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Der große Irrtum


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Informationen zum Buch
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Rezension von

Gérard Bökenkamp

Der große Irrtum Das Buch behandelt den Aufstieg und den Bankrott von Long Term Capital Management (LTCM). Dieser Hedge-Fonds war auf den Handel mit Anleihen spezialisiert und besaß schließlich Kapitalanlagen von weit über 100 Mrd. Dollar. Die akademische Reputation des Fonds-Managements war von einmaliger Qualität. Mit im Team waren Robert Merton und Myron Scholes, die 1997 den Nobellpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielten. Im August und September 1998 stürzte das Kartenhaus in sich zusammen. Das Bankensystem schien der US-Zentralbank so gefährdet, dass sie eine viel kritisierte Rettungsaktionsaktion für den Fonds initiierte. Der Aufstieg von Long-Term Capital ist die Erzählung über eine große Hybris. Diese Hybris war die Überzeugung einiger Ökonomen, die Welt den rationalen mathematischen Modellen unterwerfen zu können. Alle Chancen, Risiken und möglichen Entwicklungen der internationalen Märkte sollten sich in Zahlen ausdrücken lassen, doch nach Jahren großer Erfolge, in denen der Fonds bis zu vierzig Prozent Rendite erwirtschaftete, scheiterte der Fonds in nur wenigen Wochen an Unvorhersehbarkeit des Verhaltens der Anleger. Das Buch ist ein Lehrstück über die Unwägbarkeiten des internationalen Anlagemarktes und das Scheitern der Theorie an der Praxis, zu gleich ist es eine sehr spannende Erzählung. Lowenstein zeigt die Bedeutung des „menschlichen Faktors“ und wird diesem Ansatz auch durch die sehr gute Charakterisierung der Protagonisten und ihres Beziehungsgeflechts gerecht. Das Schicksal von Long-Term zeigt, dass die Gesetze der Physik nicht auf die der Wirtschaft oder Politik übertragbar sind. George Soros trifft mit seinem an Popper angelehntem Modell über die Unsicherheit der Wirklichkeit und der Notwendigkeit die eigenen Annahmen einer steten Falsifizierung zu unterziehen den Kern des Problems. Daher gehört Soros wie im Übrigen auch der hemdsärmelige Warren Buffet zu den Großfinanziers die nicht Unsummen bei diesem Experiment verbrannt haben. In so weit ist die Darstellung von grundsätzlichem Interesse. Der Leser nimmt die Erkenntnis mit, dass keine noch so präzise Wissenschaft die Zukunft voraussagen kann. Wer dieses Buch liest, gewinnt eine gesunde Skepsis gegenüber allen Versprechungen, dass die Bäume in den Himmel wachsen können. Diese Erkenntnis kann einem Anleger viel Geld sparen und einem Leben auch sonst vor Narrheiten bewahren, seien sie intellektuell auch noch so gut begründet. Daher empfehle ich dieses Buch auch denjenigen, die sich mit der Finanzwelt ansonsten nicht beschäftigen.

Das Buch behandelt den Aufstieg und den Bankrott von Long Term Capital Management (LTCM). Dieser Hedge-Fonds war auf den Handel mit Anleihen spezialisiert und besaß schließlich Kapitalanlagen von weit über 100 Mrd. Dollar. Die akademische Reputation des Fonds-Managements war von einmaliger Qualität. Mit im Team waren Robert Merton und Myron Scholes, die 1997 den Nobellpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielten. Im August und September 1998 stürzte das Kartenhaus in sich zusammen. Das Bankensystem schien der US-Zentralbank so gefährdet, dass sie eine viel kritisierte Rettungsaktionsaktion für den Fonds initiierte.

Der Aufstieg von Long-Term Capital ist die Erzählung über eine große Hybris. Diese Hybris war die Überzeugung einiger Ökonomen, die Welt den rationalen mathematischen Modellen unterwerfen zu können. Alle Chancen, Risiken und möglichen Entwicklungen der internationalen Märkte sollten sich in Zahlen ausdrücken lassen, doch nach Jahren großer Erfolge, in denen der Fonds bis zu vierzig Prozent Rendite erwirtschaftete, scheiterte der Fonds in nur wenigen Wochen an Unvorhersehbarkeit des Verhaltens der Anleger. Das Buch ist ein Lehrstück über die Unwägbarkeiten des internationalen Anlagemarktes und das Scheitern der Theorie an der Praxis, zu gleich ist es eine sehr spannende Erzählung. Lowenstein zeigt die Bedeutung des „menschlichen Faktors“ und wird diesem Ansatz auch durch die sehr gute Charakterisierung der Protagonisten und ihres Beziehungsgeflechts gerecht.

Das Schicksal von Long-Term zeigt, dass die Gesetze der Physik nicht auf die der Wirtschaft oder Politik übertragbar sind. George Soros trifft mit seinem an Popper angelehntem Modell über die Unsicherheit der Wirklichkeit und der Notwendigkeit die eigenen Annahmen einer steten Falsifizierung zu unterziehen den Kern des Problems. Daher gehört Soros wie im Übrigen auch der hemdsärmelige Warren Buffet zu den Großfinanziers die nicht Unsummen bei diesem Experiment verbrannt haben.

In so weit ist die Darstellung von grundsätzlichem Interesse. Der Leser nimmt die Erkenntnis mit, dass keine noch so präzise Wissenschaft die Zukunft voraussagen kann. Wer dieses Buch liest, gewinnt eine gesunde Skepsis gegenüber allen Versprechungen, dass die Bäume in den Himmel wachsen können. Diese Erkenntnis kann einem Anleger viel Geld sparen und einem Leben auch sonst vor Narrheiten bewahren, seien sie intellektuell auch noch so gut begründet. Daher empfehle ich dieses Buch auch denjenigen, die sich mit der Finanzwelt ansonsten nicht beschäftigen.

geschrieben am 22.04.2007 | 360 Wörter | 2188 Zeichen

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