Navigation

Seiten der Rubrik "Bücher"


Google Anzeigen

Anzeigen

Bücher

Fafhrd und der Graue Mausling


Statistiken
  • 4524 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Autoren
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Frank Drehmel

Fafhrd und der Graue Mausling Fritz Leibers (1910 - 1992) Geschichten über die beiden hedonistischen Schurken Fafhrd, einen gewissermaßen "intellektuellen" Barbaren, und den Grauen Mausling, einen diebischen, gescheiterten Magielehrling, gehören zu jenen klassischen Werken der Fantasy-Literatur, die beim breiten Publikum nie die Beachtung fanden, die ihnen m.E. gebührt. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren: es mag sein, dass die beiden Charaktere zu kompliziert sind für den nach einfachen - gerne auch strahlenden - Heroen verlangenden Leser, dem das Wort "Anti-Held" nur widerwillig über die Lippen kommt. Es ist auch möglich, dass Leibers hintergründiger, abwechslungsreicher Stil nicht den Geschmack eines auf pathetische Geschwätzigkeit (z.B. Tolkien) oder krawalligen Pathos (z.B. Robert E. Howard) gepolten Publikums trifft. Sei es wie es sei, denn seit der vorliegenden Comic-Adaption gibt es keine Entschuldigung mehr für das Ignorieren dieser beiden ganz besonderen "Helden". Der vorliegende Comic umfasst die vierbändige, sieben klassische Geschichten präsentierende Mini-Serie, die 1990 unter dem Epic-Imprint des Marvels-Verlags erschien und die 2006 von Dark Horse als Tradepaperback neu aufgelegt wurde. Schicksalhafte Begegnung in Lankhmar (Ill Met in Lankhmar, 1970) Fafhrd und Mausling begegnen sich in Lankhmar, schließen Freundschaft, legen sich mit der Gilde der Diebe an und töten einen Zauberer. Nach (zu) vielen Toten kehren sie der verhassten Stadt den Rücken und schwören, niemals mehr zurückzukehren. Der Fluch der Wiederkehr (The Circle Curse, 1970) Kaum dass sie durch das Stadttor getreten sind, prophezeit ihnen eine verhüllte Gestalt, Schilba mit dem blinden Antlitz, die Rückkehr nach Lankhmar. Und tatsächlich: selbst Abenteuer in exotischen Ländern können nicht die Leere in Fafhrds und Mauslings Herzen füllen. Daher kehren sie, nachdem Ningaubel Siebenaug ihnen eine Art „Absolution" erteilt hat, resigniert zurück an den Ort ihrer ersten Begegnung. Der heulende Turm (The Howling Tower, 1941) Um seinen Freund Fafhrd vor den Fängen der Geisterwölfe zu retten, die um den in einer einsamen Ödnis gelegenen „heulenden Turm" streifen, muss Mausling nach Aussage eines zwielichtigen Zauberers zunächst sterben. Der Preis des Vergessens (The Price of Pain Ease, 1970) Fafhrd und Mausling werden wiederholt von Visionen ihrer toten Geliebten heimgesucht. In seiner Verzweiflung wendet sich Mausling an Schilba, während Fafhrd bei Ningaubel Rat sucht. Damit werden sie zu Spielbällen in einem perfiden Plan, der die beiden Freunde in einen Kampf gegeneinander auf Leben und Tod zwingt. Basar des Bizarren (Bazaar of the Bizarre, 1963) Die Verschlinger sind in Lankhmar eingetroffen. In ihrem Laden bieten sie Waren feil, die erst durch die Phantasie der Menschen ihren Wert erhalten, in Wahrheit jedoch nicht als Müll sind. Ihr Ziel ist die Anhäufung von Kapital und noch mehr Kapital. Mausling ist schon ihrem Zauber erlegen und so ist es an Fafhrd, ihn zu retten. Schwere Zeiten in Lankmar (Lean Times in Lankhmar, 1959) Fafhrd und Mausling haben sich zerstritten. Während der Hühne seine Erfüllung in der Religion sucht, um als Jünger des neuen Gottes „Issek vom Kruge" reichlich Spenden zu sammeln, schließt sich Mausling Lord Pulg an. Dieser Verbrecher verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Erpressen von Schutzgeldern und möchte nun vom Kuchen der Issek-Anhänger ein großes Stück abhaben. In Abwesenheit des Königs der Meere (When