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Lexikon der biblischen Personen


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Rezension von

Kristina Scherer

Lexikon der biblischen Personen Das „Lexikon der biblischen Personen“ von Martin Bocian umfasst rund 200 Kurzmonographien der Charaktere, welche die Handlung des Alten und des Neuen Testaments maßgebend beeinflussten. Die aktuelle Fassung des Nachschlagewerks von 2004 wurde unter anderem um eine Zeittafel ergänzt, die einen gezielten Überblick über die biblische Geschichte ermöglicht. Zunächst entfaltet das facettenreiche Werk die Stoff- und Wirkungsgeschichte der Figuren unter Angabe geeigneter Bibelstellen. Durch den Artikelkopf erhält der Leser Informationen zur etymologischen Bedeutung des Namens der jeweiligen Person. Die nun folgenden Hinweise auf Traditionen in der jüdischen, christlichen sowie islamischen Glaubenswelt verleihen den biblischen Geschichten einen aktuellen Bezug. Abgeschlossen werden die parallel konzipierten Porträts mit einer Darstellung über das Fortleben der biblischen Charaktere in Literatur, Malerei und Musik- denn das Buch der Bücher repräsentiert eine unerschöpfliche Quelle für nahezu alle Bereiche der Kunst. Die großen biblischen Figuren boten den unterschiedlichsten Epochen stets Material für die Artikulation ihres Welt- und Menschenbildes. So galt beispielsweise Kain im Mittelalter als Inbegriff des teufelsverfallenen und neidischen Bösen. Kain war der erste Mörder in der biblischen Geschichte, der seinen Bruder Abel im Zorn erschlug (Buch Genesis). Im Zeitalter des widersprüchlichen Barock verstand man die Person Kains als jähzornigen Tyrannen und als Antithese zu dem Tugendhelden Abel. Der Humanismus hingegen entdeckte in Kain einen auf die eigenen Kräfte vertrauenden Realisten- eine Art Held. Diese Auffassung erinnert uns stark an den Entwicklungsroman „Demian“ von Hermann Hesse, der im Jahre 1917 entstand. Auch hier sehen die Protagonisten den Brudermörder Kain als Helden an, da er den anderen aufgrund seines Mutes überlegen ist. Nur wenige auserwählte Menschen sollen das Kainszeichen tragen. Diejenigen, die es erhalten haben, sind gekennzeichnet als etwas Besonderes. Ähnlich wie Hesse trägt Kain auch nach der Interpretation von Friedrich Nietzsche Züge des Übermenschen. In diesem kleinformatigen Lexikon wird nicht nur Königen, Propheten oder den ersten Menschen eine große Bedeutung zugeschrieben, sondern auch den Wesen des Himmels und der Hölle, die eine ganz besondere Faszination auf uns ausüben. Mit den Engeln setzte sich die Kunst schon immer auseinander. Zur Zeit der Renaissance (1300-1420) fungierte die katholische Kirche als Auftraggeber der Künste. Maler wie Leonardo da Vinci („Verkündigung“) oder Michelangelo Buonarroti stellten die Helfer in der Not meist überdimensional und mit ausgebreiteten Flügeln dar, denen auch eine sinnliche Komponente zu Teil wurde. Die Lichtwesen besitzen allerdings nicht nur die Macht, Gutes zu tun, sondern sind durchaus fähig, Unheil anzurichten. Neben den sieben Erzengeln Michael, Gabriel, Raphael, Uriel, Chamuel, Jophiel sowie Tsadkiel existieren ebenfalls Gestalten wie Lilith, Leviathan oder Luzifer- der Engel, der die Hölle erschuf. Mit Lilith ist in der Bibel ein weiblicher Dämon vertreten, der zunächst in der babylonischen Mythologie auftaucht. Die erste Frau Adams, die aus Schlamm erschaffen wurde, brachte Gott dazu, ihr seinen heiligen Namen zu verraten, der ihr schließlich unbegrenzte Macht verlieh. Lilith verlangte Flügel von Gott und flog davon. Nach ihrer Verbannung in die Hölle wurde „die Königin der Nacht“ eine der vier Bräute Satans, dem sie unzählige Dämonenkinder gebar. Noch heute ist Lilith eine vielbeachtete Figur, welche in der Kabbala als Würgerin kleiner Kinder und im menschlichen Bereich als gegenwärtige Gestalt der bösen Mächte gilt. Im ersten Teil der Goethe- Tragödie „Faust“ erscheint Lilith als weiblicher Satan auf der Walpurgisnacht. Leviathan symbolisiert das Chaos auf Erden, dem der Mensch hoffnungslos ausgeliefert ist. Das Tier Leviathan ist ein Drache mit sieben Köpfen und zehn Hörnern. Ihm wird die Zahl 666 zugeordnet. Luzifer war einst der strahlendste Engel von allen, der die übrigen Geschöpfe Gottes in Weisheit und Schönheit überragte. Seine Macht und Herrlichkeit stiegen ihm jedoch zu Kopf und er glaubte, sogar Gott übertreffen zu können. In Abwesenheit des Herrn setzte sich Luzifer auf dessen Thron und hetzte die anderen Engel gegen ihn auf. Als Gott wiederkehrte, überkam ihn Zorn und er befahl dem Erzengel Michael, ihn aus dem Himmel zu verbannen, worauf er sich in der Hölle sein eigenes Reich einrichtete. Uriel zählt zu den zwielichten Gestalten. Als einziger Erzengel ist er nicht nimbiert und wird von der römischen Kirche nicht verehrt. Im Buch Henoch erfahren wir, dass er der Herrscher der Unterwelt ist. In der „Offenbarung des Petrus“ sowie den Apokryphen steht, dass Uriel am Tag des Jüngsten Gerichts die Pforten der Unterwelt öffnen und die Toten auferstehen lassen wird, um sie zu richten. Er wird die Sünder vor Gott führen und ihre Behausungen im ewigen Feuer verbrennen. Uriel fungiert als das „Feuer Gottes“. Mit flammendem Schwert steht er am Eingang des Paradieses und prüft die Seelen. Während der Engelverfolgung wurde er für einige Zeit in die Hölle verbannt, später jedoch wieder heiliggesprochen... Das Böse zeigt sich in der Bibel nicht nur in Form übermächtiger Wesen, sondern ist auch in einfachen Menschen wie dem grausamen Herrscher Herodes oder Judas Iskariot verankert, der Jesus Christus an den Hohen Rat verraten hat. Betrachtet man das Personenregister einmal ganz genau, so lässt sich sagen, dass es sich bei den porträtierten Figuren um Urbilder moderner menschlicher Charaktere handelt. Das „Lexikon der biblischen Personen“ sei allen empfohlen, die sich für geistesgeschichtliche Themen interessieren. Es lässt sich wunderbar im Rahmen eines Studiums der Geschichts-, Literatur- sowie Kulturwissenschaften verwenden und ist ein Muss für alle Studierenden der Theologie.

