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Das Verbrechen


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Das Verbrechen Protagonistin ist die dänische Kriminalkommissarin Sarah Lund, angeblich 38 Jahre alt, im Buch wirkt sie allerdings abgeklärter und älter, ohne dass je ihr Alter genannt wurde. Sie lebt geschieden mit ihrem 12jährigen Sohn Mark und steht kurz davor, ihre Arbeit bei der Kopenhagener Polizei zu beenden und mit ihrem neuen Lebensgefährten Bengt, ein Kriminalpsychologe wie sich später herausstellt, nach Stockholm zu ziehen. Parallel ist in Kopenhagen Kommunalwahlkampf um das Oberbürgermeisteramt, ein zweiter Erzählungsstrang, der das gesamte Buch durchzieht. Und als dritte Erzählungslinie geht es um den Sexualmord an der Teenagerin Nanna Birk Larsen, der Lund völlig fesselt und fortan ihr gesamtes Leben umkrempeln wird. Zu Beginn ist die Erzählweise gewöhnungsbedürftig, viele kurze Passagen, wie schnelle Schnitte in einem Film, dazu ein Meer an Namen, die man im Geiste sortieren und zuordnen muss, gegebenenfalls mit Hilfe des Namensregisters am Ende des Buches. Wenn man sich aber eine Weile eingelesen hat, lässt einen das Buch nicht mehr los. Denn man hat keinen allwissenden Erzählertypus, sondern man weiß immer nur genau so viel wie die gerade beleuchteten Handelnden, sei es Lund zusammen mit ihrem Polizeipartner und designiertem Nachfolger Meyer, sei es der Bürgermeisterkandidat Troels Hartmann samt seinem Wahlkampfteam oder sei es die betroffene Familie Birk Larsen. Die Ermittlungen gehen Stück für Stück voran und der Leser muss jede Wende miterleben, jeden neuen und dann wieder zerstobenen Verdacht durchdenken und verwerfen, man kann die angespannte Situation bei allen nachvollziehen und die vielen Lügen, Halbwahrheiten und Eitelkeiten wunderbar emotional mitverfolgen. Ein potentieller Mörder nach dem anderen wird vermutet, gesucht, verfolgt, ggf. sogar gestellt oder getötet, aber erst ganz am Ende kommt es zu einem Ergebnis - aber, wer hätte nach etlichen hundert Seiten Lektüre daran gezweifelt, natürlich ist es eine Art offenes Ende: der Mörder von Nanna ist vielleicht doch nicht der wahre Mörder, nur ein Wegbereiter, der wahre Mörder vielleicht schon tot, und ein mögliches Opfer ein weitere Mörder, den Lund noch überführen könnte, wenn sie sich denn dazu aufraffen könnte. Aber ihr Schicksal wurde von diesem Fall regelrecht überrollt. Sie vernachlässigt sich und ihr privates Umfeld, stresst ihr berufliches Umfeld bis zur letzten Grenze, ihr Sohn hat es vorgezogen zu seinem leiblichen Vater zu ziehen, ihr Lebensgefährte zieht entmutigt ohne sie nach Schweden und ihr Ermittlungspartner gerät mit ihr in einen Hinterhalt. Bei aller Bewunderung für ihr kriminalistisches Gespür und die richtige Nase für Fall und Verwicklung der einzelnen Beteiligten entfremdet sich der Leser durchaus von Sarah Lund, denn auf diese Weise ausbeuterisch gegen sich und andere zu agieren konterkariert das beste Ermittlungsergebnis. Andere skandinavische Krimis, etwa von Helene Tursten, stellen dem ein anderes Familienbild gegenüber, das immerhin realistischer wirkt. Wie dem auch sei: der Krimi bietet packende Unterhaltung, spannende Wendungen, ein komplexes Ende und die bittere Erkenntnis, dass man nie glauben sollte, alles zu wissen, vor allem was die eigene Familie oder nahestehende Bekannte angeht.

