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Bachelor statt Burnout


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Rezension von

Hiram Kümper

Bachelor statt Burnout Die ziemlich flächendeckende Einführung der konsekutiven Bachelor-/Masterstudiengänge an deutschen Universitäten haben die akademische Landschaft hierzulande massiv verändert. Darüber ist schon viel geschrieben, hauptsächlich auch geklagt worden. Sie haben aber nicht nur den Universitätsstandort Deutschland als Wissenschaftsstandort, sondern auch als Lern-, Sozialisations-, ja als Lebensraum nachhaltig umgekrempelt. Und auch das ruft derzeit (vielleicht noch?) in der Hauptsache Klage hervor. Klagen nicht nur von Lehrenden, sondern auch von den Studierenden, die sich systematisch überfordert, gegängelt, eingeschränkt und überlastet fühlen – häufig gar nicht einmal so sehr von ihren Lehrenden, sondern vom „System“; was immer das sein mag. Dem will dieses schmale Bändchen nun also abhelfen. Dabei geht es beileibe nicht um Studienstrukturen und deren hochschulpolitische Verbesserung, sondern um die Studierenden selbst und ihre Möglichkeiten, sich in den nun einmal vorhandenen Strukturen zurechtzufinden. Die ersten beiden Kapitel thematisieren dabei die zwei Hälften des Buchtitels: den Bachelor (Kapitel 1) und „Ohne Burnout“ (Kapitel 2). Begonnen wird also mit einer Einführung in das Problem, die neuen Studiengänge und die veränderten Anforderungen. Danach geht es darum, wie man mit ihnen umgeht. Das zweite Kapitel behandelt in dieser Hinsicht vor allem Selbstorganisation, Motivation und verwandte Softskills. In der Tat wird hier manch sinnvolle Anregung zu einer effektiveren Organisation der an die Studierenden herangetragenen Anforderungen formuliert. Und das scheint auch wichtig. Was man dagegen – und zwar erstaunlicherweise – über weite Strecken vermisst, sind sachdienliche Hinweise, mit den enormen Belastungen, die durch mehr Effizienz ja nicht notwendig verringert, sondern nur im Ergebnis erfolgreicher erfüllt werden, umzugehen. Ein Stichwort wäre eben: Stressbewältigung. Oder Prüfungsangst. Das sind Probleme, mit denen Studierende sich schon immer konfrontiert sahen, die aber – glaubt man den zahlreichen Erhebungen auf diesem Gebiet – mit den Neuen Studiengängen noch einmal massiv zugenommen haben. Dieser Umstand wird zwar eingangs problematisiert, aber nur in dem kurzen Kapitel zu „Möglichkeiten der Selbstregulation“ (S. 33-45) wieder expliziter und hier und da en passant (vgl. z.B. den Index S. 167, s.v. „Angst“) aufgegriffen. Dieses Kapitel entwickelt zwar verständlich die Entstehung verschiedener Stresstheorien – ein Wissen, das der oder dem Gestressten ja, überspitzt formuliert, wenig weiterhilft. Sodann werden eine Reihe mentaler Strategien, aber leider keine einzige konkrete körperliche Hilfestellung zur Stressbewältigung vorgestellt, sieht man von einer kleinen Übung zur Selbstkontrolle (S. 43-45: gebeugte vs. aufgerichtete Körperhaltung) einmal ab. Das ist eigentlich sehr schade angesichts der großen Zahl sehr einleuchtender und leicht zu erlernender kleiner Übungen für den alltäglichen Umgang mit Stress; auch physischem. Hier verspielt das Buch – und zwar nicht nur durch dieses Kapitel, sondern eigentlich viel mehr dadurch, dass es das einzige bleibt – gehöriges Potenzial. An anderer Stelle dagegen, etwa in dem Unterkapitel für Studierende, die aus keinen akademischen Haushalten kommen und für „die Uni fremdes Terrain ist“ (S. 77-82), sammelt der Band Pluspunkte. Auch, wenn man nicht jeden Punkt der Verfasserin teilen möchte, so ist es doch gut, dass das einmal als Problemfeld thematisiert wird. Das dritte Großkapitel geht von den organisatorischen und motivationalen zu den konkret handwerklichen Kompetenzen über. Hier geht es also darum, effektiver zu arbeiten: mit dem Computer, mit dem Internet, mit den Kommilitonen und mit den eigenen Schreibblockaden. Das ist ein im Wesentlichen sehr vernünftiges Kapitel mit vielen Anregungen, die so oder so ähnlich mit gutem Erfolg in den vielen neuen Schreibwerkstätten an deutschen Universitäten erprobt werden. Anderswo kann man das eingehender lesen, wer hier besonderen Aufholbedarf für sich sieht. Aber auch diese vergleichsweise kurze Hinführung dürfte sich als hilfreich für Viele erweisen. Das vierte Kapitel wendet sich der Berufs- respektive Karriereplanung zu. Das ist natürlich ein heikles Thema und gerade hier fällt es schwer, jenseits von Plattitüden wirklich Verallgemeinerbares auszusagen. Mit diesem Problem haben auch die Verfasserinnen sichtlich zu kämpfen, lösen das aber insgesamt auf angenehme und vor allem auch bündige Weise. Das Kapitel ist knapp, aber nach der Lektüre hat man das Gefühl, es sei auch alles Wesentliche im Allgemeinen gesagt und jetzt müsse schon einmal das Spezielle kommen. Jetzt also: der Besuch im Career-Service. Darauf bereitet das Kapitel leidlich vor. Alle Deutungen wird man auch hier nicht teilen. So erweist sich etwa der Optimismus, mit dem ein Fachwechsel als Ausweis von besonderem Mut verkauft werden soll (S. 153), in der Realität leider oft genug als trügerisch. Aber natürlich kann auch eine Karriereberatung nicht jede lebensläufliche Schleife umdeuten. Und muss sie ja vielleicht auch gar nicht. Insgesamt changiert der Band sehr zwischen viel „Phraseologischem“ – vor allem viel vorgeblich motivierender Gute-Laune-Macherei und einer guten Portion von Allgemeinplätzen, besonders in den grauen Merkkästchen – und einer ganzen Reihe sehr vernünftiger Hinweise, ein Studium im Zeichen von Bachelor und Master in den Griff zu bekommen. Letztere gehen dabei leider etwas unter. Das mag aber auch ein Problem des Mediums Sammelband sein.