Das „Lexikon der biblischen Personen“ von Martin Bocian umfasst rund 200 Kurzmonographien der Charaktere, welche die Handlung des Alten und des Neuen Testaments maßgebend beeinflussten. Die aktuelle Fassung des Nachschlagewerks von 2004 wurde unter anderem um eine Zeittafel ergänzt, die einen gezielten Überblick über die biblische Geschichte ermöglicht. Zunächst entfaltet das facettenreiche Werk die Stoff- und Wirkungsgeschichte der Figuren unter Angabe geeigneter Bibelstellen. Durch den Artikelkopf erhält der Leser Informationen zur etymologischen Bedeutung des Namens der jeweiligen Person. Die nun folgenden Hinweise auf Traditionen in der jüdischen, christlichen sowie islamischen Glaubenswelt verleihen den biblischen Geschichten einen aktuellen Bezug. Abgeschlossen werden die parallel konzipierten Porträts mit einer Darstellung über das Fortleben der biblischen Charaktere in Literatur, Malerei und Musik- denn das Buch der Bücher repräsentiert eine unerschöpfliche Quelle für nahezu alle Bereiche der Kunst.

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Die großen biblischen Figuren boten den unterschiedlichsten Epochen stets Material für die Artikulation ihres Welt- und Menschenbildes. So galt beispielsweise Kain im Mittelalter als Inbegriff des teufelsverfallenen und neidischen Bösen. Kain war der erste Mörder in der biblischen Geschichte, der seinen Bruder Abel im Zorn erschlug (Buch Genesis). Im Zeitalter des widersprüchlichen Barock verstand man die Person Kains als jähzornigen Tyrannen und als Antithese zu dem Tugendhelden Abel. Der Humanismus hingegen entdeckte in Kain einen auf die eigenen Kräfte vertrauenden Realisten- eine Art Held. Diese Auffassung erinnert uns stark an den Entwicklungsroman „Demian“ von Hermann Hesse, der im Jahre 1917 entstand. Auch hier sehen die Protagonisten den Brudermörder Kain als Helden an, da er den anderen aufgrund seines Mutes überlegen ist. Nur wenige auserwählte Menschen sollen das Kainszeichen tragen. Diejenigen, die es erhalten haben, sind gekennzeichnet als etwas Besonderes. Ähnlich wie Hesse trägt Kain auch nach der Interpretation von Friedrich Nietzsche Züge des Übermenschen.

