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Handbuch des Fotojournalismus


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Rezension von

Adrian Witt

Handbuch des Fotojournalismus Während gezeichnete Illustrationen in den frühen Phasen des Journalismus dafür herhalten mussten, um einem Beitrag ein Gesicht zu geben, änderte sich dies mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Jener geschichtsträchtigen Epoche, in welcher die Momentaufnahme eine bis dato unbekannte Bedeutung erhielt. Denn es gibt wohl kein Ereignis von weitreichender Bedeutung, kein bewaffneter Konflikt, keine gesellschaftliche Veränderung und keine bahnbrechende Erfindung, die seither nicht mit der Kamera begleitet, im Bild festgehalten und durch das Bild publik gemacht worden wäre. Mit der zunehmenden Bedeutung der Fotografie für den Journalismus sind über die Jahre zahlreiche Fotos entstanden, die sich tief in die Köpfe und Herzen der Menschen eingebrannt haben und so zum festen Bestandteil eines kollektiven Bildbewusstseins wurden: Sei es nun das Ganzkörperportrait des Wild-West-Ganoven Billy the Kid (1879), das brennende Luftschiff LZ 129 „Hindenburg“ (1937), das Hissen der roten Sowjetfahne auf dem Deutschen Reichstagsgebäude (1945) oder das in sich zusammenfallende World Trade Center (2001). Es sind Aufnahmen wie diese, die von Männern und Frauen oft unter einem hohen persönlichen Risiko gemacht wurden, um der Nachwelt dem Moment einen Ausdruck zu verleihen. Und genauso wie damals gilt noch heute, dass sie ihren Beruf nicht aus der sicheren Sphäre ihres Büros oder Hotelzimmers heraus ausüben können. Vielmehr müssen Fotojournalisten immer dort präsent sein, wo es passiert – auf der Straße oder an der Front. Dabei riskieren Fotojournalistinnen und Fotojournalisten als Zeitzeugen ihrer Generation tagtäglich ihr Leben, um anderen vor Augen zu führen, wovor viele lieber die Augen verschließen. Ihr dadurch gezeigtes Engagement, ihr Dienst zur Aufklärung und Völkerverständigung und ihr bewiesener Mut für die Demokratie und Meinungsfreiheit einzustehen, haben die Autoren Lars Bauernschmitt und Michael Ebert dazu veranlasst, ihr erst kürzlich erschienenes „Handbuch des Fotojournalismus“ im dpunkt.verlag diesem besonderen Berufsstand zu widmen. Das durch ihre Arbeit entstandene „Handbuch des Fotojournalismus“ liefert in einem Gesamtumfang von 423 Seiten einen sorgfältig zusammengestellten und detailliert informierenden Überblick, um den Fotojournalismus als bestehende Größe neben dem Print-, Hörfunk und Fernsehjournalismus zu etablieren und gibt Auskunft darüber, in welchen Gesellschaftsbereichen der Fotojournalismus längst angekommen ist, was es im Umgang mit Fotos rein rechtlich zu beachten gilt und wie er zielgerichtet für die eigenen Zwecke eingesetzt werden kann. Unterteilt in 17 aufeinander aufbauenden Kapitel, die jedoch auch separat voneinander studiert werden können, widmen sich die ersten drei einem umfangreichen historischen Rückblick. Während sich das erste Kapitel „Die frühen Pioniere“ (Seite 1-42) den Anfängen der Verwendung von Fotografien im Journalismus widmet und das zweite Kapitel „Das erste goldene Zeitalter des Fotojournalismus“ (Seite 43-62) die zunehmende Bedeutung des Fotojournalismus thematisiert, bezieht sich das dritte Kapitel „Die Ära der großen Bilder“ (Seite 63-110) auf jenen Zeitraum zwischen Anfang des zweiten Weltkriegs und dem Krieg in Vietnam, in der die Mehrheit der bis heute weltweit bekanntesten Fotografien entstanden. Im vierten Kapitel „Bildjournalistische Ausdrucksformen und -mittel“ (Seite 111-168) steht dagegen die sogenannte „Bild-Text-Schwere“, seine Bedeutung und die Funktionen von Fotos in Zeitungen und Zeitschriften im Mittelpunkt. Die nachfolgenden Kapitel vier bis elf gehen in diesem Zusammenhang weit tiefer ins Detail, wobei sie sich den unterschiedlichen fotojournalistischen Themenbereichen widmen. So bezieht sich das fünfte Kapitel „Lokaljournalismus – Die Abendteuer vor der eigenen Haustür“ (Seite 169-182) auf die Bedeutung des Fotojournalismus im regionalen Rahmen, während sich das sechste Kapitel „Sportfotografie – höher, schneller weiter“ (Seite 183-192) mit dem Sport, der Fotografie und dem Journalismus auseinandersetzt. Im siebte Kapitel „Krieg und Krise – der Tod als ständiger Begleiter“ (Seite 193-216) ist die Kriegsberichterstattung von besonderen Relevanz, da wohl in keinem anderen fotojournalistischen Bereich Gefahr, persönliche Verantwortung und Moral so nahe beieinanderliegen. Etwas makaber wirkt dagegen das folgende achte Kapitel „Die Paparazzi“ (Seite 217-228), welches auf das große Spannungsfeld zwischen dem Fotojournalismus und Voyeurismus eingeht. Dass der Fotojournalismus aber auch aus dem politischen Wirkungsfeld nicht mehr wegzudenken ist, zeigt sich im neunten Kapitel „Politik – Im Schatten der Macht“ (Seite 229-244), während die beiden anschließenden Kapitel, Kapitel zehn „Fotojournalismus in der PR und Öffentlichkeitsarbeit“ (Seite 245-166) und Kapitel elf „Natur- und Wissenschaftsfotografie“ (Seite 267-280), nicht minder den großen Einfluss des Fotojournalismus auf den redaktionellen Alltag herausstellen. Im zwölften Kapitel „Die Ausrüstung“ (Seite 281-296) und im dreizehnten Kapitel „Hardware und Software im Fotojournalismus“ (Seite 297-304) steht dagegen die technische Grundausstattung im Vordergrund, während im vierzehnten Kapitel „Der Bildermarkt – Fotos als Ware“ (Seite 305-334) weitreichende Informationen Auskunft darüber liefern, wie der Bildermarkt aufgebaut ist, wie man als Fotograf sein Geld verdient und wieso die Zusammenarbeit mit Agenturen und Bilddatenbanken so wichtig ist. In diesem Zusammenhang geht das fünfzehnte Kapitel „Die Zusammenarbeit von Fotografen und Bildagenturen „(Seite 335-357) nochmals tiefer ein, da sich der Markt seit der Digitalisierung auch für Fotojournalisten grundlegend geändert hat. So geht nämlich das anschließende sechzehnte Kapitel „Fotojournalismus und Recht“ (Seite 357-386) auch auf die rechtlichen Besonderheiten des Journalismus im Umgang mit Fotoaufnahmen ein, da das „Recht am eigenen Bild“ gerade im redaktionellen Umfeld immer wieder für Aufsehen sorgt. Das letzte und vielleicht auch wirkungsweisende Kapitel „Gedanken zur Zukunft des Fotojournalismus“ (Seite 387-404) ist gerade in sofern interessant, als das es versucht einen Ausblick darüber zu geben, wie es um die Zukunft des Fotojournalismus bestellt ist. Obwohl das „Handbuch des Fotojournalismus“ der beiden Autoren Lars Bauernschmitt und Michael Ebert auf Grund seines Umfangs und Detailreichtums, der zahlreichen Fotostrecken und der Vielzahl an Einzelinterviews mit Personen vom Fach für den Außenstehenden etwas erdrückend wirkt, so ist dies weniger den Autoren zur Last zu legen, als vielmehr der Komplexität, die den Fotojournalismus ausmacht. Das vorliegende Handbuch ist nicht nur rein optisch eine ästhetische Zusammenstellung weltberühmter Fotografien. Auch inhaltlich kann es auf Grund seiner zahlreichen Informationen und Hintergründe durchweg überzeugen und liefert darüber hinaus genügend sachkündigen Inhalt, um den Fotojournalismus, von seinen Anfängen bis in die Gegenwart, zu ergründen. Ein Handbuch, das wirklich seinen Namen verdient!

