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Praxisbuch Geschichte


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Rezension von

Hiram Kümper

Praxisbuch Geschichte Einführungswerke zum Geschichtsstudium gibt es schon eine ganze Menge und gerade in letzter Zeit sind wieder einige neue erschienen. Die Schwerpunktsetzungen sind naturgemäß häufig verschiedene: mal geht’s um Ereignisse und Strukturen, mal um’s alltagspraktische Handwerk, mal um die Methode. Dazu kommt natürlich noch die Flut von epochen- oder themenspezifischen Einführungen, die der oder dem Geschichtsstudierenden zur Verfügung stehen. Das weiß auch der Verfasser dieses Bandes Martin Lengwiler, seines Zeichens Baseler Ordinarius für Neuere allgemeine Geschichte; er problematisiert das selbst in der Einleitung (S. 9). Trotzdem: noch ein Buch. Diesmal also geht es um „historische Methoden“ – und das explizit mit dem Versprechen des Praxisbezugs. Ersteres hat durchaus etwas für sich, denn Lengwiler diagnostiziert hier sehr zu Recht eine gewisse Lücke – oder doch zumindest einen unterversorgten Bereich – in der breiten Masse der bisher vorliegenden Einführungsliteratur. In der Tat werden zwar die epochen- oder themenspezifischen Techniken, etwa die historischen Hilfswissenschaften, mittlerweile an verschiedenen Stellen gut besprochen, wird auch die allgemeine Studientechnik, also etwa das Bibliographieren oder das Führen von Exzerptsammlungen, stets mitgeführt. Aber die eigentlichen Forschungstechniken des Historikers, die bleiben häufig ein wenig auf der Strecke. Wie steht es nun um das Zweitgenannte, den Praxisbezug? Lengwiler arbeitet sich in drei Großkapiteln am Entstehungsprozess einer historischen Arbeit ab – und der gilt in dieser allgemeinen Form im Wesentlich für die Hausarbeit im Grundstudium ebenso wie für die Dissertation, sieht man einmal von den vorweg gestellten Überlegungen über Wert und Grenzen der Archivarbeit (S. 28-54) ab. Auf die Konzeptphase (S. 28-73), in der geklärt wird, was wir überhaupt wissen wollen, folgt die eigentliche Recherche und Analyse des Materials, das uns zu einer möglichen Antwort führen könnte (S. 76-225); am Schluss stehen „Schreiben und Präsentation“ (S. 228-272). Viele kleine, sehr vernünftige und lesenswerte Absätze finden sich da, die sich auch losgelöst von einer fortlaufenden Lektüre sinnvoll lesen lassen; etwa zum „Verhältnis von Methoden und Theorien“ (schon in der Einleitung, S. 19-21), das in der Tat vielen Studierenden vor massive Unklarheiten stellt. Wie finde ich eigentlich eine Fragestellung, die über das „bloß“ empirische „Mich interessiert das Material bzw. das Thema“ hinausgeht? (S. 94) „Was ist wissenschaftlich am wissenschaftliche Schreiben?“ (S. 230-234) Das sind Fragen, die in der Tat Studierende immer wieder bewegen. Daneben viel Arbeitspraktisches, nach dem zu fragen möglicherweise nicht ohne weiteres in den Sinn käme, etwa: wie sucht eigentlich Google und welche Ergebnisse kann ich also erwarten? (S. 262-264). Und immer wieder Beispiele. Beinahe durchweg aus dem Bereich der Neuen Geschichte – aber das kann man dem Verfasser nun wirklich nicht anlasten. Zweierlei könnte man freilich einwenden: zum einen bemüht sich Lengwiler – ganz Historiker – durchweg um eine historische Einordnung („Entstehungsgeschichte“) der von ihm vorgestellten Institutionen, Methoden und Ansätze. Ob das für ein Praxisverständnis immer und in der hier vorgetragenen Ausführlichkeit nötig ist, darüber kann man streiten. Die Ausführungen nehmen aber eigentlich nie einen solchen Umfang ein, als dass ein Streit lohnen würde. Die auch sonst sehr hilfreiche Strukturierung durch Marginalbeischriften macht es dem eiligen Leser überdies einfach, einzelne Absätze zu überspringen. Der zweite Einwand, den man erheben könnte, scheint mir vielmehr eine der expliziten Stärken dieses Buches zu sein: Immer wieder nämlich öffnet der Verfasser dem Leser Einblicke in aktuelle Fragen der akademischen Welt und ihrer Institutionen, des Arbeitens und Publizierens, die für Studierende sicher nicht alle bereits unmittelbar für ihr Studium relevant sind, aber helfen, die Brücke zwischen der großen, weiten Welt der Lehrenden und der schweißtreibenden, oft so bedrückend empfundenen Welt der Lernenden etwas besser auszubauen. Anders gesagt: es ist nicht ganz eindeutig begründbar, wozu Studierende etwas über die zunehmende Bedeutung von peer-review für das akademische Publizieren wissen müssen. Aber es gut, wenn sie es tun, und es ist gut, es ihnen knapp – darüber könnte man streiten (S. 246-252 und S. 269f.) – und klar – darüber nicht – zu erklären. Denn auch das ist eine Art, den akademischen Nachwuchs ernst zu nehmen. Und das tut Lengwiler durchgängig und auf sehr angenehme Art. Fazit also: uneingeschränkt lesenswert. Vor allem engagierte Studierende, die die ersten paar Semester bereits hinter sich haben und ihr Arbeiten forschungsnäher ausrichten möchten, werden hier viele Anregungen finden.