Protagonistin ist die dänische Kriminalkommissarin Sarah Lund, angeblich 38 Jahre alt, im Buch wirkt sie allerdings abgeklärter und älter, ohne dass je ihr Alter genannt wurde. Sie lebt geschieden mit ihrem 12jährigen Sohn Mark und steht kurz davor, ihre Arbeit bei der Kopenhagener Polizei zu beenden und mit ihrem neuen Lebensgefährten Bengt, ein Kriminalpsychologe wie sich später herausstellt, nach Stockholm zu ziehen. Parallel ist in Kopenhagen Kommunalwahlkampf um das Oberbürgermeisteramt, ein zweiter Erzählungsstrang, der das gesamte Buch durchzieht. Und als dritte Erzählungslinie geht es um den Sexualmord an der Teenagerin Nanna Birk Larsen, der Lund völlig fesselt und fortan ihr gesamtes Leben umkrempeln wird.

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Zu Beginn ist die Erzählweise gewöhnungsbedürftig, viele kurze Passagen, wie schnelle Schnitte in einem Film, dazu ein Meer an Namen, die man im Geiste sortieren und zuordnen muss, gegebenenfalls mit Hilfe des Namensregisters am Ende des Buches. Wenn man sich aber eine Weile eingelesen hat, lässt einen das Buch nicht mehr los. Denn man hat keinen allwissenden Erzählertypus, sondern man weiß immer nur genau so viel wie die gerade beleuchteten Handelnden, sei es Lund zusammen mit ihrem Polizeipartner und designiertem Nachfolger Meyer, sei es der Bürgermeisterkandidat Troels Hartmann samt seinem Wahlkampfteam oder sei es die betroffene Familie Birk Larsen. Die Ermittlungen gehen Stück für Stück voran und der Leser muss jede Wende miterleben, jeden neuen und dann wieder zerstobenen Verdacht durchdenken und verwerfen, man kann die angespannte Situation bei allen nachvollziehen und die vielen Lügen, Halbwahrheiten und Eitelkeiten wunderbar emotional mitverfolgen. Ein potentieller Mörder nach dem anderen wird vermutet, gesucht, verfolgt, ggf. sogar gestellt oder getötet, aber erst ganz am Ende kommt es zu einem Ergebnis - aber, wer hätte nach etlichen hundert Seiten Lektüre daran gezweifelt, natürlich ist es eine Art offenes Ende: der Mörder von Nanna ist vielleicht doch nicht der wahre Mörder, nur ein Wegbereiter, der wahre Mörder vielleicht schon tot, und ein mögliches Opfer ein weitere Mörder, den Lund noch überführen könnte, wenn sie sich denn dazu aufraffen könnte.

Aber ihr Schicksal wurde von diesem Fall regelrecht überrollt. Sie vernachlässigt sich und ihr privates Umfeld, stresst ihr berufliches Umfeld bis zur letzten Grenze, ihr Sohn hat es vorgezogen zu seinem leiblichen Vater zu ziehen, ihr Lebensgefährte zieht entmutigt ohne sie nach Schweden und ihr Ermittlungspartner gerät mit ihr in einen Hinterhalt. Bei aller Bewunderung für ihr kriminalistisches Gespür und die richtige Nase für Fall und Verwicklung der einzelnen Beteiligten entfremdet sich der Leser durchaus von Sarah Lund, denn auf diese Weise ausbeuterisch gegen sich und andere zu agieren konterkariert das beste Ermittlungsergebnis. Andere skandinavische Krimis, etwa von Helene Tursten, stellen dem ein anderes Familienbild gegenüber, das immerhin realistischer wirkt.

Wie dem auch sei: der Krimi bietet packende Unterhaltung, spannende Wendungen, ein komplexes Ende und die bittere Erkenntnis, dass man nie glauben sollte, alles zu wissen, vor allem was die eigene Familie oder nahestehende Bekannte angeht.

geschrieben am 25.03.2013 | 472 Wörter | 2762 Zeichen

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