
| ISBN | 3936973482 | |
| Autoren | Danny Dreyer , Katherine Dreyer | |
| Verlag | Covadonga Verlag | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 330 | |
| Erscheinungsjahr | 2010 | |
| Extras | - |

Laufschulen gib es so viele wie es Läufer gibt; und da der Mensch von sich aus in gewissen Situationen gar nicht anders kann als laufen, kann man von vornherein sagen, dass Laufangebote sich an alle Mitglieder der Spezies Mensch richten. Nun, im Besonderen gilt dieser Wegweiser natürlich für diejenigen, die das Laufen, Joggen, Rennen, etc. für sich als Freizeit- oder sogar professionelle Sportbeschäftigung ansehen. Letztere Gruppe wird zumeist von diversen Fachleuten rund um die Uhr und in allen Bereichen betreut und kann bei speziellen Verletzungen oder Überlastungen auf das umfangreiche, medizinische oder sportpyhsiologische Wissen jener Koryphäen zurückgreifen. Die Breitensportler können das nicht, sich aber nun gleichsam sehr glücklich schätzen, denn Dreyer bietet hier einen umfangreichen und wohltuenden Leitfaden an.

ChiRunning, die sanfte Revolution der Laufschule, wie sich das Buch selbst betitelt, hält in den meisten Punkten das, was es verspricht. Es schaut nämlich zunächst einmal ganz genau hin. Anatomisch und physiologisch in die Abläufe bei dieser Fortbewegungsart und dessen vermeintlich häufigste Fehler, die unökonomisch und selbstzerstörerisch das eigene Gleichgewicht aus der Balance bringen. Dafür bietet Dreyer zahlreiche Alternativen und gibt exakte Anweisungen. Das aufgerichtete Laufen ist sicher, auch wenn dies in dem Buch auf typisch nordamerikanische Art und Weise so daherkommen mag, keine neue Erfindung, sondern seit jeher zentraler Bestandteil ausgewogener Bewegungspädagogen. Neu hingegen und sehr ausgeklügelt, das Herz dieses Buches sozusagen, ist die Anweisung, den Körper beim Laufen nach vorne fallen zu lassen, was mehrere Vorteile in der physikalischen Endabrechnung ergibt.
Auch der mentale Bereich, das ist das Positive, wird von Dreyer integriert. Ebenfalls nicht als Erster, aber dennoch mit wunderbarem Nachdruck, zeigt der in den USA in zahlreichen Medien bekannte Trainer, wie wichtig zentrale Prinzipien ostasiatischer Bewegungskünste in westlicher Sportambition seien können. Tai-Chi-Lehren werden hier auf geschickte und sinnvolle Art und Weise in die Gesamtessenz mit eingebaut. Lobenswert, lesenswert und nachahmenswert.
Auch der Aufbau des Buches zeigt einen gut strukturierten Geist. Theoretische Hintergründe, die schrittweise Hinführung in die Techniken, Optionen für ein individuelles Laufprogramm, ein mehr als guter Vorschlag für Auf- und Abwärmübungen und die prophylaktische Vorgehenswiese, um sich vor Verletzungen zu schützen, sind nur einige der vielen, profunden Kapitel dieses Buches. Nicht nur seine persönlichen Erfolge, sondern auch die seiner Schüler sprechen Bände.
Abschließend bleiben nur noch zwei nicht ganz so positive Dinge zu erwähnen. Zum einen wundert die Autorenvorstellung, denn Danny Dreyers Bild ist das einzige Konterfei über der pluralen Überschrift „die Autoren“. Eine seltsam krude Mischung falsch verstandener Emanzipation, die auch schon im Titel „Danny Dreyer mit Katherine Meyer“ ersichtlich wird. Entweder beide ganz oder einer ganz, mein Vorschlag. Das zweite ist die, wieder mal typisch amerikanische und von dort in die Welt verbreitete, häufig missverstandene Ausrichtung auf Core-Muskeln. Die gibt es, auch in der amerikanischen Welt, überhaupt nicht, und wenn man diesen wichtigen Teil des Körpers schon extraklassifizieren möchte, dann bitteschön als tiefe Rumpfmuskeln, und nicht wie von Dreyer fälschlicherweise behauptet und dargestellt, als oberflächliche Bauch- und Rückenmuskeln. Betrachtet man das eine mit einem Lächeln und nutzt die Core-Ideen vom Verständnis eines stabilen Zentrums, was ja Dreyer auch häufig anbietet, ist dieses Buch eine absolute Goldgrube, die man jedem ans Herz legen kann. Und unbedingt allen Läufern dieser Erde. Und davon hat es ja mehr als genug.
geschrieben am 30.05.2010 | 533 Wörter | 3322 Zeichen
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