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West-östlicher Divan


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Rezension von

Ragan Tanger

West-östlicher Divan Wie sehr die Lektüre fremder Bücher berauschen kann, wie inspirierend und initiierend geniale Kollegen sein können, zeigt der West-Östliche Divan mit all seinen Facetten. Der große Goethe, kurz nachdem Napoleons Truppen aus seiner Heimat geschlagen wurden, gab sich im Jahr 1814 dem persischen Dichter Hafis hin, der im 14. Jahrhundert den Prototyp des Diwans vorlegte. Der wohl bekannteste persische Dichter hieß ursprünglich ganz anders, Hafis ist der ihm erst später zugesprochene Name für seine ruhmreichen literarischen Verdienste und bedeutet so viel wie jener, der den Koran auswendig kann. Eine Tatsache, die auf den Perser schon in frühester Kindheit zutraf, so zumindest die Legende. Legendär dann auch, was Kollege Goethe, der ja auch eine gewisse Art von Namenserweiterung dank seines Könnens mit dem Zusatz „von“ erhielt, daraus machte. Immerhin ist es das umfassendste lyrische Werk seines gesamten Oeuvres und die Hommage an einen Dichter, den Goethe selbst als „Zwilling“ bezeichnete. Nicht erst im Alter von 65 Jahren, als der Weimarer Rat den Hafis las und sich anschließend sofort an die Arbeit des Diwans machte, richtete Goethe seinen Blick auf die mystische Ausrichtung des Islam. Muslimische Lehrmeinungen, die sich im Werk an vieler Stelle wiederfinden, sind mit ein Grund für die bis in die Moderne anhaltende Ablehnung, oder vielmehr das Unverständnis, die diesem „Alterswerk“, wie man es in der Literaturwissenschaft bezeichnet, anhaften. Diese universale, symbiotische Verschmelzung, die hier nicht nur sprachlich, sondern auch methodisch und intentionell seinen Ausdruck findet, ist, wenn man so will, ein forscher Erstversuch, die Bedrohung im Morgenland, als Kehrseite ein und derselben Medaille zu betrachten. Allein dieser klare Standpunkt, verdient gerade in heutiger Zeit, wo Kopftücher immer noch als Angriffs aufs Kreuz betrachtet werden, eine besondere Beachtung. Doch damit nicht genug: Das poetische Werk macht dem Weib, dem Wein und dem Gesang alle Ehre. Jenen drei zauberhaften Dingen, mit denen sich ebenfalls Goethes Naturell und das muslimische Verständnis auf einer tieferen Ebene verbinden lassen. Die Hommage an die weibliche Seite des Mondes drückt sich hier also nicht nur politisch, sondern auch erotisch aus. „Diese finden wir alldorten; Und wer Frauenlob gepriesen, Der verdient an ewigen Orten, Lustzuwandeln wohl mit diesen.“ Na, wer da keine Lust bekommt, der hat wohl schon. Lust macht auch die formschöne Neuausgabe im Deutschen Klassiker-Verlag, die uns hier vorliegt. Während der erste Band mit gut 800 Seiten der originalen Melange aus Gedichten, Prosa, Berichten und Nachsätzen sowie einer anschließenden Historie der Entstehung des Buches daherkommt, überragt der zweite Band den ersten gar noch in Länge und Dichte. Jede einzelne Zeile, so scheint es, hat Hendrik Birus, Professor für Literaturwissenschaften an der Uni München, gleichsam wie den Wein, das Weib und den Gesang aufgesogen, ausgekostet und ausführlich verdaut. Ein Kommentar, der vielleicht Schüler oder Studenten aufgrund seiner Penetranz und Akribie zur Verzweiflung bringen mag, literarische Kenner und Experten aber begeistern dürfte. Doch auch die weniger akademisch Gebildeten haben an diesem Werk ihre Freude, denn man kann es blindlings aufschlagen und erhält als Geschenk die poetische Wunderwelt: „Wer Perlen will, der muss ins Meer sich stürzen“, schrieb der Großmeister deutscher Literatur. So sei es, oder einfacher, er lässt sich auf dieses epochale Faszinosum ein.

