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Die Chance


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Die Chance Stewart O’Nan hat nie Romane von opulentem Umfang schreiben müssen, um den Leser zu beeindrucken und durch die Lektüre zu fesseln. Eines seiner ersten Werke „Engel im Schnee“ wurde damals 1998 wie eine Art Überraschungsentdeckung im literarischen Quartett von Reich-Ranicki präsentiert und dieser Roman war auch meine erste Begegnung mit O’Nan, der noch viele weitere folgen sollten. Nicht mit jedem Roman ging ich konform, mancher war eher langweilig, so die „Speed Queen“ oder „Sommer der Züge“, mancher war wunderbar hintergründig wie etwa „Halloween“. Dennoch hat mich sein Stil immer überzeugt und bei der Schreibgeschwindigkeit von O’Nan muss ja auch nicht jedes Werk bei jedem Leser ein Volltreffer sein. Bezüglich des nun vorliegenden Romans bin ich allerdings etwas zwiegespalten. Die Geschichte ist recht simpel, ein Paar, Marion und Art, das finanziell kurz vor der Insolvenz steht - ein inzwischen klassisches amerikanisches Mittelklassenschicksal -, das sich aber auch emotional entfremdet hat. Der Mann ist fremdgegangen, die Frau später auch, beides endete negativ und hatte natürlich noch schlimmere Auswirkungen auf das gemeinsame Zusammenleben. Die Kinder studieren und sind aus dem Haus, aber gerade dieses Haus werden die beiden nun aufgeben müssen. Art hat Marion die Scheidung angeboten, da er in seiner Affäre den Hauptgrund für das Scheitern der Ehe sieht. Marion wiederum sieht jeden Versuch von Art, sich um sie zu bemühen, als Handlung mit Nervpotential und möchte auf keinen Fall nachgeben. Die beiden haben sich nun entschlossen, zu den Niagarafällen zu reisen, zum einen, um ihre Hochzeitsreise an denselben Ort zu wiederholen und ihre Ehe zu einer Art schönem Abschluss zu führen. Zum anderen hoffen sie, hoch verschuldet, auf das letzte Quäntchen Glück am Roulettetisch des örtlichen großen Casinos. Art hat sich hierzu eine Strategie ausgedacht, mit der er verlustminimierend sukzessive zu einem größeren Betrag gelangen möchte. Bis zum großen Abend genießen die beiden so gut das eben geht den Aufenthalt vor Ort und Art hat natürlich einen Plan bzw. die eine oder andere Überraschung in petto, um Marion doch wieder einzufangen. Da es aber ein Roman von O’Nan ist, kann man nicht sicher sein, dass es ein Happy End gibt, sodass der Leser bis zum letzten Satz weder weiß, ob die beiden emotional wieder zusammenfinden bzw. ob sie das Ziel des großen Gewinns erreicht haben - und natürlich darf das auch hier nicht verraten werden. Insgesamt betrachtet ist der Roman sehr minimalistisch, zeitlich, örtlich, emotional, personell. Es ist eine mikroskopische Momentaufnahme eines typischen amerikanischen Paars und durch den eingegrenzten Fokus kann der Leser alles gut nachvollziehen. Durch Rück- und Seitenblicke erreicht man auch ein gutes Verständnis für die Vergangenheit und Lebensumstände von Art und Marion und erkennt langsam, wie die Lösung ihrer Probleme aus den beiden heraus entsteht, also nicht etwa durch einen seltsamen Zufall oder einen sonstigen deus ex machina. Am Ende der Lektüre hat man aber durch den leisen und fast schon ereignisarmen Stil des Romans ein bisschen das Gefühl, es sei eigentlich gar nichts passiert, obwohl es um elementare Dinge des menschlichen Zusammenlebens geht. Wenn man andere Romane von O’Nan im Hinterkopf hat, ist das natürlich eine kleine Enttäuschung, aber mit ein wenig Distanz betrachtet, erkennt man doch sehr schön die routinierte Erzählqualität des Autors.

