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Wasser im alten ?gypten: Beitr?ge zur Bedeutung der Ressource Wasser in pharaonischer Zeit


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Rezension von

Adrian Witt

Wasser im alten ?gypten: Beitr?ge zur Bedeutung der Ressource Wasser in pharaonischer Zeit Wasser geh?rt zu jenen Lebensgrundlagen, deren Bedeutung sich gerade dort besonders deutlich zeigt, wo es nicht selbstverst?ndlich verf?gbar ist. F?r das Alte ?gypten galt dies in besonderem Ma?e: Denn zwischen den ausgedehnten W?sten bildete das Niltal einen schmalen, fruchtbaren Lebensraum, dessen Siedlungen, Landwirtschaft und Versorgung unmittelbar vom Fluss abhingen. Die j?hrlich wiederkehrende ?berschwemmung brachte n?hrstoffreichen Schlamm auf die Felder und konnte damit Wohlstand und Nahrungssicherheit erm?glichen. Zugleich war sie ein von erheblichen Schwankungen gepr?gtes Naturereignis, da zu niedrige Wasserst?nde die Ernte ebenso gef?hrden konnten wie eine ?berm??ig starke Flut. Wasser war dabei weit mehr als ein Mittel zur Bew?sserung oder zur Deckung des t?glichen Bedarfs. Es pr?gte vielmehr auch Verkehrswege und Handelsbeziehungen, erforderte technische L?sungen zur Speicherung, Verteilung und Ableitung und bestimmte wesentliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Zugleich besa? es eine religi?se und symbolische Dimension: Als Gabe der G?tter, als Bestandteil von Reinigungsritualen und als Medium des ?bergangs zwischen Diesseits und Jenseits war Wasser tief in die Vorstellungswelt der ?gypter eingebunden. Gerade in diesem Zusammenspiel von lebenspraktischer Notwenigkeit, technischer Gestaltung und religi?ser Bedeutung wird erkennbar, weshalb Wasser zu den pr?genden Kr?ften der alt?gyptischen Kultur gez?hlt werden muss. An diese grundlegende Einsicht kn?pft der von Heidi K?pp-Junk im Auftrag der Frontinus-Gesellschaft herausgegebene und k?rzlich im N?nnerich-Asmus Verlag erschienene Sammelband ?Wasser im Alten ?gypten - Beitr?ge zur Bedeutung der Ressource Wasser in pharaonischer Zeit? (ISBN: 978-3-961-76356-6) an. Die darin versammelten Beitr?ge in deutscher und englischer Sprache betrachten das Wasser nicht nur als Voraussetzung f?r die Landwirtschaft und Versorgung, sondern zugleich als technisch zu gestaltende, religi?s aufgeladene und gesellschaftlich pr?gende Ressource. Das dabei auf 284 Seiten dargebotene thematische Spektrum reicht von der Nilflut, den Bew?sserungs- und Entw?sserungssystemen sowie Brunnen und Trinkwasser bis hin zu G?rten, Wasserwegen, der religi?sen Bedeutung des Wassers und der Wasserorgel. Auf diese Weise er?ffnet der Band einen facettenreichen Zugang zu einer Kultur, deren Entwicklung und Selbstverst?ndnis ohne die enge Verbindung zum Wasser nicht zu verstehen sind. Nach einem kurzen Vorwort und Geleitwort bildet Heidi K?pp-Jung mit ihrem Beitrag ?The Significance of Water in Ancient Egyptian Culture? den Auftakt und der zun?chst die grundlegende Bedeutung des Wassers f?r die alt?gyptische Gesellschaft entfaltet. Die Autorin behandelt dabei nicht nur seine Rolle f?r Landwirtschaft, Viehzucht und Versorgung, sondern auch seine Bedeutung f?r Hygiene, Reisen, Handel und Transport. Erg?nzt wird diese lebenspraktische Perspektive durch einen Blick auf die religi?se und symbolische Dimension des Wassers sowie auf technische Entwicklungen wie Wasseruhren und die Wasserorgel. Der Beitrag