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Sakari lernt, durch Wände zu gehen: Ein Kimmo-Joentaa-Roman


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Sakari lernt, durch Wände zu gehen: Ein Kimmo-Joentaa-Roman Seit „Tage des letzten Schnees“ bin ich ein großer Fan des Stils von Jan Costin Wagner. Auf den neuen Roman, der mit einem angenehm überschaubaren Umfang aufwartet, war ich deshalb sehr gespannt, denn der letzte Band mit Kurzgeschichten hatte Licht- und Schattenseiten. Auch wenn es (wieder) um den Ermittler Kimmo Joentaa aus der finnischen Stadt Turku geht, ist es kein klassischer Krimi, der den Leser erwartet, sondern eine klug konstruierte, sehr emotionale, teilweise tragische Erzählung mit kriminalistischem Hintergrund. Ausgangspunkt der Geschichte ist, dass ein Kollege Joentaas, Petri Grönholm, auf dem Marktplatz einen psychisch kranken jungen Mann erschießt. Sakari Ekman. Warum dieser an dem Tag mittags nackt im Brunnen stand und ein Messer in der Hand hatte, wird zum ersten großen Rätsel, derer im Laufe des Romans noch einige auf den Leser warten. Die (Kriminal-)Geschichte an sich ist dabei gar nicht das Beeindruckende an dem Buch, sondern Wagners Sprache, seine Sprachbilder gleichsam, und die gleichzeitige Verankerung von Metathemen, die den Roman so berührend machen: die Bedeutung von Familie und Liebe, der Verlust von Familienmitgliedern, sei es durch Tod oder durch Weggang oder sonstige Abwesenheit, die fehlende Fähigkeit und Möglichkeit, sich über einen solchen Verlust hinwegzuhelfen, die ewig währende (oft vergebliche) Suche nach Trost und Erlösung von einem solchen Schicksalsschlag, aber auch die wechselseitige emotionale Abhängigkeit innerhalb einer Familie und die so hervorgerufene Fragilität dieses sozialen Gebildes. Wagner schafft es in so vielen Situationen Sätze und ganze Passagen zu kreieren, die innehalten lassen, die im Geist nachhallen und die mitunter zu Tränen rühren können. Joentaa als Protagonist, der selbst durch den Verlust seiner Frau leidgeprüft und alleinerziehender Vater ist, ist dabei auch emotionaler Ankerpunkt der Geschichte, indem er durch ruhiges Auftreten, grüblerisches Stöbern nach der Wahrheit, aber auch das richtige Schweigen zur rechten Zeit für eine Stimmung sorgt, in der sich der Leser trotz aller beschriebenen Schicksalsschläge behütet fühlt. Denn die betroffenen Familien und Personen haben eine ganze Menge zu erleben und verarbeiten und als Leser steckt man, nicht nur aufgrund der Sprache der Erzählung, sondern auch durch den ständigen Perspektivwechsel mittendrin. Dass das Ganze dabei nicht ins Kitschige oder Melodramatische abgleitet, ist ebenfalls gebührend zu würdigen: es ist trotz der hohen Emotionalität und der Momente des Innehaltens ein spannender Roman, den man zielstrebig konsumieren möchte. Für meinen Geschmack ist einzig die Auflösung am Ende etwas zu abrupt, aber wenn man sie mit einem Augenzwinkern rezipiert, hat das Buch einen versöhnlichen Ausgang gefunden. Meiner Einschätzung nach ein grandioses Werk, dessen Lektüre sich besonders in dieser Jahreszeit mit ihren langen dunklen Abenden anbietet.

Seit „Tage des letzten Schnees“ bin ich ein großer Fan des Stils von Jan Costin Wagner. Auf den neuen Roman, der mit einem angenehm überschaubaren Umfang aufwartet, war ich deshalb sehr gespannt, denn der letzte Band mit Kurzgeschichten hatte Licht- und Schattenseiten.

Auch wenn es (wieder) um den Ermittler Kimmo Joentaa aus der finnischen Stadt Turku geht, ist es kein klassischer Krimi, der den Leser erwartet, sondern eine klug konstruierte, sehr emotionale, teilweise tragische Erzählung mit kriminalistischem Hintergrund. Ausgangspunkt der Geschichte ist, dass ein Kollege Joentaas, Petri Grönholm, auf dem Marktplatz einen psychisch kranken jungen Mann erschießt. Sakari Ekman. Warum dieser an dem Tag mittags nackt im Brunnen stand und ein Messer in der Hand hatte, wird zum ersten großen Rätsel, derer im Laufe des Romans noch einige auf den Leser warten. Die (Kriminal-)Geschichte an sich ist dabei gar nicht das Beeindruckende an dem Buch, sondern Wagners Sprache, seine Sprachbilder gleichsam, und die gleichzeitige Verankerung von Metathemen, die den Roman so berührend machen: die Bedeutung von Familie und Liebe, der Verlust von Familienmitgliedern, sei es durch Tod oder durch Weggang oder sonstige Abwesenheit, die fehlende Fähigkeit und Möglichkeit, sich über einen solchen Verlust hinwegzuhelfen, die ewig währende (oft vergebliche) Suche nach Trost und Erlösung von einem solchen Schicksalsschlag, aber auch die wechselseitige emotionale Abhängigkeit innerhalb einer Familie und die so hervorgerufene Fragilität dieses sozialen Gebildes.

Wagner schafft es in so vielen Situationen Sätze und ganze Passagen zu kreieren, die innehalten lassen, die im Geist nachhallen und die mitunter zu Tränen rühren können. Joentaa als Protagonist, der selbst durch den Verlust seiner Frau leidgeprüft und alleinerziehender Vater ist, ist dabei auch emotionaler Ankerpunkt der Geschichte, indem er durch ruhiges Auftreten, grüblerisches Stöbern nach der Wahrheit, aber auch das richtige Schweigen zur rechten Zeit für eine Stimmung sorgt, in der sich der Leser trotz aller beschriebenen Schicksalsschläge behütet fühlt. Denn die betroffenen Familien und Personen haben eine ganze Menge zu erleben und verarbeiten und als Leser steckt man, nicht nur aufgrund der Sprache der Erzählung, sondern auch durch den ständigen Perspektivwechsel mittendrin. Dass das Ganze dabei nicht ins Kitschige oder Melodramatische abgleitet, ist ebenfalls gebührend zu würdigen: es ist trotz der hohen Emotionalität und der Momente des Innehaltens ein spannender Roman, den man zielstrebig konsumieren möchte.

Für meinen Geschmack ist einzig die Auflösung am Ende etwas zu abrupt, aber wenn man sie mit einem Augenzwinkern rezipiert, hat das Buch einen versöhnlichen Ausgang gefunden. Meiner Einschätzung nach ein grandioses Werk, dessen Lektüre sich besonders in dieser Jahreszeit mit ihren langen dunklen Abenden anbietet.

geschrieben am 25.11.2017 | 420 Wörter | 2489 Zeichen

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