Wie sehr die Lektüre fremder Bücher berauschen kann, wie inspirierend und initiierend geniale Kollegen sein können, zeigt der West-Östliche Divan mit all seinen Facetten. Der große Goethe, kurz nachdem Napoleons Truppen aus seiner Heimat geschlagen wurden, gab sich im Jahr 1814 dem persischen Dichter Hafis hin, der im 14. Jahrhundert den Prototyp des Diwans vorlegte. Der wohl bekannteste persische Dichter hieß ursprünglich ganz anders, Hafis ist der ihm erst später zugesprochene Name für seine ruhmreichen literarischen Verdienste und bedeutet so viel wie jener, der den Koran auswendig kann. Eine Tatsache, die auf den Perser schon in frühester Kindheit zutraf, so zumindest die Legende.

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Legendär dann auch, was Kollege Goethe, der ja auch eine gewisse Art von Namenserweiterung dank seines Könnens mit dem Zusatz „von“ erhielt, daraus machte. Immerhin ist es das umfassendste lyrische Werk seines gesamten Oeuvres und die Hommage an einen Dichter, den Goethe selbst als „Zwilling“ bezeichnete. Nicht erst im Alter von 65 Jahren, als der Weimarer Rat den Hafis las und sich anschließend sofort an die Arbeit des Diwans machte, richtete Goethe seinen Blick auf die mystische Ausrichtung des Islam. Muslimische Lehrmeinungen, die sich im Werk an vieler Stelle wiederfinden, sind mit ein Grund für die bis in die Moderne anhaltende Ablehnung, oder vielmehr das Unverständnis, die diesem „Alterswerk“, wie man es in der Literaturwissenschaft bezeichnet, anhaften.

Diese universale, symbiotische Verschmelzung, die hier nicht nur sprachlich, sondern auch methodisch und intentionell seinen Ausdruck findet, ist, wenn man so will, ein forscher Erstversuch, die Bedrohung im Morgenland, als Kehrseite ein und derselben Medaille zu betrachten. Allein dieser klare Standpunkt, verdient gerade in heutiger Zeit, wo Kopftücher immer noch als Angriffs aufs Kreuz betrachtet werden, eine besondere Beachtung.

Doch damit nicht genug: Das poetische Werk macht dem Weib, dem Wein und dem Gesang alle Ehre. Jenen drei zauberhaften Dingen, mit denen sich ebenfalls Goethes Naturell und das muslimische Verständnis auf einer tieferen Ebene verbinden lassen. Die Hommage an die weibliche Seite des Mondes drückt sich hier also nicht nur politisch, sondern auch erotisch aus. „Diese finden wir alldorten; Und wer Frauenlob gepriesen, Der verdient an ewigen Orten, Lustzuwandeln wohl mit diesen.“ Na, wer da keine Lust bekommt, der hat wohl schon.

Lust macht auch die formschöne Neuausgabe im Deutschen Klassiker-Verlag, die uns hier vorliegt. Während der erste Band mit gut 800 Seiten der originalen Melange aus Gedichten, Prosa, Berichten und Nachsätzen sowie einer anschließenden Historie der Entstehung des Buches daherkommt, überragt der zweite Band den ersten gar noch in Länge und Dichte. Jede einzelne Zeile, so scheint es, hat Hendrik Birus, Professor für Literaturwissenschaften an der Uni München, gleichsam wie den Wein, das Weib und den Gesang aufgesogen, ausgekostet und ausführlich verdaut. Ein Kommentar, der vielleicht Schüler oder Studenten aufgrund seiner Penetranz und Akribie zur Verzweiflung bringen mag, literarische Kenner und Experten aber begeistern dürfte.

Doch auch die weniger akademisch Gebildeten haben an diesem Werk ihre Freude, denn man kann es blindlings aufschlagen und erhält als Geschenk die poetische Wunderwelt: „Wer Perlen will, der muss ins Meer sich stürzen“, schrieb der Großmeister deutscher Literatur. So sei es, oder einfacher, er lässt sich auf dieses epochale Faszinosum ein.

geschrieben am 30.05.2010 | 518 Wörter | 2991 Zeichen

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