schafft damit ein breites Verst?ndnis f?r die folgenden Untersuchungen und macht deutlich, dass Wasser in nahezu alle Bereiche der alt?gyptischen Kultur hineinwirkte. Daran schlie?t K?pp-Junks Beitrag ?Nilflut und Bew?sserungstechnik im Alten ?gypten? an. Im Mittelpunkt steht hier die j?hrlich wiederkehrende ?berschwemmung des Nils, die fruchtbaren Schlamm auf den Feldern ablagerte und damit eine entscheidende Voraussetzung f?r die Landwirtschaft im Niltal bildete. Ausgehend von der sogenannten Bew?sserungsrevolution beschreibt die Autorin, wie D?mme, Kan?le und Stichkan?le dazu dienten, das Wasser in Becken zu leiten und l?nger auf den Feldern zu halten. Technische Vorrichtungen wie der Schaduf und die Sakijeh erm?glichten eine noch gezieltere Verteilung des Wassers und trugen zu einer erheblichen Steigerung der Ernteertr?ge bei. Zugleich wird der Blick auf die klimatischen und historischen Voraussetzungen sowie auf die gesellschaftlichen Folgen dieser Bew?sserungssysteme gelenkt. Mit den weniger h?ufig untersuchten Formen der Wasserableitung besch?ftigt sich anschlie?end der Beitrag ?Dewatering Techniques in Ancient Egypt: An Overview?, der ebenfalls von Heidi K?pp-Junk verfasst wurde. Im Mittelpunkt stehen hier Entw?sserungssysteme f?r Regenwasser und gebrauchtes Wasser, die dem Schutz von Geb?uden und ihren Fundamenten dienten und zugleich f?r Hygiene und Gesundheit von Bedeutung waren. Die Darstellung reicht dabei von den fr?hesten arch?ologischen Belegen bis in die griechisch-r?mische Zeit und umfasst unter anderem Kan?le, Abfl?sse, Becken, Rohrleitungen und Wasserspeier. Der Beitrag erweitert damit die ?blicherweise auf Nilflut und Bew?sserung konzentrierte Perspektive um eine wichtige, bislang vielfach vernachl?ssigte Seite des alt?gyptischen Wasserbaus. Henning Franzmeier widmet sich anschlie?end in seinem Fachbeitrag ?ber ?Brunnen im pharaonischen ?gypten? einer Form der Wasserversorgung, die im nichtkultischen Zusammenhang nur vergleichsweise selten arch?ologisch nachgewiesen ist. In Siedlungen lassen sich Brunnen bislang vor allem seit der Amarnazeit belegen, w?hrend sie an W?stenwegen bereits fr?her eine wichtige Funktion f?r Reisende und Expeditionen erf?llten. Anhand von Beispielen aus dem Umfeld von Pi-Ramesse, aus ramessidischen Festungen und aus der Westw?ste untersucht Henning Franzmeier unterschiedliche Brunnenanlagen und Techniken der Wasserf?rderung. Dar?ber hinaus fragt er nach der m?glichen Leistungsf?higkeit dieser Einrichtungen und nach ihrer Bedeutung f?r die Qualit?t des Trinkwassers sowie f?r den Schutz vor Krankheiten. Der anschlie?ende Beitrag ?The Daily Water in the Egyptian House: The Amarna Example? von Delphine Driaux richtet den Blick wiederum auf die Wassernutzung im privaten Haushalt. Am Beispiel der von Echnaton gegr?ndeten Stadt Amarna untersucht die Autorin Brunnen, Badezimmer und weitere wasserbezogene Einrichtungen innerhalb der h?uslichen Architektur. Dabei wird den Lesern deutlich, dass der Zugang zu Wasser und zu entsprechenden Annehmlichkeiten keineswegs f?r alle Bewohner gleicherma?en gegeben war, sondern auch von der sozialen und wirtschaftlichen Stellung der jeweiligen Haushalte abhing. Die Untersuchung verbindet somit arch?ologische Detailbeobachtungen mit einer sozialgeschichtlichen Perspektive auf den Alltag im Alten ?gypten. Eine andere Seite der Beziehung zwischen Mensch und Wasser behandelt dagegen