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G?tter am Nil - ?gyptische Mythologie f?r Einsteiger


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Rezension von

Adrian Witt

G?tter am Nil - ?gyptische Mythologie f?r Einsteiger Drei Jahrtausende lang stand ?gypten still und bewegte sich zugleich: Die Dynastien wechselten ? manche von ihnen dem Land Bl?te und Gr??e bescherend, andere es in Zerfall und Fremdherrschaft f?hrend ?, Hauptst?dte verlagerten sich, Priesterkasten gewannen und verloren an Einfluss ? doch das mythologische Ger?st, das diese Zivilisation ?ber so lange Zeit trug, blieb in seinen Grundz?gen bemerkenswert best?ndig. Die zahlreichen G?tter am Nil waren keine blo?en Schutzpatrone oder Phantasiegestalten. Sie waren f?r die alten ?gypter die eigentlichen Erkl?rer der Welt. Im Aufgang der Sonne sahen sie nicht ein astronomisches Ph?nomen, sondern Re, der auf seiner Sonnenbarke den Himmel durchquerte. Im Tod erblickten die ?gypter keinen Abgrund, sondern einen ?bergang ? gesichert durch Mythen, die dem Jenseits ebenso pr?zise Konturen gaben wie dem Diesseits. Glaube und Weltbild waren hier keine getrennten Sph?ren, sondern bildeten ein und dasselbe Gewebe. Dieses Gewebe ist jedoch nicht v?llig unversehrt auf uns gekommen. Was die ?gyptische Mythologie von anderen antiken ?berlieferungen unterscheidet, ist nicht zuletzt ihre Fragmentierung: Erz?hlungen variieren je nach Region, Tempel und Jahrhundert, w?hrend G?tter miteinander verschmelzen, Attribute tauschen und auch in widerspr?chlichen Rollen auftreten. Kein einzelner Text fasst das Ganze ? und gerade darin liegt die wissenschaftliche Herausforderung und der eigent?mliche Reiz dieser ?berlieferung. Wer sich ihr n?hert, bewegt sich nicht entlang einer Linie, sondern durch ein Geflecht aus Andeutungen, Echos und Parallelen ? und braucht daf?r eine F?hrung, die Sachkenntnis mit Erz?hlfreude verbindet. Einen solchen F?hrer durch dieses mythologische Labyrinth hat mit der im Philipp von Zabern Verlag (Herder) erschienenen Publikation ?G?tter am Nil ? ?gyptische Mythologie f?r Einsteiger? (ISBN: 978-3-534-61228-4) der britische ?gyptologe Garry J. Shaw vorgelegt. Shaw, der promovierte ?gyptologe und Chefredakteur der Zeitschrift Al-Rawi: Egypt's Heritage Review ist, f?gt hier auf 248 Seiten, die in drei Kapitel gegliedert sind, die ?berlieferten Fragmente zu einer zusammenh?ngenden Narration zusammen, ohne die verschiedenen Bruchstellen zu gl?tten oder die Widerspr?che wegzuredigieren. Herausgekommen ist ein reich illustrierter ?berblick, der Einsteigern ebenso gerecht wird wie jenen, die dem alten ?gypten bereits mit einiger Vertrautheit begegnen ? und der in beiden F?llen das Gef?hl hinterl?sst, einer weitgehend entr?ckten Welt n?her gekommen zu sein, die sich bei n?herer Betrachtung jedoch als erstaunlich lebendig erweist. Den Anfang macht Garry J. Shaw mit einer Frage, die archaischer kaum sein k?nnte: Woher kommen wir ?berhaupt? Das erste Kapitel entfaltet dabei die ?gyptische Kosmogonie in ihrer ganzen Dramatik ? von der uranf?nglichen Unordnung, aus der die Sch?pfung hervortritt, bis hin zu den Herrschaftszeiten der G?tter Re, Schu und Geb und schlie?lich zur zentralen Erz?hlung des ?gyptischen Mythos schlechthin: dem K?nigtum des Osiris, dessen Ermordung durch seinen neidischen Bruder Seth und dem langen Ringen des Horus um den rechtm??igen Thron. Es sind Geschichten von Macht und Verrat, von g?ttlicher Ordnung und ihrer gewaltsamen Ersch?tterung. Shaw gelingt es, sie so zu erz?hlen, dass ihre politische wie auch kosmologische Dimension gleicherma?en sp?rbar wird. Das zweite Kapitel wechselt demgegen?ber die Perspektive: weg von der mythischen Urzeit, hin zur gelebten Alltagswelt der alten ?gypter. Wie durchdrangen die G?tter das t?gliche Leben ? die Natur, die Jahreszeiten, die unsichtbaren Kr?fte, die hinter jedem Unwetter und jeder Nilflut vermutet wurden? Shaw zeigt dabei, dass Mythologie f?r die alten ?gypter kein abstraktes Gedankenkonstrukt war, sondern eine unmittelbar erfahrbare Wirklichkeit, in der die Grenze zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt durchl?ssig blieb ? und in der G?tter nicht fern thronten, sondern greifbar nah im Alltag pr?sent waren. Das dritte und abschlie?ende Kapitel f?hrt dorthin, wo die ?gyptische Mythologie ihre vielleicht eindringlichsten Bilder entwickelt hat: ins Jenseits. Shaw begleitet den Verstorbenen durch die Duat, jene Unterwelt voller Pr?fungen und Gefahren, die zugleich als pr?zise kartierter Raum und als mythisches Abenteuer begriffen wurde ? und l?sst dabei den Leser das Totengericht miterleben, an dessen Ende nicht Vernichtung, sondern Verwandlung steht: das Leben als ach, als verkl?rter Geist im Kreislauf der kosmischen Ordnung. Abgerundet wird die Publikation durch einen sorgf?ltig zusammengestellten Anhang, der neben Danksagung und Literaturhinweisen zum Weiterlesen auch Quellenangaben, Abbildungsnachweise und einen Index umfasst; ein stilles, aber verl?ssliches Zeichen daf?r, dass Shaw sein Publikum nicht nur unterhalten, sondern auch weiterf?hren m?chte. Am Ende bleibt das Gef?hl, dass Garry J. Shaw mit der im Philipp von Zabern Verlag erschienenen Publikation ?G?tter am Nil ? ?gyptische Mythologie f?r Einsteiger? genau das eingel?st hat, was der Untertitel verspricht ? und zugleich weit mehr. Denn was als Einf?hrung beginnt, entfaltet sich zur echten Begegnung: mit G?ttern, die streiten, lieben und scheitern, mit einer Zivilisation, die dem Tod nicht auswich, sondern ihm eine Ordnung gab, und mit einem Autor, der sein Sujet so souver?n wie leidenschaftlich beherrscht. Wer sich auf dieses besondere Werk einl?sst, wird das alte ?gypten nicht als museales Relikt einer l?ngst vergangenen Epoche, sondern als lebendige Gedankenwelt erfahren, die erstaunlich viel ?ber uns selbst zu sagen hat.

