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Durch frühen Morgennebel


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Durch frühen Morgennebel Nach der Lektüre des ersten Romans von Manuel Niedermeider bin ich bezüglich des Eindrucks gespalten. Einerseits ist es ein moderner, gut geschriebener Roman, andererseits „krankt“ er auch an ebendieser modernen Spielart, das eigentlich dramatische Ereignis bereits vorwegzunehmen und dem Leser im Lauf der Lektüre mittels verschiedener Zeit- und Personenebenen nur noch den Weg zu diesem Ereignis zu präsentieren. Dies gelingt gut, aber es ergeben sich eben bis auf eine Situation keine wirklich spannenden oder überraschenden Wendungen mehr, die dem Roman den zusätzlichen Kick geben könnten, damit er im Gehirn als etwas ganz Besonderes verhaftet bleiben könnte. Worum geht es? Der Fotograf Clemens und der Meeresbiologe John treffen sich auf einem Forschungsschiff, das sich in die arktische See begibt. Clemens will Naturfotografien machen, John will nach Wangler Island, um dort das Verhalten von Beluga Walen zu studieren, über die er eine Dissertation erstellt. Beide sind in einer Schiffskabine zusammen und Clemens ist erstaunt und später entsetzt über Johns stetes Schreien im Schlaf, das offensichtlich mit der Verarbeitung eines traumatischen Ereignisses zusammenhängt. Seine Versuche, dem Ganzen auf den Grund zu gehen, scheitern zunächst an Johns Art und Weigerung, sich zu öffnen. Stück für Stück wird der Leser aber zu den Hintergründen geführt, die in der frischen Beziehung zur Geigerin Laura liegen. Hinzu kommt offenbar Johns sonstige Vergangenheit als Nachfahre von Dakota-Indianern und einer schwierigen Familienkonstellation, die ihm zusätzliche psychische Pein bereiten. Die Forschungsreise verläuft mehr oder weniger störungsfrei, auch die Beziehung zwischen John und Laura stolpert in der typisch neumodischen Art Berliner Profilneurotiker voran, die mehr mit sich selbst beschäftigt sind, als dass sie sich über die körperliche Ebene hinaus voll auf einen anderen Menschen einlassen könnten. Das traumatische Ereignis der Vergangenheit soll hier nicht vorweggenommen werden, das schreckliche Ereignis der Gegenwart ist die Tatsache, dass John über Bord geht und Clemens ihn dabei fotografiert anstatt ihm zu helfen – was aber wohl ohnehin nur schwer möglich gewesen wäre. Mit dieser Szene endet das Buch auch, nachdem weit zuvor nur das Ereignis selbst eingeführt worden war. Man erfährt leider nicht, wie der letzte Stand zwischen John und Laura war, denn ihre Nachricht nimmt John mit unter das ewige Eis. Insgesamt kann man sich auf die Stimmung des Romans, wenn man ihn am Stück liest, wunderbar einlassen und dann auch die Charaktere gut nachvollziehen. Wenn man ihn in Etappen liest, dürfte das schwieriger sein, denn dann werden die Handlungen für eher rational denkende Leser teilweise hanebüchen erscheinen. Die Sprache ist den Situationen angepasst, insgesamt gut gelungen, und auch die Schattierung der Protagonisten ist spannend vollzogen worden. Was aber wie schon oben beschrieben störend ist, ist das Fehlen einer weiterführenden Erkenntnis und auch ein bisschen das Fehlen der Auflösung der vielen angerissenen Problemzonen von John und ein wenig auch Laura. Dennoch ist es ein lobenswertes Erstlingswerk, das dem Autor für das nächste Werk immerhin eine Steigerung ermöglicht.

Nach der Lektüre des ersten Romans von Manuel Niedermeider bin ich bezüglich des Eindrucks gespalten. Einerseits ist es ein moderner, gut geschriebener Roman, andererseits „krankt“ er auch an ebendieser modernen Spielart, das eigentlich dramatische Ereignis bereits vorwegzunehmen und dem Leser im Lauf der Lektüre mittels verschiedener Zeit- und Personenebenen nur noch den Weg zu diesem Ereignis zu präsentieren. Dies gelingt gut, aber es ergeben sich eben bis auf eine Situation keine wirklich spannenden oder überraschenden Wendungen mehr, die dem Roman den zusätzlichen Kick geben könnten, damit er im Gehirn als etwas ganz Besonderes verhaftet bleiben könnte.

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Worum geht es? Der Fotograf Clemens und der Meeresbiologe John treffen sich auf einem Forschungsschiff, das sich in die arktische See begibt. Clemens will Naturfotografien machen, John will nach Wangler Island, um dort das Verhalten von Beluga Walen zu studieren, über die er eine Dissertation erstellt. Beide sind in einer Schiffskabine zusammen und Clemens ist erstaunt und später entsetzt über Johns stetes Schreien im Schlaf, das offensichtlich mit der Verarbeitung eines traumatischen Ereignisses zusammenhängt. Seine Versuche, dem Ganzen auf den Grund zu gehen, scheitern zunächst an Johns Art und Weigerung, sich zu öffnen. Stück für Stück wird der Leser aber zu den Hintergründen geführt, die in der frischen Beziehung zur Geigerin Laura liegen. Hinzu kommt offenbar Johns sonstige Vergangenheit als Nachfahre von Dakota-Indianern und einer schwierigen Familienkonstellation, die ihm zusätzliche psychische Pein bereiten.

Die Forschungsreise verläuft mehr oder weniger störungsfrei, auch die Beziehung zwischen John und Laura stolpert in der typisch neumodischen Art Berliner Profilneurotiker voran, die mehr mit sich selbst beschäftigt sind, als dass sie sich über die körperliche Ebene hinaus voll auf einen anderen Menschen einlassen könnten. Das traumatische Ereignis der Vergangenheit soll hier nicht vorweggenommen werden, das schreckliche Ereignis der Gegenwart ist die Tatsache, dass John über Bord geht und Clemens ihn dabei fotografiert anstatt ihm zu helfen – was aber wohl ohnehin nur schwer möglich gewesen wäre. Mit dieser Szene endet das Buch auch, nachdem weit zuvor nur das Ereignis selbst eingeführt worden war. Man erfährt leider nicht, wie der letzte Stand zwischen John und Laura war, denn ihre Nachricht nimmt John mit unter das ewige Eis.

Insgesamt kann man sich auf die Stimmung des Romans, wenn man ihn am Stück liest, wunderbar einlassen und dann auch die Charaktere gut nachvollziehen. Wenn man ihn in Etappen liest, dürfte das schwieriger sein, denn dann werden die Handlungen für eher rational denkende Leser teilweise hanebüchen erscheinen. Die Sprache ist den Situationen angepasst, insgesamt gut gelungen, und auch die Schattierung der Protagonisten ist spannend vollzogen worden. Was aber wie schon oben beschrieben störend ist, ist das Fehlen einer weiterführenden Erkenntnis und auch ein bisschen das Fehlen der Auflösung der vielen angerissenen Problemzonen von John und ein wenig auch Laura. Dennoch ist es ein lobenswertes Erstlingswerk, das dem Autor für das nächste Werk immerhin eine Steigerung ermöglicht.

geschrieben am 06.07.2014 | 473 Wörter | 2749 Zeichen

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