Svenja C. Dirksen in ihrem Beitrag ?Wasser als Bedrohung: Katastrophenmanagement im ?gypten des Neuen Reiches und der Sp?tzeit?. Der Nil erscheint hier nicht nur als eine lebensspendende Grundlage, sondern auch als potenzielle Gefahr, etwa durch Hochwasser und Starkregen. Svenja C. Dirksen stellt hier Pr?ventionsma?nahmen vor, die bereits im Alten Reich entwickelt und in sp?teren Epochen weiterentwickelt wurden. F?r die Rekonstruktion dieses fr?hen Katastrophenmanagements zieht sie sowohl arch?ologische und textliche Zeugnisse als auch Erkenntnisse zur klimatischen Entwicklung heran. Der Beitrag macht damit anschaulich, dass die technische Beherrschung des Wassers stets auch eine Reaktion auf seine Unberechenbarkeit war. Der zweite Teil der Publikation beginnt erneut mit einem Beitrag von Heidi K?pp-Junk zum Thema ?Water and Rain in Ancient Egyptian Religion, Cult, and Temples: From the Niuserre Sun Temple Channels to Waterspouts?, der die religi?se und architektonische Bedeutung des Wassers miteinander verbindet. Behandelt werden hier unter anderem Wasseropfer, die Reinigung von Opfergaben, die rituelle Purifizierung der Priester, heilige Seen und Brunnen sowie die g?ttlichen Barken. Einen besonderen Schwerpunkt bilden au?erdem die Wasserspeier an Tempeln, deren Funktion nicht nur in der Ableitung von Regenwasser, sondern auch in einem religi?sen Schutzgedanken gesehen wird. Abschlie?end entwickelt die Autorin f?r die Kan?le und Becken im Sonnenheiligtum des Niuserre die interessante Deutung, dass es sich um eine gro? dimensionierte Form der Libation (Trankopfer) gehandelt haben k?nnte. Mit dem Beitrag ?Waterspouts at Tuna el-Gebel? kehrt Heidi K?pp-Junk anschlie?end zu einem konkreten arch?ologischen Befund zur?ck. Im Zentrum stehen die Entw?sserungstechniken der griechisch-r?mischen Tempelgr?ber in der Nekropole von Tuna el-Gebel (Mittel?gypten), zu denen mehr als 60 Grabbauten geh?ren. Nur wenige dieser Anlagen verf?gten ?ber Vorrichtungen zur Dachentw?sserung, darunter f?nf steinerne Wasserspeier und zwei ?ffnungen in Lehmziegelw?nden. Bemerkenswert ist, dass die Wasserspeier nicht die aus Dendera bekannten L?wenformen aufweisen, sondern ?berwiegend kubisch gestaltet sind. Der Beitrag zeigt damit, wie selbst unscheinbare architektonische Elemente Aufschluss ?ber regionale Besonderheiten und den Umgang mit Regenwasser geben k?nnen. Christian E. Loeben widmet sich anschlie?end in seinem Beitrag ?ber die ?G?rten des Diesseits und Jenseits im pharaonischen ?gypten? der Gestaltung und Bew?sserung alt?gyptischer G?rten der Antike. Die Quellen reichen von hieroglyphischen Texten und zahlreichen Darstellungen in den thebanischen Felsgr?bern bis zu arch?ologisch ausgegrabenen Gartenanlagen. Dadurch ist es m?glich, bildliche und schriftliche ?berlieferungen mit den erhaltenen materiellen Befunden zu vergleichen. Christian E. Loeben betrachtet hier sowohl k?nigliche Tempel- und Palastg?rten als auch die G?rten der Elite und ihre Bedeutung im funer?ren Kontext. Besonders anschaulich wird die Untersuchung vor allem dort, wo sie die Bew?sserungssysteme mit ihren in Reihen angeordneten Pflanzgruben und verbindenden Kan?len rekonstruier. Den Abschluss der Beitr?ge bildet schlie?lich Lucy-Anne Taylors Untersuchung ?The Water Organ: Origin, History, Terminology, Technique and Use?. Im Mittelpunkt steht die Hydraulis, eine durch Wasser stabilisierte Orgel, bei der