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Geschichte Augsburgs


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Rezension von

Hiram Kümper

Geschichte Augsburgs Eine neue Stadtgeschichte Augsburg muss sich die Frage nach ihrer Berechtigung wohl gefallen lassen. Zu viele Vorgänger sind bereits erschienen, die die Spannbreite zwischen populärer und wissenschaftlicher Behandlung nach allen Seiten hin ausschöpfen. Der Züricher Historiker Bernd Roeck, selbst gebürtiger Augsburger, hat nun eine weitere Geschichte jener alten Reichsstadt vorlegt. Von der geographischen Geländeformation im Neolithikum bis zur verfemten „Lechkloake“ (Thomas Bernhard) der Gegenwart führt Roeck durch etwas über 2000 Jahre Stadtgeschichte, die im weitesten Sinne mit der ersten römischen Garnison um 46 vor Christus anhebt. Begleitet wird dieser Rundgang, der immer wieder, wie nebenbei am Perlachturm als elegantes Strukturmerkmal anlangt, von einer Fülle hoch qualitativer Bilder, die von der Pracht des alten Augsburg zeugen. Jene „goldene Zeit“, die in der Person Jakob Fuggers ihren wohl sinnfälligsten wie prominentesten Ausdruck fand. Im Zeitalter der Reformation war Augsburg eine streng paritätische Stadt, in der Protestanten und Katholiken vollkommene politische Gleichberechtigung zugestanden wurde. Nicht erst seit der viel beachteten Studie des französischen Historikers Etienne François wissen wir um Segen und Fluch dieser koresettartigen Gleichberechtigung. Roeck gelingt es nicht nur, die komplexen politischen Formationen der Zeit in klaren Worten darzulegen, er kennzeichnet auch mit viel Feingefühl die spezielle Augsburger Mentalität, die aus ihr entsprungen sei. Eine Lebenseinstellung, die für Roeck als eine longue durée bis ins Dritte Reich ihre Nachwirkungen zeigte. Auch diese dunklen Jahre Augsburgs weis der Verfasser angemessen zu schildern. Ein Kunstgriff ist dabei die Abbildung des Hitlerbesuchs vom 19. März 1937: Hitler selbst ist dabei aus dem Bild gerückt, zu sehen sind lediglich die ihm zujubelnden Massen und im Hintergrund – der Augustusbrunnen. Die wenigen Seiten, die Roeck der Augsburger Nachkriegszeit widmet, scheinen das Verdikt des Schriftstellers Thomas Bernhards nur zu bestätigen, dass aus der einstigen Lechmetropole eine Kleinstadt, das „muffige, verabscheuungswürdige Nest“ geworden sei. Im Sinne des Verfassers lag das sicher nicht. Ganz still und doch liebevoll endet die elegante Darstellung: „Die Augsburgerinnen und Augsburger […] taten meist nichts Nennenswertes, aber […] ein wenig Zukunft wird ihrer Stadt schon noch beschieden sein.“ Ob diese neue Stadtgeschichte angesichts der vielen Vorgänger notwendig gewesen sei, ist kaum zu sagen. Wahrscheinlich war sie es nicht. Sie ist aber etwas anderes – und das in hohem Maße: Ein Lesevergnügen.

Eine neue Stadtgeschichte Augsburg muss sich die Frage nach ihrer Berechtigung wohl gefallen lassen. Zu viele Vorgänger sind bereits erschienen, die die Spannbreite zwischen populärer und wissenschaftlicher Behandlung nach allen Seiten hin ausschöpfen. Der Züricher Historiker Bernd Roeck, selbst gebürtiger Augsburger, hat nun eine weitere Geschichte jener alten Reichsstadt vorlegt. Von der geographischen Geländeformation im Neolithikum bis zur verfemten „Lechkloake“ (Thomas Bernhard) der Gegenwart führt Roeck durch etwas über 2000 Jahre Stadtgeschichte, die im weitesten Sinne mit der ersten römischen Garnison um 46 vor Christus anhebt. Begleitet wird dieser Rundgang, der immer wieder, wie nebenbei am Perlachturm als elegantes Strukturmerkmal anlangt, von einer Fülle hoch qualitativer Bilder, die von der Pracht des alten Augsburg zeugen. Jene „goldene Zeit“, die in der Person Jakob Fuggers ihren wohl sinnfälligsten wie prominentesten Ausdruck fand. Im Zeitalter der Reformation war Augsburg eine streng paritätische Stadt, in der Protestanten und Katholiken vollkommene politische Gleichberechtigung zugestanden wurde. Nicht erst seit der viel beachteten Studie des französischen Historikers Etienne François wissen wir um Segen und Fluch dieser koresettartigen Gleichberechtigung. Roeck gelingt es nicht nur, die komplexen politischen Formationen der Zeit in klaren Worten darzulegen, er kennzeichnet auch mit viel Feingefühl die spezielle Augsburger Mentalität, die aus ihr entsprungen sei. Eine Lebenseinstellung, die für Roeck als eine longue durée bis ins Dritte Reich ihre Nachwirkungen zeigte. Auch diese dunklen Jahre Augsburgs weis der Verfasser angemessen zu schildern. Ein Kunstgriff ist dabei die Abbildung des Hitlerbesuchs vom 19. März 1937: Hitler selbst ist dabei aus dem Bild gerückt, zu sehen sind lediglich die ihm zujubelnden Massen und im Hintergrund – der Augustusbrunnen. Die wenigen Seiten, die Roeck der Augsburger Nachkriegszeit widmet, scheinen das Verdikt des Schriftstellers Thomas Bernhards nur zu bestätigen, dass aus der einstigen Lechmetropole eine Kleinstadt, das „muffige, verabscheuungswürdige Nest“ geworden sei. Im Sinne des Verfassers lag das sicher nicht. Ganz still und doch liebevoll endet die elegante Darstellung: „Die Augsburgerinnen und Augsburger […] taten meist nichts Nennenswertes, aber […] ein wenig Zukunft wird ihrer Stadt schon noch beschieden sein.“ Ob diese neue Stadtgeschichte angesichts der vielen Vorgänger notwendig gewesen sei, ist kaum zu sagen. Wahrscheinlich war sie es nicht. Sie ist aber etwas anderes – und das in hohem Maße: Ein Lesevergnügen.

geschrieben am 02.09.2005 | 366 Wörter | 2260 Zeichen

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