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Hellblazer: Bd. 1: Die giftige Wahrheit


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Rezension von

Frank Drehmel

Hellblazer: Bd. 1: Die giftige Wahrheit Mit der Wiedergeburt des DC-Universums betritt erneut ein Spieler die große Bühne, dessen Zenit schon lange überschritten schien: John Constantine! Ursprünglich in Alan Moores „Swamp Thing“-Serie debütiert hatte der egozentrische, egoistische, zynische Trickser, Magier, Kettenraucher seine große Zeit in einer eigenen Vertigo-Reihe außerhalb der DC-Universe-Kontinuität, die es zwischen 1988 und 2013 auf immer 300 Hefte brachte. Dannach verlor sich die Spur des Magiers zwar nicht gänzlich, aber durch die Integration in den DC-Kanon büßte die Figur einen signifikanten Teil ihrer „Bad Ass“-Attitüde bzw. Ausstrahlung ein. Mit dem Rebirth, dem großen neuen weiteren Wiedergeburtsevent DCs versucht Autor Simon Oliver, dem Charakter ein wenig dessen zurückzugeben, was ihn einst auszeichnete: Skrupellosigkeit, Zynismus, Exzentrik, Egozentrik, einen manipulativen Habitus, das Wesen eines Tricksers und Täuschers. Und er scheitert. Zwar nicht gänzlich, aber doch so sehr, dass alte Leser nach wie vor dem alten John hinterher trauern werden. Nachdem es John Constantine eher unfreiwillig nach New York verschlug, beschließt er, zurück nach Großbritannien zu kehren, nach London, die Eiterbeule am Arsch Europas. Johns Problem: die Rückkehr wird ihm seine Seele kosten, sollte er nicht ein Spiel gegen einen Dämon gewinnen, ein Spiel, in dessen Verlauf der Hellblazer zudem das Leben von acht Millionen Lodonern als Einsatz riskieren muss. Als der Status Quo wieder hergestellt ist, erhält John Besuch vom Swamp Thing, welches eine Schuld eintreiben will. Constantine soll ihm bei der Suche nach Abby unterstützen, der ehemaligen großen Liebe, des Avatars des Grüns, einer jungen Frau, die als neuer Avatar der Fäulnis mittlerweile spurlos verschwunden ist. Schon bald findet John heraus, das mächtige Gegenspieler die Suche nach dem Avatar zu hintertreiben versuchen, Gegenspieler, deren Motive zwar unklar bleibe, deren Macht dafür umso gewaltiger ist. Wesen vom Anbeginn der Zeit, die Djinn, die, seit sie beim Schöpfer in Ungnade fielen, verborgen vor der Menschheit ein Dasein am Rande der Wirklichkeit fristeten, proben einen tödlichen Aufstand. Alte John Constantine-Fans werden sich vordergründig nicht nur über das Wiedersehen mit einigen mehr oder weniger liebgewonnen Pro- und Antagonisten aus der Serien-Historie freuen, sondern ob der einen oder anderen Anspielung auch das eigene Nerd-Wesen befriedigt oder befriedet sehen. Dass der wiedergeborene Hellblazer dennoch nicht rund läuft, hat im Wesentlichen zwei Ursachen, von denen die augenfälligere das – freundlich ausgedrückt – enttäuschende Artwork Moritats ist. Der grobe, fahrige Duktus und oft toonhaft wirkende Physiognomien – insbesondere die Augenpartien wirken einem Archie-Comic entsprungen – machen es schier unmöglich, die Geschichte visuell ernst zu nehmen, sodass anstatt Spannung und Horror eher verhaltenes Kichern Raum greift. Pia Guerras Ansatz ist zwar zeichnerisch feiner, aber ihre Figuren sind so elegant-androgyn, dass sie das per se düstere Setting sprengen und Out-of-Character wirken. Die Handlung selbst ist plakativ-vordergründig und stereotyp konzipiert: mit kleinen Andeutungen und hin und wieder großem Trara und Brimborium wird ein geheimnisvoller Feind, Popanz entwickelt, der jenseits der behaupteten Gefährlichkeit geradezu lammfromm daherkommt, jedenfalls verglichen mit dem, was das Herz eines Hellblazer-Fans in der Vergangenheit erfreute. Kurz und schmerzlos: die Djinn sind strunzlangweilig. Schwach auch die Texte: insbesondere die Dialoge lassen jede Hintergründigkeit vermissen. Stattdessen Klamauk mit Dampfhammer, der jeden bösen Zynismus, jede ironische oder satirische, jede ernsthafte Note platt wie ein Seiden-Tutu bügelt. Fazit: Obgleich die neue Serie gerade Einsteigern einen Eindruck davon vermitteln mag, dass es jenseits von Supie & Co. eine dunklere DC-Wirklichkeit geben könnte, so gestaltet sich die Wiedergeburt des Hellblazers aus Sicht eines langjährigen Fans sowohl erzählerisch, als auch erst recht grafisch enttäuschend. Manches sollte man ruhen lassen, bis die Zeit reif ist und sich ein ehrlich ambitionierter Autor und begnadeter Zeichner einer Serie annehmen kann.

