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Kühn hat zu tun


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Informationen zum Buch
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  Extras

Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Kühn hat zu tun Nachdem ich die damals ersten Werke von Jan Weiler begeistert gelesen hatte, habe ich sein weiteres Wirken in Bücherform nicht weiter verfolgt. Umso erfreuter war ich, als mit „Kühn hat zu tun“ ein neuer Roman erschienen ist, der ein gewisses Maß an Spannung versprach. Das Genre des Romans allerdings ist nicht ganz so leicht einzuordnen. Es hat Züge eines Krimis, aber die Erzählung beinhaltet viel Drumherum, sowohl über Geschichtliches, Gesellschaftliches und Persönliches. Das macht das Buch durchaus abwechslungsreich und interessant, aber insgesamt leidet die Spannung ein wenig darunter bzw. die Stringenz der Geschichte, dazu später mehr. Martin Kühn ist Leider der Mordkommission und hofft, trotz fehlenden Studiums, auf eine Beförderung. Nicht nur, weil er nach 25 Dienstjahren diesen nächsten Schritt gerne tun würde, sondern weil es auch seine finanzielle Situation erleichtern würde. Er hat auf der so genannten Weberhöhe ein Haus erworben und muss diesen Kredit abzahlen, dazu zwei Kinder versorgen und kommt trotz des Einkommens seiner Frau nur knapp über die Runden. Geld für die Reparatur des alten Autos oder für das von der Tochter innig gewünschte Pferd zum Geburtstag ist einfach nicht da. Dazu hat Kühn Schwierigkeiten mit seinem pubertierenden Sohn, der offenbar kurz vor einem Rutsch in die rechte Szene ist, aber zu ihm kann er nicht (mehr) durchdringen, im Gegensatz zu seinen täglichen Mordermittlungen, wo er die Beschuldigten eher zum Sprechen bringen kann. Zudem hat er in letzter Zeit psychische Schwierigkeiten, weil die Gedanken sich in seinem Kopf überschlagen, er keinen rechten Schlaf mehr findet und allgemein unkonzentriert und überfordert wirkt. Dies bleibt weder seiner Frau noch seinen Kollegen verborgen, aber krankschreiben geht nicht, dafür ist das Arbeitsethos und der Eigenstolz zu hoch. Kurz nach der Aufklärung eines Todesfalls wird in Kühns Nachbarschaft zum einen eine Leiche gefunden, zum anderen ein Mädchen entführt. Die Ermittlungen nehmen fortan Kühns ganze Aufmerksamkeit ein und er muss sich gegen allerlei Widrigkeiten durchsetzen, die ihn und seine Karriere zu gefährden drohen. Dann kommt parallel noch heraus, dass der Munitionsfabrikant Weber, nach dem die Höhe benannt ist, wohl doch kein so guter Mensch war, sondern neben allerlei Gräueltaten kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs die Gegend noch mit allerlei Chemikalien verseucht hat, was sich nun in den Kellern der abzuzahlenden Neubauten langsam bemerkbar macht - eine Sorge mehr. Im Lauf der Ermittlungen wird auf einmal auch Kühns Vergangenheit wichtig und es kommt zu einem dramatischen Showdown, der Folgen für den Fall, für Kühns Karriere und seine Familie hat. Die Krimi-Handlung ist solide mit interessanten Wendung, realistischen Abläufen und glaubhaften Charakteren. Es spielen natürlich ein paar arg konstruierte Zufälle mit hinein, aber dafür ist es eben Fiktion. Die persönlichen Umstände Kühns passen auch gut ins Gesamtkonzept, denn es ist geradezu menschlich, dass die privaten Belastungen auch Auswirkungen auf die Ermittlungsarbeit haben. Insoweit ist die breite Darstellung von Kühns Charakter, Leben und Umfeld konsequent, wenngleich etwas zu mächtig, wenn man bedenkt, dass es die Geschichte immer nur anteilig weiterbringt. Auch die Nuance ganz am Ende ist meiner Ansicht nach überflüssig, Kühn ist eigentlich gebeutelt genug. Was mir nicht ganz einleuchtet, ist der breite geschichtliche Hintergrund, den das Buch auch mit abdecken will, also die Geschichte über den Munitionsfabrikanten Weber, die Entstehung der Siedlung, die nur langsame Befassung mit der eigentlichen Wahrheit über Weber und die Aufarbeitung der Folgen der Fabrikation dort. Hätte das Ganze mehr mit dem Fall zu tun - immerhin gibt es ja genügend Krimis, in denen es um Sachverhalte geht, die weit in die Vergangenheit zurückreichen -, wäre er einleuchtend, aber so muss man dem Autor doch vorhalten, dass die Handlung auch in einer x-beliebigen anderen Gegend hätte stattfinden können. Insofern bleibt folgendes Fazit: das Buch ist gut geschrieben, es liest sich flott und man möchte auch weiter vorankommen, um den Fall gelöst zu sehen. Die Charaktere sind stimmig und passen gut zueinander, die Probleme und Lösungen sind realitätsnah. Persönliche Abzüge gebe ich für den fehlenden Zusammenhang zwischen geschichtlichem Aufbau und dem Fall sowie der etwas zu zufälligen bzw. konstruierten Täterkonstellation. Insgesamt aber eine klare Lektüreempfehlung.

