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Greenspans Betrug


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Rezension von

Gérard Bökenkamp

Greenspans Betrug Das Buch "Greenspans Betrug" ist einerseits eine Kritik an der Person Alan Greenspan und andererseits ein Angriff auf die Wirtschaftspolitik der USA der letzten zwanzig Jahre, vor allem auf die Reaganomics und die Angebotstheorie. Beides hängt natürlich miteinander zusammen, ist aber nicht deckungsgleich. Batra bringt beide Phänomene zur Deckung, indem er Greenspan zur Zentralfigur dieser Politik macht und die haushaltspolitisch verheerenden Steuersenkungen der 80er Jahre als Reagan-Greenspan-Steuersenkung bezeichnet. Davon kann aber nicht die Rede sein, Anfang der achtziger Jahre besaß Greenspan längst nicht die herausragende Bedeutung, die er als Chef der Notenbank erlangte und die Batra ihm unterstellt. Wer etwa die historische Studie von John Sloan über die Wirtschaftspolitik und den Führungsstil Reagans liest, kommt zu dem Ergebnis, dass Greenspan in dieser Zeit eine wichtige Nebenfigur war, aber eben nicht mehr. Interessant in dieser Zeit ist Greenspans Rolle als Vorsitzender der Kommission zur Reform des Social Security Trust Fund, also der staatlichen Rentenversicherung. Seine Rolle und die Rolle der US-Regierung ist in diesem Zusammenhang ist alles andere als rühmlich. Die Kommission hatte den Auftrag eine Antwort auf das Problem der demographischen Entwicklung zu finden, die das System in den nächsten Jahrzehnten vor eine harte Probe stellen wird. Batra hält bereits den Ansatz zu dieser Kommission für verfehlt und sieht keinen Grund, warum das Umlagesystem in ein Kapital gedecktes umgebaut werden musste. Als Bürger eines Landes, in dem genau das Gegenteil geschah und über Jahrzehnte hinweg von der Sicherheit der Renten gesprochen wurde, hat man sicherlich eine andere Perspektive als Batra, der demographische Prognosen ablehnt und schon die Vorschläge der Kommission für schändlich hält. Die hohen Überschüsse, die das System durch die Realisierung der Reform schon bald erzielte, hätten ausgereicht, der Rentenversicherung eine sichere Grundlage zu geben. Doch an dieser Stelle trat jener Prozess ein, den Batra zu Recht als Betrug bezeichnet: Die Sanierung des Haushalts durch die Verwendung der Überschüsse der Sozialversicherung. Batras Ansicht ist überzeugend, dass letztendlich die amerikanischen Rentenversicherten den Preis für die überzogenen Steuersenkungen der Ära Reagan gezahlt haben und Greenspan bei diesem "Betrug" eine herausragende Rolle spielte. Batra nutzt die Auseinandersetzung mit Greenspan für eine Generalabrechnung mit der klassischen Theorie. Er beschreibt die prägende Wirkung von Adam Smith, Jeremy Bentham und der Autorin Ayn Rand auf Greenspans Denken und verurteilt ihre Rechtfertigung der "Gier" und die Entstehung einer "Gier"-Ökonomie unter dem Einfluss der Angebotstheorie. Für Greenspans verfehlte Geldpolitik und die überzogenen Steuersenkungen die klassische Theorie im Ganzen in Haft zu nehmen, geht jedoch an der Realität vorbei. Das gesteht Batra auch selbst indirekt zu, beschreibt er doch Greenspan als Opportunisten, der bereitwillig von seinen Überzeugungen abwich, wenn dies seinem Aufstieg dienlich war. Batra selbst geseht ein: "Er wurde zu einer Art Keynsianer, während er seinen Anhängern gegenüber gleichzeitig behauptete, ein Verfechter der freien Marktwirtschaft zu sein." Die Autoren des Buches "Das Greenspan-Dossier" haben dafür einen wacheren Blick als Batra und ziehen gerade aus der Nachfrage orientieren Geldpolitik des Notenbankpräsidenten die Schlussfolgerung, dass eine Rückkehr zur klassischen Schule der Nationalökonomie dringend geboten ist. Batra sieht die amerikanische Wirtschaft im Niedergang und immer größere Teile der amerikanischen Bevölkerung in Armut und den Staat in Schulden versinken. Grund dafür ist nach Batra, das Zurückbleiben der Nachfrage hinter der Produktivität. Ursache für diese Entwicklung sei die Deindustrialisierung der USA durch die Abwanderung in Niedriglohnländer und das damit verbundene Handelsbilanzdefizit. In der Tat meint Batra "Globalisierung", wenn er "Greenspan" sagt, und macht es sich mit dieser Personalisierung zu einfach. Seine eigenen Lösungsansätze, die er abschließend im Kapitel "Wirtschaftsreform" vorstellt, stellen alles andere als eine realisierbare Alternative dar. In Batras Zukunftsvision ist das Handelsbilanzdefizit durch internationale Devisenabkommen beseitigt worden, ohne den Verlust der Vorteile billiger Importe aus Asien und Lateinamerika. Die Vereinigten Staaten stellen wieder die ganze Palette der Industrieprodukte her, also der lange Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft wird rückgängig gemacht. Die Konzerne sind Eigentum der Arbeitnehmer, die die Mehrheit im Aufsichtsrat stellen und über die Gehälter der Manager entscheiden. Die Löhne steigen mit der Produktivität, was ein stetiges ungebrochenes Wachstum verspricht. Eine schöne Vision Mr. Batra, aber wohl zu schön, um wahr zu sein! Ich persönlich habe aus dem Buch trotz seiner Schwächen einiges gelernt. Die Abschnitte über die Umverteilung der Rentenversicherungsbeiträge zu Gunsten des Staatshaushalts sollte sich jeder vor Augen führen, der nicht gegenfinanzierten Steuersenkungen das Wort redet. Denn auch die Vision von steigenden Staatsausgaben bei sinkender Steuerlast ohne zusätzliche Neuverschuldung ist zu schön, um wahr zu sein!

