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1984


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Rezension von

Marc-Florian Wendland

1984 Winston Smith, Nummer 6079 der Partei, führt ein einsames, arbeitsames Leben. Er arbeitet im Ministerium für Wahrheit, einem Betongebäude ohne Fenster. Seine Arbeit besteht darin, die Vergangenheit zu verfälschen – immer so, wie die Partei es aktuell vorschreibt. Er ist sich über die Sinnlosigkeit seines Lebens bewusst, und trotzdem schwimmt er mit dem Strom. Tief in ihm jedoch kocht ein kleiner Rebell, der nur darauf wartet freigelassen zu werden. Durch die unerwartete Zuneigung einer Parteigenossin, erwacht sein Lebensmut und seine Bereitschaft gewisse Risiken einzugehen. Es kursieren Gerüchte über eine Bruderschaft unter der Führung des Verräters Goldstein, die pausenlos gegen die Partei kämpft. Winston und Julia schließen sich der Bruderschaft an, bereit, die Gesellschaft in der sie leben, zu bekämpfen, und mögen sie dafür auch ihr leben lassen... 1984. Big Brother is watching you... wohl kein Slogan oder keine Jahreszahl assoziiert so energisch die perfekte Staatsmaschinerie, in der das Individuum nichts und die Kollektivität der Partei alles zählt. In diese – sarkastisch gesagt, niemals aus der Mode kommende – Staatsform siedelt Orwell seine mahnende Geschichte an. Das Buch ist unterteilt in drei Teile. Im ersten Teil führt Orwell den Leser in das Land und die Gesellschaft Ozeaniens ein, in dessen europäische Teil (genauer in der Stadt London) die Geschichte spielt. Hier wird vor allem die Omnipräsenz und Totalität des Überwachungsstaates vorgestellt. Der Leser lernt Winston als wachsamen, intelligenten aber ruhigen Parteigenossen kennen, der seine Abneigung gegenüber des Staates verbirgt – nicht einmal ein verräterischer Gedanke ist erlaubt. Zu diesem Zweck gibt es die Gedanken-Polizei. Er interessiert sich für die Vergangenheit vor der Revolution, ist gleichzeitig jedoch bestrebt seine Arbeit gut zu machen. Er ist stets auf einer Gratwanderung zwischen totaler Akzeptanz und offenkundiger Rebellion. Mut zum letzten Schritt besitzt er jedoch nicht. Der zweite Teil handelt von der unverhofften Liebesbekundung eines fünfzehn Jahre jüngeren Mädchens, die Vorsitzende in der Junioren-Anti-Sex-Liga ist. Winston erfährt, dass sie die Regeln der Partei ständig und immer bricht, all ihr Engagement und ihre Liebe zur Partei nur heuchelt, um nicht verdächtig zu werden. Beide sind sich einig, dass die Partei gestürzt werden muss, nur wagt es keiner den Schritt zu unternehmen. Letztlich schließen die beiden sich aber die Bruderschaft an. Der dritte Teil ist der große Showdown, der jedoch an dieser Stelle aus dramaturgischen Gründen außen vor bleibt. Orwell präsentiert eine graue, trostlose und beklemmende Welt. Und ebenso wie die Welt, so deprimierend ist die Stimmung und die Atmosphäre die den Leser einfängt. Orwell lässt den Leser mit seiner Hauptfigur Winston Smith, seines Zeichens Vergangenheitsfälscher im Ministerium für Wahrheit, leiden. Gerade wenn es darum geht, Winstons Gedanken in Worte zu fassen um die Situation, in der er sich befindet, zu verdeutlichen – seine Ängste, seine Hoffnungen, seine Liebe, seinen Hass gegenüber der Partei, seine Mutlosigkeit, seine Verzweiflung, seine Selbstverachtung und seine Eitelkeit –, spürt man Orwells erzählerisches Talent. Er schafft es – passend zu den Lehren und dem Procedere der Partei – seinen Charakteren eine Vielzahl von Gefühlsregungen zu verleihen, als auch die Meinung des Leser über die Personen immer wieder zu wechseln. Die Thesen und Behauptungen, die Orwell in seinem Buch aufstellt, sind einfach auf jede Herrschaft übertragbar, in der eine Minderheit über eine Mehrheit regiert. Die Römer, die Nationalsozialisten, die Sowjet-Union, die DDR – alles waren Staatsformen, in denen mit Angst und Kontrolle gewisse Ideologien durchgesetzt wurden. Obwohl die Leitbilder aller Staaten verschieden waren, so ging es doch nur darum, Macht zu haben, die auszubauen und zu behalten. So auch in Ozeanien – insofern ist 1984 keine Utopie, sondern stets aktuell. Das Orwell mit seinem Szenario nicht bloß eine reine Kopie zuvor existenter Systeme erstellt hat, sondern sie in ideologischer Hinsicht gänzlich neu geschaffen hat, beweist seine Ausarbeitungen zum Neusprech, der neuen Amtssprache in Ozeanien. Im Anhang des Buches findet sich eine komplette, wenn auch vergleichsweise kurze Referenz der Neusprech. Neusprech ist ein Mittel der Partei, um einerseits die Sprache zu vereinfachen und andererseits das Potential Partei schädigender Gedanken zu eliminieren, indem jedes kritische Wort eliminiert wird. Dadurch gewinnt das London von 1984 deutlich an Plastizität. Bei allem Lob – das Buch liest sich einfach gut – sei gesagt, dass es der Geschichte etwas mehr Konflikthandlung gut getan hätte. Insbesondere der erste und Teile des zweiten Teils strecken sich manchmal ganz erheblich. Dazu stets die beklemmende, graue Umwelt... ich kann nur raten, 1984 nicht im Herbst oder Winter zu lesen. Fazit: Sehr gut geschriebener Thriller einer gar nicht so utopischen Welt, wie man zunächst meinen mag, wenngleich gewisse Längen nicht zu verschweigen sind!

