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Durch Deine Augen


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Durch Deine Augen Es ist immer ein bisschen schwierig, wenn man, begeistert von den früheren Romanen eines Autors, dessen neuestes Werk liest und zwar immer wieder die Gründe wiederentdeckt, die zu der früheren Begeisterung geführt haben, aber insgesamt von dem neuen Werk ein wenig enttäuscht ist. Zuerst kurz zum Inhalt, sofern man diesen überhaupt in Fakten zusammenfassen mag: es gibt drei Freunde aus Kindergartenzeiten, Peter, Simon und Lisa. Der Roman beginnt mit den erwachsenen Personen, aber führt parallel und ständig durch die kindliche Vergangenheit, die am Ende auch der Schlüssel für den Roman ist. Simon ist durch den Verlust der Mutter schon in Kindtagen traumatisiert, Lisa verliert später ihre Eltern und muss als Erwachsene erst durch die Begegnung mit Peter und Simon in ihre Vergangenheit stückweise zurückkehren. Peter ist ein Bindeglied zwischen beiden, hat aber sein traumatisches Erlebnis in der gescheiterten Ehe, obwohl er sich es ganz anders vorgenommen hatte. Lisa ist inzwischen zur Leiterin eines geheimen Instituts aufgestiegen, weil sie die Fähigkeit besitzt, in die Psyche von Menschen zu gelangen und ihnen so zu helfen versucht, Traumata zu überwinden. Peter kommt nach einem Selbstmordversuch Simons auf die Spur ihres Instituts und ist – wie schon früher – fasziniert von Lisa, die schon damals mit Simon und Peter zusammen ihre Fähigkeit entdeckt und entwickelt hat, in die Träume anderer zu gelangen und sich mental zu verbinden. Für Peter ist diese Erfahrung, an Lisas Experimenten und Therapiesitzungen teilzunehmen, eine wahre Grenzüberschreitung: er kommt anderen Menschen und deren Erlebnissen und Abgründen näher als ihm lieb ist, aber auch er selbst muss seine Grenzen kennen lernen. Trotz ihrer Bemühungen und Fortschritte können die beiden Simon nicht retten, wohl aber für sich selbst unerwartete Entwicklungen anstoßen. Wie immer bei Hoeg gibt es eine starke Frauenfigur mit übersinnlichen Fähigkeiten. Und wie immer ist der Roman geprägt von starken Sprachbildern und überragend gut gesetzten Ansätzen für philosophisch vertiefte Überlegungen, insoweit auch wieder ein Lob für die gelungene Übersetzung. Angeschnitten wird etwa die Relativität der Zeit, das Vorhandensein eines kollektiven Bewusstseins, die Volatilität von Zukunftswissen angesichts unendlicher Entscheidungsmöglichkeiten, aber auch ganz konkrete Lebensmetathemen wie das Vergeben, das Verarbeiten von Erlebnissen, die Beziehung von Menschen zueinander und miteinander und das Scheitern samt Auswirkungen auf die eigene Psyche. Die Frage nach Grenzen, eigenen und fremden, ist ebenso Thema des Romans wie die nach Gut und Böse. Ein solcher bisweilen bombastischer Überbau müsste aber auch von einer entsprechenden Geschichte getragen werden. Das ist diesmal leider nicht der Fall. Der Roman ist einfach nicht spannend, allenfalls interessant und gut geschrieben. Die vorherigen Romane wurden von der Spannung des Plots getragen, dieser jedoch mäandert vor sich hin im Versuch, die Fäden des Gedankenexperiments nicht zu verlieren und am Ende zu vereinen und doch irgendwie offen zu halten, da es natürlich auf die angesprochenen Fragen keine eindeutigen Antworten geben kann. Die Lektüre ist trotzdem zu empfehlen, gerade weil der Roman immer wieder zur kritischen Selbstprüfung führen wird. Aber in der Reihe der Romane Hoegs gehört er nicht zu den stärksten Exemplaren.