the Sea-King's away, 1960) Nachdem Fafhrd seinen Weg zurück ins weltliche Leben gefunden hat, kehren die beiden Helden Lankhmar erneut den Rücken, um in einer kleinen Jolle das große Meer zu befahren. Eine alte Sage und eine veritable Flaute lässt in ihnen den waghalsigen Plan reifen, auf dem Meeresgrund ihr Glück zu suchen. Schon lässt sich Mausling an einem Seil hinab in die Fluten. Auch wenn die Adaption Chaykins auf Grund der besonderen Natur eines massenkompatiblen "Comics" zentrale Aspekte der ursprünglichen Geschichten vernachlässigen muss - dieses betrifft vor allem die Innenansichten der Charaktere - und nicht ohne spürbare Kürzungen auskommt, so gelingt es dem Autor dennoch, das Wesen der beiden Hauptprotagonisten einzufangen. Fafhrd und Mausling sind zwei (Anti)Helden, die zwar stets auf den eigenen Vorteil bedacht sind, die jedoch bei aller Verschlagenheit und Gewalttätigkeit niemals wirklich bösartig agieren. Dass sie regelmäßig scheitern, hindert sie nicht dran, die Welt um sie herum mit hintergründigem, oft lakonisch vorgetragenem Humor zu kommentieren. Handlungsseitig bestimmt eine eher dunkle Spielart der Sword & Sorcery das Geschehen, wobei Morbidität und Düsterheit der Storys durch das großartige Artwork unterstrichen werden. Doch man würde Leiber - und damit auch Chaykin - nicht gerecht, reduzierte man die Storys auf vordergründige, cthuloide Action, denn Geschichten wie "Basar des Bizarren" oder "Schwere Zeiten in Lankhmar" stellen über ihren fantastischen Ansatz hinaus eine gelungene satirische bzw. kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen der realen Welt dar - hier: Kapitalismus und religiöse Sektiererei. Ein Weiteres, das „Fafhrd und der Graue Mausling" aus der großen Masse der Mainstream-Comics herausragen lässt, ist der altmodische, den Setting vollkommen angepasste Sprachduktus (an dieser Stelle ist es an der Zeit, die gute Übersetzungsarbeit Matthias Wielands hervorzuheben). Auch wenn sie zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, so verstärkt gerade die leicht umständliche Sprache die Wirkung des unterschwelligen Humors. Kommen wir zur künstlerischen Gestaltung. Für die meisten Leser dürfte Mike Mignola spätestens seit seiner Arbeit an „Hellboy" kein Unbekannter sein. Zu den herausragenden stilistischen Merkmalen seines Artworks zählt neben dem leicht eckigen Strich die Verwendung großzügiger, harter Hell-Dunkel-Kontraste, dank derer seine unverwechselbaren Comics oft selbst dann nicht an Ausdruckskraft verlieren, wenn sie anstatt in Farbe in Schwarz-Weiß veröffentlicht werden. Es soll nicht verschwiegen werden, dass sein reduzierender Stil, der sich nicht in einem Übermaß verspielter, oft überflüssiger Details verliert, sondern eher auf Andeutungen setzt, nicht jedermanns Sache ist. Doch gerade die Unbestimmtheit ist es, die Platz für Assoziationen schafft und so dem vorliegenden Comic nicht zuletzt dank der kongenialen Unterstützung durch Inker Al Williamson und der stimmigen bzw. stimmungsvollen Koloration Sherlyn van Valkenburghs trotz des düsteren Grundtenors eine mitreißende Lebendigkeit verleiht. Ein paar abschließende Worte zur Aufmachung des Hardcover-Bandes: Nicht nur der ledergeprägte Einband, auch das schwere Papier sowie der exzellente Druck geben selbst der Werbung für weitere Publikationen am Ende des Comics einen edlen Anstrich. Ungewöhnlich erscheint das DinA5-Format des Buches, jedoch bewirkt diese äußerliche Reduzierung mehr als eine rein visuelle Verdichtung der Geschichten; sie sind – man mag mich ob dieser Einschätzung für einen Spinner halten – tatsächlich auch atmosphärisch und damit also auch inhaltlich dichter als die US-Originale. Fazit: Ein düster leuchtender Stern am Comic-Himmel. Ein Muss für jeden Fantasy-Fan