Die ziemlich flächendeckende Einführung der konsekutiven Bachelor-/Masterstudiengänge an deutschen Universitäten haben die akademische Landschaft hierzulande massiv verändert. Darüber ist schon viel geschrieben, hauptsächlich auch geklagt worden. Sie haben aber nicht nur den Universitätsstandort Deutschland als Wissenschaftsstandort, sondern auch als Lern-, Sozialisations-, ja als Lebensraum nachhaltig umgekrempelt. Und auch das ruft derzeit (vielleicht noch?) in der Hauptsache Klage hervor.

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Klagen nicht nur von Lehrenden, sondern auch von den Studierenden, die sich systematisch überfordert, gegängelt, eingeschränkt und überlastet fühlen – häufig gar nicht einmal so sehr von ihren Lehrenden, sondern vom „System“; was immer das sein mag. Dem will dieses schmale Bändchen nun also abhelfen.

Dabei geht es beileibe nicht um Studienstrukturen und deren hochschulpolitische Verbesserung, sondern um die Studierenden selbst und ihre Möglichkeiten, sich in den nun einmal vorhandenen Strukturen zurechtzufinden. Die ersten beiden Kapitel thematisieren dabei die zwei Hälften des Buchtitels: den Bachelor (Kapitel 1) und „Ohne Burnout“ (Kapitel 2). Begonnen wird also mit einer Einführung in das Problem, die neuen Studiengänge und die veränderten Anforderungen. Danach geht es darum, wie man mit ihnen umgeht.

