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Die zwölf Leben des Samuel Hawley


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Die zwölf Leben des Samuel Hawley Man mag es nicht weglegen, das zweite Buch von Hannah Tinti. Der Aufbau ist sehr klar strukturiert: Zwölf mal wird auf Samuel Hawley geschossen, die Geschichte jeder Schießerei wird in einem eigenen Kapitel erzählt. Diese Rückblenden wechseln sich mit Kapitel aus der Gegenwart ab, in der Hawley mit seiner inzwischen 17-jährigen Tochter Loo seit vier Jahren unauffällig in einer Kleinstadt am Meer wohnt. Dadurch wechseln sich auch Kapitel mit Kill-Bill-Charakter - wilden Schießereien, bei denen die Innereien der Ermordeten an die Wand klatschen - mit solchen Kapiteln ab, bei denen ein junges Mädchen pubertiert, erste Erfahrungen in der Liebe macht und eine Vater-Tochter-Beziehung beleuchtet wird. Das ist gut konstruiert, der Leser entspannt zwischen durch und fiebert darauf hin, ebenso wie Loo zu erfahren, was das für ein Mann ist, der sich so fürsorglich um seine Tochter kümmert und zugleich eine so dunkle Vergangenheit hat, von der Loo nur Bruchstücke ahnt. Hawley ist ein Auftragskiller, Auftragsdieb und professioneller Ganove. Bei Kugel Nummer vier lernt er seine spätere Ehefrau Lily kennen, die ihn mit einem waghalsigen Manöver in einem Schneepflug vor dem Tod rettet. Der bisher eher beziehungsgestörte Hawley verliebt sich in Lily und der Autorin gelingt es, auch die Passagen über die Angst des jungen Vaters vor dem Versagen bei der Betreuung seiner Tochter und die kleinen Alltagsschwierigkeiten junger Paare, die plötzlich Eltern werden, einzufangen und nicht kitschig oder im Vergleich zu den wilden Vergangenheitserfahrungen konstruiert wirken zu lassen. Es ist erstaunlich, wie es der Autorin gelingt, einen derart brutalen Menschen mit so vielen Facetten seines Charakters auszugestalten, dass man ihn ins Herz schließt. Man wundert sich über sich selbst – aber zu keinem Zeitpunkt verurteilt man das Handeln oder die „Berufswahl“ Hawleys. Da sein primäres Ziel in der Gegenwart ist, seine Tochter Loo vor all den Feinden aus der Vergangenheit zu schützen, ist es völlig einleuchtend, dass er eine Liste der Feinde erstellt, die er zuerst erledigen muss, bevor sie sich bei ihm rächen. Auch die seltsamen Lebensumstände der kleinen Loo sind völlig okay, schließlich muss ihr Vater ja zwischendurch Feinde beseitigen, da ist nicht immer Zeit für Frühförderung oder ausgewogene Ernährung. Natürlich sind da wie bei Tarantino eine Portion zuviel Blut und zuviele Waffen im Spiel: Zuviel lebendig begraben, angezündet, erschossen, verprügelt und ertrunken. Und zugleich eine Portion zuviel Glück für den Helden, bei 11 Kugeln jedes Mal auf jemanden zu stoßen, der ihn rettet und rechtzeitig Rettung organisiert. Doch diese Überzeichnung lässt die Liebe zu seiner Tochter und die Trauer über den Tod seiner Frau nur noch mehr leuchten. Interessant ist zudem die Entwicklung der Tochter Loo: Sie weiß wenig über ihre Vergangenheit, erfährt erst spät und durch Zufall, dass sie die ersten vier Jahre ihres Lebens bei ihrer Großmutter gelebt hat, da Hawley nach dem Tod seiner Frau auf einem Rachefeldzug war. Die folgenden Jahre zog sie mit ihrem Vater durch das Land und erst als sie in der Kleinstadt Olympus, aus der ihre Mutter stammte, zaghaften Kontakt zu ihrer Großmutter aufnimmt, fängt sie an über ihren Vater und dessen Vergangenheit nachzugrübeln. Wie sich die Beziehung der beiden zueinander ändert, insbesondere auch durch das Spannungsfeld mit Loos erstem Freund, ist im Buch glaubhaft entwickelt. Dass zudem Hawley viel mehr über die Nachforschungen Loos weiß, als sie ahnt, passt in die Charakterstudie eines Profikillers. Hawley ist aber, trotz seiner offensichtlichen Mängel als elterliches Vorbild, erstaunlich unaufdringlich gegenüber seiner pubertierenden Tochter und reagiert professionell väterlich, wie man es sich wünscht: Nimmt die Polizei Loo wegen Fahrens ohne Führerschein fest, löst Hawley sie aus und hat nur eine Frage an sie: Ob es ihr gut geht. Es fallen keine Vorwürfe, höchstens, dass sie sich erwischen ließ. Ein Paradebeispiel, wie das Selbstfindungsstreben eines pubertierenden Teenagers respektiert werden sollte. Leider weiß der Leser schon durch die Kapitelgestaltung: Bei Kugel Nummer 12 ist wohl für Hawley Schluss. Der Showdown ist packend und kinoreif und Loo entwickelt sich zu einer Tochter, der die Fußstapfen ihres Vaters erstaunlich gut passen. Das offene Ende erfreut in diesem Fall – überlebt er oder überlebt er nicht? Man mag es ihm und Loo wünschen und hoffen, dass sie in den Sonnenuntergang reiten und sich zur Ruhe setzen.