Das Buch "Greenspans Betrug" ist einerseits eine Kritik an der Person Alan Greenspan und andererseits ein Angriff auf die Wirtschaftspolitik der USA der letzten zwanzig Jahre, vor allem auf die Reaganomics und die Angebotstheorie. Beides hängt natürlich miteinander zusammen, ist aber nicht deckungsgleich. Batra bringt beide Phänomene zur Deckung, indem er Greenspan zur Zentralfigur dieser Politik macht und die haushaltspolitisch verheerenden Steuersenkungen der 80er Jahre als Reagan-Greenspan-Steuersenkung bezeichnet. Davon kann aber nicht die Rede sein, Anfang der achtziger Jahre besaß Greenspan längst nicht die herausragende Bedeutung, die er als Chef der Notenbank erlangte und die Batra ihm unterstellt. Wer etwa die historische Studie von John Sloan über die Wirtschaftspolitik und den Führungsstil Reagans liest, kommt zu dem Ergebnis, dass Greenspan in dieser Zeit eine wichtige Nebenfigur war, aber eben nicht mehr.

Interessant in dieser Zeit ist Greenspans Rolle als Vorsitzender der Kommission zur Reform des Social Security Trust Fund, also der staatlichen Rentenversicherung. Seine Rolle und die Rolle der US-Regierung ist in diesem Zusammenhang ist alles andere als rühmlich. Die Kommission hatte den Auftrag eine Antwort auf das Problem der demographischen Entwicklung zu finden, die das System in den nächsten Jahrzehnten vor eine harte Probe stellen wird. Batra hält bereits den Ansatz zu dieser Kommission für verfehlt und sieht keinen Grund, warum das Umlagesystem in ein Kapital gedecktes umgebaut werden musste. Als Bürger eines Landes, in dem genau das Gegenteil geschah und über Jahrzehnte hinweg von der Sicherheit der Renten gesprochen wurde, hat man sicherlich eine andere Perspektive als Batra, der demographische Prognosen ablehnt und schon die Vorschläge der Kommission für schändlich hält. Die hohen Überschüsse, die das System durch die Realisierung der Reform schon bald erzielte, hätten ausgereicht, der Rentenversicherung eine sichere Grundlage zu geben. Doch an dieser Stelle trat jener Prozess ein, den Batra zu Recht als Betrug bezeichnet: Die Sanierung des Haushalts durch die Verwendung der Überschüsse der Sozialversicherung. Batras Ansicht ist überzeugend, dass letztendlich die amerikanischen Rentenversicherten den Preis für die überzogenen Steuersenkungen der Ära Reagan gezahlt haben und Greenspan bei diesem "Betrug" eine herausragende Rolle spielte.