der Wasserdruck einst dazu diente, einen gleichm??igen Luftdruck f?r die Pfeifen zu erzeugen. Lucy-Anne Taylor verfolgt die Urspr?nge und die historische Entwicklung des Instruments und ber?cksichtigt dabei schriftliche Quellen, arch?ologische Funde und bildliche Darstellungen. Neben der Mechanik werden auch Fragen der Stimmung, des Klangs, des ?u?eren Erscheinungsbildes und der m?glichen Nutzung behandelt. Der Beitrag erweitert das Thema des Bandes damit um einen zun?chst ?berraschenden, zugleich aber eindrucksvollen Aspekt, denn Wasser erscheint hier nicht nur als Grundlage des Lebens und Gegenstand technischer Kontrolle, sondern auch als Bestandteil musikalischer Innovation. Abgerundet werden die einzelnen Fachbeitr?ge mit einer ganzseitigen Karte des Alten ?gyptens, dessen Chronologie, einer Chronologie der Innovationen im pharaonischen ?gypten sowie einem Glossar. Insgesamt erweist sich die im N?nnerich-Asmus Verlag erschienene Publikation ?Wasser im Alten ?gypten? als ein au?erordentlich facettenreicher und kenntnisreich konzipierter Sammelband, der seinem Gegenstand in beeindruckender Breite gerecht wird. Die Beitr?ge f?hren eindrucksvoll den Lesern vor Augen, dass Wasser im pharaonischen ?gypten nicht auf seine Funktion als Grundlage von Landwirtschaft und Versorgung reduziert werden kann, sondern zugleich technische Innovationen hervorbrachte, gesellschaftliche Strukturen pr?gte und tief in religi?se Vorstellungen eingebunden war. Besonders ?berzeugend ist das Zusammenspiel unterschiedlicher wissenschaftlicher Zug?nge, durch das sich ein anschauliches und zugleich differenziertes Bild der alt?gyptischen Kultur ergibt. Der Band ist daher nicht nur f?r ?gyptologinnen und ?gyptologen von gro?em Wert, sondern auch f?r interessierte Leser, die sich f?r die Geschichte der Wasserversorgung, antike Technik oder die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch, Umwelt und Religion interessieren.

Wasser geh?rt zu jenen Lebensgrundlagen, deren Bedeutung sich gerade dort besonders deutlich zeigt, wo es nicht selbstverst?ndlich verf?gbar ist. F?r das Alte ?gypten galt dies in besonderem Ma?e: Denn zwischen den ausgedehnten W?sten bildete das Niltal einen schmalen, fruchtbaren Lebensraum, dessen Siedlungen, Landwirtschaft und Versorgung unmittelbar vom Fluss abhingen.

Die j?hrlich wiederkehrende ?berschwemmung brachte n?hrstoffreichen Schlamm auf die Felder und konnte damit Wohlstand und Nahrungssicherheit erm?glichen. Zugleich war sie ein von erheblichen Schwankungen gepr?gtes Naturereignis, da zu niedrige Wasserst?nde die Ernte ebenso gef?hrden konnten wie eine ?berm??ig starke Flut. Wasser war dabei weit mehr als ein Mittel zur Bew?sserung oder zur Deckung des t?glichen Bedarfs. Es pr?gte vielmehr auch Verkehrswege und Handelsbeziehungen, erforderte technische L?sungen zur Speicherung, Verteilung und Ableitung und bestimmte wesentliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Zugleich besa? es eine religi?se und symbolische Dimension: Als Gabe der G?tter, als Bestandteil von Reinigungsritualen und als Medium des ?bergangs zwischen Diesseits und Jenseits war Wasser tief in die Vorstellungswelt der ?gypter eingebunden. Gerade in diesem Zusammenspiel von lebenspraktischer Notwenigkeit, technischer Gestaltung und religi?ser Bedeutung wird erkennbar, weshalb Wasser zu den pr?genden Kr?ften der alt?gyptischen Kultur gez?hlt werden muss.