Einführungswerke zum Geschichtsstudium gibt es schon eine ganze Menge und gerade in letzter Zeit sind wieder einige neue erschienen. Die Schwerpunktsetzungen sind naturgemäß häufig verschiedene: mal geht’s um Ereignisse und Strukturen, mal um’s alltagspraktische Handwerk, mal um die Methode. Dazu kommt natürlich noch die Flut von epochen- oder themenspezifischen Einführungen, die der oder dem Geschichtsstudierenden zur Verfügung stehen. Das weiß auch der Verfasser dieses Bandes Martin Lengwiler, seines Zeichens Baseler Ordinarius für Neuere allgemeine Geschichte; er problematisiert das selbst in der Einleitung (S. 9). Trotzdem: noch ein Buch.

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Diesmal also geht es um „historische Methoden“ – und das explizit mit dem Versprechen des Praxisbezugs. Ersteres hat durchaus etwas für sich, denn Lengwiler diagnostiziert hier sehr zu Recht eine gewisse Lücke – oder doch zumindest einen unterversorgten Bereich – in der breiten Masse der bisher vorliegenden Einführungsliteratur. In der Tat werden zwar die epochen- oder themenspezifischen Techniken, etwa die historischen Hilfswissenschaften, mittlerweile an verschiedenen Stellen gut besprochen, wird auch die allgemeine Studientechnik, also etwa das Bibliographieren oder das Führen von Exzerptsammlungen, stets mitgeführt. Aber die eigentlichen Forschungstechniken des Historikers, die bleiben häufig ein wenig auf der Strecke.

Wie steht es nun um das Zweitgenannte, den Praxisbezug? Lengwiler arbeitet sich in drei Großkapiteln am Entstehungsprozess einer historischen Arbeit ab – und der gilt in dieser allgemeinen Form im Wesentlich für die Hausarbeit im Grundstudium ebenso wie für die Dissertation, sieht man einmal von den vorweg gestellten Überlegungen über Wert und Grenzen der Archivarbeit (S. 28-54) ab. Auf die Konzeptphase (S. 28-73), in der geklärt wird, was wir überhaupt wissen wollen, folgt die eigentliche Recherche und Analyse des Materials, das uns zu einer möglichen Antwort führen könnte (S. 76-225); am Schluss stehen „Schreiben und Präsentation“ (S. 228-272). Viele kleine, sehr vernünftige und lesenswerte Absätze finden sich da, die sich auch losgelöst von einer fortlaufenden Lektüre sinnvoll lesen lassen; etwa zum „Verhältnis von Methoden und Theorien“ (schon in der Einleitung, S. 19-21), das in der Tat vielen Studierenden vor massive Unklarheiten stellt. Wie finde ich eigentlich eine Fragestellung, die über das „bloß“ empirische „Mich interessiert das Material bzw. das Thema“ hinausgeht? (S. 94) „Was ist wissenschaftlich am wissenschaftliche Schreiben?“ (S. 230-234) Das sind Fragen, die in der Tat Studierende immer wieder bewegen. Daneben viel Arbeitspraktisches, nach dem zu fragen möglicherweise nicht ohne weiteres in den Sinn käme, etwa: wie sucht eigentlich Google und welche Ergebnisse kann ich also erwarten? (S. 262-264). Und immer wieder Beispiele. Beinahe durchweg aus dem Bereich der Neuen Geschichte – aber das kann man dem Verfasser nun wirklich nicht anlasten.

Zweierlei könnte man freilich einwenden: zum einen bemüht sich Lengwiler – ganz Historiker – durchweg um eine historische Einordnung („Entstehungsgeschichte“) der von ihm vorgestellten Institutionen, Methoden und Ansätze. Ob das für ein Praxisverständnis immer und in der hier vorgetragenen Ausführlichkeit nötig ist, darüber kann man streiten. Die Ausführungen nehmen aber eigentlich nie einen solchen Umfang ein, als dass ein Streit lohnen würde. Die auch sonst sehr hilfreiche Strukturierung durch Marginalbeischriften macht es dem eiligen Leser überdies einfach, einzelne Absätze zu überspringen.

Der zweite Einwand, den man erheben könnte, scheint mir vielmehr eine der expliziten Stärken dieses Buches zu sein: Immer wieder nämlich öffnet der Verfasser dem Leser Einblicke in aktuelle Fragen der akademischen Welt und ihrer Institutionen, des Arbeitens und Publizierens, die für Studierende sicher nicht alle bereits unmittelbar für ihr Studium relevant sind, aber helfen, die Brücke zwischen der großen, weiten Welt der Lehrenden und der schweißtreibenden, oft so bedrückend empfundenen Welt der Lernenden etwas besser auszubauen. Anders gesagt: es ist nicht ganz eindeutig begründbar, wozu Studierende etwas über die zunehmende Bedeutung von peer-review für das akademische Publizieren wissen müssen. Aber es gut, wenn sie es tun, und es ist gut, es ihnen knapp – darüber könnte man streiten (S. 246-252 und S. 269f.) – und klar – darüber nicht – zu erklären. Denn auch das ist eine Art, den akademischen Nachwuchs ernst zu nehmen. Und das tut Lengwiler durchgängig und auf sehr angenehme Art.

Fazit also: uneingeschränkt lesenswert. Vor allem engagierte Studierende, die die ersten paar Semester bereits hinter sich haben und ihr Arbeiten forschungsnäher ausrichten möchten, werden hier viele Anregungen finden.

geschrieben am 21.03.2011 | 684 Wörter | 4105 Zeichen

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