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Fugger und der Duft des Goldes. Die Entstehung des Kapitalismus


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Rezension von

Andrea Schütze

Fugger und der Duft des Goldes. Die Entstehung des Kapitalismus Zum 250. Geburtstag von Jakob Fugger (1459 – 1525) und dem über Augsburg hinaus gefeierten Fugger-Jahr hat der Arena-Verlag mit diesem Werk einen zeitlich passenden Beitrag geleistet. Pariggers Buch erscheint in der „Arena Bibliothek des Wissens“, die in vier Reihen „Allgemeinbildung zur spannenden Lektüre“ (Klappentext) machen möchte. Die Reihe „Lebendige Geschichte“, der dieses Buch angehört, wendet sich Persönlichkeiten und Ereignissen der Weltgeschichte, genauer „den Meilensteinen der Menschheitsgeschichte“ (Klappentext) zu. Dabei soll nach der Zielsetzung der Herausgeber der Blick nicht allein auf die großen historischen Persönlichkeiten und weltbewegenden Ereignisse, Kriege und politischen Konstellationen gerichtet werden. Erklärtes Ziel ist es vielmehr ein möglichst umfassend skizziertes Bild der Zeit zu vermitteln, das auch den Alltag und die sogenannten „Kleinen Leute“ miteinbezieht. Auf diese Weise rückt dem Leser längst Vergangenes zum Greifen nahe vor Augen. Das Buch kennzeichnet ein doppelter Aufbau. Am Ende des Buches findet sich ein Glossar (S. 145 – 147), das leicht verständlich Spezialbegriffe erklärt, die im Text jeweils mit einem Sternchen (*) markiert sind. Daran anschließend folgen zwei Inhaltsverzeichnisse, eines zur rahmengebenden Erzählung (S. 148) anhand derer der Leser durch die Zeit geführt wird und ein weiteres zu den Sachkapiteln (S. 149). Beide Geschichten, die erzählende und die historische sind zudem durchaus geschickt miteinander verknüpft. Tonangebend erscheint zunächst die Erzählung, die sich um den jungen Bauernburschen Johann strickt. Dabei wird sie immer wieder für historische Exkurse unterbrochen. Klar verständlich werden darin beispielsweise der Aufstieg der Fugger oder der sich aus dem christlichen Mittelalter ergebende Zwiespalt besprochen, dem sich Kaufleute wie Jakob Fugger ausgesetzt sahen. Das Zeitalter Jakob Fuggers kennzeichnete einerseits die in Deutschland anbrechende Renaissance und der damit einhergehende Aufstieg des Kapitalismus. Andererseits bestand aber immer noch die aus mittelalterlich-christlicher Weltsicht (Mt. 21,12-13) resultierende Ablehnung kapitalistischer Betätigungen. Diesen Konflikt galt es zum Wohle des Seelenheiles zu lösen (hierzu noch am Ende der Rezension). Der damit im Zusammenhang stehende Ablasshandel bedingte durch seine Pervertierung wiederum die Reformation, die das Zeitalter der Neuzeit einläutete. Auf den Erzählfluss wirken sich die Exkurse keinesfalls störend aus, sind sie doch stets an Stellen der Erzählung platziert, die beim einsteigenden Leser ohnehin Fragen hervorgerufen haben und nun durch die Exkurse beantwortet werden. Hervorzuheben sind die zahlreichen Illustrationen, besonders die in der Erzählung teils recht humorvollen Zeichnungen von Klaus Puth. Dieser pointiert in ihnen nicht nur den jeweiligen Erzählschwerpunkt, sondern vermag es durch ihre Aussagekraft auch eine eigenständige, parallel erzählende Bildergeschichte zu schaffen. Besonders gelungen und wohl durchdacht in seiner Aussage erscheint mir seine Gestaltung des Buchcovers. Sie zeigt Jakob Fugger als Anfang und Ende des Geldkreislaufes mit vergleichsweise kleinen Investitionen und riesigen Einnahmen. Schön ist, dass er hier auf den Aufbau des Fugger-Imperiums eingeht, das nicht allein dem Bild des mit Gewürzen, Tuchen und Geschmeiden handelnden Kaufmannes entsprach, obwohl die Fugger auch damit gute Geschäfte tätigten. Versinnbildlicht durch Jakobs Investition in eine