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Die Awaren - Ein Steppenvolk in Mitteleuropa 567-822 n. Chr.


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Rezension von

Adrian Witt

Die Awaren - Ein Steppenvolk in Mitteleuropa 567-822 n. Chr. Das Fr?hmittelalter gilt f?r lange Zeit als Epoche des ?bergangs und der Neuordnung auf dem Gebiet des heutigen Europa, gepr?gt vom Zerfall des Westr?mischen Reiches, der Migration ganzer V?lker und der Begegnung unterschiedlicher kultureller Traditionen. In diesem dynamischen Spannungsfeld zwischen Sp?tantike und mittelalterlicher Weltbildung traten neben bekannten Reichen und V?lkern wie den Franken, Goten oder Langobarden auch einige Akteure auf den Plan, die in der historischen Wahrnehmung bis heute vergleichsweise wenig Beachtung gefunden haben. Neben den Angeln und Sachsen, die auf die Britischen Inseln ?bersiedelten, den Vandalen, die ein eigenes Reich in Nordafrika begr?ndeten oder den Sorben, einem westslawischen Volk, das bis heute im Grenzraum zwischen Deutschland und Polen lebt, z?hlen hierzu auch die Awaren. Bei letzteren handelt es sich um ein aus dem eurasischen Steppenraum stammendes Reiternomadenvolk, das zwischen dem sp?ten 6. und fr?hen 9. Jahrhundert weite Teile Mitteleuropas politisch, milit?risch und kulturell ma?geblich gepr?gt hat. Ihre Geschichte verweist exemplarisch auf die fr?hmittelalterliche Verflechtung von Steppenv?lkern und sesshaften Kulturen und er?ffnet einen erweiterten Blick auf die Vielfalt fr?hmittelalterlicher Herrschaftsformen jenseits der klassischen Narrative von R?mern, Franken oder Byzantinern. Ihre Herrschaftsbildung im Karpatenbecken, das im heutigen Ungarn liegt und die sich ?ber mehrere Generationen hinweg behauptete, beruhte auf einer flexiblen politischen Organisation, milit?rischer ?berlegenheit sowie der F?higkeit, unterschiedliche ethnische Gruppen in ein ?bergeordnetes Machtgef?ge einzubinden. Dabei fungierten die Awaren nicht nur als Eroberer, sondern auch als Vermittler zwischen Ost und West, zwischen der Welt der eurasischen Steppe und den sesshaften Gesellschaften Mitteleuropas und des Byzantinischen Reiches. Gerade diese Rolle als Katalysator kultureller, wirtschaftlicher und technologischer Austauschprozesse verleiht den Awaren als Volk eine besondere Bedeutung, die weit ?ber den regionalen Rahmen hinausgeht. Vor diesem Hintergrund r?ckt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Awaren zunehmend in den Fokus der Geschichtsforschung, nicht zuletzt aufgrund neuer arch?ologischer Befunde und interdisziplin?rer Ans?tze. Die in vierter Auflage im C.H.Beck Verlag erschienene Publikation ?Die Awaren - Ein Steppenvolk in Mitteleuropa 567 bis 822 n. Chr.? des Historikers Walter Pohl, Professor f?r mittelalterliche Geschichte an der Universit?t Wien sowie Leiter der Forschungsstelle f?r Geschichte des Mittelalters an der ?sterreichischen Akademie der Wissenschaften, greift diese Entwicklungen auf und widmet sich der Geschichte und Bedeutung des awarischen Khaganats in Mitteleuropa. Ziel des 543 Seiten umfassenden Werkes ist es, die Awaren aus dem Schatten randst?ndiger Erw?hnungen in ?lteren wissenschaftlicher Publikationen herauszul?sen und sie als eigenst?ndigen Akteur des fr?hmittelalterlichen Europas sichtbar zu machen. Gegliedert in acht Kapitel f?hrt die Publikation den Leser zun?chst in die zentralen Fragestellungen, Begrifflichkeiten und Quellenprobleme der Awarenforschung ein und macht dabei die methodischen Herausforderungen deutlich, die sich aus der oft fragmentarischen ?berlieferung ergeben. Darauf aufbauend zeichnet Walter Pohl die awarische Wanderung aus dem eurasischen Steppenraum nach und ordnet sie in die gr??eren Migrationsbewegungen des 6. Jahrhunderts ein. Das anschlie?ende Kapitel, das sich der Herausbildung einer neuen Gro?macht in Mitteleuropa zwischen 567 und 590 widmet, beschreibt den raschen Aufstieg des awarischen Khaganats im Karpatenbecken und beleuchtet dessen politische Konsolidierung ebenso wie seine milit?rische Durchsetzungsf?higkeit gegen?ber konkurrierenden Gro?m?chten jener Zeit. Ein zentrales Anliegen des Werkes ist die differenzierte Betrachtung des Verh?ltnisses zwischen Awaren und Slawen, das Pohl weder als einseitiges Unterwerfungsverh?ltnis noch als homogene Allianz versteht, sondern als dynamisches Beziehungsgeflecht mit wechselnden Abh?ngigkeiten. Die milit?rischen Konflikte mit dem Byzantinischen Reich, insbesondere die Balkankriege unter Kaiser Maurikios in den Jahren 591 bis 602, werden in einem eigenen Kapitel analysiert und in ihren langfristigen Auswirkungen auf die Machtverh?ltnisse in S?dosteuropa verortet. ?ber die politische und milit?rische Geschichte hinaus widmet sich Pohl ausf?hrlich den inneren Strukturen und Lebensformen des fr?hen Awarenreiches. Fragen nach sozialer Hierarchie, Wirtschaftswesen, Herrschaftspraxis und kultureller Identit?t werden hierbei ebenso ber?cksichtigt wie arch?ologische Befunde, die einen Einblick in den Alltag unterschiedlicher Bev?lkerungsgruppen erlauben. Die abschlie?enden Kapitel zum 7. Jahrhundert und zum sogenannten ?Jahrhundert der Greifen? zeichnen schlie?lich die Transformationsprozesse des awarischen Herrschaftsverbandes nach, thematisieren Phasen der Stabilisierung ebenso wie des Wandels und f?hren die Darstellung bis an die Schwelle des allm?hlichen Niedergangs des Awarenreiches heran. Insgesamt gelingt es Walter Pohl, in seiner im C.H.Beck Verlag erschienenen Publikation ?Die Awaren - Ein Steppenvolk in Mitteleuropa 567 bis 822 n. Chr.?, das Volk der Awaren als zentralen Bestandteil der fr?hmittelalterlichen Geschichte Europas sichtbar zu machen und ihre Rolle im Gef?ge zwischen Steppenwelt, Mitteleuropa und Byzantinischem Reich ?berzeugend herauszuarbeiten. Die Verbindung von schriftlichen Quellen und arch?ologischen Befunden, die konsequente Kontextualisierung in gr??ere politische und kulturelle Zusammenh?nge sowie die kritische Auseinandersetzung mit ?lteren Forschungspositionen verleihen der Darstellung eine besondere Tiefe. Damit leistet das wissenschaftlich fundierte Werk nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Awarenforschung, sondern bietet zugleich einen differenzierten Zugang zum Fr?hmittelalter insgesamt, der etablierte Perspektiven erweitert und zu einer Neubewertung der bislang nur am Rande wahrgenommenen Akteure anregt.

