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Atlas des Mittelalters


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Rezension von

Hiram Kümper

Atlas des Mittelalters Unter einem Atlas versteht man, so informiert uns jede einschlägige Enzyklopädie, spätestens seit Gerhard Mercators eben so betitelten „Cosmographicae Meditationes“ (posthum 1595 erschienen), ein geographisches Kartenwerk. Ein Kartenwerk freilich ist der „Atlas des Mittelalters“ bestenfalls in zweiter Linie. In erster Linie ist er ein Bildwerk – und zwar ein beeindruckendes. Mit einer Fülle von qualitativ hochwertig reproduzierten Bildern taucht der Leser in ein wahrlich „buntes“ Mittelalter ein und wird entlang von 57 grob chronologisch arrangierten Kapiteln über Themen wie „Recht“, „Schule und Universität“ oder den „Symbolismus des Mittelalters“ unterrichtet. Dass es sich beim „Atlas des Mittelalters“ um eine Übersetzung aus dem Italienischen handelt – was übrigens leider nirgends explizit festgestellt wird und sich nur aus dem Impressum entnehmen lässt –, schlägt sich merkbar in der Darstellung nieder: Auffällig ist die Schwerpunktsetzung in Westeuropa und deutlich auch diejenige im Hochmittelalter. Wir treffen hier also auf ein sehr spezifisches Mittelalter. Den ansonsten insgesamt durchaus positiven Gesamteindruck schmälern, wenn auch nicht drastisch, gewissen Inkonsequenzen in den Beischriften, was vor allem beim Nachweis von Handschriftenilluminationen auffällt: Teils finden sich hier vorbildlich exakte Signaturen mit Angabe der Blattzahl, teils nur globale Hinweise auf die besitzende Bibliothek, teils merkwürdige Zwischenkonstrukte. Diese Inkonsequenz rührt, so lässt sich vermuten, aus der weitgehend unreflektierten Übernahme der Beischriften aus den jeweiligen Vorlageträgern, denn gerade bei bekannteren, oft reproduzierten Bildern finden sich Irrtümer, die bereits seit längerem durch die Bilderunterschriften populärer, reich bebilderter Geschichtswerke geistern. Eine „Gothaer Weltchronik“ (S. 48, Abb. 2) beispielsweise gibt es gar nicht – was hier dargestellt wird, ist die Gothaer Handschrift der Sächsischen Weltchronik (Ms. Memb. I 90). In dieser Hinsicht hätte mehr redaktionelle Sorgfalt gut getan. Insgesamt ist der „Atlas des Mittelalters“ ein Buch unter vielen. Solche prächtig illustrierten Panoramen mittelalterlicher Kultur liegen schon in größere Zahl vor und leider verpasst es der Band, sich in dieser Reihe neu zu positionieren. Der geo- bzw. kartographische Ansatz hätte da sicher zur Kontur beigetragen, wenn er konsequent verfolgt worden wäre. Von der Idee, ein Kartenwerk zu erstehen, muss der Leser sich aber verabschieden, denn die Karten sind hier nicht mehr als ein Beiwerk. Ihr Informationsgehalt ist vergleichsweise gering; über eine grobe geographische Orientierung hinaus können sie wenig vermitteln. In dieser Hinsicht wäre der Griff zu einem einschlägigen historischen Fachatlas wie dem guten, alten Putzger sicher nahe liegender. Als Einführungs- und Überblickslektüre für den viel zitierten interessierten Laien freilich ist das ein guter, ein lehrreicher und vor allem ein sehr ansprechender Band, professionell produziert und durchaus fundiert geschrieben. Nur eben, wie gesagt: Einer unter vielen.

Unter einem Atlas versteht man, so informiert uns jede einschlägige Enzyklopädie, spätestens seit Gerhard Mercators eben so betitelten „Cosmographicae Meditationes“ (posthum 1595 erschienen), ein geographisches Kartenwerk. Ein Kartenwerk freilich ist der „Atlas des Mittelalters“ bestenfalls in zweiter Linie. In erster Linie ist er ein Bildwerk – und zwar ein beeindruckendes. Mit einer Fülle von qualitativ hochwertig reproduzierten Bildern taucht der Leser in ein wahrlich „buntes“ Mittelalter ein und wird entlang von 57 grob chronologisch arrangierten Kapiteln über Themen wie „Recht“, „Schule und Universität“ oder den „Symbolismus des Mittelalters“ unterrichtet. Dass es sich beim „Atlas des Mittelalters“ um eine Übersetzung aus dem Italienischen handelt – was übrigens leider nirgends explizit festgestellt wird und sich nur aus dem Impressum entnehmen lässt –, schlägt sich merkbar in der Darstellung nieder: Auffällig ist die Schwerpunktsetzung in Westeuropa und deutlich auch diejenige im Hochmittelalter. Wir treffen hier also auf ein sehr spezifisches Mittelalter.

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Den ansonsten insgesamt durchaus positiven Gesamteindruck schmälern, wenn auch nicht drastisch, gewissen Inkonsequenzen in den Beischriften, was vor allem beim Nachweis von Handschriftenilluminationen auffällt: Teils finden sich hier vorbildlich exakte Signaturen mit Angabe der Blattzahl, teils nur globale Hinweise auf die besitzende Bibliothek, teils merkwürdige Zwischenkonstrukte. Diese Inkonsequenz rührt, so lässt sich vermuten, aus der weitgehend unreflektierten Übernahme der Beischriften aus den jeweiligen Vorlageträgern, denn gerade bei bekannteren, oft reproduzierten Bildern finden sich Irrtümer, die bereits seit längerem durch die Bilderunterschriften populärer, reich bebilderter Geschichtswerke geistern. Eine „Gothaer Weltchronik“ (S. 48, Abb. 2) beispielsweise gibt es gar nicht – was hier dargestellt wird, ist die Gothaer Handschrift der Sächsischen Weltchronik (Ms. Memb. I 90). In dieser Hinsicht hätte mehr redaktionelle Sorgfalt gut getan.

Insgesamt ist der „Atlas des Mittelalters“ ein Buch unter vielen. Solche prächtig illustrierten Panoramen mittelalterlicher Kultur liegen schon in größere Zahl vor und leider verpasst es der Band, sich in dieser Reihe neu zu positionieren. Der geo- bzw. kartographische Ansatz hätte da sicher zur Kontur beigetragen, wenn er konsequent verfolgt worden wäre. Von der Idee, ein Kartenwerk zu erstehen, muss der Leser sich aber verabschieden, denn die Karten sind hier nicht mehr als ein Beiwerk. Ihr Informationsgehalt ist vergleichsweise gering; über eine grobe geographische Orientierung hinaus können sie wenig vermitteln. In dieser Hinsicht wäre der Griff zu einem einschlägigen historischen Fachatlas wie dem guten, alten Putzger sicher nahe liegender. Als Einführungs- und Überblickslektüre für den viel zitierten interessierten Laien freilich ist das ein guter, ein lehrreicher und vor allem ein sehr ansprechender Band, professionell produziert und durchaus fundiert geschrieben. Nur eben, wie gesagt: Einer unter vielen.

geschrieben am 04.07.2008 | 417 Wörter | 2656 Zeichen

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