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Karnak: Der Makel in allen Dingen


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Rezension von

Frank Drehmel

Karnak: Der Makel in allen Dingen 1965 war das „heutige“- nicht das erste - Marvel-Universum noch relativ jung und expandierte unter den Koryphäen Stan Lee und Jack Kirby mit geradezu atemberaubender Geschwindigkeit. Ein Held oder Schurke nach dem anderen tauchte am kreativen Ereignishorizont auf und an mancher heroischer Tafelrunde versammelten sich neugeborene Protagonisten, um vereint den Fährnissen des Seins die Stirn, Hörner oder Haare zu bieten. Eines dieser Teams waren die „Inhumans“, durch das Ritual der sogenannten Terriginese zu Übermenschen mutierte Wesen: Im Kern unterschieden sich die Inhumans nicht signifikant von den X-Men und das Etikett „Wie die X-Men, nur in langweilig!“ konnten sie bis heute und trotz neuer Crossover-Entwicklungen im Marvel-Kosmos nicht wirklich abschütteln. Ein Charakter jedoch strahlte innerhalb dieses Wesen-Konglomerats aus Durchschnittlichkeit wie ein Leuchtfeuer: Karnak Mander-Azur, der Cousin des ehemaligen Anführers der Inhumans. Anders als seine Mitstreiter durchlief Karnak nicht den gefährlichen, oftmals tödlichen Terriginese-Prozess. Stattdessen beschritt er den mühsamen Weg des Meditierens, Lernens und Forschens, um seinen Körper zu stählen, Fertigkeiten der Kriegsführung und des Kampfes bis weit jenseits normaler Meisterschaft zu erwerben und seinen Geist so zu schärfen, dass er den Makel, den Schwachpunkt eines jeden Dinges, Wesens oder Konzeptes erkennt und selbst das Konzept „Tod“ nicht länger Bedeutung für ihn hat. Eben jener Karnak begibt sich auf Bitte Phil Coulsons – selbst nicht Comic-affine Leser mögen diese Figur aus Kino-Film und/oder TV-Show kennen – auf eine Mission der Regierungsbehörde SHIELD. Er soll einen mutmaßlich entführten Jungen suchen, der, vom Terrigen-Nebel berührt, keine signifikanten Veränderungen zeigte und dessen Verschwinden daher umso rätselhafter scheint. So macht sich der schweigsame Mönch auf eine Suche, die ihn aus seinem stillen, abgeschiedenen Turm der Weisheit in die Welt der Menschen führt, eine Reise an deren Ende die Konfrontation mit einem Wesen steht, das über die Gabe verfügt, den Wunsch eines Jeden Realität werden zu lassen: „Was willst du, Karnak? Was macht dich ganz?“ Der Brite Warren Ellis gehört wie einst Stan Lee zur Crème de la Crème moderner Comic-Autoren und seine Serie „Transmetropolitan“ (dt. bei Panini) gehört mit ihrem überbordenden Ideenreichtum wohl zum Abgefahrensten, was die späten 90'er-Jahre des letzten Jahrtausends zu bieten hatten. In „Karnak“ beschreitet er einen deutlich ruhigeren Erzählweg: die Handlung ist klar, fast linear mit nur wenigen Rück- und Umblenden, die Dialoge lakonisch, kühl, mit einem ab und an grimmigen Humor - oft sind mehrere Seiten hintereinander vollkommen textfrei, ohne dass das der Faszination einen Abbruch tut -, der Hauptprotagonist ist – wie ehedem Spider Jerusalem - zutiefst nihilistisch: „„Lebendig“ und „tot“ sind nur elektrochemische Zustände“! Doch anders als sein Transmetropolitan-Pendant, sucht Karnak keine Erlösung, Erkenntnis in Drogen, im hedonistischen, exzessiven Auskosten, sondern in Kontemplation, im Meditieren über einem Würfel - ein Motiv, das sich wiederholt -, im Lehren und Lernen. Gewalt ist für den „Mönch“ – und in ihrer Anwendung erweist sich Karnak als kompromissloser, als zahllose Comic-(Anti)helden - ein Mittel zum Zweck einer wie auch immer definierten Zielerfüllung, Leben bedeutet ihm, der Steine in einer „blinden Zeit“ für Wichtiger als Menschen ansieht, letztendlich nichts. In dieser Hinsicht – und das macht die Figur so faszinierend – unterscheidet sich Karnak fundamental von fast allen Meistern der westlichen Popkultur, angefangen bei Master Po über Hausmeister Miyagi bis hin zu Yoda, die das Leben wertschätzen, ja lieben. So kühl der Hauptcharakter, so lakonisch, rau das Artwork. Figuren wie Hintergründe werden eher knapp umrissen, sind nicht detailliert ausgearbeitet. Ihre visuelle Kraft schöpfen die Zeichnungen aus einer hohen Dynamik in der Anordnung der Panels sowie der Inszenierung, den Posen der Protagonisten. Zuweilen harte, immer jedoch klare – hierin unterscheiden sich die einzelnen Künstler stilistisch - Verschattungen und eine nur selten farbkontrastreiche Kolorierung spiegeln die intellektuelle Kälte von Karnaks philosophischem Ansatz perfekt wider. Fazit: Selbst wenn man in den Inhumans generell lediglich das sedidative Moment zu erkennen vermag, so ist Ellis' Karnak eine hochspannende Persönlichkeit. Zwar ist die Story vergleichsweise einfach konstruiert und philosophische Fragen werden nur angedeutet, dennoch zeugt die vorliegende Miniserie einmal mehr von Ellis' Erzählkunst. Uneingeschränkt empfehlenswert.

