
| ISBN | 3866081219 | |
| Autor | Gavin Baddeley | |
| Verlag | Ubooks | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 272 | |
| Erscheinungsjahr | 2009 | |
| Extras | - |

Erstaunlicherweise gibt es auf dem deutschen Markt zu Marilyn Manson in Sachen biographische Darstellung bislang eine größere Auswahl an vom Künstler mehr oder minder Selbstverfasstem (seine Autobiographie „The long hard road out of hell“ sowie die Zitatesammlung „Marylin Manson – Talking“) als an Veröffentlichungen aus fremder Feder (einige englischsprachige Biographien wurden bis jetzt nicht ins Deutsche übertragen). Nicht zuletzt deshalb dürfte „Marilyn Manson - Seziert“ von Gavin Baddeley den deutschen Fans ein wahrer Anlass zur Freude sein.

Der Anspruch des Buches liegt darin, nicht bloß den Werdegang des verschrobenen Künstlers aufzuzeigen und nachzuzeichnen und so zu einer Aufzählung und Aneinanderreihung von Fakten und Daten zu gelangen, sondern vielmehr ein Psychogramm Mansons zu erschaffen und schließlich dazu beizutragen, diese schillernde Gestalt des Rockzirkus besser verstehen zu können. Soweit so gut.
Baddeley tut in der Tat das Möglichste, um den Hintergrund, die Einflüsse und Inspirationen des Künstlers zu beleuchten – angefangen bei den beiden Namensgebern seines Pseudonyms (Marilyn Monroe und Charles Manson) bis hin zu seinen musikalischen und showtechnischen Einflüssen (Alice Cooper, Trent Reznor) sowie seinen spirituell-philosophischen Wurzeln (Friedrich Nietzsche, Aleister Crowley). Allerdings schießt Baddeley hier bisweilen doch arg über das Ziel hinaus. Mansons Abneigung gegen Nikotin kaltschnäuzig mit einem Erlass James‘ I. von 1604 in Verbindung zu bringen oder die Leidenschaft des Musikers, bei Shows untenherum blank zu ziehen im Treiben einer häretisch christlichen Sekte des 10. Jahrhunderts verankert wissen zu wollen, scheinen dann doch sehr weit hergeholt und mehr als bloß leichte Überinterpretationen zu sein. Bei aller Symbolik, bei allem Bedeutungsgehalt, den die verschiedenen Äußerungen (egal welcher Form) des Schockrockers haben mögen, darf dem Autor trotzdem nicht aus dem Auge geraten, dass Manson vorrangig doch ein Entertainer (wenn auch ein äußerst bizarrer!) und nicht zuletzt ein Teil der Industrie ist und bleibt. Dabei muss eine gesunde Distanz zu üblichen Darstellungen, vor allem auch Selbstdarstellungen (in Mansons Autobiographie etc.), des Charakters Manson gewahrt werden. Dies ist Baddeley nicht durchgehend geglückt. Nichtsdestotrotz erstaunt die Fülle an Informationen, die in dem Band aufwartet und letztendlich zur besseren Einordnung der skurrilen Inszenierung Mansons beiträgt.
Das Buch kommt in einem originellen, jedoch teilweise etwas hektisch und unübersichtlich wirkenden Layout daher. Es enthält zahlreiche Fotos, die allerdings größtenteils in Schwarz-Weiß gehalten sind – lediglich ein paar einzelne Seiten in der Mitte des Buches sind von Farbfotografien geziert. Die Übersetzung bzw. die Korrektur des deutschen Textes wirken mitunter etwas „fahrig“ – der erste Fehler findet sich bereits in Zeile neun der ersten Textseite.
Für Fans von Marilyn Manson dürften und sollten das alles keine Argumente gegen „Marilyn Manson - Seziert“ sein. Potenziellen Lesern, die sich dem Künstler nicht mit Haut und Haaren verschrieben haben und vielleicht nur „ausschnitthaft“ interessiert sind, sei vor dem Kauf jedoch ein Blick in das Buch geraten.
geschrieben am 13.08.2009 | 452 Wörter | 2852 Zeichen
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