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Geschenkt


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Geschenkt Endlich wieder ein wunderbarer Roman von Glattauer, soviel sei vornweg gestellt. Ich war von „Ewig Dein“ zwar nicht enttäuscht, aber der leichte, sprachlich-spielerische Duktus früherer Werke fehlte mir dort ein bisschen. Der nun vorliegende Roman „Geschenkt“ vereint nun zahlreiche schöne Eigenschaften, die ich mir von einem guten Roman erwarte: eine trotz ihrer Schwächen sympathische Hauptfigur mit Entwicklungspotential, abwechslungsreiche zwischenmenschliche Beziehungen und Interaktionen, die nachvollziehbar sind und in die eine oder andere Überraschung münden, eine Grundspannung, die am Ende zu einer für den Leser zufriedenstellenden Lösung führt, dazu realistische und dennoch gut geschriebene Dialoge und anspruchsvolles sprachliches Potential. Gerade Letzteres exerziert Glattauer den ganzen Roman über, teilweise subtil, teilweise in offener Darbietung, gerade wenn die Hauptfigur nonchalant und selbstironisch die eigene Situation reflektiert. Worum geht es? Gerold Plassek ist als Redakteur bei einer Gratiszeitung in Wien angestellt und dort für den Bereich „Bunte Meldungen“ verantwortlich. Neben dieser beruflich nicht gerade berauschenden Perspektive trinkt er recht viel Alkohol, versumpft regelmäßig mit seinen Freunden, am liebsten in Zoltan’s Bar. Von seiner ersten Ehefrau trennte er sich schon bald, die gemeinsame Tochter Florentina, inzwischen 15 Jahre alt, hatte bisher zu ihm keine gute Beziehung, er bemühte sich aber auch nicht wirklich. Generell beschreibt Plassek sich selbst dadurch, dass er sehr gut „warten“ und „lassen“ könne, also nicht wirklich ein Vorbild an Engagement oder Selbstdisziplin ist. Daneben gibt es Alice, mit der er gerade zu Beginn und Ende seiner damaligen Ehe ein Verhältnis hatte. Auch sie hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu Plassek, aber aus der damals kurzen Beziehung ging ebenfalls ein Kind hervor, Manuel, nun 14 Jahre alt, von dem Plassek aber bis dato nicht einmal wusste. Weil Alice für einige Monate beruflich nach Afrika muss, bittet sie Gerold, sich nachmittags um Manuel zu kümmern, ohne aber dass er ihm sagen sollte, dass er sein Vater ist. Das weiß der Junge nämlich bisher nicht und Gerold bringt es auch zunächst nicht übers Herz, ihm das zu sagen. Denn wider Erwarten gewöhnt er sich an seinen Büro- und Hausgast - und umgekehrt. Inzwischen passieren erstaunliche Dinge: mehrere Male, nachdem Plassek in seinen bunten Meldungen über karitative Einrichtungen in Not geschrieben hat, erhalten diese anonym 10.000 EUR geschenkt. Das große Rätselraten beginnt und als Plassek einen Artikel über einen Freund Manuels schreiben will, der nach 6 Jahren in Österreich vor der Abschiebung steht, wird der Abdruck verweigert, weil die Eigner des Gratisblättchens eine stramm konservative Haltung zur Ausländerfrage haben. Plassek kündigt sofort und schafft es, den Artikel in einer linksliberalen Zeitung zu platzieren und siehe da - die nächste Spende. Plassek wird nun von der neuen Zeitung auf Sozialthemen angesetzt und zu jeden weiteren Artikel folgt eine anonyme Spende. Dann kommt der erste Bruch: die Konkurrenz der Gratiszeitung vermutet Schwarzgeld hinter den Spenden und insgesamt ein abgekartetes Spiel. Diese erste Krise übersteht Plassek, indem er einfach weiterschreibt und die Wohltaten dennoch weitergehen. Die nächste Krise aber steht schon bevor, indem angeblich der Spender enttarnt worden sein soll. Dem geht Plassek nach und es kommt erfreulicherweise ganz anders. Der Leser immerhin weiß am Ende des Buches, wer der Spender war. Parallel versucht sich Plassek auch an einer neuen Beziehung zu seiner Zahnärztin, die mehr oder weniger ins Rollen kommt. Außerdem wollen die Beziehungen zu Florentina und Manuel koordiniert und verbessert werden, was am Ende auch zu gelingen scheint. Insgesamt verfolgt man die positive Entwicklung Plasseks mit all den Rückschlägen mit großer Spannung und Vorfreude, nebenbei ist es auch geradezu herzerwärmend, welche Mitmenschlichkeit auch an unerwarteter Stelle durchscheint, nicht nur bei Plassek, sondern insgesamt. Die Geschichte beruht zwar auf einer wahren Begebenheit, aber dennoch ist der drumherum gestrickte Roman ein echtes und rundum positives Lesevergnügen, ohne auch nur einen Moment lang kitschig zu sein. Das ist große Kunst.