Drei Jahrtausende lang stand ?gypten still und bewegte sich zugleich: Die Dynastien wechselten ? manche von ihnen dem Land Bl?te und Gr??e bescherend, andere es in Zerfall und Fremdherrschaft f?hrend ?, Hauptst?dte verlagerten sich, Priesterkasten gewannen und verloren an Einfluss ? doch das mythologische Ger?st, das diese Zivilisation ?ber so lange Zeit trug, blieb in seinen Grundz?gen bemerkenswert best?ndig.

Die zahlreichen G?tter am Nil waren keine blo?en Schutzpatrone oder Phantasiegestalten. Sie waren f?r die alten ?gypter die eigentlichen Erkl?rer der Welt. Im Aufgang der Sonne sahen sie nicht ein astronomisches Ph?nomen, sondern Re, der auf seiner Sonnenbarke den Himmel durchquerte. Im Tod erblickten die ?gypter keinen Abgrund, sondern einen ?bergang ? gesichert durch Mythen, die dem Jenseits ebenso pr?zise Konturen gaben wie dem Diesseits. Glaube und Weltbild waren hier keine getrennten Sph?ren, sondern bildeten ein und dasselbe Gewebe. Dieses Gewebe ist jedoch nicht v?llig unversehrt auf uns gekommen. Was die ?gyptische Mythologie von anderen antiken ?berlieferungen unterscheidet, ist nicht zuletzt ihre Fragmentierung: Erz?hlungen variieren je nach Region, Tempel und Jahrhundert, w?hrend G?tter miteinander verschmelzen, Attribute tauschen und auch in widerspr?chlichen Rollen auftreten. Kein einzelner Text fasst das Ganze ? und gerade darin liegt die wissenschaftliche Herausforderung und der eigent?mliche Reiz dieser ?berlieferung. Wer sich ihr n?hert, bewegt sich nicht entlang einer Linie, sondern durch ein Geflecht aus Andeutungen, Echos und Parallelen ? und braucht daf?r eine F?hrung, die Sachkenntnis mit Erz?hlfreude verbindet.

