
| ISBN | 3832197036 | |
| Autor | Ned Beauman | |
| Verlag | DuMont | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 415 | |
| Erscheinungsjahr | 2013 | |
| Extras | - |

Der Einstieg ist skurril, der weitere Fortgang der Geschichte schwer zu glauben und die mitunter heitere Sprache sowie das wunderliche Ende bzw. die Enden entschädigen nicht wirklich für die vorangegangenen Schwächen des Buches.

Der Protagonist Egon Loeser ist Bühnenbildner in den 30er Jahren in Berlin, offenbar Erbe seiner verstorbenen Eltern, und arbeitet an einem Berliner Theater an einem eigenen Stück über eine Teleportationsmaschine, die ihren Ursprung im 17. Jahrhundert haben soll. Dort kamen bei deren Einsatz Menschen ums Leben, bei Loeser kommt im Testverfahren jedenfalls nur einer seiner Freunde zu körperlichem Schaden. Im Fortgang des Buches schreibt noch ein weiterer Bekannter Loesers, der Englänger Rackenham, einen Schlüsselroman über das Geschehen und, nach einer Zwischenstation in Paris in Los Angeles als Flüchtling angekommen, findet Loeser heraus, dass dort ein - wie sich am Ende herausstellt - irrer und mordender Physikprofessor am CalTech eine eigene Teleportationsmaschine baut, um deren, sei es beabsichtigt oder nicht, tödliche Wirkung bei Loesers endlich fertiggestelltem Stück zu testen. Loeser erkennt dies, kann noch das Publikum und ein oder zwei Freunde retten.
Diese ganze Weltwanderung wird von einem Wunsch Loesers vorangetrieben, nämlich mit einer jungen Dame namens Adele Hitler zusammenzukommen, der er seit Berlin stets hinterherreist. selbstmitleidig und melancholisch, wie er auch sein sonstiges (Liebes-)Leben betrachtet. Nachdem er aber sehr direkt immer davon berichtet und darüber sinniert, dass er Adele „ficken“ wolle, ist trotz der teilweise nett gemachten Dialoge, heiteren Sprachspiele und Andeutungen insbesondere auf die Philosophiegeschichte das Niveau brachial niedrig: über Koksen und Ficken gab es schon bedeutend bessere Romane, als dass man damit noch auf Ruhm hoffen dürfte. Nach dem Theaterdesaster in Los Angeles begibt er sich nahezu mittellos nach New York zusammen mit seiner neuen Ehefrau, die natürlich nicht Adele Hitler ist, denn, Überraschung!, in den Wirren des Theaterunglücks bietet diese sich ihm an und er stellt fest, dass er sein einst so hartnäckig verfolgtes Ziel gar nicht mehr realisieren will. Diese Rahmenhandlung ist insgesamt so absurd und konstruiert, dass es leider nicht mehr wirklich unterhaltsam ist.
Teilweise ist der Roman sehr nerdig, d.h. der Autor Beauman übt sich in literarischen Fingerspielen, zitiert munter und ausgiebig alte und jüngere Meister, nimmt Bezug auf Philosophen und zeigt so insgesamt: ich weiß was, ich kann was! Auch die dandyhaften bourgeoisen Allüren all der Handelnden vermitteln ein höchst spezielles Milieu, das man sicher auch in den Großstädten heutiger Tage finden kann, samt all der Drogen, Ziellosigkeit und falschen Vorstellung über die eigene künstlerische Bedeutung, aber die Übertragung, insbesondere sprachlich, in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts ist mitunter unglaubwürdig. So ist die Redewendung „Verpiss Dich!“ im Berlin der 30er wohl kaum gebräuchlich gewesen, wobei dies auch ein Makel der Übersetzung sein kann.
Ganz gut gelungen finde ich einzig das Ende bzw. die Enden. Da schwenkt die Erzählung in einer Art Nachblick auf einmal in das 17. Jahrhundert und dort wird der damalige Teleportationsunfall aufgeklärt und ein Blick in die 250 Jahre entfernte Zukunft gewagt. Dann gibt es eine Szene aus dem Berlin der 60er Jahre, in der Loeser auf Rackenham trifft und auch da werden einige Irrtümer aus den 30ern aufgedeckt. Ganz am Ende steht aber wieder ein wirres Kapitel über Troodonier und eine ferne Zukunft, ein Rückbezug auf einige Szenen zuvor im Roman, immerhin fast schon selbstironisch.
Insgesamt halte ich den Roman für nicht empfehlenswert. Er transportiert neben ein paar kuriosen Einfällen weder ein belastbares Konstrukt noch einen tieferen Sinn, ist weder ausgiebig lustig noch irgendwie spannend und nicht einmal durchgehend sprachlich beeindruckend.
geschrieben am 08.09.2013 | 574 Wörter | 3392 Zeichen
Kommentare zur Rezension (0)
Platz für Anregungen und Ergänzungen