An diese grundlegende Einsicht kn?pft der von Heidi K?pp-Junk im Auftrag der Frontinus-Gesellschaft herausgegebene und k?rzlich im N?nnerich-Asmus Verlag erschienene Sammelband ?Wasser im Alten ?gypten - Beitr?ge zur Bedeutung der Ressource Wasser in pharaonischer Zeit? (ISBN: 978-3-961-76356-6) an. Die darin versammelten Beitr?ge in deutscher und englischer Sprache betrachten das Wasser nicht nur als Voraussetzung f?r die Landwirtschaft und Versorgung, sondern zugleich als technisch zu gestaltende, religi?s aufgeladene und gesellschaftlich pr?gende Ressource. Das dabei auf 284 Seiten dargebotene thematische Spektrum reicht von der Nilflut, den Bew?sserungs- und Entw?sserungssystemen sowie Brunnen und Trinkwasser bis hin zu G?rten, Wasserwegen, der religi?sen Bedeutung des Wassers und der Wasserorgel. Auf diese Weise er?ffnet der Band einen facettenreichen Zugang zu einer Kultur, deren Entwicklung und Selbstverst?ndnis ohne die enge Verbindung zum Wasser nicht zu verstehen sind. Nach einem kurzen Vorwort und Geleitwort bildet Heidi K?pp-Jung mit ihrem Beitrag ?The Significance of Water in Ancient Egyptian Culture? den Auftakt und der zun?chst die grundlegende Bedeutung des Wassers f?r die alt?gyptische Gesellschaft entfaltet. Die Autorin behandelt dabei nicht nur seine Rolle f?r Landwirtschaft, Viehzucht und Versorgung, sondern auch seine Bedeutung f?r Hygiene, Reisen, Handel und Transport. Erg?nzt wird diese lebenspraktische Perspektive durch einen Blick auf die religi?se und symbolische Dimension des Wassers sowie auf technische Entwicklungen wie Wasseruhren und die Wasserorgel. Der Beitrag schafft damit ein breites Verst?ndnis f?r die folgenden Untersuchungen und macht deutlich, dass Wasser in nahezu alle Bereiche der alt?gyptischen Kultur hineinwirkte. Daran schlie?t K?pp-Junks Beitrag ?Nilflut und Bew?sserungstechnik im Alten ?gypten? an. Im Mittelpunkt steht hier die j?hrlich wiederkehrende ?berschwemmung des Nils, die fruchtbaren Schlamm auf den Feldern ablagerte und damit eine entscheidende Voraussetzung f?r die Landwirtschaft im Niltal bildete. Ausgehend von der sogenannten Bew?sserungsrevolution beschreibt die Autorin, wie D?mme, Kan?le und Stichkan?le dazu dienten, das Wasser in Becken zu leiten und l?nger auf den Feldern zu halten. Technische Vorrichtungen wie der Schaduf und die Sakijeh erm?glichten eine noch gezieltere Verteilung des Wassers und trugen zu einer erheblichen Steigerung der Ernteertr?ge bei. Zugleich wird der Blick auf die klimatischen und historischen Voraussetzungen sowie auf die gesellschaftlichen Folgen dieser Bew?sserungssysteme gelenkt. Mit den weniger h?ufig untersuchten Formen der Wasserableitung besch?ftigt sich anschlie?end der Beitrag ?Dewatering Techniques in Ancient Egypt: An Overview?, der ebenfalls von Heidi K?pp-Junk verfasst wurde. Im Mittelpunkt stehen hier Entw?sserungssysteme f?r Regenwasser und gebrauchtes Wasser, die dem Schutz von Geb?uden und ihren Fundamenten dienten und zugleich f?r Hygiene und Gesundheit von Bedeutung waren. Die Darstellung reicht dabei von den fr?hesten arch?ologischen Belegen bis in die griechisch-r?mische Zeit und umfasst unter anderem Kan?le, Abfl?sse, Becken, Rohrleitungen und Wasserspeier. Der Beitrag erweitert damit die ?blicherweise auf Nilflut und Bew?sserung konzentrierte Perspektive um eine wichtige, bislang vielfach vernachl?ssigte Seite des alt?gyptischen Wasserbaus. Henning Franzmeier widmet sich anschlie?end in seinem Fachbeitrag ?ber ?Brunnen im