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Stinkehose


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Rezension von

Martina Meier

Stinkehose Es ist keine leichte literarische Kost, die Axel Altenburg mit seinem Romandebut „Stinkehose“ vorlegt. Nein, man sollte sogar ziemlich starke Nerven haben, um das Buch zu lesen. Aber nicht etwa, weil es ein spannender Krimi ist. Sondern weil es die Geschichte eines Kindes ist, das alles erlebt, was ein Kind nie erleben dürfte. Weil es eine Geschichte ist, vor der man in der Realität gerne die Augen verschließt und sagt: „Nein, so etwas gibt es bei uns nicht.“ Und es ist dennoch eine Geschichte, die tagtäglich tausendfach in unserem Land passiert. Es ist die Geschichte von Axel Altenburg. Als kleiner Junge wird er missbraucht von Menschen, denen er bei einer Kindererholung anvertraut wird. Die seine Beschützer sein sollten und es trotzdem nicht sind. Beschützer, Menschen, die ihn lieben, lernt der Junge nie kennen. Auch nicht in seiner Familie, in der es noch drei Brüder gibt. Eine Berliner Arbeiterfamilie, in der das Geld knapp ist und der Vater abends lieber in die Kneipe geht, als sich um seine Kinder zu kümmern. Aufmerksamkeit gibt es hier nicht. Und wenn der Vater es für richtig hält, dann schlägt er zu. So brutal wie man es sich kaum vorstellen möchte. Und dann ist da ja auch noch eine Mutter, die mit der Erziehung der Söhne vollkommen überfordert ist. Die ebenfalls nicht Beschützerin ist, sondern Mittäterin. Die missbraucht, das Schlagen zulässt und nicht hilft. Da ist aber auch der endgültige soziale Abstieg. Von der Mietwohnung hin in das Obdachlosenasyl. Dorthin, wo diejenigen wohnen, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun haben möchte. Die man meidet. Die stinken und sich nicht waschen – so wird es erzählt. Daran zerbrechen Kinderseelen. Und trotzdem behauptet sich Axel in einer Gesellschaft, die von Brutalität, Ausgrenzung und Chancenlosigkeit gekennzeichnet ist. Er bewahrt sich ein Stück Menschlichkeit und Empfindsamkeit – die ganzen vielen Jahre des Leidens hindurch. Er besucht die Schule mit gutem Erfolg – und sogar eine Lehre wird ihm in Aussicht gestellt. Axel will es schaffen und den Kreislauf durchbrechen. Den Kreislauf, in den auch seine Brüder gezogen werden wie durch einen Sog. Weil ihnen die Seele aus dem Leib geprügelt wurde und sie ihrem Leben nur entfliehen können, weil sie den Alkohol haben. Der ist sogar mehr wert als die erste Liebe. Weil sie es nie anders kennen gelernt haben. Die „Stinkehose“ ist dabei das tragende Symbol des Romans. Die Hose der Mutter, deren Stoff so dünn ist, dass man sie kaum noch tragen kann. Die Löcher hat und stinkt. Die dreckig ist und die niemand anfassen möchte. „Jeder hat Angst vor der Hose“ heißt es zum Schluss des Romans – kurz bevor die Mutter zu weinen beginnt und Stille eintritt…

Es ist keine leichte literarische Kost, die Axel Altenburg mit seinem Romandebut „Stinkehose“ vorlegt. Nein, man sollte sogar ziemlich starke Nerven haben, um das Buch zu lesen. Aber nicht etwa, weil es ein spannender Krimi ist. Sondern weil es die Geschichte eines Kindes ist, das alles erlebt, was ein Kind nie erleben dürfte. Weil es eine Geschichte ist, vor der man in der Realität gerne die Augen verschließt und sagt: „Nein, so etwas gibt es bei uns nicht.“ Und es ist dennoch eine Geschichte, die tagtäglich tausendfach in unserem Land passiert.

weitere Rezensionen von Martina Meier


Es ist die Geschichte von Axel Altenburg.

Als kleiner Junge wird er missbraucht von Menschen, denen er bei einer Kindererholung anvertraut wird. Die seine Beschützer sein sollten und es trotzdem nicht sind.

Beschützer, Menschen, die ihn lieben, lernt der Junge nie kennen. Auch nicht in seiner Familie, in der es noch drei Brüder gibt. Eine Berliner Arbeiterfamilie, in der das Geld knapp ist und der Vater abends lieber in die Kneipe geht, als sich um seine Kinder zu kümmern.

Aufmerksamkeit gibt es hier nicht. Und wenn der Vater es für richtig hält, dann schlägt er zu. So brutal wie man es sich kaum vorstellen möchte.

Und dann ist da ja auch noch eine Mutter, die mit der Erziehung der Söhne vollkommen überfordert ist. Die ebenfalls nicht Beschützerin ist, sondern Mittäterin. Die missbraucht, das Schlagen zulässt und nicht hilft.

Da ist aber auch der endgültige soziale Abstieg. Von der Mietwohnung hin in das Obdachlosenasyl. Dorthin, wo diejenigen wohnen, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun haben möchte. Die man meidet. Die stinken und sich nicht waschen – so wird es erzählt.

Daran zerbrechen Kinderseelen.

Und trotzdem behauptet sich Axel in einer Gesellschaft, die von Brutalität, Ausgrenzung und Chancenlosigkeit gekennzeichnet ist. Er bewahrt sich ein Stück Menschlichkeit und Empfindsamkeit – die ganzen vielen Jahre des Leidens hindurch. Er besucht die Schule mit gutem Erfolg – und sogar eine Lehre wird ihm in Aussicht gestellt. Axel will es schaffen und den Kreislauf durchbrechen. Den Kreislauf, in den auch seine Brüder gezogen werden wie durch einen Sog. Weil ihnen die Seele aus dem Leib geprügelt wurde und sie ihrem Leben nur entfliehen können, weil sie den Alkohol haben. Der ist sogar mehr wert als die erste Liebe. Weil sie es nie anders kennen gelernt haben.

Die „Stinkehose“ ist dabei das tragende Symbol des Romans. Die Hose der Mutter, deren Stoff so dünn ist, dass man sie kaum noch tragen kann. Die Löcher hat und stinkt. Die dreckig ist und die niemand anfassen möchte. „Jeder hat Angst vor der Hose“ heißt es zum Schluss des Romans – kurz bevor die Mutter zu weinen beginnt und Stille eintritt…

geschrieben am 18.05.2005 | 444 Wörter | 2250 Zeichen

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