Das Fr?hmittelalter gilt f?r lange Zeit als Epoche des ?bergangs und der Neuordnung auf dem Gebiet des heutigen Europa, gepr?gt vom Zerfall des Westr?mischen Reiches, der Migration ganzer V?lker und der Begegnung unterschiedlicher kultureller Traditionen. In diesem dynamischen Spannungsfeld zwischen Sp?tantike und mittelalterlicher Weltbildung traten neben bekannten Reichen und V?lkern wie den Franken, Goten oder Langobarden auch einige Akteure auf den Plan, die in der historischen Wahrnehmung bis heute vergleichsweise wenig Beachtung gefunden haben.

Neben den Angeln und Sachsen, die auf die Britischen Inseln ?bersiedelten, den Vandalen, die ein eigenes Reich in Nordafrika begr?ndeten oder den Sorben, einem westslawischen Volk, das bis heute im Grenzraum zwischen Deutschland und Polen lebt, z?hlen hierzu auch die Awaren. Bei letzteren handelt es sich um ein aus dem eurasischen Steppenraum stammendes Reiternomadenvolk, das zwischen dem sp?ten 6. und fr?hen 9. Jahrhundert weite Teile Mitteleuropas politisch, milit?risch und kulturell ma?geblich gepr?gt hat. Ihre Geschichte verweist exemplarisch auf die fr?hmittelalterliche Verflechtung von Steppenv?lkern und sesshaften Kulturen und er?ffnet einen erweiterten Blick auf die Vielfalt fr?hmittelalterlicher Herrschaftsformen jenseits der klassischen Narrative von R?mern, Franken oder Byzantinern. Ihre Herrschaftsbildung im Karpatenbecken, das im heutigen Ungarn liegt und die sich ?ber mehrere Generationen hinweg behauptete, beruhte auf einer flexiblen politischen Organisation, milit?rischer ?berlegenheit sowie der F?higkeit, unterschiedliche ethnische Gruppen in ein ?bergeordnetes Machtgef?ge einzubinden. Dabei fungierten die Awaren nicht nur als Eroberer, sondern auch als Vermittler zwischen Ost und West, zwischen der Welt der eurasischen Steppe und den sesshaften Gesellschaften Mitteleuropas und des Byzantinischen Reiches. Gerade diese Rolle als Katalysator kultureller, wirtschaftlicher und technologischer Austauschprozesse verleiht den Awaren als Volk eine besondere Bedeutung, die weit ?ber den regionalen Rahmen hinausgeht.