Batra nutzt die Auseinandersetzung mit Greenspan für eine Generalabrechnung mit der klassischen Theorie. Er beschreibt die prägende Wirkung von Adam Smith, Jeremy Bentham und der Autorin Ayn Rand auf Greenspans Denken und verurteilt ihre Rechtfertigung der "Gier" und die Entstehung einer "Gier"-Ökonomie unter dem Einfluss der Angebotstheorie. Für Greenspans verfehlte Geldpolitik und die überzogenen Steuersenkungen die klassische Theorie im Ganzen in Haft zu nehmen, geht jedoch an der Realität vorbei. Das gesteht Batra auch selbst indirekt zu, beschreibt er doch Greenspan als Opportunisten, der bereitwillig von seinen Überzeugungen abwich, wenn dies seinem Aufstieg dienlich war. Batra selbst geseht ein: "Er wurde zu einer Art Keynsianer, während er seinen Anhängern gegenüber gleichzeitig behauptete, ein Verfechter der freien Marktwirtschaft zu sein." Die Autoren des Buches "Das Greenspan-Dossier" haben dafür einen wacheren Blick als Batra und ziehen gerade aus der Nachfrage orientieren Geldpolitik des Notenbankpräsidenten die Schlussfolgerung, dass eine Rückkehr zur klassischen Schule der Nationalökonomie dringend geboten ist.

Batra sieht die amerikanische Wirtschaft im Niedergang und immer größere Teile der amerikanischen Bevölkerung in Armut und den Staat in Schulden versinken. Grund dafür ist nach Batra, das Zurückbleiben der Nachfrage hinter der Produktivität. Ursache für diese Entwicklung sei die Deindustrialisierung der USA durch die Abwanderung in Niedriglohnländer und das damit verbundene Handelsbilanzdefizit. In der Tat meint Batra "Globalisierung", wenn er "Greenspan" sagt, und macht es sich mit dieser Personalisierung zu einfach. Seine eigenen Lösungsansätze, die er abschließend im Kapitel "Wirtschaftsreform" vorstellt, stellen alles andere als eine realisierbare Alternative dar. In Batras Zukunftsvision ist das Handelsbilanzdefizit durch internationale Devisenabkommen beseitigt worden, ohne den Verlust der Vorteile billiger Importe aus Asien und Lateinamerika. Die Vereinigten Staaten stellen wieder die ganze Palette der Industrieprodukte her, also der lange Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft wird rückgängig gemacht. Die Konzerne sind Eigentum der Arbeitnehmer, die die Mehrheit im Aufsichtsrat stellen und über die Gehälter der Manager entscheiden. Die Löhne steigen mit der Produktivität, was ein stetiges ungebrochenes Wachstum verspricht. Eine schöne Vision Mr. Batra, aber wohl zu schön, um wahr zu sein!

Ich persönlich habe aus dem Buch trotz seiner Schwächen einiges gelernt. Die Abschnitte über die Umverteilung der Rentenversicherungsbeiträge zu Gunsten des Staatshaushalts sollte sich jeder vor Augen führen, der nicht gegenfinanzierten Steuersenkungen das Wort redet. Denn auch die Vision von steigenden Staatsausgaben bei sinkender Steuerlast ohne zusätzliche Neuverschuldung ist zu schön, um wahr zu sein!

geschrieben am 09.04.2006 | 727 Wörter | 4556 Zeichen

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