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Der große Gatsby


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Rezension von

Ragan Tanger

Der große Gatsby Reich und schön – und einsam Ganz am Ende vom Booklet, das dieses Hörbuch hervorragend komplettiert, referiert Lutz W. Wolff darüber, was für ihn übersetzen bedeutet und welche Schwierigkeiten und Herausforderungen die Arbeit vom Original in die Heimatsprache mit sich bringen. Eine moderne, umfassende, intelligente und versierte Selbstreflexion der eigenen Arbeit und des Werkes, welchem sich Wolff im letzten Jahr angenähert hat: dem großen Gatsby, dem großen Drama der amerikanischen 1920er Jahre, der Schlüsselnovelle des Jazz Age, wie der Autor selbst diese Epoche klassifizierte. F. Scott Fitzgerald hat die noch heute gerühmte Vorlage geschaffen und Lutz Wolff hat sie neu interpretiert: mit klaren Worten, mit dem Blick für das Mystische, Surreale, Paradoxe und Einzigartige, all dem, was dem Original zugrunde liegt. Vorneweg sei gesagt: Es ist ihm so wunderbar gelungen, wie Burghart Klaußner die auditive Übertragung. Doch der Reihe nach: Fitzgeralds Romane und Erzählungen sind alle zu einem großen Teil autobiographisch. Vorbilder für seine Figuren waren er selbst, seine Frau Zelda oder andere Bekannte; ganz unverblümt entnahm er den Tagebüchern seiner Angebeteten ganze Passagen und verfrachtete sie in seine Erzählungen. Inhaltlich behandelt Fitzgerald die Themen der roaring twenties, welche da ganz offensichtlich waren: Hedonismus, Drogenrausch, Jazzmusik, moderne Errungenschaften wie Automobil oder Telefon, also ganz einfach das wilde, süße Leben auf Pump der eigenen Physis und zu Lasten ethischer Genügsamkeit. Innere Zerrissenheit, Empörung und Moralismen mit Netz und häufig doppeltem Boden machen diese große Geschichte folgerichtig aus. Gatsby ist die Titelfigur und wird vom Erzähler Nick Carraway portraitiert und auch begleitet. Auch wenn die kompositorische Handlung sich nur auf die vier Sommermonate des Jahres 1922 komprimiert, schlägt Fitzgerald einen großen dramatischen Bogen bis zum Anfang jenes Jahrhunderts, ja selbst die dreihundertjährige amerikanische Geschichte wird integriert. Das Herz dieses Werkes ist die Klarheit seiner Verstricktheit und die grausame Schönheit seines Inhalts. Die einst gescheiterte und am Kulminationspunkt des Romans wieder aufkeimende Beziehung zur geliebten Daisy, die ganz im Gegensatz zu ihrer berühmten, namensgleichen Comicente alles andere als solide, konservativ und partnerschaftlich monogam leb, steht dabei im vordergründigen Zentrum. Gatsbys Alkoholismus und verschwenderischer Lebensstil sind oberflächlich betrachtet nur das Verdrängen der gescheiterten Traumbeziehung. Auf einer tieferen Ebene aber symbolisieren all diese modernen Verdrängungsmechanismen die daraus resultierende Spaltung der Moderne: die Verschwendung und der Raubbau irdischer Ressourcen, die Ausbeutung der Schwächeren, die flegelhafte Sinnlosigkeit der extravaganten Partymarathons der Reichen, auf deren Seite Gatsby steht und deren moralische Inquisition er erdulden muss. Veröffentlicht 1925 markiert der Roman in der Werkschau Fitzgeralds größten Wurf; zu jener Zeit aber war das Buch lange nicht so erfolgreich. Immerhin eine Bühnenfassung spielte Geld ein, auch ein Film (Stummfilm, gilt heute als verschollen) wurde bereits 1926 auf Zelluloid gebracht. Heute aber steht der Gatsby wie ein Monolith in der amerikanischen Kulturgeschichte, die moderne Interpretation ins Deutsche unterstreicht dies noch einmal. Herausragend ist meiner Meinung nach die Vertonung, die just im Verlag Hörbuch Hamburg veröffentlicht wurde. Dass Burghart Klaußner den Preis des Hörbuchinterpreten 2010 eingeheimst hat, wundert nicht; stattdessen bekräftigt er mit dieser Vorführung noch einmal seinen Wert. Die Punkte, die Kommas, die Pausen, den Schwung eines Satzes und den Wert des Innehaltens beherrscht er vorzüglich. Genau wie ein Zuhörer versteht es Klaußner die mentale Regenration, die bei der Aufnahme solch eines großen Happens wie des Gatsbys vonnöten ist, vorzuleben, vorzusprechen, und an der richtigen Stelle vorzuschieben. So großartig und bewegend wie die Musik, die bei Gatsby im Garten gespielt wird, so warm wie die Nächte im Sommer 1922, so bunt leuchtend wie das künstliche Licht, dass alles neu erhellte. Der Gatsby als Hörbuch ist ein rauschendes Fest!

