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Schwindlerinnen


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Schwindlerinnen Die Autorin des Romans, Kerstin Ekman, ist eine der wichtigsten Autorinnen der schwedischen (Gegenwarts-)Literatur und als solche prädestiniert dafür, einen Roman zu schreiben, der das Literaturgeschäft und all seine Eitelkeiten und Besonderheiten aufs Korn nimmt, ohne dabei zur Persiflage zu werden. Neben einem spannenden wenngleich ohne erhofften großen Showdown endenden Plot bietet die Autorin dem Leser aber auch ein anregendes Erzählmuster, das sich erst nach den ersten Kapitel erschließt. Protagonistinnen des Werks sind die gleichaltrigen Damen Lillemor Troj und Barbro, genannt Babba Andersson. Beide befinden sich nun in betagtem Alter, nahe der 80, und man beginnt mit einer Szene, in der Lillemor Troj ihren Verleger trifft, der ihr ein explosives Manuskript zu lesen gibt: einen Roman, der schlicht und ergreifend die Behauptung aufstellt, sie, die gefeierte Schriftstellerin, habe ihre Romane gar nicht selbst verfasst, sondern eine Ghostwriterin. Der Verleger hält das für keine besonders gelungene Idee und Troj macht sich zunächst erst einmal mit dem Manuskript aus dem Staub, um es zuhause in Ruhe zu lesen - es stammt von Andersson. Ab dann wird der Leser in schönem Wechsel zwischen den Perspektiven kapitelweise durch den fiktiven Roman und die Innenansichten der Lillemor Troj in der Gegenwart geführt und erfährt: es war ja doch so! Tatsächlich wurde Troj von Andersson vor Jahrzehnten angesprochen, als „falsche“ Autorin ihren Text bei einem Wettbewerb zu vertreten, weil sie sich so eine Siegchance wegen des optisch ansprechenden Auftretens von Troj versprach. Tatsächlich wurde der Sieg eingefahren und ab dann waren die beiden auf Jahre hinaus ein erfolgreiches Romanduo, das nach außen hin nur aus einer Person bestand. Das Verhältnis der beiden war natürlich von inneren Spannungen geprägt, das Miteinander führte nicht nur zu Erfolgen, Wohlstand und kreativen Prozessen, sondern auch zu Reibungen, Spannungen, Zerwürfnissen und Vorwürfen sowie natürlich unausgetragenen Zwistigkeiten, letzten Endes auch zum Bruch der beiden. Ob dieser so geschah wie im fiktiven Roman beschrieben oder doch anders, wird leider nicht aufgeklärt. Am Ende fürchtet Lillemor Troj um ihren Ruf, ihren Stand in der Gesellschaft und der ehrwürdigen Schwedischen Akademie, sodass sie Babba Andersson aufsucht, um die Situation zu klären. Doch es kommt ganz anders als erwartet, Troj erkennt, was sie durch die Aufgabe der gemeinsamen Autorenschaft letzten Endes der stets im Verborgenen agierenden Andersson angetan hat und entschließt sich, das Manuskript als ihres zu vertreten, als Fall einer ironischen Autofiktion. Der Roman ist schön zu lesen, man möchte weiterkommen, ohne dass der Text allzu spannend wäre. Ekman überzeugt mit vielen sprachlichen Höhepunkten, gerade wenn Andersson ihre Sicht auf Troj und die Gesellschaft loswerden kann, aber auch die Abgrenzung der gesellschaftlichen Schichten ist lesenswert. Die über die Beschreibung der Jahre notwendigen zwischenmenschlichen Beziehungen werden passend, aber nicht übermächtig aufgebaut, sodass die Protagonistinnen nie in den Hintergrund gerückt werden. Insgesamt ein lesenswerter Roman mit viel Witz und ironischen Spitzen ohne Pathos oder gar Welterklärungsversuchen.

Die Autorin des Romans, Kerstin Ekman, ist eine der wichtigsten Autorinnen der schwedischen (Gegenwarts-)Literatur und als solche prädestiniert dafür, einen Roman zu schreiben, der das Literaturgeschäft und all seine Eitelkeiten und Besonderheiten aufs Korn nimmt, ohne dabei zur Persiflage zu werden. Neben einem spannenden wenngleich ohne erhofften großen Showdown endenden Plot bietet die Autorin dem Leser aber auch ein anregendes Erzählmuster, das sich erst nach den ersten Kapitel erschließt.

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Protagonistinnen des Werks sind die gleichaltrigen Damen Lillemor Troj und Barbro, genannt Babba Andersson. Beide befinden sich nun in betagtem Alter, nahe der 80, und man beginnt mit einer Szene, in der Lillemor Troj ihren Verleger trifft, der ihr ein explosives Manuskript zu lesen gibt: einen Roman, der schlicht und ergreifend die Behauptung aufstellt, sie, die gefeierte Schriftstellerin, habe ihre Romane gar nicht selbst verfasst, sondern eine Ghostwriterin. Der Verleger hält das für keine besonders gelungene Idee und Troj macht sich zunächst erst einmal mit dem Manuskript aus dem Staub, um es zuhause in Ruhe zu lesen - es stammt von Andersson. Ab dann wird der Leser in schönem Wechsel zwischen den Perspektiven kapitelweise durch den fiktiven Roman und die Innenansichten der Lillemor Troj in der Gegenwart geführt und erfährt: es war ja doch so! Tatsächlich wurde Troj von Andersson vor Jahrzehnten angesprochen, als „falsche“ Autorin ihren Text bei einem Wettbewerb zu vertreten, weil sie sich so eine Siegchance wegen des optisch ansprechenden Auftretens von Troj versprach. Tatsächlich wurde der Sieg eingefahren und ab dann waren die beiden auf Jahre hinaus ein erfolgreiches Romanduo, das nach außen hin nur aus einer Person bestand. Das Verhältnis der beiden war natürlich von inneren Spannungen geprägt, das Miteinander führte nicht nur zu Erfolgen, Wohlstand und kreativen Prozessen, sondern auch zu Reibungen, Spannungen, Zerwürfnissen und Vorwürfen sowie natürlich unausgetragenen Zwistigkeiten, letzten Endes auch zum Bruch der beiden. Ob dieser so geschah wie im fiktiven Roman beschrieben oder doch anders, wird leider nicht aufgeklärt. Am Ende fürchtet Lillemor Troj um ihren Ruf, ihren Stand in der Gesellschaft und der ehrwürdigen Schwedischen Akademie, sodass sie Babba Andersson aufsucht, um die Situation zu klären. Doch es kommt ganz anders als erwartet, Troj erkennt, was sie durch die Aufgabe der gemeinsamen Autorenschaft letzten Endes der stets im Verborgenen agierenden Andersson angetan hat und entschließt sich, das Manuskript als ihres zu vertreten, als Fall einer ironischen Autofiktion.

Der Roman ist schön zu lesen, man möchte weiterkommen, ohne dass der Text allzu spannend wäre. Ekman überzeugt mit vielen sprachlichen Höhepunkten, gerade wenn Andersson ihre Sicht auf Troj und die Gesellschaft loswerden kann, aber auch die Abgrenzung der gesellschaftlichen Schichten ist lesenswert. Die über die Beschreibung der Jahre notwendigen zwischenmenschlichen Beziehungen werden passend, aber nicht übermächtig aufgebaut, sodass die Protagonistinnen nie in den Hintergrund gerückt werden. Insgesamt ein lesenswerter Roman mit viel Witz und ironischen Spitzen ohne Pathos oder gar Welterklärungsversuchen.

geschrieben am 05.06.2013 | 468 Wörter | 2817 Zeichen

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