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Kaiser, König, Edelmann


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Rezension von

Hiram Kümper

Kaiser, König, Edelmann Mit einer Verkündung von „unfreiwilliger Tragikomik“ (S. 8) nahm das Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen, wie man das sacrum imperium seit etwa der Wende zum 16. Jahrhundert zu nennen pflegte, am 8. August 1806 sein Ende; Kaiser Franz II. legte die Kaiserkrone nieder. Das Ende ist einfach, wo liegt der Anfang? Gleich zu Beginn muss man dem Vf. zu gute halten, dass er sich nicht ungefragt festlegt, nicht Karl als „Vater Europas“ (und dann auch gleich des Reiches), nicht den Vertrag von Verdun 843 oder eine andere aus dem hinlänglich bekannten Potpourri der Optionen als verbindlich serviert. Wenn sich Schmidt-Kaspar dann doch für den vorherrschenden traditionellen Ansatz entscheidet und wie einst Ranke die Geschichte des Reiches mit der Wahl Heinrichs I. 919 beginnen lässt, so tut er das nicht, ohne zuvor die Problematik der Frage vom Beginn des Alten Reiches, ausführlich zu entfalten. Da lässt es sich umso lieber verschmerzen, dass der Leser genau genommen nicht – wie im Untertitel versprochen – seine 1000, sondern nur 900 Jahre Reichsgeschichte serviert bekommt. Satt werden wird man allemal. Schmidt-Kaspers Buch lehrt ohne belehrend zu sein. Das ist angenehm. Manch einem wird der betont unterhaltsame Stil des Vf.s, bei dem streckenweise eine Witzelei die nächste jagt, sicher hier und dort zu viel des Guten sein. Das ist freilich Geschmackssache. Die Ebene solider Geschichtserzählung wird dadurch nicht verlassen, wie überhaupt Schmidt-Kaspers ausgesprochen seriös zu Werke geht und sich von bunt schillernden Ausschmückungen und wilden Spekulationen fern hält. Solcherlei Selbstbeschränkungen, die weitgehend ohne romantisierte Minnekemenaten, draufgängerische Landsknechtrotten und puderquastige Hofschranzen auskommt, und dennoch auch für den anvisierten, breiten Leserkreis ansprechend bleibt, ist eine respektable Leistung. Denn im Grunde bringt Schmidt-Kaspers ja vor allem eines: Eine höchst traditionelle Politikgeschichte, die in der Hauptsache Herrscher, Staaten und Kriege bespricht; jene Sujets also, mit der man heutzutage kaum jemanden mehr hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervorzulocken vermag. Die beigefügte Literaturauswahl gibt neben einigen Spezialwerken in der Hauptsache Überblicksdarstellungen. Hilfsreicher wären hier Hinweise zu den einzelnen Kapiteln gewesen. Dennoch ist, gerade für ein Lesebuch wie das vorliegende, der Anhang mit Personenregister, Überblickskarten und einer chronologischen Tabelle, in der die Reichsgeschichte mit einigen markanten Daten der Weltgeschichte gegenübergestellt wird, durchaus eine begrüßenswerte und nicht selbstverständliche Beigabe. Aussagelos sind lediglich die Weblinks (S. 326), die in vielen Fällen eher zu Irritation als zu weiterer Information führen dürften, weil die tatsächlich herangezogenen Unterseiten der jeweiligen Domains konsequent ausgespart wurden. Schmidt-Kaspers Band ist, das wird man resümierend feststellen dürfen, eine gute Wahl für eine ohne allzu große Widerstände genießbare, informative Lektüre, die man durchaus auch Jugendlichen wird zumuten dürfen. Wer sich die rund 300 Seiten zu Gemüte geführt hat, wird ein fügliches Stück Bildung in Sachen Reichsgeschichte mitgenommen haben.

Mit einer Verkündung von „unfreiwilliger Tragikomik“ (S. 8) nahm das Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen, wie man das sacrum imperium seit etwa der Wende zum 16. Jahrhundert zu nennen pflegte, am 8. August 1806 sein Ende; Kaiser Franz II. legte die Kaiserkrone nieder. Das Ende ist einfach, wo liegt der Anfang? Gleich zu Beginn muss man dem Vf. zu gute halten, dass er sich nicht ungefragt festlegt, nicht Karl als „Vater Europas“ (und dann auch gleich des Reiches), nicht den Vertrag von Verdun 843 oder eine andere aus dem hinlänglich bekannten Potpourri der Optionen als verbindlich serviert. Wenn sich Schmidt-Kaspar dann doch für den vorherrschenden traditionellen Ansatz entscheidet und wie einst Ranke die Geschichte des Reiches mit der Wahl Heinrichs I. 919 beginnen lässt, so tut er das nicht, ohne zuvor die Problematik der Frage vom Beginn des Alten Reiches, ausführlich zu entfalten. Da lässt es sich umso lieber verschmerzen, dass der Leser genau genommen nicht – wie im Untertitel versprochen – seine 1000, sondern nur 900 Jahre Reichsgeschichte serviert bekommt. Satt werden wird man allemal.

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Schmidt-Kaspers Buch lehrt ohne belehrend zu sein. Das ist angenehm. Manch einem wird der betont unterhaltsame Stil des Vf.s, bei dem streckenweise eine Witzelei die nächste jagt, sicher hier und dort zu viel des Guten sein. Das ist freilich Geschmackssache. Die Ebene solider Geschichtserzählung wird dadurch nicht verlassen, wie überhaupt Schmidt-Kaspers ausgesprochen seriös zu Werke geht und sich von bunt schillernden Ausschmückungen und wilden Spekulationen fern hält. Solcherlei Selbstbeschränkungen, die weitgehend ohne romantisierte Minnekemenaten, draufgängerische Landsknechtrotten und puderquastige Hofschranzen auskommt, und dennoch auch für den anvisierten, breiten Leserkreis ansprechend bleibt, ist eine respektable Leistung. Denn im Grunde bringt Schmidt-Kaspers ja vor allem eines: Eine höchst traditionelle Politikgeschichte, die in der Hauptsache Herrscher, Staaten und Kriege bespricht; jene Sujets also, mit der man heutzutage kaum jemanden mehr hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervorzulocken vermag.

Die beigefügte Literaturauswahl gibt neben einigen Spezialwerken in der Hauptsache Überblicksdarstellungen. Hilfsreicher wären hier Hinweise zu den einzelnen Kapiteln gewesen. Dennoch ist, gerade für ein Lesebuch wie das vorliegende, der Anhang mit Personenregister, Überblickskarten und einer chronologischen Tabelle, in der die Reichsgeschichte mit einigen markanten Daten der Weltgeschichte gegenübergestellt wird, durchaus eine begrüßenswerte und nicht selbstverständliche Beigabe. Aussagelos sind lediglich die Weblinks (S. 326), die in vielen Fällen eher zu Irritation als zu weiterer Information führen dürften, weil die tatsächlich herangezogenen Unterseiten der jeweiligen Domains konsequent ausgespart wurden.

Schmidt-Kaspers Band ist, das wird man resümierend feststellen dürfen, eine gute Wahl für eine ohne allzu große Widerstände genießbare, informative Lektüre, die man durchaus auch Jugendlichen wird zumuten dürfen. Wer sich die rund 300 Seiten zu Gemüte geführt hat, wird ein fügliches Stück Bildung in Sachen Reichsgeschichte mitgenommen haben.

geschrieben am 10.09.2006 | 445 Wörter | 2762 Zeichen

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