Während gezeichnete Illustrationen in den frühen Phasen des Journalismus dafür herhalten mussten, um einem Beitrag ein Gesicht zu geben, änderte sich dies mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Jener geschichtsträchtigen Epoche, in welcher die Momentaufnahme eine bis dato unbekannte Bedeutung erhielt. Denn es gibt wohl kein Ereignis von weitreichender Bedeutung, kein bewaffneter Konflikt, keine gesellschaftliche Veränderung und keine bahnbrechende Erfindung, die seither nicht mit der Kamera begleitet, im Bild festgehalten und durch das Bild publik gemacht worden wäre.

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Mit der zunehmenden Bedeutung der Fotografie für den Journalismus sind über die Jahre zahlreiche Fotos entstanden, die sich tief in die Köpfe und Herzen der Menschen eingebrannt haben und so zum festen Bestandteil eines kollektiven Bildbewusstseins wurden: Sei es nun das Ganzkörperportrait des Wild-West-Ganoven Billy the Kid (1879), das brennende Luftschiff LZ 129 „Hindenburg“ (1937), das Hissen der roten Sowjetfahne auf dem Deutschen Reichstagsgebäude (1945) oder das in sich zusammenfallende World Trade Center (2001). Es sind Aufnahmen wie diese, die von Männern und Frauen oft unter einem hohen persönlichen Risiko gemacht wurden, um der Nachwelt dem Moment einen Ausdruck zu verleihen. Und genauso wie damals gilt noch heute, dass sie ihren Beruf nicht aus der sicheren Sphäre ihres Büros oder Hotelzimmers heraus ausüben können. Vielmehr müssen Fotojournalisten immer dort präsent sein, wo es passiert – auf der Straße oder an der Front. Dabei riskieren Fotojournalistinnen und Fotojournalisten als Zeitzeugen ihrer Generation tagtäglich ihr Leben, um anderen vor Augen zu führen, wovor viele lieber die Augen verschließen. Ihr dadurch gezeigtes Engagement, ihr Dienst zur Aufklärung und Völkerverständigung und ihr bewiesener Mut für die Demokratie und Meinungsfreiheit einzustehen, haben die Autoren Lars Bauernschmitt und Michael Ebert dazu veranlasst, ihr erst kürzlich erschienenes „Handbuch des Fotojournalismus“ im dpunkt.verlag diesem besonderen Berufsstand zu widmen.

