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Ein langer, langer Weg


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Ein langer, langer Weg Während das Original des Werks „A long long way“ bereits 2005 erschienen ist, musste die deutsche Übersetzung bis zum Jahr 2014 warten, hat dafür aber historisch gesehen keinen besseren Zeitpunkt des Erscheinens finden können. Denn passend zum 100 Jahre zurückliegenden Ausbruch des ersten Weltkrieges beschreibt der Roman von Sebastian Barry das Schicksal des Freiwilligen Willie Dunne, der sich in Irland aus diversen Motiven heraus zur britischen Armee meldet, um Belgien von den Deutschen zu befreien. Willie lebt mit seinen drei Schwestern und seinem Vater in Dublin. Der Vater ist hochaufgeschossener Polizeibeamter hohen Ranges und der eher klein geratene Willie scheint es ihm nie recht machen zu können. Da kommt der Aufruf, sich zur Armee zu melden wie gerufen: zum einen kann er dem Vater endlich beweisen, dass auch er ein echter Mann ist, zum anderen denkt er, die irische Sache zu unterstützen, um im Gegenzug für den Einsatz im Krieg die Selbstverwaltung und damit die Loslösung vom britischen Königreich zu erlangen. Beides erweist sich am Ende als vergeblich, wobei der Autor durch seine enorme Sprachsensibilität dem zu erwartenden Ausgang noch dramatische und traurige Höhepunkte hinzufügen kann, die dem ohnehin schon im Laufe der Lektüre geschürten Gesamteindruck von der Sinnlosigkeit des Krieges und des Verlustes tausender Menschenleben noch traurige Höhepunkte hinzufügen. Die Lektüre des Romans ist für den Leser ein sehr facettenreiches Erlebnis. Zum einen werden reale Vorgänge mit den Mitteln des erzählerischen Erfindungsreichtums verknüpft und bieten so ein recht plastisches Bild der realen und emotionalen Vorgänge in den Schützengräben, etwa beim ersten Gasangriff, beim plötzlichen anarchischen Kampf Mann gegen Mann, beim Umgang mit Verzweiflung und Verrat aber auch bei der Darstellung der Wandlung der Stimmung in Irland und den Auswirkungen davon auf die Soldaten in Belgien. Zum anderen wird die innere Entwicklung von Willie gleichzeitig zurückhaltend, aber dennoch präzise und nahe gehend vollzogen, sodass man neben einem objektiven Entsetzen über die grausamen Kriegsvorgänge auch noch emotional stark berührt wird, gerade durch die Geschehnisse am Ende. Das einzige, was dem nicht-irischen Leser mitunter schwerfällt, auch trotz des beigefügten Glossars am Ende des Buches, ist das Verständnis für die Vorgänge in Irland samt all der Namen der Beteiligten und sich formieren Gruppen und Interessenverbänden. Aber dies tut der Lektüre und dem guten Gesamteindruck des Romans keinerlei Abbruch. Ein sehr empfehlenswertes, stilles, nahe gehendes und melancholisches Buch.

Während das Original des Werks „A long long way“ bereits 2005 erschienen ist, musste die deutsche Übersetzung bis zum Jahr 2014 warten, hat dafür aber historisch gesehen keinen besseren Zeitpunkt des Erscheinens finden können. Denn passend zum 100 Jahre zurückliegenden Ausbruch des ersten Weltkrieges beschreibt der Roman von Sebastian Barry das Schicksal des Freiwilligen Willie Dunne, der sich in Irland aus diversen Motiven heraus zur britischen Armee meldet, um Belgien von den Deutschen zu befreien. Willie lebt mit seinen drei Schwestern und seinem Vater in Dublin. Der Vater ist hochaufgeschossener Polizeibeamter hohen Ranges und der eher klein geratene Willie scheint es ihm nie recht machen zu können. Da kommt der Aufruf, sich zur Armee zu melden wie gerufen: zum einen kann er dem Vater endlich beweisen, dass auch er ein echter Mann ist, zum anderen denkt er, die irische Sache zu unterstützen, um im Gegenzug für den Einsatz im Krieg die Selbstverwaltung und damit die Loslösung vom britischen Königreich zu erlangen. Beides erweist sich am Ende als vergeblich, wobei der Autor durch seine enorme Sprachsensibilität dem zu erwartenden Ausgang noch dramatische und traurige Höhepunkte hinzufügen kann, die dem ohnehin schon im Laufe der Lektüre geschürten Gesamteindruck von der Sinnlosigkeit des Krieges und des Verlustes tausender Menschenleben noch traurige Höhepunkte hinzufügen. Die Lektüre des Romans ist für den Leser ein sehr facettenreiches Erlebnis. Zum einen werden reale Vorgänge mit den Mitteln des erzählerischen Erfindungsreichtums verknüpft und bieten so ein recht plastisches Bild der realen und emotionalen Vorgänge in den Schützengräben, etwa beim ersten Gasangriff, beim plötzlichen anarchischen Kampf Mann gegen Mann, beim Umgang mit Verzweiflung und Verrat aber auch bei der Darstellung der Wandlung der Stimmung in Irland und den Auswirkungen davon auf die Soldaten in Belgien. Zum anderen wird die innere Entwicklung von Willie gleichzeitig zurückhaltend, aber dennoch präzise und nahe gehend vollzogen, sodass man neben einem objektiven Entsetzen über die grausamen Kriegsvorgänge auch noch emotional stark berührt wird, gerade durch die Geschehnisse am Ende. Das einzige, was dem nicht-irischen Leser mitunter schwerfällt, auch trotz des beigefügten Glossars am Ende des Buches, ist das Verständnis für die Vorgänge in Irland samt all der Namen der Beteiligten und sich formieren Gruppen und Interessenverbänden. Aber dies tut der Lektüre und dem guten Gesamteindruck des Romans keinerlei Abbruch. Ein sehr empfehlenswertes, stilles, nahe gehendes und melancholisches Buch.

geschrieben am 13.06.2014 | 384 Wörter | 2230 Zeichen

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