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Der Mann mit der Ledertasche


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Rezension von

Ragan Tanger

Der Mann mit der Ledertasche Guter Stoff für die Ohren Es gibt Momente im Leben, die vergisst man nicht. Dazu gehören selbstredend auch fiktive Momente, die einem der Kuss der Muse ins Herz, ins Hirn oder gar auch in den Hoden geschossen hat. Cary Grant im Maisfeld oder Jackos Catwalk. Visualisierbar und mit all seinen Gefühlen und Gedanken wieder lebendig. Natürlich handelt es sich hier in den wenigsten Fällen um anthropologische Konstanten, die auf jeden Menschen zutreffen. Der eine memorisiert das erotische Sektperlen als Höhepunkt der Blechtrommel, der andere kann das Gemurmel von Schnitzlers Leutnant Gustl nicht vergessen. Und was bleibt von Charles Bukowski? Diese eine Szene, was weiß ich wann und in welchem Zustand ich sie lesen durfte, bleibt auf ewig eingebrannt. Volltrunken kommt der Held des Gedichtes, der Prosa, der Minierzählung (was auch immer es war, es war echter Bukowski) nach Hause, findet die Dame in seinem Bett, die er nicht kennt, es ist ihm aber auch ega, Hauptsache er kann sie zum Analverkehr gebrauchen. Morgens stellt er fest, dass es sich um einen Mann gehandelt hat. Ach, das also ist Ihnen von Bukowski in unauslöschliche Erinnerung geblieben? Ja! Nun ist er wieder da, als Hörbuch, gesprochen vom momentan in scheinbar allen deutschen Produktionen auftretenden Schauspieler Matthias Brandt. Und aufgelegt vom Kunstmann-Verlag, der seinem Name alle Ehre macht. Herrliches Digipack, fantastisch illustriert, jede der vier CDs mit einem Kunstdruck, der die Geschichte des Romans darstellt. Dazu ein feines Booklet mit einem grotesk-heroischen Auszug aus einem Bukowski-Interview mit dem Playboy aus dem Jahr 1977. Da war der Mann mit der Ledertasche, sein erster Prosaroman nach unzähligen Jahren voll gequollener Scheiße (Bukowski über seine Gedichte in den Anfangsjahren) gerade sechs Jahre alt und das Sprungbrett vom Outsider zum Helden, auch wenn der Held natürlich immer der Outsider geblieben ist. Henry Chinanski ist der autobiographische Held, den Bukowski größtenteils selbst erlebt hat. Postbeamter und Außenseiter, Alleingänger und Draufgänger, in erster Linie gegen und mit sich selbst. Das Scheitern, welches er schildert, ist ohne Mitgefühl und ohne Romantik. Es ist echt, so wie seine Begriffe derb und roh sind, aber nicht weniger wirklich. Die ganze Welt besteht aus Arschlöchern, ruft er Freundin Joyce zu, die sich nach dem Essen von Meeresgetier übergeben muss, nachdem sie just diese an den Organismen zu entdecken glaubte. Wie recht er hat, der Onkel Charles. Und die ganze Welt muss kotzen, saufen, essen, vögeln. Der Rest ist virtuell und wäre für Bukowski ein schlechter Witz gewesen. Gut, dass er das Drama Internet nicht mehr erleben muss; wahrscheinlich hätte er auch mit Hörbüchern nicht viel zu tun gehabt. So what. Die Probleme mit Arbeitgeber, Beziehungen, Körper und Nährgewohnheiten bilden den Rahmen für das psychosoziale Drama, das Bukowski gekonnt simpel und ohne Künsteleien aufspannt und das von Brandt ebenso stark präsentiert wird. Was wirklich zählt, ist Bukowskis Absage an jedwede Ideologie. Keine politischen Ideale, keine ethischen Gesetzmäßigkeiten, kein Für, kein Wider, herrlich anarchisch lässt er Kerouac und die ganze Beat-Generation, mit der Bukowski eigentlich zusammenfiel, links liegen. Geboren wurde er übrigens 1920 in Andernach, zwischen Rhein und Eifel. Sie können es sich schon denken: Das ging ihm am komplett am Arsch vorbei! Fazit: Das erste Mal auf CD! Bukowskis bittersüße Abrechnung mit der Welt. Wer diese Rezension ohne rot zu werden lesen konnte, muss hören und danach saufen oder vögeln, zumindest aber fressen. So sieht’s aus.