Man mag es nicht weglegen, das zweite Buch von Hannah Tinti. Der Aufbau ist sehr klar strukturiert: Zwölf mal wird auf Samuel Hawley geschossen, die Geschichte jeder Schießerei wird in einem eigenen Kapitel erzählt. Diese Rückblenden wechseln sich mit Kapitel aus der Gegenwart ab, in der Hawley mit seiner inzwischen 17-jährigen Tochter Loo seit vier Jahren unauffällig in einer Kleinstadt am Meer wohnt. Dadurch wechseln sich auch Kapitel mit Kill-Bill-Charakter - wilden Schießereien, bei denen die Innereien der Ermordeten an die Wand klatschen - mit solchen Kapiteln ab, bei denen ein junges Mädchen pubertiert, erste Erfahrungen in der Liebe macht und eine Vater-Tochter-Beziehung beleuchtet wird. Das ist gut konstruiert, der Leser entspannt zwischen durch und fiebert darauf hin, ebenso wie Loo zu erfahren, was das für ein Mann ist, der sich so fürsorglich um seine Tochter kümmert und zugleich eine so dunkle Vergangenheit hat, von der Loo nur Bruchstücke ahnt.

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Hawley ist ein Auftragskiller, Auftragsdieb und professioneller Ganove. Bei Kugel Nummer vier lernt er seine spätere Ehefrau Lily kennen, die ihn mit einem waghalsigen Manöver in einem Schneepflug vor dem Tod rettet. Der bisher eher beziehungsgestörte Hawley verliebt sich in Lily und der Autorin gelingt es, auch die Passagen über die Angst des jungen Vaters vor dem Versagen bei der Betreuung seiner Tochter und die kleinen Alltagsschwierigkeiten junger Paare, die plötzlich Eltern werden, einzufangen und nicht kitschig oder im Vergleich zu den wilden Vergangenheitserfahrungen konstruiert wirken zu lassen. Es ist erstaunlich, wie es der Autorin gelingt, einen derart brutalen Menschen mit so vielen Facetten seines Charakters auszugestalten, dass man ihn ins Herz schließt. Man wundert sich über sich selbst – aber zu keinem Zeitpunkt verurteilt man das Handeln oder die „Berufswahl“ Hawleys. Da sein primäres Ziel in der Gegenwart ist, seine Tochter Loo vor all den Feinden aus der Vergangenheit zu schützen, ist es völlig einleuchtend, dass er eine Liste der Feinde erstellt, die er zuerst erledigen muss, bevor sie sich bei ihm rächen. Auch die seltsamen Lebensumstände der kleinen Loo sind völlig okay, schließlich muss ihr Vater ja zwischendurch Feinde beseitigen, da ist nicht immer Zeit für Frühförderung oder ausgewogene Ernährung.

Natürlich sind da wie bei Tarantino eine Portion zuviel Blut und zuviele Waffen im Spiel: Zuviel lebendig begraben, angezündet, erschossen, verprügelt und ertrunken. Und zugleich eine Portion zuviel Glück für den Helden, bei 11 Kugeln jedes Mal auf jemanden zu stoßen, der ihn rettet und rechtzeitig Rettung organisiert. Doch diese Überzeichnung lässt die Liebe zu seiner Tochter und die Trauer über den Tod seiner Frau nur noch mehr leuchten.

Interessant ist zudem die Entwicklung der Tochter Loo: Sie weiß wenig über ihre Vergangenheit, erfährt erst spät und durch Zufall, dass sie die ersten vier Jahre ihres Lebens bei ihrer Großmutter gelebt hat, da Hawley nach dem Tod seiner Frau auf einem Rachefeldzug war. Die folgenden Jahre zog sie mit ihrem Vater durch das Land und erst als sie in der Kleinstadt Olympus, aus der ihre Mutter stammte, zaghaften Kontakt zu ihrer Großmutter aufnimmt, fängt sie an über ihren Vater und dessen Vergangenheit nachzugrübeln. Wie sich die Beziehung der beiden zueinander ändert, insbesondere auch durch das Spannungsfeld mit Loos erstem Freund, ist im Buch glaubhaft entwickelt. Dass zudem Hawley viel mehr über die Nachforschungen Loos weiß, als sie ahnt, passt in die Charakterstudie eines Profikillers. Hawley ist aber, trotz seiner offensichtlichen Mängel als elterliches Vorbild, erstaunlich unaufdringlich gegenüber seiner pubertierenden Tochter und reagiert professionell väterlich, wie man es sich wünscht: Nimmt die Polizei Loo wegen Fahrens ohne Führerschein fest, löst Hawley sie aus und hat nur eine Frage an sie: Ob es ihr gut geht. Es fallen keine Vorwürfe, höchstens, dass sie sich erwischen ließ. Ein Paradebeispiel, wie das Selbstfindungsstreben eines pubertierenden Teenagers respektiert werden sollte.

Leider weiß der Leser schon durch die Kapitelgestaltung: Bei Kugel Nummer 12 ist wohl für Hawley Schluss. Der Showdown ist packend und kinoreif und Loo entwickelt sich zu einer Tochter, der die Fußstapfen ihres Vaters erstaunlich gut passen. Das offene Ende erfreut in diesem Fall – überlebt er oder überlebt er nicht? Man mag es ihm und Loo wünschen und hoffen, dass sie in den Sonnenuntergang reiten und sich zur Ruhe setzen.

geschrieben am 30.08.2017 | 687 Wörter | 3816 Zeichen

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