Winston Smith, Nummer 6079 der Partei, führt ein einsames, arbeitsames Leben. Er arbeitet im Ministerium für Wahrheit, einem Betongebäude ohne Fenster. Seine Arbeit besteht darin, die Vergangenheit zu verfälschen – immer so, wie die Partei es aktuell vorschreibt. Er ist sich über die Sinnlosigkeit seines Lebens bewusst, und trotzdem schwimmt er mit dem Strom. Tief in ihm jedoch kocht ein kleiner Rebell, der nur darauf wartet freigelassen zu werden.

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Durch die unerwartete Zuneigung einer Parteigenossin, erwacht sein Lebensmut und seine Bereitschaft gewisse Risiken einzugehen. Es kursieren Gerüchte über eine Bruderschaft unter der Führung des Verräters Goldstein, die pausenlos gegen die Partei kämpft. Winston und Julia schließen sich der Bruderschaft an, bereit, die Gesellschaft in der sie leben, zu bekämpfen, und mögen sie dafür auch ihr leben lassen...

1984. Big Brother is watching you... wohl kein Slogan oder keine Jahreszahl assoziiert so energisch die perfekte Staatsmaschinerie, in der das Individuum nichts und die Kollektivität der Partei alles zählt. In diese – sarkastisch gesagt, niemals aus der Mode kommende – Staatsform siedelt Orwell seine mahnende Geschichte an.

Das Buch ist unterteilt in drei Teile. Im ersten Teil führt Orwell den Leser in das Land und die Gesellschaft Ozeaniens ein, in dessen europäische Teil (genauer in der Stadt London) die Geschichte spielt. Hier wird vor allem die Omnipräsenz und Totalität des Überwachungsstaates vorgestellt. Der Leser lernt Winston als wachsamen, intelligenten aber ruhigen Parteigenossen kennen, der seine Abneigung gegenüber des Staates verbirgt – nicht einmal ein verräterischer Gedanke ist erlaubt. Zu diesem Zweck gibt es die Gedanken-Polizei. Er interessiert sich für die Vergangenheit vor der Revolution, ist gleichzeitig jedoch bestrebt seine Arbeit gut zu machen. Er ist stets auf einer Gratwanderung zwischen totaler Akzeptanz und offenkundiger Rebellion. Mut zum letzten Schritt besitzt er jedoch nicht.

