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Die 101 wichtigsten Fragen: Die 101 wichtigsten Fragen - Mittelalter


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Rezension von

Hiram Kümper

Die 101 wichtigsten Fragen - Mittelalter Nicht nur der Titel dieses Bändchens ist ungewöhnlich, seine Entstehung ist es nicht minder. Über zwei Semester lang hat die Münchner Ordinaria Claudia Märtl zusammen mit Studenten das vorliegende Sachbuch konzipiert und in die Tat umgesetzt. Der Titel, der sich in eine Reihe des Beck-Verlages mit ähnlichen Bänden zu den Themen ‚Christum’, ‚Moderne Kunst’ und ‚Antike’ einfügt, will sich dabei sicher nicht so bierernst genommen werden, wie es die vorweg geschilderten heftigen Diskussion nahe zu legen scheinen – denn wer wollte sich allen Ernstes dazu aufschwingen, „das Mittelalter“ zu kanonisieren? Und so mag man das Reihenkonzept wohl eher als Koketterie mit der neuen Wissensgesellschaft der Wer-wird-Millionär-Generation verstehen, die ja – allen Unkenrufen zum Trotz und mit allen notwendigen Dämpfern gegenüber unverhohlenem Optimismus – immerhin wieder ein Interesse an vermeintlich ferner liegenden Bildungsinhalten geweckt hat. Dem vielberühmten interessierten Laien ist der Band denn auch gewidmet und diese vom Fachhistoriker so geliebte und oft vergebens gesuchte Spezies wird mit Sicherheit Antworten finden auf die eine oder andere Frage, die ihm länger schon unter den Nägeln brannte. Im wahrsten Sinne des Wortes eine Freude ist zum Beispiel der Beitrag zur Frage ‚Durften die Menschen lachen?’ (S. 124f.). Eine Frage, die in der Tat so manches Herz bewegt haben dürfte, das gebannt Ecos spannendem Klosterthriller im Buch oder auf der Leinwand gefolgt ist. Andere Absätze handeln trockenere Materie ab. ‚Was war das Lehnswesen?’ (S. 30f.) hat auch François Ganshof schon einmal, allerdings in monographischem Umfang, gefragt. Die Antwort liegt ganz ähnlich. Diese und ähnliche, rein lexikalische Auskünfte, die der Begriffsklärung dienen, geraten in der notwendigen Kürze leicht ins Schulmeisterische, läge für solcherlei Fragen doch auch ein Blick ins Konversationslexikon fast näher. Interessant wird es, wenn ganz alltägliche Fragen nach dem Wie oder Warum, wie sie sich jenem vielzitierten ‚interessierten Laien’ durchaus stellen mögen, aber nicht durch das rasche Googlen beantwortet werden, angesprochen werden. Fragen, wie ‚Wie schmutzig war das Mittelalter?’ (S. 97f.) oder ‚Was konnte ein Meister der freien Künste?’ (S. 111). Das gilt nicht minder für Fragen, die zu stellen wohl den wenigstens in den Sinn gekommen wäre, beispielsweise ‚Welches Volk Europas hat die meisten Reiche gegründet?’ (S. 64f.) – die Skandinavier waren’s. Korrektive Kleinigkeiten lassen sich selbstverständlich immer anbringen, so auch hier: So wurde Konstantinopel mitnichten, wie allerdings tatsächlich hier und da zu lesen, nach seinem Fall 1453 in Istanbul umbenannt (S. 76), sondern erst 1930 unter Atatürk. Der griechische Name („is tin polin“) allerdings findet sich in der Tat bereits vorher, vor allem in türkischen volkssprachlichen Quellen. Wenn es um die Könige des deutschen Reiches geht, finden sich bei Maximilian I. die Regentschaftsjahre seines Kaisertums (S. 62); König war er bereits 1486. Und ob man angesichts der nestorianischen Mission in Asien tatsächlich davon wird sprechen können, dass das Christentum erst mit der Entdeckung aus Europa hinaus getragen werden konnte, bleibt zumindest eine Frage der Bewertung (S. 44). Solche und ähnliche kleine Nachlässigkeiten oder diskutable Punkte, die dem überkritischen Rezensenten ein gefundenes Fressen sein mögen, finden sich durch den gesamten Band immer wieder, ohne dass sie nach Anzahl oder Bedeutung ausgesprochen be-denklich wären. Im Gegenteil, der anvisierte Leser muss stets im Blick bleiben: Die studentischen Verfasser und ihre Herausgeberin haben ein gut bekömmliches, oftmals unterhaltsames und sicherlich lehrsames Büchlein vorgelegt, das besagtem interessierten Laien manche gute Lektüre bescheren wird.