Es ist immer ein bisschen schwierig, wenn man, begeistert von den früheren Romanen eines Autors, dessen neuestes Werk liest und zwar immer wieder die Gründe wiederentdeckt, die zu der früheren Begeisterung geführt haben, aber insgesamt von dem neuen Werk ein wenig enttäuscht ist.

weitere Rezensionen von Dr. Benjamin Krenberger


Zuerst kurz zum Inhalt, sofern man diesen überhaupt in Fakten zusammenfassen mag: es gibt drei Freunde aus Kindergartenzeiten, Peter, Simon und Lisa. Der Roman beginnt mit den erwachsenen Personen, aber führt parallel und ständig durch die kindliche Vergangenheit, die am Ende auch der Schlüssel für den Roman ist. Simon ist durch den Verlust der Mutter schon in Kindtagen traumatisiert, Lisa verliert später ihre Eltern und muss als Erwachsene erst durch die Begegnung mit Peter und Simon in ihre Vergangenheit stückweise zurückkehren. Peter ist ein Bindeglied zwischen beiden, hat aber sein traumatisches Erlebnis in der gescheiterten Ehe, obwohl er sich es ganz anders vorgenommen hatte. Lisa ist inzwischen zur Leiterin eines geheimen Instituts aufgestiegen, weil sie die Fähigkeit besitzt, in die Psyche von Menschen zu gelangen und ihnen so zu helfen versucht, Traumata zu überwinden. Peter kommt nach einem Selbstmordversuch Simons auf die Spur ihres Instituts und ist – wie schon früher – fasziniert von Lisa, die schon damals mit Simon und Peter zusammen ihre Fähigkeit entdeckt und entwickelt hat, in die Träume anderer zu gelangen und sich mental zu verbinden. Für Peter ist diese Erfahrung, an Lisas Experimenten und Therapiesitzungen teilzunehmen, eine wahre Grenzüberschreitung: er kommt anderen Menschen und deren Erlebnissen und Abgründen näher als ihm lieb ist, aber auch er selbst muss seine Grenzen kennen lernen. Trotz ihrer Bemühungen und Fortschritte können die beiden Simon nicht retten, wohl aber für sich selbst unerwartete Entwicklungen anstoßen.

Wie immer bei Hoeg gibt es eine starke Frauenfigur mit übersinnlichen Fähigkeiten. Und wie immer ist der Roman geprägt von starken Sprachbildern und überragend gut gesetzten Ansätzen für philosophisch vertiefte Überlegungen, insoweit auch wieder ein Lob für die gelungene Übersetzung. Angeschnitten wird etwa die Relativität der Zeit, das Vorhandensein eines kollektiven Bewusstseins, die Volatilität von Zukunftswissen angesichts unendlicher Entscheidungsmöglichkeiten, aber auch ganz konkrete Lebensmetathemen wie das Vergeben, das Verarbeiten von Erlebnissen, die Beziehung von Menschen zueinander und miteinander und das Scheitern samt Auswirkungen auf die eigene Psyche. Die Frage nach Grenzen, eigenen und fremden, ist ebenso Thema des Romans wie die nach Gut und Böse.

Ein solcher bisweilen bombastischer Überbau müsste aber auch von einer entsprechenden Geschichte getragen werden. Das ist diesmal leider nicht der Fall. Der Roman ist einfach nicht spannend, allenfalls interessant und gut geschrieben. Die vorherigen Romane wurden von der Spannung des Plots getragen, dieser jedoch mäandert vor sich hin im Versuch, die Fäden des Gedankenexperiments nicht zu verlieren und am Ende zu vereinen und doch irgendwie offen zu halten, da es natürlich auf die angesprochenen Fragen keine eindeutigen Antworten geben kann.

Die Lektüre ist trotzdem zu empfehlen, gerade weil der Roman immer wieder zur kritischen Selbstprüfung führen wird. Aber in der Reihe der Romane Hoegs gehört er nicht zu den stärksten Exemplaren.

geschrieben am 06.03.2020 | 495 Wörter | 2879 Zeichen

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