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Lucian


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Informationen zum Buch
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Rezension von

Letterschming

Lucian „Lucian“ ist der vierte Roman der deutschen Autorin Isabel Abedi. Obwohl die Romane oft als Jugendbuch kategorisiert werden, sind die Geschichten sowohl in ihrem Thema als auch in ihrer Sprache ebenso für Erwachsene interessant. Das Leben der 16-jährigen Rebecca verläuft mehr oder weniger normal. Sie lebt mit ihrer Mutter und deren Lebensgefährtin zusammen. Mit ihrem Freund hat sie gerade Schluss gemacht und auch mit ihrer besten Freundin Suse hat sie manchmal Stress. Das alles ändert sich, als plötzlich der geheimnisvolle Junge auftaucht, der sich nicht mehr an seine Vergangenheit erinnern kann. Da er seinen wahren Namen nicht kennt, nennt er sich selbst Lucian. Rebecca hat plötzlich mit einem Schwall von Gefühlen zu kämpfen, besonders dann, wenn sie von Lucian getrennt ist. Nach und nach stellen die beiden jedoch fest, dass ihre Beziehung zueinander über alles hinausgeht, was eine normale Liebesbeziehung mit sich bringt. Lucian träumt von Geschehnissen in Rebeccas Leben, von denen er nichts wissen kann, denn die beiden sind sich nie zuvor begegnet. Doch noch bevor sie das Geheimnis ergründen können, werden sie voneinander getrennt – mit verheerenden Folgen. Oft wird dieser Roman als „Zauberwerk über die Schönheit der Liebe“ oder ähnlich bezeichnet, was ich ziemlich unzutreffend finde. Zwar steht im Mittelpunkt der Handlung eine Liebesgeschichte, aber dadurch, dass Rebecca und Lucian einander auch immer wieder für eine längere Zeit nicht begegnen, ist das Buch gar nicht so romantisch, wie die Werbung einen glauben machen will. Zwar kommen sich die beiden am Ende (ungefähr auf den letzten 80 Seiten) doch sehr nahe, aber vorher stehen eher die Themen Freunde und Familie im Vordergrund der Handlung. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt: der erste spielt in Hamburg, der zweite besteht lediglich aus E-mails, die Rebeccas Freunde und Familie ihr schicken und der dritte spielt in den USA, hauptsächlich in Los Angeles. Dabei ist der zweite Teil wesentlich kürzer als die anderen beiden. Insgesamt gefällt mir die Auteilung des Buches gut, wie es bei Isabel Abedi auch nicht anders zu erwarten ist. Sie hat wirklich ein Talent dafür, Spannung aufzubauen und den Leser von Anfang an in die Geschichte hineinzuziehen. Auch wenn das Buch fast 550 Seiten umfasst, finde ich es nicht zu langatmig. Detailreiche Beschreibungen, die für die Handlung selbst nicht unbedingt von Bedeutung sind, gibt es zwar einige, aber dadurch erfährt der Leser viel über die Figuren, was ihm hilft, die Charaktere besser zu verstehen. Daher halte ich diese beiläufigen Erklärungen keineswegs für überflüssig. Vielmehr gestalten sie die Geschichte lebendig, denn genau diese Kleinigkeiten sind es, die die Figuren Figuren erst so realistisch machen. Besonders im Bezug auf die Protagonistin Rebecca ist das meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Man kann sich gut in sie hineinversetzen, auch wenn man selbst in der Situation anders empfinden oder reagieren würde. Somit kann man tatsächlich in die Geschichte „abtauchen“. Im Bezug auf die anderen Charaktere hätte ich mir allerdings etwas mehr Details gewünscht. So bleiben zum Beispiel die Beweggründe von Rebeccas Mutter ziemlich unklar und auch Sebastian, Rebeccas Ex-Freund, bleibt eine eher schattenhafte Figur. Allerdings ist das nicht weiter tragisch und noch mehr Details würden auch sicher nicht jedem gefallen. Viel gravierender dagegen finde ich, dass Lucians Wesen so unklar bleibt. Natürlich wird er am Anfang als sehr geheimnisvoll dargestellt: Das erste Mal sieht Rebecca ihn, als er nachts unter einer Straßenlaterne steht und zu ihrem Zimmerfenster hinaufsieht. Aber auch als Rebecca Lucian näher kennenlernt, erfährt der Leser leider nicht viel über ihn. Zwar werden ein paar Details gegeben, zum Beispiel, was er gerne isst und was nicht. Sein Charakter allerdings wird kaum beschrieben. Er ist verwirrt, weil er sich nicht an seine Vergangenheit erinnern kann. Klar. Er ist ein bisschen schüchtern, weil er Rebecca ehrlich liebt. Auch klar. Er ist traurig, als er schließlich von Rebecca getrennt wird. Auch das ist so ziemlich das, was jeder andere Mensch in seiner Situation empfinden würde. Aber das Individuelle geht dabei einfach verloren. Was er sagt, scheint das zu sein, was laut einer Umfrage die meisten Menschen in dieser Situation gesagt hätten. Kurz, sein Verhalten ist leider vollkommen durchschnittlich. Sehr gut gefällt mir hingegen die Auflösung. Zwar kann man meiner Meinung nach schon von Anfang an, bevor man das Buch auch nur geöffnet hat, ahnen, worauf die Geschichte hinauslaufen soll, aber das geht wohl nicht jedem Leser so. Dennoch ist die Auflösung sehr gut ausgearbeitet. Man muss zwar bestimmte Passagen sehr aufmerksam – und vielleicht auch zweimal – lesen, um die Erklärungen komplett zu verstehen, aber man merkt, dass sich die Autorin viele Gedanken zu dem Thema gemacht hat. Sie hat altbekannte Aspekte gekonnt mit neuen Einfällen verbunden und so einen – so gut es in der Fantasy eben geht – logischen Kontext erschaffen. Der Leser erfährt diese Zusammenhänge erst sehr spät, sodass bis zum Schluss eine geheimnisvolle Atmosphäre erhalten bleibt. Der Clou ist schließlich das Ende. Zwar ist auch dieses nicht ganz unabsehbar, aber ich habe doch befürchtet, dass die Autorin sich für ein naheliegendes Happy End entscheiden könnte. Sicher hätte das einigen Lesern besser gefallen, aber es wäre völlig unpassend gewesen. Trotzdem endet die Geschichte nicht in einer Katastrophe, nur weil es kein Happy End gibt. Sie endet einfach ganz genau so, wie sie von vornherein hat enden müssen. Fazit: Ein tolles Buch für jüngere und ältere Leser, das ganz im Stil von Isabel Abedi kommt. Einziges Manko ist der Charakter des Lucian, dafür ist die Figur der Protagonistin Rebecca umso detailreicher ausgearbeitet. Allerdings handelt es sich – wie es für Isabel Abedi ja eigentlich auch typisch ist – nicht um eine reine Liebesgeschichte, sondern um die ihr eigene Mischung aus Themen wie Familie, Freundschaft und eben Liebe. Wer sich darauf einstellt, den wird das Buch bis zur letzten Seite nicht mehr loslassen.

