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Ritter, Bauern, Lutheraner


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Rezension von

Hiram Kümper

Ritter, Bauern, Lutheraner Das Jahr 2017 überzieht die ganze Bundesrepublik mit Reformations- und Luther-Ausstellungen jeder Größe und Couleur. Ob die Bayerische Landesausstellung in Coburg besuchenswerteren unter ihnen gehört, vermag Rezensent nicht zu entscheiden. Sie wird begleitet von einem ansprechend gestalteten, aber doch sehr konventionellen Katalogband mit absolut solide aufbereiteten, jedoch unter dem Strich wenig neuen Erkenntnissen oder innovativen Sichtweisen, der hier zur Besprechung vorliegt. Ausstellungsort sind die Veste Coburg und die Stadtkirche St. Moriz und damit durchaus bedeutsame Orte der Reformationszeit. Hier wartete Luther und beobachtete aus der sicheren Ferne das Geschehen auf dem Augsburger Reichstag, wo sein Weggefährte Melanchthon das „Augsburger Bekenntnis“ dem Kaiser vorlegte. Die Ausstellung verbindet den Jubiläumsanlass mit den politischen und sozialen Wandlungsprozessen jener Zeit, wie sie namentlich auch im Bauernkrieg ihren Ausdruck fanden. In sieben Stationen geht es von einem Zeitpanorama der Jahrzehnte um 1500 über Reformationsjahre und frühe Konfessionalisierung hin zur Gedenkkultur, die besonders an den Ausstellungsort Veste Coburg angebunden wird. Dem umfangreichen und stark, aber manchmal auch etwas klein bebilderten Katalogteil gehen vierzehn sehr knappe einführende und eher zurückhaltend bebilderte Aufsätze von oft nicht einmal zehn Seiten voran. Viele davon behandelt erwartbare Themen auf solide, aber eben auch erwartbare Weise. Das geht so weit, dass Eberhard Isenmann seinem fraglos auf breiter Kenntnis geschriebenen, sehr eingängigen Beitrag über städtisches Leben um 1500 nicht einmal mehr Anmerkungen beigibt, sondern nur global auf drei Handbücher – darunter seinen eigenen 1000-Seiter – verweist. Neu für Leserinnen und Leser zumindest außerhalb der Kunstgeschichte dürfte dagegen der lesenswerte Beitrag über Künstlermobilität in der Reformationszeit von Andreas Tacke sein, der in den letzten Jahren intensiv zu diesem Thema im vormodernen Längsschnitt geforscht hat. In gewisser Weise neu oder hier jedenfalls einem breiteren Publikum erstmals zugänglich gemacht sind sicher auch die spezifisch an den Ausstellungsort gebundenen Beitrag über Pflege und Veste Coburg. Erstaunlich unterbelichtet bleiben durchweg die innerkonfessionellen Unterschiede und Spannungen des Protestantismus, den der Katalog als ziemlich monolithisch-lutherisch darstellt. Dass z.B. das berühmte Windsheimer Konfessionsbild von 1601, das Andrea Thurnwald bespricht, nicht nur ein Lehrstück in neuer Liturgie und neuem Sakramentsverständnis, sondern eben auch eine Positionierung gegenüber den Reformierten darstellt (oben links werden Zwingli und Calvin mit Hunden und Waffen aus dem Kirchenraum ferngehalten), fällt unter den Tisch. Bereits der Ausstellungstitel „Ritter – Bauern – Lutheraner“ könnte einen hier vorwarnen. Und tatsächlich: Die reformierten, täuferischen und schwenckfeldischen Bewegungen im frühneuzeitlichen Bayern kommen kaum bis gar nicht vor.

Das Jahr 2017 überzieht die ganze Bundesrepublik mit Reformations- und Luther-Ausstellungen jeder Größe und Couleur. Ob die Bayerische Landesausstellung in Coburg besuchenswerteren unter ihnen gehört, vermag Rezensent nicht zu entscheiden. Sie wird begleitet von einem ansprechend gestalteten, aber doch sehr konventionellen Katalogband mit absolut solide aufbereiteten, jedoch unter dem Strich wenig neuen Erkenntnissen oder innovativen Sichtweisen, der hier zur Besprechung vorliegt.

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Ausstellungsort sind die Veste Coburg und die Stadtkirche St. Moriz und damit durchaus bedeutsame Orte der Reformationszeit. Hier wartete Luther und beobachtete aus der sicheren Ferne das Geschehen auf dem Augsburger Reichstag, wo sein Weggefährte Melanchthon das „Augsburger Bekenntnis“ dem Kaiser vorlegte.

Die Ausstellung verbindet den Jubiläumsanlass mit den politischen und sozialen Wandlungsprozessen jener Zeit, wie sie namentlich auch im Bauernkrieg ihren Ausdruck fanden. In sieben Stationen geht es von einem Zeitpanorama der Jahrzehnte um 1500 über Reformationsjahre und frühe Konfessionalisierung hin zur Gedenkkultur, die besonders an den Ausstellungsort Veste Coburg angebunden wird.

Dem umfangreichen und stark, aber manchmal auch etwas klein bebilderten Katalogteil gehen vierzehn sehr knappe einführende und eher zurückhaltend bebilderte Aufsätze von oft nicht einmal zehn Seiten voran. Viele davon behandelt erwartbare Themen auf solide, aber eben auch erwartbare Weise. Das geht so weit, dass Eberhard Isenmann seinem fraglos auf breiter Kenntnis geschriebenen, sehr eingängigen Beitrag über städtisches Leben um 1500 nicht einmal mehr Anmerkungen beigibt, sondern nur global auf drei Handbücher – darunter seinen eigenen 1000-Seiter – verweist. Neu für Leserinnen und Leser zumindest außerhalb der Kunstgeschichte dürfte dagegen der lesenswerte Beitrag über Künstlermobilität in der Reformationszeit von Andreas Tacke sein, der in den letzten Jahren intensiv zu diesem Thema im vormodernen Längsschnitt geforscht hat. In gewisser Weise neu oder hier jedenfalls einem breiteren Publikum erstmals zugänglich gemacht sind sicher auch die spezifisch an den Ausstellungsort gebundenen Beitrag über Pflege und Veste Coburg.

Erstaunlich unterbelichtet bleiben durchweg die innerkonfessionellen Unterschiede und Spannungen des Protestantismus, den der Katalog als ziemlich monolithisch-lutherisch darstellt. Dass z.B. das berühmte Windsheimer Konfessionsbild von 1601, das Andrea Thurnwald bespricht, nicht nur ein Lehrstück in neuer Liturgie und neuem Sakramentsverständnis, sondern eben auch eine Positionierung gegenüber den Reformierten darstellt (oben links werden Zwingli und Calvin mit Hunden und Waffen aus dem Kirchenraum ferngehalten), fällt unter den Tisch. Bereits der Ausstellungstitel „Ritter – Bauern – Lutheraner“ könnte einen hier vorwarnen. Und tatsächlich: Die reformierten, täuferischen und schwenckfeldischen Bewegungen im frühneuzeitlichen Bayern kommen kaum bis gar nicht vor.

geschrieben am 04.11.2017 | 394 Wörter | 2604 Zeichen

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