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Kleine Schwester


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Kleine Schwester Ein Spiel zwischen Realität und Surrealität ist dieses kleine Buch von Barbara Gowdy. Sehr real wird die Protagonistin Rose begleitet, die gemeinsam mit ihrer demenzkranken Mutter ein Spartenkino führt und ohne größere Spannung und Aufregung durch ihr Leben gleitet. Der surreale Anteil kommt zu Tage, als Rose plötzlich in einer Art Schlaf oder Ohnmacht in das Leben einer anderen Frau, Harriet, eintaucht, sozusagen als zweites Ich in deren Körper schlüpft und in diesen „Episoden“, wie Rose diese vor allem bei Gewitter auftretenden Zustände nennt“, die Welt durch die Augen von Harriet sieht. Rose sieht in Harriet Ähnlichkeiten zu ihrer früh verstorbenen kleinen Schwester Ava, weswegen sie geradezu süchtig nach den Episoden wird – was für den Leser zur Folge hat, dass er ständig Wetterberichte lesen muss, da Rose sehnsüchtig jedem Gewitter hinterher fährt um die nächste Episode zu provozieren. Rose nimmt im Verlauf nicht nur Anteil am Leben von Harriet, sondern versucht auch steuernd einzugreifen, indem sie Kontakt aufzunehmen versucht. In einigen eingeschobenen Kapiteln wird der mysteriöse Tod der kleinen Schwester in Rückblenden nach und nach ans Licht gebracht. Die Umstände des Todes und die Verwicklung von Rose darin bleiben leider gänzlich unverständlich und einige Aussagen von Rose im Verlauf des Buches (wie zB. „Jetzt gestand sie, nach Avas Tod selbst auch ein paar Mal an Selbstmord gedacht zu haben, sich gewünscht zu haben, es hätte sie selbst statt ihrer Schwester getroffen.“ [S.228]) passen in keinster Weise zum Geschehen. Durch das Handlungsumfeld eines Kinos, das darauf spezialisiert ist alte Filme zu zeigen und sich damit mehr schlecht als recht über Wasser hält, gibt es unzählige Anspielungen auf Filme und Schauspieler, von denen man zumindest eine grobe Ahnung haben sollte, um den Bezug zu verstehen. Wer den Film kennt, wird an „Being John Malkovich“ erinnert und wie um den Vorwurf des Plagiats vorwegzunehmen, lässt die Autorin ihre Protagonistin darüber räsonieren, was der Unterschied zwischen ihren Episoden und dem Film ist („Und sowieso war Being John Malkovich eine fiktive Geschichte“, S.31). Auffällig sind die Produktplatzierungen im Buch: Da wird gegoogelt und auf MySpace gesucht (S.54), Pepsi getrunken (S.75) und der Radiowecker ist von Sony (S.88). Das ist ziemlich unnötig. Das Dahintröpfeln des Lebens von Rose im Takt der Kinovorstellungen und die Zeit, die sie für ihre ausgedehnten Schlafpausen mit oder ohne Episoden aufbringen kann, stehen in seltsamem Kontrast zum Aktionismus, den sie an den Tag legt um Harriet aufzuspüren und in ihr Leben einzugreifen. Hier gibt es einige witzige Situationen mit schwulen, übergewichtigen Yogalehrern und Partys mit Yogaschülerinnen mit Rollator. Auch der verständnisvolle Umgang von Rose mit ihrer demenzkranken Mutter, die in trüben Momenten ohne Rock hinter der Theke steht oder peinliche Äußerungen in der Öffentlichkeit von sich gibt, sind zugleich warmherzig, wie auch voller bitterer Komik. Der Schluss der Geschichte ist nahezu ein Happy End: Rose hat ebenso plötzlich wie sie gekommen waren, keine Episoden mehr und weiß daher nicht, wie es im Leben von Harriet weitergegangen ist. Die Demenz ihrer Mutter ist weiter fortgeschritten, aber Rose hat sie mit Hilfe einer Pflegerin gut im Griff. Ein zufälliges Zusammentreffen mit Harriet zeigt Rose, dass ihre Befürchtungen und Sorgen um Harriets Leben unbegründet waren und ein Happy End genommen haben. Insgesamt eine leise dahin plätschernde Geschichte, die einerseits präzise beschreibt (Demenz der Mutter) und andererseits sehr ins Surreale abgleitet (Beziehung der Schwestern zueinander) und eine antriebslose Heldin bei einem kurzen Ausflug in wilden Aktionismus begleitet, der ohne tiefere Auswirkung auf ihr eigenes Leben bleibt.