Guter Stoff für die Ohren

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Es gibt Momente im Leben, die vergisst man nicht. Dazu gehören selbstredend auch fiktive Momente, die einem der Kuss der Muse ins Herz, ins Hirn oder gar auch in den Hoden geschossen hat. Cary Grant im Maisfeld oder Jackos Catwalk. Visualisierbar und mit all seinen Gefühlen und Gedanken wieder lebendig. Natürlich handelt es sich hier in den wenigsten Fällen um anthropologische Konstanten, die auf jeden Menschen zutreffen. Der eine memorisiert das erotische Sektperlen als Höhepunkt der Blechtrommel, der andere kann das Gemurmel von Schnitzlers Leutnant Gustl nicht vergessen. Und was bleibt von Charles Bukowski? Diese eine Szene, was weiß ich wann und in welchem Zustand ich sie lesen durfte, bleibt auf ewig eingebrannt. Volltrunken kommt der Held des Gedichtes, der Prosa, der Minierzählung (was auch immer es war, es war echter Bukowski) nach Hause, findet die Dame in seinem Bett, die er nicht kennt, es ist ihm aber auch ega, Hauptsache er kann sie zum Analverkehr gebrauchen. Morgens stellt er fest, dass es sich um einen Mann gehandelt hat. Ach, das also ist Ihnen von Bukowski in unauslöschliche Erinnerung geblieben? Ja!

Nun ist er wieder da, als Hörbuch, gesprochen vom momentan in scheinbar allen deutschen Produktionen auftretenden Schauspieler Matthias Brandt. Und aufgelegt vom Kunstmann-Verlag, der seinem Name alle Ehre macht. Herrliches Digipack, fantastisch illustriert, jede der vier CDs mit einem Kunstdruck, der die Geschichte des Romans darstellt. Dazu ein feines Booklet mit einem grotesk-heroischen Auszug aus einem Bukowski-Interview mit dem Playboy aus dem Jahr 1977. Da war der Mann mit der Ledertasche, sein erster Prosaroman nach unzähligen Jahren voll gequollener Scheiße (Bukowski über seine Gedichte in den Anfangsjahren) gerade sechs Jahre alt und das Sprungbrett vom Outsider zum Helden, auch wenn der Held natürlich immer der Outsider geblieben ist.

Henry Chinanski ist der autobiographische Held, den Bukowski größtenteils selbst erlebt hat. Postbeamter und Außenseiter, Alleingänger und Draufgänger, in erster Linie gegen und mit sich selbst. Das Scheitern, welches er schildert, ist ohne Mitgefühl und ohne Romantik. Es ist echt, so wie seine Begriffe derb und roh sind, aber nicht weniger wirklich. Die ganze Welt besteht aus Arschlöchern, ruft er Freundin Joyce zu, die sich nach dem Essen von Meeresgetier übergeben muss, nachdem sie just diese an den Organismen zu entdecken glaubte. Wie recht er hat, der Onkel Charles. Und die ganze Welt muss kotzen, saufen, essen, vögeln. Der Rest ist virtuell und wäre für Bukowski ein schlechter Witz gewesen. Gut, dass er das Drama Internet nicht mehr erleben muss; wahrscheinlich hätte er auch mit Hörbüchern nicht viel zu tun gehabt. So what.

Die Probleme mit Arbeitgeber, Beziehungen, Körper und Nährgewohnheiten bilden den Rahmen für das psychosoziale Drama, das Bukowski gekonnt simpel und ohne Künsteleien aufspannt und das von Brandt ebenso stark präsentiert wird. Was wirklich zählt, ist Bukowskis Absage an jedwede Ideologie. Keine politischen Ideale, keine ethischen Gesetzmäßigkeiten, kein Für, kein Wider, herrlich anarchisch lässt er Kerouac und die ganze Beat-Generation, mit der Bukowski eigentlich zusammenfiel, links liegen. Geboren wurde er übrigens 1920 in Andernach, zwischen Rhein und Eifel. Sie können es sich schon denken: Das ging ihm am komplett am Arsch vorbei!

Fazit: Das erste Mal auf CD! Bukowskis bittersüße Abrechnung mit der Welt. Wer diese Rezension ohne rot zu werden lesen konnte, muss hören und danach saufen oder vögeln, zumindest aber fressen. So sieht’s aus.

geschrieben am 16.01.2012 | 552 Wörter | 3060 Zeichen

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