Navigation

Seiten der Rubrik "Bücher"


Google Anzeigen

Anzeigen

Bücher

Hellboy: Saat der Zerstörung


Statistiken
  • 4698 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Frank Drehmel

Hellboy: Saat der Zerstörung Kurz bevor Trevor Bruttenholm, Hellboys Ziehvater, ermordet wird, vertraut er seinem dämonischen Sohn ein Geheimnis an: Als junger Mann nahm er an der berühmten Cavendish-Expedition ins ewige Eis teil. Dort fanden die Teilnehmer, verborgen in Kälte und Dunkelheit, die riesige Statue eines namenlosen, außerirdischen Gottes. Bruttenholm überlebte damals als einziger diese Begegnung. Doch die Vergangenheit scheint nun nicht nur den alten Mann eingeholt zu haben, auch Hellboy muss sich eines geheimnisvollen, froschköpfigen Angreifers erwehren, der über lähmende Kräfte verfügt. Nachdem er das Froschmonster besiegt hat, entschließt sich der höllische Ermittler, der Sache nachzugehen. Zusammen mit Dr. Abe Sapien und Elizabeth Sherman reist er nach Cavendish Hall. Dort in den alten Gemäuern kommen sie einem Rätsel auf die Spur, von dessen Entschlüsselung nicht mehr und nicht weniger als der Untergang der Zivilisation abhängt. Während die Ermittler um ihr Überleben und das der Welt kämpfen, erfährt Hellboy etwas über seine Vergangenheit und seine angebliche Bestimmung. Mike Mignola gehört - sicherlich nicht zuletzt wegen der Hellboy-Verfilmungen - zu jenen wenigen kommerziell erfolgreichen US-amerikanischen Comic-Künstlern, deren (mittlerweile) unverwechselbares, “kantiges” Artwork sogar außerhalb des Hardcore-Fandoms für Wiedererkennungserlebnisse sorgt. Wie kaum ein anderer Zeichner beherrscht er die Kunst, durch das Setzen von schwarzen Flächen und die Reduktion auf das Wesentliche, an die Imaginationskraft des Lesers zu appellieren, Freiräume zu schaffen, die der Rezipient selbst ausfüllen muss. Insofern ist es mehr als konsequent - tatsächlich ist es lange überfällig -, dass Mignolas ureigenste Serie, Hellboy”, endlich in Schwarzweiß neu aufgelegt wird. Und wenn wir von Schwarzweiß reden, dann heißt das selbstverständlich, dass das Artwork genau zwei Helligkeitsstufen besitzt: Schwarz und Weiß! Nuancen oder Grautöne, die das gewöhnliche Schwarzweiß-Comic auszeichnen, sind nicht nur etwas für Weicheier, sondern sie nähmen eben jene Spannung, die aus dem Kontrast und der Unbestimmtheit erwächst. Mignolas Zeichnungen besitzen ob dieses Vorgehens einen geradezu scherenschnitthaften Charakter. Während man jedoch in der Psaligraphie versucht, sich durch ein hohes Maß an Detailreichtum und “natürlichen”, oft weichen Silhouetten einer vorgegebenen “Realität” anzunähern, geht Mignola quasi den entgegengesetzten Weg. Er reduziert die Formen und Umrisse soweit, dass innerhalb der Story unterschiedlichste Realitäten möglich werden. Der Ansatz, grafisch auf das Explizite so weit wie möglich zu verzichten, schafft in Verbindung mit einer Story, deren Elemente - Nazis, Tentakelmonster, amphibienhafte Humanoide - einen unverkennbaren und vom Autor auch nicht verleugneten Pulp-Charakter aufweisen, eine cthuloide Atmosphäre, die eines H.P.Lovecrafts würdig ist. Dass die Geschichte trotz der trashigen Zutaten niemals ins Lächerliche abgleitet, liegt im Wesentlichen in der Figur Hellboys begründet. Er begegnet den mannigfaltigen Herausforderungen mit einer “charmanten” Mischung aus “Wenn es denn sein soll“-Fatalismus und trotziger “Ich hab die Schnauze voll”-Auflehnung, wobei er sich als Freund sparsamer Worte, ätzender Ironie und beißenden Sarkasmus’ erweist. In Bezug auf Aufmachung und Gestaltung des Tradepaperbacks hat der Cross-Cult-Verlag ein Referenzprodukt geschaffen, an dem sich jeder Hardcover-Band messen lassen muss. Ein ledergeprägter Einband, hochwertiges, schweres Papier, ein exzellenter Druck sowie ein informativer redaktioneller Teil machen “Saat der Zerstörung” zu einem Highlight jeder Comic-Sammlung, auch wenn das ungewöhnliche A5-Format ordnungszwangsgestörten Ästheten Unwohlsein bereiten könnte. Für eine kleine Kuriosität oder besser Absurdität am Rande sorgt die deutsche Zensur - wertfreier: die deutsche Rechtsetzung: mit Akribie mussten die Hakenkreuze der US-Originale in der deutschen Fassung in kleine, quadratische, fensterähnliche Symbole umgestaltet werden. Dem Cross-Cult-Verlag sollte man allerdings keinen Vorwurf machen, denn bei aller Freiheit der Kunst und aller Prinzipienreiterei darf man nicht vergessen, dass angesichts der Blüten, welche die deutsche Rechtsprechung zuweilen treibt, das Risiko einer Indizierung oder eines Verbotes gerade bei so aufwendig produzierten Publikationen für einen relativ kleinen Verlag schlichtweg untragbar ist. Fazit: Eine wahrhaft cthuloide Atmosphäre als Synergieeffekt von Artwork und Story. Für jeden Fan gediegenen Horrors ein Muss.