Ein Spiel zwischen Realität und Surrealität ist dieses kleine Buch von Barbara Gowdy. Sehr real wird die Protagonistin Rose begleitet, die gemeinsam mit ihrer demenzkranken Mutter ein Spartenkino führt und ohne größere Spannung und Aufregung durch ihr Leben gleitet. Der surreale Anteil kommt zu Tage, als Rose plötzlich in einer Art Schlaf oder Ohnmacht in das Leben einer anderen Frau, Harriet, eintaucht, sozusagen als zweites Ich in deren Körper schlüpft und in diesen „Episoden“, wie Rose diese vor allem bei Gewitter auftretenden Zustände nennt“, die Welt durch die Augen von Harriet sieht. Rose sieht in Harriet Ähnlichkeiten zu ihrer früh verstorbenen kleinen Schwester Ava, weswegen sie geradezu süchtig nach den Episoden wird – was für den Leser zur Folge hat, dass er ständig Wetterberichte lesen muss, da Rose sehnsüchtig jedem Gewitter hinterher fährt um die nächste Episode zu provozieren. Rose nimmt im Verlauf nicht nur Anteil am Leben von Harriet, sondern versucht auch steuernd einzugreifen, indem sie Kontakt aufzunehmen versucht. In einigen eingeschobenen Kapiteln wird der mysteriöse Tod der kleinen Schwester in Rückblenden nach und nach ans Licht gebracht. Die Umstände des Todes und die Verwicklung von Rose darin bleiben leider gänzlich unverständlich und einige Aussagen von Rose im Verlauf des Buches (wie zB. „Jetzt gestand sie, nach Avas Tod selbst auch ein paar Mal an Selbstmord gedacht zu haben, sich gewünscht zu haben, es hätte sie selbst statt ihrer Schwester getroffen.“ [S.228]) passen in keinster Weise zum Geschehen.

Durch das Handlungsumfeld eines Kinos, das darauf spezialisiert ist alte Filme zu zeigen und sich damit mehr schlecht als recht über Wasser hält, gibt es unzählige Anspielungen auf Filme und Schauspieler, von denen man zumindest eine grobe Ahnung haben sollte, um den Bezug zu verstehen. Wer den Film kennt, wird an „Being John Malkovich“ erinnert und wie um den Vorwurf des Plagiats vorwegzunehmen, lässt die Autorin ihre Protagonistin darüber räsonieren, was der Unterschied zwischen ihren Episoden und dem Film ist („Und sowieso war Being John Malkovich eine fiktive Geschichte“, S.31). Auffällig sind die Produktplatzierungen im Buch: Da wird gegoogelt und auf MySpace gesucht (S.54), Pepsi getrunken (S.75) und der Radiowecker ist von Sony (S.88). Das ist ziemlich unnötig.

Das Dahintröpfeln des Lebens von Rose im Takt der Kinovorstellungen und die Zeit, die sie für ihre ausgedehnten Schlafpausen mit oder ohne Episoden aufbringen kann, stehen in seltsamem Kontrast zum Aktionismus, den sie an den Tag legt um Harriet aufzuspüren und in ihr Leben einzugreifen. Hier gibt es einige witzige Situationen mit schwulen, übergewichtigen Yogalehrern und Partys mit Yogaschülerinnen mit Rollator. Auch der verständnisvolle Umgang von Rose mit ihrer demenzkranken Mutter, die in trüben Momenten ohne Rock hinter der Theke steht oder peinliche Äußerungen in der Öffentlichkeit von sich gibt, sind zugleich warmherzig, wie auch voller bitterer Komik.

Der Schluss der Geschichte ist nahezu ein Happy End: Rose hat ebenso plötzlich wie sie gekommen waren, keine Episoden mehr und weiß daher nicht, wie es im Leben von Harriet weitergegangen ist. Die Demenz ihrer Mutter ist weiter fortgeschritten, aber Rose hat sie mit Hilfe einer Pflegerin gut im Griff. Ein zufälliges Zusammentreffen mit Harriet zeigt Rose, dass ihre Befürchtungen und Sorgen um Harriets Leben unbegründet waren und ein Happy End genommen haben.

Insgesamt eine leise dahin plätschernde Geschichte, die einerseits präzise beschreibt (Demenz der Mutter) und andererseits sehr ins Surreale abgleitet (Beziehung der Schwestern zueinander) und eine antriebslose Heldin bei einem kurzen Ausflug in wilden Aktionismus begleitet, der ohne tiefere Auswirkung auf ihr eigenes Leben bleibt.

geschrieben am 30.08.2017 | 572 Wörter | 3228 Zeichen

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