1965 war das „heutige“- nicht das erste - Marvel-Universum noch relativ jung und expandierte unter den Koryphäen Stan Lee und Jack Kirby mit geradezu atemberaubender Geschwindigkeit. Ein Held oder Schurke nach dem anderen tauchte am kreativen Ereignishorizont auf und an mancher heroischer Tafelrunde versammelten sich neugeborene Protagonisten, um vereint den Fährnissen des Seins die Stirn, Hörner oder Haare zu bieten.

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Eben jener Karnak begibt sich auf Bitte Phil Coulsons – selbst nicht Comic-affine Leser mögen diese Figur aus Kino-Film und/oder TV-Show kennen – auf eine Mission der Regierungsbehörde SHIELD. Er soll einen mutmaßlich entführten Jungen suchen, der, vom Terrigen-Nebel berührt, keine signifikanten Veränderungen zeigte und dessen Verschwinden daher umso rätselhafter scheint. So macht sich der schweigsame Mönch auf eine Suche, die ihn aus seinem stillen, abgeschiedenen Turm der Weisheit in die Welt der Menschen führt, eine Reise an deren Ende die Konfrontation mit einem Wesen steht, das über die Gabe verfügt, den Wunsch eines Jeden Realität werden zu lassen:

„Was willst du, Karnak? Was macht dich ganz?“

Der Brite Warren Ellis gehört wie einst Stan Lee zur Crème de la Crème moderner Comic-Autoren und seine Serie „Transmetropolitan“ (dt. bei Panini) gehört mit ihrem überbordenden Ideenreichtum wohl zum Abgefahrensten, was die späten 90'er-Jahre des letzten Jahrtausends zu bieten hatten. In „Karnak“ beschreitet er einen deutlich ruhigeren Erzählweg: die Handlung ist klar, fast linear mit nur wenigen Rück- und Umblenden, die Dialoge lakonisch, kühl, mit einem ab und an grimmigen Humor - oft sind mehrere Seiten hintereinander vollkommen textfrei, ohne dass das der Faszination einen Abbruch tut -, der Hauptprotagonist ist – wie ehedem Spider Jerusalem - zutiefst nihilistisch: „„Lebendig“ und „tot“ sind nur elektrochemische Zustände“!

Doch anders als sein Transmetropolitan-Pendant, sucht Karnak keine Erlösung, Erkenntnis in Drogen, im hedonistischen, exzessiven Auskosten, sondern in Kontemplation, im Meditieren über einem Würfel - ein Motiv, das sich wiederholt -, im Lehren und Lernen. Gewalt ist für den „Mönch“ – und in ihrer Anwendung erweist sich Karnak als kompromissloser, als zahllose Comic-(Anti)helden - ein Mittel zum Zweck einer wie auch immer definierten Zielerfüllung, Leben bedeutet ihm, der Steine in einer „blinden Zeit“ für Wichtiger als Menschen ansieht, letztendlich nichts. In dieser Hinsicht – und das macht die Figur so faszinierend – unterscheidet sich Karnak fundamental von fast allen Meistern der westlichen Popkultur, angefangen bei Master Po über Hausmeister Miyagi bis hin zu Yoda, die das Leben wertschätzen, ja lieben.

So kühl der Hauptcharakter, so lakonisch, rau das Artwork. Figuren wie Hintergründe werden eher knapp umrissen, sind nicht detailliert ausgearbeitet. Ihre visuelle Kraft schöpfen die Zeichnungen aus einer hohen Dynamik in der Anordnung der Panels sowie der Inszenierung, den Posen der Protagonisten. Zuweilen harte, immer jedoch klare – hierin unterscheiden sich die einzelnen Künstler stilistisch - Verschattungen und eine nur selten farbkontrastreiche Kolorierung spiegeln die intellektuelle Kälte von Karnaks philosophischem Ansatz perfekt wider.

Fazit: Selbst wenn man in den Inhumans generell lediglich das sedidative Moment zu erkennen vermag, so ist Ellis' Karnak eine hochspannende Persönlichkeit. Zwar ist die Story vergleichsweise einfach konstruiert und philosophische Fragen werden nur angedeutet, dennoch zeugt die vorliegende Miniserie einmal mehr von Ellis' Erzählkunst. Uneingeschränkt empfehlenswert.

geschrieben am 06.11.2017 | 647 Wörter | 3988 Zeichen

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