Nachdem ich die damals ersten Werke von Jan Weiler begeistert gelesen hatte, habe ich sein weiteres Wirken in Bücherform nicht weiter verfolgt. Umso erfreuter war ich, als mit „Kühn hat zu tun“ ein neuer Roman erschienen ist, der ein gewisses Maß an Spannung versprach. Das Genre des Romans allerdings ist nicht ganz so leicht einzuordnen. Es hat Züge eines Krimis, aber die Erzählung beinhaltet viel Drumherum, sowohl über Geschichtliches, Gesellschaftliches und Persönliches. Das macht das Buch durchaus abwechslungsreich und interessant, aber insgesamt leidet die Spannung ein wenig darunter bzw. die Stringenz der Geschichte, dazu später mehr.

weitere Rezensionen von Dr. Benjamin Krenberger


Martin Kühn ist Leider der Mordkommission und hofft, trotz fehlenden Studiums, auf eine Beförderung. Nicht nur, weil er nach 25 Dienstjahren diesen nächsten Schritt gerne tun würde, sondern weil es auch seine finanzielle Situation erleichtern würde. Er hat auf der so genannten Weberhöhe ein Haus erworben und muss diesen Kredit abzahlen, dazu zwei Kinder versorgen und kommt trotz des Einkommens seiner Frau nur knapp über die Runden. Geld für die Reparatur des alten Autos oder für das von der Tochter innig gewünschte Pferd zum Geburtstag ist einfach nicht da. Dazu hat Kühn Schwierigkeiten mit seinem pubertierenden Sohn, der offenbar kurz vor einem Rutsch in die rechte Szene ist, aber zu ihm kann er nicht (mehr) durchdringen, im Gegensatz zu seinen täglichen Mordermittlungen, wo er die Beschuldigten eher zum Sprechen bringen kann. Zudem hat er in letzter Zeit psychische Schwierigkeiten, weil die Gedanken sich in seinem Kopf überschlagen, er keinen rechten Schlaf mehr findet und allgemein unkonzentriert und überfordert wirkt. Dies bleibt weder seiner Frau noch seinen Kollegen verborgen, aber krankschreiben geht nicht, dafür ist das Arbeitsethos und der Eigenstolz zu hoch. Kurz nach der Aufklärung eines Todesfalls wird in Kühns Nachbarschaft zum einen eine Leiche gefunden, zum anderen ein Mädchen entführt. Die Ermittlungen nehmen fortan Kühns ganze Aufmerksamkeit ein und er muss sich gegen allerlei Widrigkeiten durchsetzen, die ihn und seine Karriere zu gefährden drohen. Dann kommt parallel noch heraus, dass der Munitionsfabrikant Weber, nach dem die Höhe benannt ist, wohl doch kein so guter Mensch war, sondern neben allerlei Gräueltaten kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs die Gegend noch mit allerlei Chemikalien verseucht hat, was sich nun in den Kellern der abzuzahlenden Neubauten langsam bemerkbar macht - eine Sorge mehr. Im Lauf der Ermittlungen wird auf einmal auch Kühns Vergangenheit wichtig und es kommt zu einem dramatischen Showdown, der Folgen für den Fall, für Kühns Karriere und seine Familie hat.

Die Krimi-Handlung ist solide mit interessanten Wendung, realistischen Abläufen und glaubhaften Charakteren. Es spielen natürlich ein paar arg konstruierte Zufälle mit hinein, aber dafür ist es eben Fiktion. Die persönlichen Umstände Kühns passen auch gut ins Gesamtkonzept, denn es ist geradezu menschlich, dass die privaten Belastungen auch Auswirkungen auf die Ermittlungsarbeit haben. Insoweit ist die breite Darstellung von Kühns Charakter, Leben und Umfeld konsequent, wenngleich etwas zu mächtig, wenn man bedenkt, dass es die Geschichte immer nur anteilig weiterbringt. Auch die Nuance ganz am Ende ist meiner Ansicht nach überflüssig, Kühn ist eigentlich gebeutelt genug.

Was mir nicht ganz einleuchtet, ist der breite geschichtliche Hintergrund, den das Buch auch mit abdecken will, also die Geschichte über den Munitionsfabrikanten Weber, die Entstehung der Siedlung, die nur langsame Befassung mit der eigentlichen Wahrheit über Weber und die Aufarbeitung der Folgen der Fabrikation dort. Hätte das Ganze mehr mit dem Fall zu tun - immerhin gibt es ja genügend Krimis, in denen es um Sachverhalte geht, die weit in die Vergangenheit zurückreichen -, wäre er einleuchtend, aber so muss man dem Autor doch vorhalten, dass die Handlung auch in einer x-beliebigen anderen Gegend hätte stattfinden können.

Insofern bleibt folgendes Fazit: das Buch ist gut geschrieben, es liest sich flott und man möchte auch weiter vorankommen, um den Fall gelöst zu sehen. Die Charaktere sind stimmig und passen gut zueinander, die Probleme und Lösungen sind realitätsnah. Persönliche Abzüge gebe ich für den fehlenden Zusammenhang zwischen geschichtlichem Aufbau und dem Fall sowie der etwas zu zufälligen bzw. konstruierten Täterkonstellation. Insgesamt aber eine klare Lektüreempfehlung.

geschrieben am 06.04.2015 | 663 Wörter | 3804 Zeichen

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