Der zweite Teil handelt von der unverhofften Liebesbekundung eines fünfzehn Jahre jüngeren Mädchens, die Vorsitzende in der Junioren-Anti-Sex-Liga ist. Winston erfährt, dass sie die Regeln der Partei ständig und immer bricht, all ihr Engagement und ihre Liebe zur Partei nur heuchelt, um nicht verdächtig zu werden. Beide sind sich einig, dass die Partei gestürzt werden muss, nur wagt es keiner den Schritt zu unternehmen. Letztlich schließen die beiden sich aber die Bruderschaft an. Der dritte Teil ist der große Showdown, der jedoch an dieser Stelle aus dramaturgischen Gründen außen vor bleibt.

Orwell präsentiert eine graue, trostlose und beklemmende Welt. Und ebenso wie die Welt, so deprimierend ist die Stimmung und die Atmosphäre die den Leser einfängt. Orwell lässt den Leser mit seiner Hauptfigur Winston Smith, seines Zeichens Vergangenheitsfälscher im Ministerium für Wahrheit, leiden. Gerade wenn es darum geht, Winstons Gedanken in Worte zu fassen um die Situation, in der er sich befindet, zu verdeutlichen – seine Ängste, seine Hoffnungen, seine Liebe, seinen Hass gegenüber der Partei, seine Mutlosigkeit, seine Verzweiflung, seine Selbstverachtung und seine Eitelkeit –, spürt man Orwells erzählerisches Talent. Er schafft es – passend zu den Lehren und dem Procedere der Partei – seinen Charakteren eine Vielzahl von Gefühlsregungen zu verleihen, als auch die Meinung des Leser über die Personen immer wieder zu wechseln.

Die Thesen und Behauptungen, die Orwell in seinem Buch aufstellt, sind einfach auf jede Herrschaft übertragbar, in der eine Minderheit über eine Mehrheit regiert. Die Römer, die Nationalsozialisten, die Sowjet-Union, die DDR – alles waren Staatsformen, in denen mit Angst und Kontrolle gewisse Ideologien durchgesetzt wurden. Obwohl die Leitbilder aller Staaten verschieden waren, so ging es doch nur darum, Macht zu haben, die auszubauen und zu behalten. So auch in Ozeanien – insofern ist 1984 keine Utopie, sondern stets aktuell.

Das Orwell mit seinem Szenario nicht bloß eine reine Kopie zuvor existenter Systeme erstellt hat, sondern sie in ideologischer Hinsicht gänzlich neu geschaffen hat, beweist seine Ausarbeitungen zum Neusprech, der neuen Amtssprache in Ozeanien. Im Anhang des Buches findet sich eine komplette, wenn auch vergleichsweise kurze Referenz der Neusprech. Neusprech ist ein Mittel der Partei, um einerseits die Sprache zu vereinfachen und andererseits das Potential Partei schädigender Gedanken zu eliminieren, indem jedes kritische Wort eliminiert wird. Dadurch gewinnt das London von 1984 deutlich an Plastizität.

Bei allem Lob – das Buch liest sich einfach gut – sei gesagt, dass es der Geschichte etwas mehr Konflikthandlung gut getan hätte. Insbesondere der erste und Teile des zweiten Teils strecken sich manchmal ganz erheblich. Dazu stets die beklemmende, graue Umwelt... ich kann nur raten, 1984 nicht im Herbst oder Winter zu lesen.

Fazit: Sehr gut geschriebener Thriller einer gar nicht so utopischen Welt, wie man zunächst meinen mag, wenngleich gewisse Längen nicht zu verschweigen sind!

geschrieben am 24.09.2007 | 749 Wörter | 4310 Zeichen

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