Das zweite Kapitel behandelt in dieser Hinsicht vor allem Selbstorganisation, Motivation und verwandte Softskills. In der Tat wird hier manch sinnvolle Anregung zu einer effektiveren Organisation der an die Studierenden herangetragenen Anforderungen formuliert. Und das scheint auch wichtig. Was man dagegen – und zwar erstaunlicherweise – über weite Strecken vermisst, sind sachdienliche Hinweise, mit den enormen Belastungen, die durch mehr Effizienz ja nicht notwendig verringert, sondern nur im Ergebnis erfolgreicher erfüllt werden, umzugehen. Ein Stichwort wäre eben: Stressbewältigung. Oder Prüfungsangst. Das sind Probleme, mit denen Studierende sich schon immer konfrontiert sahen, die aber – glaubt man den zahlreichen Erhebungen auf diesem Gebiet – mit den Neuen Studiengängen noch einmal massiv zugenommen haben. Dieser Umstand wird zwar eingangs problematisiert, aber nur in dem kurzen Kapitel zu „Möglichkeiten der Selbstregulation“ (S. 33-45) wieder expliziter und hier und da en passant (vgl. z.B. den Index S. 167, s.v. „Angst“) aufgegriffen. Dieses Kapitel entwickelt zwar verständlich die Entstehung verschiedener Stresstheorien – ein Wissen, das der oder dem Gestressten ja, überspitzt formuliert, wenig weiterhilft. Sodann werden eine Reihe mentaler Strategien, aber leider keine einzige konkrete körperliche Hilfestellung zur Stressbewältigung vorgestellt, sieht man von einer kleinen Übung zur Selbstkontrolle (S. 43-45: gebeugte vs. aufgerichtete Körperhaltung) einmal ab. Das ist eigentlich sehr schade angesichts der großen Zahl sehr einleuchtender und leicht zu erlernender kleiner Übungen für den alltäglichen Umgang mit Stress; auch physischem. Hier verspielt das Buch – und zwar nicht nur durch dieses Kapitel, sondern eigentlich viel mehr dadurch, dass es das einzige bleibt – gehöriges Potenzial. An anderer Stelle dagegen, etwa in dem Unterkapitel für Studierende, die aus keinen akademischen Haushalten kommen und für „die Uni fremdes Terrain ist“ (S. 77-82), sammelt der Band Pluspunkte. Auch, wenn man nicht jeden Punkt der Verfasserin teilen möchte, so ist es doch gut, dass das einmal als Problemfeld thematisiert wird.

Das dritte Großkapitel geht von den organisatorischen und motivationalen zu den konkret handwerklichen Kompetenzen über. Hier geht es also darum, effektiver zu arbeiten: mit dem Computer, mit dem Internet, mit den Kommilitonen und mit den eigenen Schreibblockaden. Das ist ein im Wesentlichen sehr vernünftiges Kapitel mit vielen Anregungen, die so oder so ähnlich mit gutem Erfolg in den vielen neuen Schreibwerkstätten an deutschen Universitäten erprobt werden. Anderswo kann man das eingehender lesen, wer hier besonderen Aufholbedarf für sich sieht. Aber auch diese vergleichsweise kurze Hinführung dürfte sich als hilfreich für Viele erweisen.

Das vierte Kapitel wendet sich der Berufs- respektive Karriereplanung zu. Das ist natürlich ein heikles Thema und gerade hier fällt es schwer, jenseits von Plattitüden wirklich Verallgemeinerbares auszusagen. Mit diesem Problem haben auch die Verfasserinnen sichtlich zu kämpfen, lösen das aber insgesamt auf angenehme und vor allem auch bündige Weise. Das Kapitel ist knapp, aber nach der Lektüre hat man das Gefühl, es sei auch alles Wesentliche im Allgemeinen gesagt und jetzt müsse schon einmal das Spezielle kommen. Jetzt also: der Besuch im Career-Service. Darauf bereitet das Kapitel leidlich vor. Alle Deutungen wird man auch hier nicht teilen. So erweist sich etwa der Optimismus, mit dem ein Fachwechsel als Ausweis von besonderem Mut verkauft werden soll (S. 153), in der Realität leider oft genug als trügerisch. Aber natürlich kann auch eine Karriereberatung nicht jede lebensläufliche Schleife umdeuten. Und muss sie ja vielleicht auch gar nicht.

Insgesamt changiert der Band sehr zwischen viel „Phraseologischem“ – vor allem viel vorgeblich motivierender Gute-Laune-Macherei und einer guten Portion von Allgemeinplätzen, besonders in den grauen Merkkästchen – und einer ganzen Reihe sehr vernünftiger Hinweise, ein Studium im Zeichen von Bachelor und Master in den Griff zu bekommen. Letztere gehen dabei leider etwas unter. Das mag aber auch ein Problem des Mediums Sammelband sein.

geschrieben am 31.08.2011 | 777 Wörter | 4742 Zeichen

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