Vor diesem Hintergrund r?ckt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Awaren zunehmend in den Fokus der Geschichtsforschung, nicht zuletzt aufgrund neuer arch?ologischer Befunde und interdisziplin?rer Ans?tze. Die in vierter Auflage im C.H.Beck Verlag erschienene Publikation ?Die Awaren - Ein Steppenvolk in Mitteleuropa 567 bis 822 n. Chr.? des Historikers Walter Pohl, Professor f?r mittelalterliche Geschichte an der Universit?t Wien sowie Leiter der Forschungsstelle f?r Geschichte des Mittelalters an der ?sterreichischen Akademie der Wissenschaften, greift diese Entwicklungen auf und widmet sich der Geschichte und Bedeutung des awarischen Khaganats in Mitteleuropa. Ziel des 543 Seiten umfassenden Werkes ist es, die Awaren aus dem Schatten randst?ndiger Erw?hnungen in ?lteren wissenschaftlicher Publikationen herauszul?sen und sie als eigenst?ndigen Akteur des fr?hmittelalterlichen Europas sichtbar zu machen. Gegliedert in acht Kapitel f?hrt die Publikation den Leser zun?chst in die zentralen Fragestellungen, Begrifflichkeiten und Quellenprobleme der Awarenforschung ein und macht dabei die methodischen Herausforderungen deutlich, die sich aus der oft fragmentarischen ?berlieferung ergeben. Darauf aufbauend zeichnet Walter Pohl die awarische Wanderung aus dem eurasischen Steppenraum nach und ordnet sie in die gr??eren Migrationsbewegungen des 6. Jahrhunderts ein. Das anschlie?ende Kapitel, das sich der Herausbildung einer neuen Gro?macht in Mitteleuropa zwischen 567 und 590 widmet, beschreibt den raschen Aufstieg des awarischen Khaganats im Karpatenbecken und beleuchtet dessen politische Konsolidierung ebenso wie seine milit?rische Durchsetzungsf?higkeit gegen?ber konkurrierenden Gro?m?chten jener Zeit. Ein zentrales Anliegen des Werkes ist die differenzierte Betrachtung des Verh?ltnisses zwischen Awaren und Slawen, das Pohl weder als einseitiges Unterwerfungsverh?ltnis noch als homogene Allianz versteht, sondern als dynamisches Beziehungsgeflecht mit wechselnden Abh?ngigkeiten. Die milit?rischen Konflikte mit dem Byzantinischen Reich, insbesondere die Balkankriege unter Kaiser Maurikios in den Jahren 591 bis 602, werden in einem eigenen Kapitel analysiert und in ihren langfristigen Auswirkungen auf die Machtverh?ltnisse in S?dosteuropa verortet. ?ber die politische und milit?rische Geschichte hinaus widmet sich Pohl ausf?hrlich den inneren Strukturen und Lebensformen des fr?hen Awarenreiches. Fragen nach sozialer Hierarchie, Wirtschaftswesen, Herrschaftspraxis und kultureller Identit?t werden hierbei ebenso ber?cksichtigt wie arch?ologische Befunde, die einen Einblick in den Alltag unterschiedlicher Bev?lkerungsgruppen erlauben. Die abschlie?enden Kapitel zum 7. Jahrhundert und zum sogenannten ?Jahrhundert der Greifen? zeichnen schlie?lich die Transformationsprozesse des awarischen Herrschaftsverbandes nach, thematisieren Phasen der Stabilisierung ebenso wie des Wandels und f?hren die Darstellung bis an die Schwelle des allm?hlichen Niedergangs des Awarenreiches heran.

Insgesamt gelingt es Walter Pohl, in seiner im C.H.Beck Verlag erschienenen Publikation ?Die Awaren - Ein Steppenvolk in Mitteleuropa 567 bis 822 n. Chr.?, das Volk der Awaren als zentralen Bestandteil der fr?hmittelalterlichen Geschichte Europas sichtbar zu machen und ihre Rolle im Gef?ge zwischen Steppenwelt, Mitteleuropa und Byzantinischem Reich ?berzeugend herauszuarbeiten. Die Verbindung von schriftlichen Quellen und arch?ologischen Befunden, die konsequente Kontextualisierung in gr??ere politische und kulturelle Zusammenh?nge sowie die kritische Auseinandersetzung mit ?lteren Forschungspositionen verleihen der Darstellung eine besondere Tiefe. Damit leistet das wissenschaftlich fundierte Werk nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Awarenforschung, sondern bietet zugleich einen differenzierten Zugang zum Fr?hmittelalter insgesamt, der etablierte Perspektiven erweitert und zu einer Neubewertung der bislang nur am Rande wahrgenommenen Akteure anregt.

geschrieben am 30.01.2026 | 762 Wörter | 5341 Zeichen

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