichtmaterie!)

weitere Rezensionen von Ragan Tanger


Wenn in modernen Zeiten westlicher Kultur Referenzen an asiatische Philosophien wach werden, ist dies zumeist ein trauriger und häufig falsch interpretierter Weg der Sehnsucht. Seit über hundert Jahren haben westliche Völker ihre eigene Entartung erkannt und suchen verzweifelt in allerlei exotischen Primaten - sei es Yoga, Qi Gong oder Tantra - nach ihrer Erlösung, die selbstredend nur in ihrem eigenen Körper und ihrer verlorenen Achtsamkeit zu finden ist. Mittlerweile ist die spezifisch asiatische Transformation zur Peinlichkeit verkommen. Da wird Yoga als Fitness und Meditation als Hobby feil geboten. Was sollte man auch anderes erwarten, möge man einwerfen. Doch bevor man sich dem modernen Saudade hingibt, sei dieser Schatz aus dem O.W.Barth-Verlag empfohlen, der die taoistische Religion nicht nur originär versteht, sondern dessen Essenzen auf kraftvolle und anmutige Art und Weise präsentiert.

Die Doktorin der Sinologie Martina Darga hat trotz ihrer akademischen Laufbahn das Herz am rechten Fleck und überzeugt mit einer fantastischen Mischung aus eigenen Beschreibungen (zurückhaltend, pointiert, kenntnisreich) und einem reichen Oeuvre an klassischen Textauszügen. Laotses Klassiker Tao te King (bei Darga werden die weichen Konsonanten benutzt, also Daode jing, was heutzutage offizieller Standard ist - der Rezensent ist aber nicht heutzutage). Die Schrift des Meisters von Huinan, der Regelkanon des Herrn Lao, die Schrift der Innenschau oder natürlich die Klassiker des Meister Zhuang sind unter anderem vertreten. Überhaupt muss man attestieren, dass der gesamte wesentliche Kanon nicht nur verstanden, sondern auch integriert ist. Endlich kann man weit über Laotse hinausgehen, Hintergründe verstehen, historische Zusammenhänge einordnen, Yin und Yang oder das Qi begreifen und von den zahlreichen Originalzitaten erschlagen werden. Erschlagen von Reinheit und Glück, von Weisheit und Kraft. Zitieren wir derlei Wundervolles: Du schaust nach ihm und siehst es nicht. Sein Name lautet Unsichtbar. Du lauschst nach ihm und hörst es nicht. Sein Name lautet unhörbar. Du greifst nach ihm und ergreifst es nicht. Sein Name lautet Ungreifbar.

Zu hoch, zu schwer, zu schön, um wahr zu sein? Ein Lesebuch der besonderen Art, das man sich in keinem Fall entgehen lassen sollte. Ein außergewöhnliches Schatzkästchen, das den Geist in der Moderne endlich wieder einmal kreativ entfachen kann.

geschrieben am 08.07.2015 | 351 Wörter | 2093 Zeichen

Kommentare lesen Kommentar schreiben

Kommentare zur Rezension (0)

Platz für Anregungen und Ergänzungen