Fritz Leibers (1910 - 1992) Geschichten über die beiden hedonistischen Schurken Fafhrd, einen gewissermaßen "intellektuellen" Barbaren, und den Grauen Mausling, einen diebischen, gescheiterten Magielehrling, gehören zu jenen klassischen Werken der Fantasy-Literatur, die beim breiten Publikum nie die Beachtung fanden, die ihnen m.E. gebührt. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren: es mag sein, dass die beiden Charaktere zu kompliziert sind für den nach einfachen - gerne auch strahlenden - Heroen verlangenden Leser, dem das Wort "Anti-Held" nur widerwillig über die Lippen kommt. Es ist auch möglich, dass Leibers hintergründiger, abwechslungsreicher Stil nicht den Geschmack eines auf pathetische Geschwätzigkeit (z.B. Tolkien) oder krawalligen Pathos (z.B. Robert E. Howard) gepolten Publikums trifft. Sei es wie es sei, denn seit der vorliegenden Comic-Adaption gibt es keine Entschuldigung mehr für das Ignorieren dieser beiden ganz besonderen "Helden".

weitere Rezensionen von Frank Drehmel

#
rezensiert seit
Buchtitel
1
18.02.2018
4
18.02.2018
5
18.02.2018

Der vorliegende Comic umfasst die vierbändige, sieben klassische Geschichten präsentierende Mini-Serie, die 1990 unter dem Epic-Imprint des Marvels-Verlags erschien und die 2006 von Dark Horse als Tradepaperback neu aufgelegt wurde.

Schicksalhafte Begegnung in Lankhmar (Ill Met in Lankhmar, 1970)

Fafhrd und Mausling begegnen sich in Lankhmar, schließen Freundschaft, legen sich mit der Gilde der Diebe an und töten einen Zauberer. Nach (zu) vielen Toten kehren sie der verhassten Stadt den Rücken und schwören, niemals mehr zurückzukehren.

Der Fluch der Wiederkehr (The Circle Curse, 1970)

Kaum dass sie durch das Stadttor getreten sind, prophezeit ihnen eine verhüllte Gestalt, Schilba mit dem blinden Antlitz, die Rückkehr nach Lankhmar. Und tatsächlich: selbst Abenteuer in exotischen Ländern können nicht die Leere in Fafhrds und Mauslings Herzen füllen. Daher kehren sie, nachdem Ningaubel Siebenaug ihnen eine Art „Absolution" erteilt hat, resigniert zurück an den Ort ihrer ersten Begegnung.

Der heulende Turm (The Howling Tower, 1941)

Um seinen Freund Fafhrd vor den Fängen der Geisterwölfe zu retten, die um den in einer einsamen Ödnis gelegenen „heulenden Turm" streifen, muss Mausling nach Aussage eines zwielichtigen Zauberers zunächst sterben.

Der Preis des Vergessens (The Price of Pain Ease, 1970)

Fafhrd und Mausling werden wiederholt von Visionen ihrer toten Geliebten heimgesucht. In seiner Verzweiflung wendet sich Mausling an Schilba, während Fafhrd bei Ningaubel Rat sucht. Damit werden sie zu Spielbällen in einem perfiden Plan, der die beiden Freunde in einen Kampf gegeneinander auf Leben und Tod zwingt.

Basar des Bizarren (Bazaar of the Bizarre, 1963)

Die Verschlinger sind in Lankhmar eingetroffen. In ihrem Laden bieten sie Waren feil, die erst durch die Phantasie der Menschen ihren Wert erhalten, in Wahrheit jedoch nicht als Müll sind. Ihr Ziel ist die Anhäufung von Kapital und noch mehr Kapital. Mausling ist schon ihrem Zauber erlegen und so ist es an Fafhrd, ihn zu retten.

Schwere Zeiten in Lankmar (Lean Times in Lankhmar, 1959)

Fafhrd und Mausling haben sich zerstritten. Während der Hühne seine Erfüllung in der Religion sucht, um als Jünger des neuen Gottes „Issek vom Kruge" reichlich Spenden zu sammeln, schließt sich Mausling Lord Pulg an. Dieser Verbrecher verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Erpressen von Schutzgeldern und möchte nun vom Kuchen der Issek-Anhänger ein großes Stück abhaben.