pharaonischen ?gypten? einer Form der Wasserversorgung, die im nichtkultischen Zusammenhang nur vergleichsweise selten arch?ologisch nachgewiesen ist. In Siedlungen lassen sich Brunnen bislang vor allem seit der Amarnazeit belegen, w?hrend sie an W?stenwegen bereits fr?her eine wichtige Funktion f?r Reisende und Expeditionen erf?llten. Anhand von Beispielen aus dem Umfeld von Pi-Ramesse, aus ramessidischen Festungen und aus der Westw?ste untersucht Henning Franzmeier unterschiedliche Brunnenanlagen und Techniken der Wasserf?rderung. Dar?ber hinaus fragt er nach der m?glichen Leistungsf?higkeit dieser Einrichtungen und nach ihrer Bedeutung f?r die Qualit?t des Trinkwassers sowie f?r den Schutz vor Krankheiten. Der anschlie?ende Beitrag ?The Daily Water in the Egyptian House: The Amarna Example? von Delphine Driaux richtet den Blick wiederum auf die Wassernutzung im privaten Haushalt. Am Beispiel der von Echnaton gegr?ndeten Stadt Amarna untersucht die Autorin Brunnen, Badezimmer und weitere wasserbezogene Einrichtungen innerhalb der h?uslichen Architektur. Dabei wird den Lesern deutlich, dass der Zugang zu Wasser und zu entsprechenden Annehmlichkeiten keineswegs f?r alle Bewohner gleicherma?en gegeben war, sondern auch von der sozialen und wirtschaftlichen Stellung der jeweiligen Haushalte abhing. Die Untersuchung verbindet somit arch?ologische Detailbeobachtungen mit einer sozialgeschichtlichen Perspektive auf den Alltag im Alten ?gypten. Eine andere Seite der Beziehung zwischen Mensch und Wasser behandelt dagegen Svenja C. Dirksen in ihrem Beitrag ?Wasser als Bedrohung: Katastrophenmanagement im ?gypten des Neuen Reiches und der Sp?tzeit?. Der Nil erscheint hier nicht nur als eine lebensspendende Grundlage, sondern auch als potenzielle Gefahr, etwa durch Hochwasser und Starkregen. Svenja C. Dirksen stellt hier Pr?ventionsma?nahmen vor, die bereits im Alten Reich entwickelt und in sp?teren Epochen weiterentwickelt wurden. F?r die Rekonstruktion dieses fr?hen Katastrophenmanagements zieht sie sowohl arch?ologische und textliche Zeugnisse als auch Erkenntnisse zur klimatischen Entwicklung heran. Der Beitrag macht damit anschaulich, dass die technische Beherrschung des Wassers stets auch eine Reaktion auf seine Unberechenbarkeit war. Der zweite Teil der Publikation beginnt erneut mit einem Beitrag von Heidi K?pp-Junk zum Thema ?Water and Rain in Ancient Egyptian Religion, Cult, and Temples: From the Niuserre Sun Temple Channels to Waterspouts?, der die religi?se und architektonische Bedeutung des Wassers miteinander verbindet. Behandelt werden hier unter anderem Wasseropfer, die Reinigung von Opfergaben, die rituelle Purifizierung der Priester, heilige Seen und Brunnen sowie die g?ttlichen Barken. Einen besonderen Schwerpunkt bilden au?erdem die Wasserspeier an Tempeln, deren Funktion nicht nur in der Ableitung von Regenwasser, sondern auch in einem religi?sen Schutzgedanken gesehen wird. Abschlie?end entwickelt die Autorin f?r die Kan?le und Becken im Sonnenheiligtum des Niuserre die interessante Deutung, dass es sich um eine gro? dimensionierte Form der Libation (Trankopfer) gehandelt haben k?nnte. Mit dem Beitrag ?Waterspouts at Tuna el-Gebel? kehrt Heidi K?pp-Junk anschlie?end zu einem konkreten arch?ologischen Befund zur?ck. Im Zentrum stehen die Entw?sserungstechniken der griechisch-r?mischen Tempelgr?ber in der Nekropole von Tuna el-Gebel (Mittel?gypten), zu denen mehr als 60 Grabbauten geh?ren. Nur wenige dieser Anlagen verf?gten ?ber