Kurz bevor Trevor Bruttenholm, Hellboys Ziehvater, ermordet wird, vertraut er seinem dämonischen Sohn ein Geheimnis an: Als junger Mann nahm er an der berühmten Cavendish-Expedition ins ewige Eis teil. Dort fanden die Teilnehmer, verborgen in Kälte und Dunkelheit, die riesige Statue eines namenlosen, außerirdischen Gottes. Bruttenholm überlebte damals als einziger diese Begegnung.

weitere Rezensionen von Frank Drehmel

#
rezensiert seit
Buchtitel
1
18.02.2018
4
18.02.2018
5
18.02.2018

Doch die Vergangenheit scheint nun nicht nur den alten Mann eingeholt zu haben, auch Hellboy muss sich eines geheimnisvollen, froschköpfigen Angreifers erwehren, der über lähmende Kräfte verfügt. Nachdem er das Froschmonster besiegt hat, entschließt sich der höllische Ermittler, der Sache nachzugehen.

Zusammen mit Dr. Abe Sapien und Elizabeth Sherman reist er nach Cavendish Hall. Dort in den alten Gemäuern kommen sie einem Rätsel auf die Spur, von dessen Entschlüsselung nicht mehr und nicht weniger als der Untergang der Zivilisation abhängt. Während die Ermittler um ihr Überleben und das der Welt kämpfen, erfährt Hellboy etwas über seine Vergangenheit und seine angebliche Bestimmung.

Mike Mignola gehört - sicherlich nicht zuletzt wegen der Hellboy-Verfilmungen - zu jenen wenigen kommerziell erfolgreichen US-amerikanischen Comic-Künstlern, deren (mittlerweile) unverwechselbares, “kantiges” Artwork sogar außerhalb des Hardcore-Fandoms für Wiedererkennungserlebnisse sorgt.

Wie kaum ein anderer Zeichner beherrscht er die Kunst, durch das Setzen von schwarzen Flächen und die Reduktion auf das Wesentliche, an die Imaginationskraft des Lesers zu appellieren, Freiräume zu schaffen, die der Rezipient selbst ausfüllen muss.

Insofern ist es mehr als konsequent - tatsächlich ist es lange überfällig -, dass Mignolas ureigenste Serie, Hellboy”, endlich in Schwarzweiß neu aufgelegt wird. Und wenn wir von Schwarzweiß reden, dann heißt das selbstverständlich, dass das Artwork genau zwei Helligkeitsstufen besitzt: Schwarz und Weiß! Nuancen oder Grautöne, die das gewöhnliche Schwarzweiß-Comic auszeichnen, sind nicht nur etwas für Weicheier, sondern sie nähmen eben jene Spannung, die aus dem Kontrast und der Unbestimmtheit erwächst.

Mignolas Zeichnungen besitzen ob dieses Vorgehens einen geradezu scherenschnitthaften Charakter. Während man jedoch in der Psaligraphie versucht, sich durch ein hohes Maß an Detailreichtum und “natürlichen”, oft weichen Silhouetten einer vorgegebenen “Realität” anzunähern, geht Mignola quasi den entgegengesetzten Weg. Er reduziert die Formen und Umrisse soweit, dass innerhalb der Story unterschiedlichste Realitäten möglich werden.

Der Ansatz, grafisch auf das Explizite so weit wie möglich zu verzichten, schafft in Verbindung mit einer Story, deren Elemente - Nazis, Tentakelmonster, amphibienhafte Humanoide - einen unverkennbaren und vom Autor auch nicht verleugneten Pulp-Charakter aufweisen, eine cthuloide Atmosphäre, die eines H.P.Lovecrafts würdig ist.

Dass die Geschichte trotz der trashigen Zutaten niemals ins Lächerliche abgleitet, liegt im Wesentlichen in der Figur Hellboys begründet. Er begegnet den mannigfaltigen Herausforderungen mit einer “charmanten” Mischung aus “Wenn es denn sein soll“-Fatalismus und trotziger “Ich hab die Schnauze voll”-Auflehnung, wobei er sich als Freund sparsamer Worte, ätzender Ironie und beißenden Sarkasmus’ erweist.

In Bezug auf Aufmachung und Gestaltung des Tradepaperbacks hat der Cross-Cult-Verlag ein Referenzprodukt geschaffen, an dem sich jeder Hardcover-Band messen lassen muss. Ein ledergeprägter Einband, hochwertiges, schweres Papier, ein exzellenter Druck sowie ein informativer redaktioneller Teil machen “Saat der Zerstörung” zu einem Highlight jeder Comic-Sammlung, auch wenn das ungewöhnliche A5-Format ordnungszwangsgestörten Ästheten Unwohlsein bereiten könnte.

Für eine kleine Kuriosität oder besser Absurdität am Rande sorgt die deutsche Zensur - wertfreier: die deutsche Rechtsetzung: mit Akribie mussten die Hakenkreuze der US-Originale in der deutschen Fassung in kleine, quadratische, fensterähnliche Symbole umgestaltet werden. Dem Cross-Cult-Verlag sollte man allerdings keinen Vorwurf machen, denn bei aller Freiheit der Kunst und aller Prinzipienreiterei darf man nicht vergessen, dass angesichts der Blüten, welche die deutsche Rechtsprechung zuweilen treibt, das Risiko einer Indizierung oder eines Verbotes gerade bei so aufwendig produzierten Publikationen für einen relativ kleinen Verlag schlichtweg untragbar ist.

Fazit: Eine wahrhaft cthuloide Atmosphäre als Synergieeffekt von Artwork und Story. Für jeden Fan gediegenen Horrors ein Muss.

geschrieben am 05.05.2008 | 598 Wörter | 3951 Zeichen

Kommentare lesen Kommentar schreiben

Kommentare zur Rezension (0)

Platz für Anregungen und Ergänzungen