Schmiede, beruhte es ganz wesentlich auf den Erträgen der Montanwirtschaft, sprich dem Bergbau in den Alpenregionen und in Osteuropa. Und so fließt das Fugger-Geld als Finanzierung von Krieg (Soldaten) und Herrscher (Burg) im Kreis. Der Handlungsrahmen spielt vor 1518 bis 1525 (Entstehung des Dürer-Gemäldes - Todesjahr von Jakob Fugger): Im Mittelpunkt steht der Bauernbursche Johann, der Zeuge der Entführung von Jakob Fugger wird und ihn aus den Händen der Räuber befreit. Aus Dankbarkeit und in Erkenntnis der Fähigkeiten, die in diesem jungen Kerl stecken, nimmt ihn der Augsburger Handelsherr mit in seine Welt, die dem Bauernjungen nicht fremder sein könnte. In Fuggers Diensten, wo er ihm als Leibwächter zur Seite steht, wird ihm nicht nur Bildung zuteil, sondern er bekommt auch Einblick in den Alltag des Augsburger Patriziers, sieht seine geschäftlichen Schachzüge, nimmt als Beobachter an gesellschaftlich bedeutsamen Banketten teil, erlebt die Entstehung der Fuggerei, durch die Jakob Fugger sein Seelenheil zu retten sucht und sitzt am Ende am Sterbebett des alten Fugger, der ihm in seinen letzten Zügen die Bedeutung des Duft des Goldes erklärt. Das Fugger-Buch von Harald Parigger ist zwar als Jugendbuch ab 11 Jahren (Klappentext) konzipiert, erscheint mir darüberhinausgehend aber durchaus auch für Erwachsene lesenswert. Abzüglich der Exkurse sind es wohl kaum 100 Seiten, die sich schnell und recht gefällig lesen lassen. Zudem gelingt es Harald Parigger die Hauptcharaktere Jakob Fugger und den Bauernburschen Johann anschaulich und freundlich zu zeichnen. Besonders Jakob Fugger wurde von ihm schön skizziert, als eine eigentlich schwer zu durchschauende Gestalt, die hinter ihrer unbeweglichen Miene soviel feinsinnigen Humor, wie kühle Berechnung eines harten Geschäftsmannes aufweist und dennoch von ganz menschlicher Eitelkeit geplagt wird. Eine sicherlich nicht konzipierte, aber trotzdem höchst interessante Besonderheit des Buches haben die aktuellen globalen Verwerfungen der Weltwirtschaft gezeitigt, die für Millionen von Menschen weltweit zu einer sozialen Bedrohung werden. Jakob Fugger wird vielfach in seiner historischen Bedeutung als Mann gewürdigt, der auf der Schwelle des Mittelalters zur Neuzeit stehend, die Renaissance von Italien nach Deutschland gebracht hat. Dieses Bild ist jedoch das des Jakob Fugger, der war, der Vergangenheit bleibt. Daneben besteht allerdings auch ein Bild eines Jakob Fugger, der uns Heutigen viel zu sagen hätte, der mit seiner Form des Kapitalismus aktueller ist, wie nie zuvor: Jakob Fugger bezeichneten seine Zeitgenossen als „den Reichen“, weil er als Chef eines gigantischen Wirtschaftimperiums nicht nur einer der, sondern der reichste Mann der damaligen Welt war. Trotz dieser heute kaum mehr vorstellbaren Finanzmacht sah er sich dem bereits oben angesprochenen Spannungsfeld aus sozialem Anspruch des Christentums und kapitalistischem Gewinnstreben ausgesetzt und unter Druck gestellt. Aus diesem Spannungsfeld resultierte das, was man – wohl nicht zu Unrecht – als eine frühe Form des sozialen Kapitalismus bezeichnen darf. In heutiger Zeit haben sich Wirtschaftsgiganten mit ihrem rein liberal gewinnorientierten Kapitalismus nicht mehr um ihr Seelenheil zu sorgen, wie einst Jakob Fugger, so dass die ethische Komponente sozialer Verantwortung zunehmend in Vergessenheit geraten ist. Gerade dieser rein liberal betriebene Kapitalismus hat nun jedoch eine globale Wirtschaftskrise hervorgerufen, die Millionen Menschen mit sozialem Abstieg bedroht und auch noch künftigen Generationen durch eine damit verknüpfte, rasante Staatsverschuldung eine Bürde bedeuten wird. In dieser Zeit stellt Jakob Fugger ein Beispiel vor, das zum Innehalten und Nachdenken anregt.