„Lucian“ ist der vierte Roman der deutschen Autorin Isabel Abedi. Obwohl die Romane oft als Jugendbuch kategorisiert werden, sind die Geschichten sowohl in ihrem Thema als auch in ihrer Sprache ebenso für Erwachsene interessant.

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Buchtitel
2
06.06.2016
4
06.06.2016

Das Leben der 16-jährigen Rebecca verläuft mehr oder weniger normal. Sie lebt mit ihrer Mutter und deren Lebensgefährtin zusammen. Mit ihrem Freund hat sie gerade Schluss gemacht und auch mit ihrer besten Freundin Suse hat sie manchmal Stress.

Das alles ändert sich, als plötzlich der geheimnisvolle Junge auftaucht, der sich nicht mehr an seine Vergangenheit erinnern kann. Da er seinen wahren Namen nicht kennt, nennt er sich selbst Lucian. Rebecca hat plötzlich mit einem Schwall von Gefühlen zu kämpfen, besonders dann, wenn sie von Lucian getrennt ist. Nach und nach stellen die beiden jedoch fest, dass ihre Beziehung zueinander über alles hinausgeht, was eine normale Liebesbeziehung mit sich bringt. Lucian träumt von Geschehnissen in Rebeccas Leben, von denen er nichts wissen kann, denn die beiden sind sich nie zuvor begegnet. Doch noch bevor sie das Geheimnis ergründen können, werden sie voneinander getrennt – mit verheerenden Folgen.

Oft wird dieser Roman als „Zauberwerk über die Schönheit der Liebe“ oder ähnlich bezeichnet, was ich ziemlich unzutreffend finde. Zwar steht im Mittelpunkt der Handlung eine Liebesgeschichte, aber dadurch, dass Rebecca und Lucian einander auch immer wieder für eine längere Zeit nicht begegnen, ist das Buch gar nicht so romantisch, wie die Werbung einen glauben machen will. Zwar kommen sich die beiden am Ende (ungefähr auf den letzten 80 Seiten) doch sehr nahe, aber vorher stehen eher die Themen Freunde und Familie im Vordergrund der Handlung.

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt: der erste spielt in Hamburg, der zweite besteht lediglich aus E-mails, die Rebeccas Freunde und Familie ihr schicken und der dritte spielt in den USA, hauptsächlich in Los Angeles. Dabei ist der zweite Teil wesentlich kürzer als die anderen beiden.