In Abwesenheit des Königs der Meere (When the Sea-King's away, 1960)

Nachdem Fafhrd seinen Weg zurück ins weltliche Leben gefunden hat, kehren die beiden Helden Lankhmar erneut den Rücken, um in einer kleinen Jolle das große Meer zu befahren. Eine alte Sage und eine veritable Flaute lässt in ihnen den waghalsigen Plan reifen, auf dem Meeresgrund ihr Glück zu suchen. Schon lässt sich Mausling an einem Seil hinab in die Fluten.

Auch wenn die Adaption Chaykins auf Grund der besonderen Natur eines massenkompatiblen "Comics" zentrale Aspekte der ursprünglichen Geschichten vernachlässigen muss - dieses betrifft vor allem die Innenansichten der Charaktere - und nicht ohne spürbare Kürzungen auskommt, so gelingt es dem Autor dennoch, das Wesen der beiden Hauptprotagonisten einzufangen. Fafhrd und Mausling sind zwei (Anti)Helden, die zwar stets auf den eigenen Vorteil bedacht sind, die jedoch bei aller Verschlagenheit und Gewalttätigkeit niemals wirklich bösartig agieren. Dass sie regelmäßig scheitern, hindert sie nicht dran, die Welt um sie herum mit hintergründigem, oft lakonisch vorgetragenem Humor zu kommentieren.

Handlungsseitig bestimmt eine eher dunkle Spielart der Sword & Sorcery das Geschehen, wobei Morbidität und Düsterheit der Storys durch das großartige Artwork unterstrichen werden. Doch man würde Leiber - und damit auch Chaykin - nicht gerecht, reduzierte man die Storys auf vordergründige, cthuloide Action, denn Geschichten wie "Basar des Bizarren" oder "Schwere Zeiten in Lankhmar" stellen über ihren fantastischen Ansatz hinaus eine gelungene satirische bzw. kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen der realen Welt dar - hier: Kapitalismus und religiöse Sektiererei.

Ein Weiteres, das „Fafhrd und der Graue Mausling" aus der großen Masse der Mainstream-Comics herausragen lässt, ist der altmodische, den Setting vollkommen angepasste Sprachduktus (an dieser Stelle ist es an der Zeit, die gute Übersetzungsarbeit Matthias Wielands hervorzuheben). Auch wenn sie zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, so verstärkt gerade die leicht umständliche Sprache die Wirkung des unterschwelligen Humors.

Kommen wir zur künstlerischen Gestaltung. Für die meisten Leser dürfte Mike Mignola spätestens seit seiner Arbeit an „Hellboy" kein Unbekannter sein. Zu den herausragenden stilistischen Merkmalen seines Artworks zählt neben dem leicht eckigen Strich die Verwendung großzügiger, harter Hell-Dunkel-Kontraste, dank derer seine unverwechselbaren Comics oft selbst dann nicht an Ausdruckskraft verlieren, wenn sie anstatt in Farbe in Schwarz-Weiß veröffentlicht werden.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass sein reduzierender Stil, der sich nicht in einem Übermaß verspielter, oft überflüssiger Details verliert, sondern eher auf Andeutungen setzt, nicht jedermanns Sache ist. Doch gerade die Unbestimmtheit ist es, die Platz für Assoziationen schafft und so dem vorliegenden Comic nicht zuletzt dank der kongenialen Unterstützung durch Inker Al Williamson und der stimmigen bzw. stimmungsvollen Koloration Sherlyn van Valkenburghs trotz des düsteren Grundtenors eine mitreißende Lebendigkeit verleiht.

Ein paar abschließende Worte zur Aufmachung des Hardcover-Bandes: Nicht nur der ledergeprägte Einband, auch das schwere Papier sowie der exzellente Druck geben selbst der Werbung für weitere Publikationen am Ende des Comics einen edlen Anstrich.

Ungewöhnlich erscheint das DinA5-Format des Buches, jedoch bewirkt diese äußerliche Reduzierung mehr als eine rein visuelle Verdichtung der Geschichten; sie sind – man mag mich ob dieser Einschätzung für einen Spinner halten – tatsächlich auch atmosphärisch und damit also auch inhaltlich dichter als die US-Originale.

Fazit: Ein düster leuchtender Stern am Comic-Himmel. Ein Muss für jeden Fantasy-Fan

geschrieben am 03.04.2008 | 1017 Wörter | 6180 Zeichen

Kommentare lesen Kommentar schreiben

Kommentare zur Rezension (0)

Platz für Anregungen und Ergänzungen