Reich und schön – und einsam

weitere Rezensionen von Ragan Tanger


Ganz am Ende vom Booklet, das dieses Hörbuch hervorragend komplettiert, referiert Lutz W. Wolff darüber, was für ihn übersetzen bedeutet und welche Schwierigkeiten und Herausforderungen die Arbeit vom Original in die Heimatsprache mit sich bringen. Eine moderne, umfassende, intelligente und versierte Selbstreflexion der eigenen Arbeit und des Werkes, welchem sich Wolff im letzten Jahr angenähert hat: dem großen Gatsby, dem großen Drama der amerikanischen 1920er Jahre, der Schlüsselnovelle des Jazz Age, wie der Autor selbst diese Epoche klassifizierte. F. Scott Fitzgerald hat die noch heute gerühmte Vorlage geschaffen und Lutz Wolff hat sie neu interpretiert: mit klaren Worten, mit dem Blick für das Mystische, Surreale, Paradoxe und Einzigartige, all dem, was dem Original zugrunde liegt. Vorneweg sei gesagt: Es ist ihm so wunderbar gelungen, wie Burghart Klaußner die auditive Übertragung.

Doch der Reihe nach: Fitzgeralds Romane und Erzählungen sind alle zu einem großen Teil autobiographisch. Vorbilder für seine Figuren waren er selbst, seine Frau Zelda oder andere Bekannte; ganz unverblümt entnahm er den Tagebüchern seiner Angebeteten ganze Passagen und verfrachtete sie in seine Erzählungen. Inhaltlich behandelt Fitzgerald die Themen der roaring twenties, welche da ganz offensichtlich waren: Hedonismus, Drogenrausch, Jazzmusik, moderne Errungenschaften wie Automobil oder Telefon, also ganz einfach das wilde, süße Leben auf Pump der eigenen Physis und zu Lasten ethischer Genügsamkeit. Innere Zerrissenheit, Empörung und Moralismen mit Netz und häufig doppeltem Boden machen diese große Geschichte folgerichtig aus.

Gatsby ist die Titelfigur und wird vom Erzähler Nick Carraway portraitiert und auch begleitet. Auch wenn die kompositorische Handlung sich nur auf die vier Sommermonate des Jahres 1922 komprimiert, schlägt Fitzgerald einen großen dramatischen Bogen bis zum Anfang jenes Jahrhunderts, ja selbst die dreihundertjährige amerikanische Geschichte wird integriert. Das Herz dieses Werkes ist die Klarheit seiner Verstricktheit und die grausame Schönheit seines Inhalts. Die einst gescheiterte und am Kulminationspunkt des Romans wieder aufkeimende Beziehung zur geliebten Daisy, die ganz im Gegensatz zu ihrer berühmten, namensgleichen Comicente alles andere als solide, konservativ und partnerschaftlich monogam leb, steht dabei im vordergründigen Zentrum. Gatsbys Alkoholismus und verschwenderischer Lebensstil sind oberflächlich betrachtet nur das Verdrängen der gescheiterten Traumbeziehung. Auf einer tieferen Ebene aber symbolisieren all diese modernen Verdrängungsmechanismen die daraus resultierende Spaltung der Moderne: die Verschwendung und der Raubbau irdischer Ressourcen, die Ausbeutung der Schwächeren, die flegelhafte Sinnlosigkeit der extravaganten Partymarathons der Reichen, auf deren Seite Gatsby steht und deren moralische Inquisition er erdulden muss.

Veröffentlicht 1925 markiert der Roman in der Werkschau Fitzgeralds größten Wurf; zu jener Zeit aber war das Buch lange nicht so erfolgreich. Immerhin eine Bühnenfassung spielte Geld ein, auch ein Film (Stummfilm, gilt heute als verschollen) wurde bereits 1926 auf Zelluloid gebracht. Heute aber steht der Gatsby wie ein Monolith in der amerikanischen Kulturgeschichte, die moderne Interpretation ins Deutsche unterstreicht dies noch einmal.

Herausragend ist meiner Meinung nach die Vertonung, die just im Verlag Hörbuch Hamburg veröffentlicht wurde. Dass Burghart Klaußner den Preis des Hörbuchinterpreten 2010 eingeheimst hat, wundert nicht; stattdessen bekräftigt er mit dieser Vorführung noch einmal seinen Wert. Die Punkte, die Kommas, die Pausen, den Schwung eines Satzes und den Wert des Innehaltens beherrscht er vorzüglich. Genau wie ein Zuhörer versteht es Klaußner die mentale Regenration, die bei der Aufnahme solch eines großen Happens wie des Gatsbys vonnöten ist, vorzuleben, vorzusprechen, und an der richtigen Stelle vorzuschieben. So großartig und bewegend wie die Musik, die bei Gatsby im Garten gespielt wird, so warm wie die Nächte im Sommer 1922, so bunt leuchtend wie das künstliche Licht, dass alles neu erhellte. Der Gatsby als Hörbuch ist ein rauschendes Fest!

geschrieben am 17.04.2011 | 587 Wörter | 3635 Zeichen

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