In diesem kleinformatigen Lexikon wird nicht nur Königen, Propheten oder den ersten Menschen eine große Bedeutung zugeschrieben, sondern auch den Wesen des Himmels und der Hölle, die eine ganz besondere Faszination auf uns ausüben.

Mit den Engeln setzte sich die Kunst schon immer auseinander. Zur Zeit der Renaissance (1300-1420) fungierte die katholische Kirche als Auftraggeber der Künste. Maler wie Leonardo da Vinci („Verkündigung“) oder Michelangelo Buonarroti stellten die Helfer in der Not meist überdimensional und mit ausgebreiteten Flügeln dar, denen auch eine sinnliche Komponente zu Teil wurde. Die Lichtwesen besitzen allerdings nicht nur die Macht, Gutes zu tun, sondern sind durchaus fähig, Unheil anzurichten.

Neben den sieben Erzengeln Michael, Gabriel, Raphael, Uriel, Chamuel, Jophiel sowie Tsadkiel existieren ebenfalls Gestalten wie Lilith, Leviathan oder Luzifer- der Engel, der die Hölle erschuf.

Mit Lilith ist in der Bibel ein weiblicher Dämon vertreten, der zunächst in der babylonischen Mythologie auftaucht. Die erste Frau Adams, die aus Schlamm erschaffen wurde, brachte Gott dazu, ihr seinen heiligen Namen zu verraten, der ihr schließlich unbegrenzte Macht verlieh. Lilith verlangte Flügel von Gott und flog davon. Nach ihrer Verbannung in die Hölle wurde „die Königin der Nacht“ eine der vier Bräute Satans, dem sie unzählige Dämonenkinder gebar. Noch heute ist Lilith eine vielbeachtete Figur, welche in der Kabbala als Würgerin kleiner Kinder und im menschlichen Bereich als gegenwärtige Gestalt der bösen Mächte gilt. Im ersten Teil der Goethe- Tragödie „Faust“ erscheint Lilith als weiblicher Satan auf der Walpurgisnacht.

Leviathan symbolisiert das Chaos auf Erden, dem der Mensch hoffnungslos ausgeliefert ist. Das Tier Leviathan ist ein Drache mit sieben Köpfen und zehn Hörnern. Ihm wird die Zahl 666 zugeordnet.

Luzifer war einst der strahlendste Engel von allen, der die übrigen Geschöpfe Gottes in Weisheit und Schönheit überragte. Seine Macht und Herrlichkeit stiegen ihm jedoch zu Kopf und er glaubte, sogar Gott übertreffen zu können. In Abwesenheit des Herrn setzte sich Luzifer auf dessen Thron und hetzte die anderen Engel gegen ihn auf. Als Gott wiederkehrte, überkam ihn Zorn und er befahl dem Erzengel Michael, ihn aus dem Himmel zu verbannen, worauf er sich in der Hölle sein eigenes Reich einrichtete.

Uriel zählt zu den zwielichten Gestalten. Als einziger Erzengel ist er nicht nimbiert und wird von der römischen Kirche nicht verehrt. Im Buch Henoch erfahren wir, dass er der Herrscher der Unterwelt ist. In der „Offenbarung des Petrus“ sowie den Apokryphen steht, dass Uriel am Tag des Jüngsten Gerichts die Pforten der Unterwelt öffnen und die Toten auferstehen lassen wird, um sie zu richten. Er wird die Sünder vor Gott führen und ihre Behausungen im ewigen Feuer verbrennen. Uriel fungiert als das „Feuer Gottes“. Mit flammendem Schwert steht er am Eingang des Paradieses und prüft die Seelen. Während der Engelverfolgung wurde er für einige Zeit in die Hölle verbannt, später jedoch wieder heiliggesprochen...

Das Böse zeigt sich in der Bibel nicht nur in Form übermächtiger Wesen, sondern ist auch in einfachen Menschen wie dem grausamen Herrscher Herodes oder Judas Iskariot verankert, der Jesus Christus an den Hohen Rat verraten hat.

Betrachtet man das Personenregister einmal ganz genau, so lässt sich sagen, dass es sich bei den porträtierten Figuren um Urbilder moderner menschlicher Charaktere handelt.

Das „Lexikon der biblischen Personen“ sei allen empfohlen, die sich für geistesgeschichtliche Themen interessieren. Es lässt sich wunderbar im Rahmen eines Studiums der Geschichts-, Literatur- sowie Kulturwissenschaften verwenden und ist ein Muss für alle Studierenden der Theologie.

geschrieben am 10.10.2004 | 850 Wörter | 5021 Zeichen

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