Vorrichtungen zur Dachentw?sserung, darunter f?nf steinerne Wasserspeier und zwei ?ffnungen in Lehmziegelw?nden. Bemerkenswert ist, dass die Wasserspeier nicht die aus Dendera bekannten L?wenformen aufweisen, sondern ?berwiegend kubisch gestaltet sind. Der Beitrag zeigt damit, wie selbst unscheinbare architektonische Elemente Aufschluss ?ber regionale Besonderheiten und den Umgang mit Regenwasser geben k?nnen. Christian E. Loeben widmet sich anschlie?end in seinem Beitrag ?ber die ?G?rten des Diesseits und Jenseits im pharaonischen ?gypten? der Gestaltung und Bew?sserung alt?gyptischer G?rten der Antike. Die Quellen reichen von hieroglyphischen Texten und zahlreichen Darstellungen in den thebanischen Felsgr?bern bis zu arch?ologisch ausgegrabenen Gartenanlagen. Dadurch ist es m?glich, bildliche und schriftliche ?berlieferungen mit den erhaltenen materiellen Befunden zu vergleichen. Christian E. Loeben betrachtet hier sowohl k?nigliche Tempel- und Palastg?rten als auch die G?rten der Elite und ihre Bedeutung im funer?ren Kontext. Besonders anschaulich wird die Untersuchung vor allem dort, wo sie die Bew?sserungssysteme mit ihren in Reihen angeordneten Pflanzgruben und verbindenden Kan?len rekonstruier. Den Abschluss der Beitr?ge bildet schlie?lich Lucy-Anne Taylors Untersuchung ?The Water Organ: Origin, History, Terminology, Technique and Use?. Im Mittelpunkt steht die Hydraulis, eine durch Wasser stabilisierte Orgel, bei der der Wasserdruck einst dazu diente, einen gleichm??igen Luftdruck f?r die Pfeifen zu erzeugen. Lucy-Anne Taylor verfolgt die Urspr?nge und die historische Entwicklung des Instruments und ber?cksichtigt dabei schriftliche Quellen, arch?ologische Funde und bildliche Darstellungen. Neben der Mechanik werden auch Fragen der Stimmung, des Klangs, des ?u?eren Erscheinungsbildes und der m?glichen Nutzung behandelt. Der Beitrag erweitert das Thema des Bandes damit um einen zun?chst ?berraschenden, zugleich aber eindrucksvollen Aspekt, denn Wasser erscheint hier nicht nur als Grundlage des Lebens und Gegenstand technischer Kontrolle, sondern auch als Bestandteil musikalischer Innovation. Abgerundet werden die einzelnen Fachbeitr?ge mit einer ganzseitigen Karte des Alten ?gyptens, dessen Chronologie, einer Chronologie der Innovationen im pharaonischen ?gypten sowie einem Glossar.

Insgesamt erweist sich die im N?nnerich-Asmus Verlag erschienene Publikation ?Wasser im Alten ?gypten? als ein au?erordentlich facettenreicher und kenntnisreich konzipierter Sammelband, der seinem Gegenstand in beeindruckender Breite gerecht wird. Die Beitr?ge f?hren eindrucksvoll den Lesern vor Augen, dass Wasser im pharaonischen ?gypten nicht auf seine Funktion als Grundlage von Landwirtschaft und Versorgung reduziert werden kann, sondern zugleich technische Innovationen hervorbrachte, gesellschaftliche Strukturen pr?gte und tief in religi?se Vorstellungen eingebunden war. Besonders ?berzeugend ist das Zusammenspiel unterschiedlicher wissenschaftlicher Zug?nge, durch das sich ein anschauliches und zugleich differenziertes Bild der alt?gyptischen Kultur ergibt. Der Band ist daher nicht nur f?r ?gyptologinnen und ?gyptologen von gro?em Wert, sondern auch f?r interessierte Leser, die sich f?r die Geschichte der Wasserversorgung, antike Technik oder die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch, Umwelt und Religion interessieren.

geschrieben am 18.09.2026 | 1528 Wörter | 10308 Zeichen

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