Einen solchen F?hrer durch dieses mythologische Labyrinth hat mit der im Philipp von Zabern Verlag (Herder) erschienenen Publikation ?G?tter am Nil ? ?gyptische Mythologie f?r Einsteiger? (ISBN: 978-3-534-61228-4) der britische ?gyptologe Garry J. Shaw vorgelegt. Shaw, der promovierte ?gyptologe und Chefredakteur der Zeitschrift Al-Rawi: Egypt's Heritage Review ist, f?gt hier auf 248 Seiten, die in drei Kapitel gegliedert sind, die ?berlieferten Fragmente zu einer zusammenh?ngenden Narration zusammen, ohne die verschiedenen Bruchstellen zu gl?tten oder die Widerspr?che wegzuredigieren. Herausgekommen ist ein reich illustrierter ?berblick, der Einsteigern ebenso gerecht wird wie jenen, die dem alten ?gypten bereits mit einiger Vertrautheit begegnen ? und der in beiden F?llen das Gef?hl hinterl?sst, einer weitgehend entr?ckten Welt n?her gekommen zu sein, die sich bei n?herer Betrachtung jedoch als erstaunlich lebendig erweist. Den Anfang macht Garry J. Shaw mit einer Frage, die archaischer kaum sein k?nnte: Woher kommen wir ?berhaupt? Das erste Kapitel entfaltet dabei die ?gyptische Kosmogonie in ihrer ganzen Dramatik ? von der uranf?nglichen Unordnung, aus der die Sch?pfung hervortritt, bis hin zu den Herrschaftszeiten der G?tter Re, Schu und Geb und schlie?lich zur zentralen Erz?hlung des ?gyptischen Mythos schlechthin: dem K?nigtum des Osiris, dessen Ermordung durch seinen neidischen Bruder Seth und dem langen Ringen des Horus um den rechtm??igen Thron. Es sind Geschichten von Macht und Verrat, von g?ttlicher Ordnung und ihrer gewaltsamen Ersch?tterung. Shaw gelingt es, sie so zu erz?hlen, dass ihre politische wie auch kosmologische Dimension gleicherma?en sp?rbar wird. Das zweite Kapitel wechselt demgegen?ber die Perspektive: weg von der mythischen Urzeit, hin zur gelebten Alltagswelt der alten ?gypter. Wie durchdrangen die G?tter das t?gliche Leben ? die Natur, die Jahreszeiten, die unsichtbaren Kr?fte, die hinter jedem Unwetter und jeder Nilflut vermutet wurden? Shaw zeigt dabei, dass Mythologie f?r die alten ?gypter kein abstraktes Gedankenkonstrukt war, sondern eine unmittelbar erfahrbare Wirklichkeit, in der die Grenze zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt durchl?ssig blieb ? und in der G?tter nicht fern thronten, sondern greifbar nah im Alltag pr?sent waren. Das dritte und abschlie?ende Kapitel f?hrt dorthin, wo die ?gyptische Mythologie ihre vielleicht eindringlichsten Bilder entwickelt hat: ins Jenseits. Shaw begleitet den Verstorbenen durch die Duat, jene Unterwelt voller Pr?fungen und Gefahren, die zugleich als pr?zise kartierter Raum und als mythisches Abenteuer begriffen wurde ? und l?sst dabei den Leser das Totengericht miterleben, an dessen Ende nicht Vernichtung, sondern Verwandlung steht: das Leben als ach, als verkl?rter Geist im Kreislauf der kosmischen Ordnung. Abgerundet wird die Publikation durch einen sorgf?ltig zusammengestellten Anhang, der neben Danksagung und Literaturhinweisen zum Weiterlesen auch Quellenangaben, Abbildungsnachweise und einen Index umfasst; ein stilles, aber verl?ssliches Zeichen daf?r, dass Shaw sein Publikum nicht nur unterhalten, sondern auch weiterf?hren m?chte.

Am Ende bleibt das Gef?hl, dass Garry J. Shaw mit der im Philipp von Zabern Verlag erschienenen Publikation ?G?tter am Nil ? ?gyptische Mythologie f?r Einsteiger? genau das eingel?st hat, was der Untertitel verspricht ? und zugleich weit mehr. Denn was als Einf?hrung beginnt, entfaltet sich zur echten Begegnung: mit G?ttern, die streiten, lieben und scheitern, mit einer Zivilisation, die dem Tod nicht auswich, sondern ihm eine Ordnung gab, und mit einem Autor, der sein Sujet so souver?n wie leidenschaftlich beherrscht. Wer sich auf dieses besondere Werk einl?sst, wird das alte ?gypten nicht als museales Relikt einer l?ngst vergangenen Epoche, sondern als lebendige Gedankenwelt erfahren, die erstaunlich viel ?ber uns selbst zu sagen hat.

geschrieben am 21.08.2026 | 770 Wörter | 4806 Zeichen

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