Insgesamt gefällt mir die Auteilung des Buches gut, wie es bei Isabel Abedi auch nicht anders zu erwarten ist. Sie hat wirklich ein Talent dafür, Spannung aufzubauen und den Leser von Anfang an in die Geschichte hineinzuziehen. Auch wenn das Buch fast 550 Seiten umfasst, finde ich es nicht zu langatmig. Detailreiche Beschreibungen, die für die Handlung selbst nicht unbedingt von Bedeutung sind, gibt es zwar einige, aber dadurch erfährt der Leser viel über die Figuren, was ihm hilft, die Charaktere besser zu verstehen. Daher halte ich diese beiläufigen Erklärungen keineswegs für überflüssig. Vielmehr gestalten sie die Geschichte lebendig, denn genau diese Kleinigkeiten sind es, die die Figuren Figuren erst so realistisch machen.

Besonders im Bezug auf die Protagonistin Rebecca ist das meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Man kann sich gut in sie hineinversetzen, auch wenn man selbst in der Situation anders empfinden oder reagieren würde. Somit kann man tatsächlich in die Geschichte „abtauchen“. Im Bezug auf die anderen Charaktere hätte ich mir allerdings etwas mehr Details gewünscht. So bleiben zum Beispiel die Beweggründe von Rebeccas Mutter ziemlich unklar und auch Sebastian, Rebeccas Ex-Freund, bleibt eine eher schattenhafte Figur. Allerdings ist das nicht weiter tragisch und noch mehr Details würden auch sicher nicht jedem gefallen.

Viel gravierender dagegen finde ich, dass Lucians Wesen so unklar bleibt. Natürlich wird er am Anfang als sehr geheimnisvoll dargestellt: Das erste Mal sieht Rebecca ihn, als er nachts unter einer Straßenlaterne steht und zu ihrem Zimmerfenster hinaufsieht. Aber auch als Rebecca Lucian näher kennenlernt, erfährt der Leser leider nicht viel über ihn. Zwar werden ein paar Details gegeben, zum Beispiel, was er gerne isst und was nicht. Sein Charakter allerdings wird kaum beschrieben. Er ist verwirrt, weil er sich nicht an seine Vergangenheit erinnern kann. Klar. Er ist ein bisschen schüchtern, weil er Rebecca ehrlich liebt. Auch klar. Er ist traurig, als er schließlich von Rebecca getrennt wird. Auch das ist so ziemlich das, was jeder andere Mensch in seiner Situation empfinden würde. Aber das Individuelle geht dabei einfach verloren. Was er sagt, scheint das zu sein, was laut einer Umfrage die meisten Menschen in dieser Situation gesagt hätten. Kurz, sein Verhalten ist leider vollkommen durchschnittlich.

Sehr gut gefällt mir hingegen die Auflösung. Zwar kann man meiner Meinung nach schon von Anfang an, bevor man das Buch auch nur geöffnet hat, ahnen, worauf die Geschichte hinauslaufen soll, aber das geht wohl nicht jedem Leser so. Dennoch ist die Auflösung sehr gut ausgearbeitet. Man muss zwar bestimmte Passagen sehr aufmerksam – und vielleicht auch zweimal – lesen, um die Erklärungen komplett zu verstehen, aber man merkt, dass sich die Autorin viele Gedanken zu dem Thema gemacht hat. Sie hat altbekannte Aspekte gekonnt mit neuen Einfällen verbunden und so einen – so gut es in der Fantasy eben geht – logischen Kontext erschaffen. Der Leser erfährt diese Zusammenhänge erst sehr spät, sodass bis zum Schluss eine geheimnisvolle Atmosphäre erhalten bleibt.

Der Clou ist schließlich das Ende. Zwar ist auch dieses nicht ganz unabsehbar, aber ich habe doch befürchtet, dass die Autorin sich für ein naheliegendes Happy End entscheiden könnte. Sicher hätte das einigen Lesern besser gefallen, aber es wäre völlig unpassend gewesen. Trotzdem endet die Geschichte nicht in einer Katastrophe, nur weil es kein Happy End gibt. Sie endet einfach ganz genau so, wie sie von vornherein hat enden müssen.

Fazit: Ein tolles Buch für jüngere und ältere Leser, das ganz im Stil von Isabel Abedi kommt. Einziges Manko ist der Charakter des Lucian, dafür ist die Figur der Protagonistin Rebecca umso detailreicher ausgearbeitet. Allerdings handelt es sich – wie es für Isabel Abedi ja eigentlich auch typisch ist – nicht um eine reine Liebesgeschichte, sondern um die ihr eigene Mischung aus Themen wie Familie, Freundschaft und eben Liebe. Wer sich darauf einstellt, den wird das Buch bis zur letzten Seite nicht mehr loslassen.

geschrieben am 29.01.2010 | 952 Wörter | 5161 Zeichen

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