Mit der Wiedergeburt des DC-Universums betritt erneut ein Spieler die große Bühne, dessen Zenit schon lange überschritten schien: John Constantine!

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Ursprünglich in Alan Moores „Swamp Thing“-Serie debütiert hatte der egozentrische, egoistische, zynische Trickser, Magier, Kettenraucher seine große Zeit in einer eigenen Vertigo-Reihe außerhalb der DC-Universe-Kontinuität, die es zwischen 1988 und 2013 auf immer 300 Hefte brachte. Dannach verlor sich die Spur des Magiers zwar nicht gänzlich, aber durch die Integration in den DC-Kanon büßte die Figur einen signifikanten Teil ihrer „Bad Ass“-Attitüde bzw. Ausstrahlung ein.

Mit dem Rebirth, dem großen neuen weiteren Wiedergeburtsevent DCs versucht Autor Simon Oliver, dem Charakter ein wenig dessen zurückzugeben, was ihn einst auszeichnete: Skrupellosigkeit, Zynismus, Exzentrik, Egozentrik, einen manipulativen Habitus, das Wesen eines Tricksers und Täuschers. Und er scheitert. Zwar nicht gänzlich, aber doch so sehr, dass alte Leser nach wie vor dem alten John hinterher trauern werden.

Nachdem es John Constantine eher unfreiwillig nach New York verschlug, beschließt er, zurück nach Großbritannien zu kehren, nach London, die Eiterbeule am Arsch Europas. Johns Problem: die Rückkehr wird ihm seine Seele kosten, sollte er nicht ein Spiel gegen einen Dämon gewinnen, ein Spiel, in dessen Verlauf der Hellblazer zudem das Leben von acht Millionen Lodonern als Einsatz riskieren muss.

Als der Status Quo wieder hergestellt ist, erhält John Besuch vom Swamp Thing, welches eine Schuld eintreiben will. Constantine soll ihm bei der Suche nach Abby unterstützen, der ehemaligen großen Liebe, des Avatars des Grüns, einer jungen Frau, die als neuer Avatar der Fäulnis mittlerweile spurlos verschwunden ist.

Schon bald findet John heraus, das mächtige Gegenspieler die Suche nach dem Avatar zu hintertreiben versuchen, Gegenspieler, deren Motive zwar unklar bleibe, deren Macht dafür umso gewaltiger ist. Wesen vom Anbeginn der Zeit, die Djinn, die, seit sie beim Schöpfer in Ungnade fielen, verborgen vor der Menschheit ein Dasein am Rande der Wirklichkeit fristeten, proben einen tödlichen Aufstand.

Alte John Constantine-Fans werden sich vordergründig nicht nur über das Wiedersehen mit einigen mehr oder weniger liebgewonnen Pro- und Antagonisten aus der Serien-Historie freuen, sondern ob der einen oder anderen Anspielung auch das eigene Nerd-Wesen befriedigt oder befriedet sehen.

Dass der wiedergeborene Hellblazer dennoch nicht rund läuft, hat im Wesentlichen zwei Ursachen, von denen die augenfälligere das – freundlich ausgedrückt – enttäuschende Artwork Moritats ist. Der grobe, fahrige Duktus und oft toonhaft wirkende Physiognomien – insbesondere die Augenpartien wirken einem Archie-Comic entsprungen – machen es schier unmöglich, die Geschichte visuell ernst zu nehmen, sodass anstatt Spannung und Horror eher verhaltenes Kichern Raum greift. Pia Guerras Ansatz ist zwar zeichnerisch feiner, aber ihre Figuren sind so elegant-androgyn, dass sie das per se düstere Setting sprengen und Out-of-Character wirken.

Die Handlung selbst ist plakativ-vordergründig und stereotyp konzipiert: mit kleinen Andeutungen und hin und wieder großem Trara und Brimborium wird ein geheimnisvoller Feind, Popanz entwickelt, der jenseits der behaupteten Gefährlichkeit geradezu lammfromm daherkommt, jedenfalls verglichen mit dem, was das Herz eines Hellblazer-Fans in der Vergangenheit erfreute. Kurz und schmerzlos: die Djinn sind strunzlangweilig.

Schwach auch die Texte: insbesondere die Dialoge lassen jede Hintergründigkeit vermissen. Stattdessen Klamauk mit Dampfhammer, der jeden bösen Zynismus, jede ironische oder satirische, jede ernsthafte Note platt wie ein Seiden-Tutu bügelt.

Fazit: Obgleich die neue Serie gerade Einsteigern einen Eindruck davon vermitteln mag, dass es jenseits von Supie & Co. eine dunklere DC-Wirklichkeit geben könnte, so gestaltet sich die Wiedergeburt des Hellblazers aus Sicht eines langjährigen Fans sowohl erzählerisch, als auch erst recht grafisch enttäuschend. Manches sollte man ruhen lassen, bis die Zeit reif ist und sich ein ehrlich ambitionierter Autor und begnadeter Zeichner einer Serie annehmen kann.

geschrieben am 04.11.2017 | 586 Wörter | 3611 Zeichen

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