Nicht nur der Titel dieses Bändchens ist ungewöhnlich, seine Entstehung ist es nicht minder. Über zwei Semester lang hat die Münchner Ordinaria Claudia Märtl zusammen mit Studenten das vorliegende Sachbuch konzipiert und in die Tat umgesetzt. Der Titel, der sich in eine Reihe des Beck-Verlages mit ähnlichen Bänden zu den Themen ‚Christum’, ‚Moderne Kunst’ und ‚Antike’ einfügt, will sich dabei sicher nicht so bierernst genommen werden, wie es die vorweg geschilderten heftigen Diskussion nahe zu legen scheinen – denn wer wollte sich allen Ernstes dazu aufschwingen, „das Mittelalter“ zu kanonisieren? Und so mag man das Reihenkonzept wohl eher als Koketterie mit der neuen Wissensgesellschaft der Wer-wird-Millionär-Generation verstehen, die ja – allen Unkenrufen zum Trotz und mit allen notwendigen Dämpfern gegenüber unverhohlenem Optimismus – immerhin wieder ein Interesse an vermeintlich ferner liegenden Bildungsinhalten geweckt hat. Dem vielberühmten interessierten Laien ist der Band denn auch gewidmet und diese vom Fachhistoriker so geliebte und oft vergebens gesuchte Spezies wird mit Sicherheit Antworten finden auf die eine oder andere Frage, die ihm länger schon unter den Nägeln brannte. Im wahrsten Sinne des Wortes eine Freude ist zum Beispiel der Beitrag zur Frage ‚Durften die Menschen lachen?’ (S. 124f.). Eine Frage, die in der Tat so manches Herz bewegt haben dürfte, das gebannt Ecos spannendem Klosterthriller im Buch oder auf der Leinwand gefolgt ist. Andere Absätze handeln trockenere Materie ab. ‚Was war das Lehnswesen?’ (S. 30f.) hat auch François Ganshof schon einmal, allerdings in monographischem Umfang, gefragt. Die Antwort liegt ganz ähnlich. Diese und ähnliche, rein lexikalische Auskünfte, die der Begriffsklärung dienen, geraten in der notwendigen Kürze leicht ins Schulmeisterische, läge für solcherlei Fragen doch auch ein Blick ins Konversationslexikon fast näher. Interessant wird es, wenn ganz alltägliche Fragen nach dem Wie oder Warum, wie sie sich jenem vielzitierten ‚interessierten Laien’ durchaus stellen mögen, aber nicht durch das rasche Googlen beantwortet werden, angesprochen werden. Fragen, wie ‚Wie schmutzig war das Mittelalter?’ (S. 97f.) oder ‚Was konnte ein Meister der freien Künste?’ (S. 111). Das gilt nicht minder für Fragen, die zu stellen wohl den wenigstens in den Sinn gekommen wäre, beispielsweise ‚Welches Volk Europas hat die meisten Reiche gegründet?’ (S. 64f.) – die Skandinavier waren’s. Korrektive Kleinigkeiten lassen sich selbstverständlich immer anbringen, so auch hier: So wurde Konstantinopel mitnichten, wie allerdings tatsächlich hier und da zu lesen, nach seinem Fall 1453 in Istanbul umbenannt (S. 76), sondern erst 1930 unter Atatürk. Der griechische Name („is tin polin“) allerdings findet sich in der Tat bereits vorher, vor allem in türkischen volkssprachlichen Quellen. Wenn es um die Könige des deutschen Reiches geht, finden sich bei Maximilian I. die Regentschaftsjahre seines Kaisertums (S. 62); König war er bereits 1486. Und ob man angesichts der nestorianischen Mission in Asien tatsächlich davon wird sprechen können, dass das Christentum erst mit der Entdeckung aus Europa hinaus getragen werden konnte, bleibt zumindest eine Frage der Bewertung (S. 44). Solche und ähnliche kleine Nachlässigkeiten oder diskutable Punkte, die dem überkritischen Rezensenten ein gefundenes Fressen sein mögen, finden sich durch den gesamten Band immer wieder, ohne dass sie nach Anzahl oder Bedeutung ausgesprochen be-denklich wären. Im Gegenteil, der anvisierte Leser muss stets im Blick bleiben: Die studentischen Verfasser und ihre Herausgeberin haben ein gut bekömmliches, oftmals unterhaltsames und sicherlich lehrsames Büchlein vorgelegt, das besagtem interessierten Laien manche gute Lektüre bescheren wird.

geschrieben am 08.05.2006 | 547 Wörter | 3252 Zeichen

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