Zum 250. Geburtstag von Jakob Fugger (1459 – 1525) und dem über Augsburg hinaus gefeierten Fugger-Jahr hat der Arena-Verlag mit diesem Werk einen zeitlich passenden Beitrag geleistet. Pariggers Buch erscheint in der „Arena Bibliothek des Wissens“, die in vier Reihen „Allgemeinbildung zur spannenden Lektüre“ (Klappentext) machen möchte. Die Reihe „Lebendige Geschichte“, der dieses Buch angehört, wendet sich Persönlichkeiten und Ereignissen der Weltgeschichte, genauer „den Meilensteinen der Menschheitsgeschichte“ (Klappentext) zu. Dabei soll nach der Zielsetzung der Herausgeber der Blick nicht allein auf die großen historischen Persönlichkeiten und weltbewegenden Ereignisse, Kriege und politischen Konstellationen gerichtet werden. Erklärtes Ziel ist es vielmehr ein möglichst umfassend skizziertes Bild der Zeit zu vermitteln, das auch den Alltag und die sogenannten „Kleinen Leute“ miteinbezieht. Auf diese Weise rückt dem Leser längst Vergangenes zum Greifen nahe vor Augen.

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Beide Geschichten, die erzählende und die historische sind zudem durchaus geschickt miteinander verknüpft. Tonangebend erscheint zunächst die Erzählung, die sich um den jungen Bauernburschen Johann strickt. Dabei wird sie immer wieder für historische Exkurse unterbrochen. Klar verständlich werden darin beispielsweise der Aufstieg der Fugger oder der sich aus dem christlichen Mittelalter ergebende Zwiespalt besprochen, dem sich Kaufleute wie Jakob Fugger ausgesetzt sahen. Das Zeitalter Jakob Fuggers kennzeichnete einerseits die in Deutschland anbrechende Renaissance und der damit einhergehende Aufstieg des Kapitalismus. Andererseits bestand aber immer noch die aus mittelalterlich-christlicher Weltsicht (Mt. 21,12-13) resultierende Ablehnung kapitalistischer Betätigungen. Diesen Konflikt galt es zum Wohle des Seelenheiles zu lösen (hierzu noch am Ende der Rezension). Der damit im Zusammenhang stehende Ablasshandel bedingte durch seine Pervertierung wiederum die Reformation, die das Zeitalter der Neuzeit einläutete.

Auf den Erzählfluss wirken sich die Exkurse keinesfalls störend aus, sind sie doch stets an Stellen der Erzählung platziert, die beim einsteigenden Leser ohnehin Fragen hervorgerufen haben und nun durch die Exkurse beantwortet werden.

Hervorzuheben sind die zahlreichen Illustrationen, besonders die in der Erzählung teils recht humorvollen Zeichnungen von Klaus Puth. Dieser pointiert in ihnen nicht nur den jeweiligen Erzählschwerpunkt, sondern vermag es durch ihre Aussagekraft auch eine eigenständige, parallel erzählende Bildergeschichte zu schaffen. Besonders gelungen und wohl durchdacht in seiner Aussage erscheint mir seine Gestaltung des Buchcovers. Sie zeigt Jakob Fugger als Anfang und Ende des Geldkreislaufes mit vergleichsweise kleinen Investitionen und riesigen Einnahmen. Schön ist, dass er hier auf den Aufbau des Fugger-Imperiums eingeht, das nicht allein dem Bild des mit Gewürzen, Tuchen und Geschmeiden handelnden Kaufmannes entsprach, obwohl die Fugger auch damit gute Geschäfte tätigten. Versinnbildlicht durch Jakobs Investition in eine Schmiede, beruhte es ganz wesentlich auf den Erträgen der Montanwirtschaft, sprich dem Bergbau in den Alpenregionen und in Osteuropa. Und so fließt das Fugger-Geld als Finanzierung von Krieg (Soldaten) und Herrscher (Burg) im Kreis.