Stewart O’Nan hat nie Romane von opulentem Umfang schreiben müssen, um den Leser zu beeindrucken und durch die Lektüre zu fesseln. Eines seiner ersten Werke „Engel im Schnee“ wurde damals 1998 wie eine Art Überraschungsentdeckung im literarischen Quartett von Reich-Ranicki präsentiert und dieser Roman war auch meine erste Begegnung mit O’Nan, der noch viele weitere folgen sollten. Nicht mit jedem Roman ging ich konform, mancher war eher langweilig, so die „Speed Queen“ oder „Sommer der Züge“, mancher war wunderbar hintergründig wie etwa „Halloween“. Dennoch hat mich sein Stil immer überzeugt und bei der Schreibgeschwindigkeit von O’Nan muss ja auch nicht jedes Werk bei jedem Leser ein Volltreffer sein.

Bezüglich des nun vorliegenden Romans bin ich allerdings etwas zwiegespalten. Die Geschichte ist recht simpel, ein Paar, Marion und Art, das finanziell kurz vor der Insolvenz steht - ein inzwischen klassisches amerikanisches Mittelklassenschicksal -, das sich aber auch emotional entfremdet hat. Der Mann ist fremdgegangen, die Frau später auch, beides endete negativ und hatte natürlich noch schlimmere Auswirkungen auf das gemeinsame Zusammenleben. Die Kinder studieren und sind aus dem Haus, aber gerade dieses Haus werden die beiden nun aufgeben müssen. Art hat Marion die Scheidung angeboten, da er in seiner Affäre den Hauptgrund für das Scheitern der Ehe sieht. Marion wiederum sieht jeden Versuch von Art, sich um sie zu bemühen, als Handlung mit Nervpotential und möchte auf keinen Fall nachgeben. Die beiden haben sich nun entschlossen, zu den Niagarafällen zu reisen, zum einen, um ihre Hochzeitsreise an denselben Ort zu wiederholen und ihre Ehe zu einer Art schönem Abschluss zu führen. Zum anderen hoffen sie, hoch verschuldet, auf das letzte Quäntchen Glück am Roulettetisch des örtlichen großen Casinos. Art hat sich hierzu eine Strategie ausgedacht, mit der er verlustminimierend sukzessive zu einem größeren Betrag gelangen möchte. Bis zum großen Abend genießen die beiden so gut das eben geht den Aufenthalt vor Ort und Art hat natürlich einen Plan bzw. die eine oder andere Überraschung in petto, um Marion doch wieder einzufangen. Da es aber ein Roman von O’Nan ist, kann man nicht sicher sein, dass es ein Happy End gibt, sodass der Leser bis zum letzten Satz weder weiß, ob die beiden emotional wieder zusammenfinden bzw. ob sie das Ziel des großen Gewinns erreicht haben - und natürlich darf das auch hier nicht verraten werden.

Insgesamt betrachtet ist der Roman sehr minimalistisch, zeitlich, örtlich, emotional, personell. Es ist eine mikroskopische Momentaufnahme eines typischen amerikanischen Paars und durch den eingegrenzten Fokus kann der Leser alles gut nachvollziehen. Durch Rück- und Seitenblicke erreicht man auch ein gutes Verständnis für die Vergangenheit und Lebensumstände von Art und Marion und erkennt langsam, wie die Lösung ihrer Probleme aus den beiden heraus entsteht, also nicht etwa durch einen seltsamen Zufall oder einen sonstigen deus ex machina. Am Ende der Lektüre hat man aber durch den leisen und fast schon ereignisarmen Stil des Romans ein bisschen das Gefühl, es sei eigentlich gar nichts passiert, obwohl es um elementare Dinge des menschlichen Zusammenlebens geht. Wenn man andere Romane von O’Nan im Hinterkopf hat, ist das natürlich eine kleine Enttäuschung, aber mit ein wenig Distanz betrachtet, erkennt man doch sehr schön die routinierte Erzählqualität des Autors.

geschrieben am 25.10.2014 | 524 Wörter | 2917 Zeichen

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