Das durch ihre Arbeit entstandene „Handbuch des Fotojournalismus“ liefert in einem Gesamtumfang von 423 Seiten einen sorgfältig zusammengestellten und detailliert informierenden Überblick, um den Fotojournalismus als bestehende Größe neben dem Print-, Hörfunk und Fernsehjournalismus zu etablieren und gibt Auskunft darüber, in welchen Gesellschaftsbereichen der Fotojournalismus längst angekommen ist, was es im Umgang mit Fotos rein rechtlich zu beachten gilt und wie er zielgerichtet für die eigenen Zwecke eingesetzt werden kann. Unterteilt in 17 aufeinander aufbauenden Kapitel, die jedoch auch separat voneinander studiert werden können, widmen sich die ersten drei einem umfangreichen historischen Rückblick. Während sich das erste Kapitel „Die frühen Pioniere“ (Seite 1-42) den Anfängen der Verwendung von Fotografien im Journalismus widmet und das zweite Kapitel „Das erste goldene Zeitalter des Fotojournalismus“ (Seite 43-62) die zunehmende Bedeutung des Fotojournalismus thematisiert, bezieht sich das dritte Kapitel „Die Ära der großen Bilder“ (Seite 63-110) auf jenen Zeitraum zwischen Anfang des zweiten Weltkriegs und dem Krieg in Vietnam, in der die Mehrheit der bis heute weltweit bekanntesten Fotografien entstanden. Im vierten Kapitel „Bildjournalistische Ausdrucksformen und -mittel“ (Seite 111-168) steht dagegen die sogenannte „Bild-Text-Schwere“, seine Bedeutung und die Funktionen von Fotos in Zeitungen und Zeitschriften im Mittelpunkt. Die nachfolgenden Kapitel vier bis elf gehen in diesem Zusammenhang weit tiefer ins Detail, wobei sie sich den unterschiedlichen fotojournalistischen Themenbereichen widmen. So bezieht sich das fünfte Kapitel „Lokaljournalismus – Die Abendteuer vor der eigenen Haustür“ (Seite 169-182) auf die Bedeutung des Fotojournalismus im regionalen Rahmen, während sich das sechste Kapitel „Sportfotografie – höher, schneller weiter“ (Seite 183-192) mit dem Sport, der Fotografie und dem Journalismus auseinandersetzt. Im siebte Kapitel „Krieg und Krise – der Tod als ständiger Begleiter“ (Seite 193-216) ist die Kriegsberichterstattung von besonderen Relevanz, da wohl in keinem anderen fotojournalistischen Bereich Gefahr, persönliche Verantwortung und Moral so nahe beieinanderliegen. Etwas makaber wirkt dagegen das folgende achte Kapitel „Die Paparazzi“ (Seite 217-228), welches auf das große Spannungsfeld zwischen dem Fotojournalismus und Voyeurismus eingeht. Dass der Fotojournalismus aber auch aus dem politischen Wirkungsfeld nicht mehr wegzudenken ist, zeigt sich im neunten Kapitel „Politik – Im Schatten der Macht“ (Seite 229-244), während die beiden anschließenden Kapitel, Kapitel zehn „Fotojournalismus in der PR und Öffentlichkeitsarbeit“ (Seite 245-166) und Kapitel elf „Natur- und Wissenschaftsfotografie“ (Seite 267-280), nicht minder den großen Einfluss des Fotojournalismus auf den redaktionellen Alltag herausstellen. Im zwölften Kapitel „Die Ausrüstung“ (Seite 281-296) und im dreizehnten Kapitel „Hardware und Software im Fotojournalismus“ (Seite 297-304) steht dagegen die technische Grundausstattung im Vordergrund, während im vierzehnten Kapitel „Der Bildermarkt – Fotos als Ware“ (Seite 305-334) weitreichende Informationen Auskunft darüber liefern, wie der Bildermarkt aufgebaut ist, wie man als Fotograf sein Geld verdient und wieso die Zusammenarbeit mit Agenturen und Bilddatenbanken so wichtig ist. In diesem Zusammenhang geht das fünfzehnte Kapitel „Die Zusammenarbeit von Fotografen und Bildagenturen „(Seite 335-357) nochmals tiefer ein, da sich der Markt seit der Digitalisierung auch für Fotojournalisten grundlegend geändert hat. So geht nämlich das anschließende sechzehnte Kapitel „Fotojournalismus und Recht“ (Seite 357-386) auch auf die rechtlichen Besonderheiten des Journalismus im Umgang mit Fotoaufnahmen ein, da das „Recht am eigenen Bild“ gerade im redaktionellen Umfeld immer wieder für Aufsehen sorgt. Das letzte und vielleicht auch wirkungsweisende Kapitel „Gedanken zur Zukunft des Fotojournalismus“ (Seite 387-404) ist gerade in sofern interessant, als das es versucht einen Ausblick darüber zu geben, wie es um die Zukunft des Fotojournalismus bestellt ist.

Obwohl das „Handbuch des Fotojournalismus“ der beiden Autoren Lars Bauernschmitt und Michael Ebert auf Grund seines Umfangs und Detailreichtums, der zahlreichen Fotostrecken und der Vielzahl an Einzelinterviews mit Personen vom Fach für den Außenstehenden etwas erdrückend wirkt, so ist dies weniger den Autoren zur Last zu legen, als vielmehr der Komplexität, die den Fotojournalismus ausmacht. Das vorliegende Handbuch ist nicht nur rein optisch eine ästhetische Zusammenstellung weltberühmter Fotografien. Auch inhaltlich kann es auf Grund seiner zahlreichen Informationen und Hintergründe durchweg überzeugen und liefert darüber hinaus genügend sachkündigen Inhalt, um den Fotojournalismus, von seinen Anfängen bis in die Gegenwart, zu ergründen. Ein Handbuch, das wirklich seinen Namen verdient!

geschrieben am 01.11.2015 | 946 Wörter | 6082 Zeichen

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