Der Handlungsrahmen spielt vor 1518 bis 1525 (Entstehung des Dürer-Gemäldes - Todesjahr von Jakob Fugger): Im Mittelpunkt steht der Bauernbursche Johann, der Zeuge der Entführung von Jakob Fugger wird und ihn aus den Händen der Räuber befreit. Aus Dankbarkeit und in Erkenntnis der Fähigkeiten, die in diesem jungen Kerl stecken, nimmt ihn der Augsburger Handelsherr mit in seine Welt, die dem Bauernjungen nicht fremder sein könnte. In Fuggers Diensten, wo er ihm als Leibwächter zur Seite steht, wird ihm nicht nur Bildung zuteil, sondern er bekommt auch Einblick in den Alltag des Augsburger Patriziers, sieht seine geschäftlichen Schachzüge, nimmt als Beobachter an gesellschaftlich bedeutsamen Banketten teil, erlebt die Entstehung der Fuggerei, durch die Jakob Fugger sein Seelenheil zu retten sucht und sitzt am Ende am Sterbebett des alten Fugger, der ihm in seinen letzten Zügen die Bedeutung des Duft des Goldes erklärt.

Das Fugger-Buch von Harald Parigger ist zwar als Jugendbuch ab 11 Jahren (Klappentext) konzipiert, erscheint mir darüberhinausgehend aber durchaus auch für Erwachsene lesenswert. Abzüglich der Exkurse sind es wohl kaum 100 Seiten, die sich schnell und recht gefällig lesen lassen. Zudem gelingt es Harald Parigger die Hauptcharaktere Jakob Fugger und den Bauernburschen Johann anschaulich und freundlich zu zeichnen. Besonders Jakob Fugger wurde von ihm schön skizziert, als eine eigentlich schwer zu durchschauende Gestalt, die hinter ihrer unbeweglichen Miene soviel feinsinnigen Humor, wie kühle Berechnung eines harten Geschäftsmannes aufweist und dennoch von ganz menschlicher Eitelkeit geplagt wird.

Eine sicherlich nicht konzipierte, aber trotzdem höchst interessante Besonderheit des Buches haben die aktuellen globalen Verwerfungen der Weltwirtschaft gezeitigt, die für Millionen von Menschen weltweit zu einer sozialen Bedrohung werden.

Jakob Fugger wird vielfach in seiner historischen Bedeutung als Mann gewürdigt, der auf der Schwelle des Mittelalters zur Neuzeit stehend, die Renaissance von Italien nach Deutschland gebracht hat. Dieses Bild ist jedoch das des Jakob Fugger, der war, der Vergangenheit bleibt. Daneben besteht allerdings auch ein Bild eines Jakob Fugger, der uns Heutigen viel zu sagen hätte, der mit seiner Form des Kapitalismus aktueller ist, wie nie zuvor: Jakob Fugger bezeichneten seine Zeitgenossen als „den Reichen“, weil er als Chef eines gigantischen Wirtschaftimperiums nicht nur einer der, sondern der reichste Mann der damaligen Welt war. Trotz dieser heute kaum mehr vorstellbaren Finanzmacht sah er sich dem bereits oben angesprochenen Spannungsfeld aus sozialem Anspruch des Christentums und kapitalistischem Gewinnstreben ausgesetzt und unter Druck gestellt. Aus diesem Spannungsfeld resultierte das, was man – wohl nicht zu Unrecht – als eine frühe Form des sozialen Kapitalismus bezeichnen darf.

In heutiger Zeit haben sich Wirtschaftsgiganten mit ihrem rein liberal gewinnorientierten Kapitalismus nicht mehr um ihr Seelenheil zu sorgen, wie einst Jakob Fugger, so dass die ethische Komponente sozialer Verantwortung zunehmend in Vergessenheit geraten ist. Gerade dieser rein liberal betriebene Kapitalismus hat nun jedoch eine globale Wirtschaftskrise hervorgerufen, die Millionen Menschen mit sozialem Abstieg bedroht und auch noch künftigen Generationen durch eine damit verknüpfte, rasante Staatsverschuldung eine Bürde bedeuten wird. In dieser Zeit stellt Jakob Fugger ein Beispiel vor, das zum Innehalten und Nachdenken anregt.

geschrieben am 31.07.2009 | 996 Wörter | 6232 Zeichen

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