Endlich wieder ein wunderbarer Roman von Glattauer, soviel sei vornweg gestellt. Ich war von „Ewig Dein“ zwar nicht enttäuscht, aber der leichte, sprachlich-spielerische Duktus früherer Werke fehlte mir dort ein bisschen. Der nun vorliegende Roman „Geschenkt“ vereint nun zahlreiche schöne Eigenschaften, die ich mir von einem guten Roman erwarte: eine trotz ihrer Schwächen sympathische Hauptfigur mit Entwicklungspotential, abwechslungsreiche zwischenmenschliche Beziehungen und Interaktionen, die nachvollziehbar sind und in die eine oder andere Überraschung münden, eine Grundspannung, die am Ende zu einer für den Leser zufriedenstellenden Lösung führt, dazu realistische und dennoch gut geschriebene Dialoge und anspruchsvolles sprachliches Potential. Gerade Letzteres exerziert Glattauer den ganzen Roman über, teilweise subtil, teilweise in offener Darbietung, gerade wenn die Hauptfigur nonchalant und selbstironisch die eigene Situation reflektiert.

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Worum geht es? Gerold Plassek ist als Redakteur bei einer Gratiszeitung in Wien angestellt und dort für den Bereich „Bunte Meldungen“ verantwortlich. Neben dieser beruflich nicht gerade berauschenden Perspektive trinkt er recht viel Alkohol, versumpft regelmäßig mit seinen Freunden, am liebsten in Zoltan’s Bar. Von seiner ersten Ehefrau trennte er sich schon bald, die gemeinsame Tochter Florentina, inzwischen 15 Jahre alt, hatte bisher zu ihm keine gute Beziehung, er bemühte sich aber auch nicht wirklich. Generell beschreibt Plassek sich selbst dadurch, dass er sehr gut „warten“ und „lassen“ könne, also nicht wirklich ein Vorbild an Engagement oder Selbstdisziplin ist. Daneben gibt es Alice, mit der er gerade zu Beginn und Ende seiner damaligen Ehe ein Verhältnis hatte. Auch sie hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu Plassek, aber aus der damals kurzen Beziehung ging ebenfalls ein Kind hervor, Manuel, nun 14 Jahre alt, von dem Plassek aber bis dato nicht einmal wusste.

Weil Alice für einige Monate beruflich nach Afrika muss, bittet sie Gerold, sich nachmittags um Manuel zu kümmern, ohne aber dass er ihm sagen sollte, dass er sein Vater ist. Das weiß der Junge nämlich bisher nicht und Gerold bringt es auch zunächst nicht übers Herz, ihm das zu sagen. Denn wider Erwarten gewöhnt er sich an seinen Büro- und Hausgast - und umgekehrt. Inzwischen passieren erstaunliche Dinge: mehrere Male, nachdem Plassek in seinen bunten Meldungen über karitative Einrichtungen in Not geschrieben hat, erhalten diese anonym 10.000 EUR geschenkt. Das große Rätselraten beginnt und als Plassek einen Artikel über einen Freund Manuels schreiben will, der nach 6 Jahren in Österreich vor der Abschiebung steht, wird der Abdruck verweigert, weil die Eigner des Gratisblättchens eine stramm konservative Haltung zur Ausländerfrage haben.

Plassek kündigt sofort und schafft es, den Artikel in einer linksliberalen Zeitung zu platzieren und siehe da - die nächste Spende. Plassek wird nun von der neuen Zeitung auf Sozialthemen angesetzt und zu jeden weiteren Artikel folgt eine anonyme Spende. Dann kommt der erste Bruch: die Konkurrenz der Gratiszeitung vermutet Schwarzgeld hinter den Spenden und insgesamt ein abgekartetes Spiel. Diese erste Krise übersteht Plassek, indem er einfach weiterschreibt und die Wohltaten dennoch weitergehen. Die nächste Krise aber steht schon bevor, indem angeblich der Spender enttarnt worden sein soll. Dem geht Plassek nach und es kommt erfreulicherweise ganz anders. Der Leser immerhin weiß am Ende des Buches, wer der Spender war.

Parallel versucht sich Plassek auch an einer neuen Beziehung zu seiner Zahnärztin, die mehr oder weniger ins Rollen kommt. Außerdem wollen die Beziehungen zu Florentina und Manuel koordiniert und verbessert werden, was am Ende auch zu gelingen scheint. Insgesamt verfolgt man die positive Entwicklung Plasseks mit all den Rückschlägen mit großer Spannung und Vorfreude, nebenbei ist es auch geradezu herzerwärmend, welche Mitmenschlichkeit auch an unerwarteter Stelle durchscheint, nicht nur bei Plassek, sondern insgesamt. Die Geschichte beruht zwar auf einer wahren Begebenheit, aber dennoch ist der drumherum gestrickte Roman ein echtes und rundum positives Lesevergnügen, ohne auch nur einen Moment lang kitschig zu sein. Das ist große Kunst.

geschrieben am 04.10.2014 | 619 Wörter | 3650 Zeichen

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