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heute und nicht gestern


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Rezension von

Alexander Muehlen

heute und nicht gestern Sie hat es vollbracht: Als Erstwerk schenkte sie uns die Semi-Autobiographie "Fremde im Dorf", eine Schilderung westfälischen Landlebens in den 50er Jahren. Kernaussagen betrafen die Rolle der ans Bett gebundenen Großmutter, Matriarchin in einer vormodernen Welt, sowie erste, unsichere Schritte im Umgang mit italienischen Gastarbeitern. Im Mittelpunkt stand eine Heranwachsende, die dem Werben eines Dorfcasanovas nicht widerstand und dafür teuer bezahlte. Nach den "Turbulenzen des Herrn Rogalla", einer Sammlung teils ernster, teils skurriler Kurzgeschichten, legt die Autorin nun mit Nr. 3, einem ebenso komplexen wie kompakten Werk, genannt Roman, ihre literarische Reifeprüfung ab. Ein Roman beruht auf einer von der Wirklichkeit losgelösten Geschichte. Dies bedeutet aber nicht, dass die Realität – und diese umfasst die Lebensumstände und Erfahrungen des Autors/der Autorin – gänzlich ausgeblendet wäre. Die anfänglich alltags-banale, zu Ritualen erstarrte Lebensweise der Protagonistin und ihre Versuche, geheimnisvollen Signalen auf die Spur zu kommen, dazu die Kühnheit, einen skandalösen Ausbruch zu wagen, muss nicht in Gänze erfunden sein. Dieser >Verdacht<, der wie ein Elefant im Raume steht, gibt der Lektüre das gewisse Etwas. Eckpunkte: Bundesstadt Bonn, Akademikermilieu, Hauptperson Vera, Ehefrau eines Uni-Dozenten, selbst mit Studium; seit über 30 Jahren verheiratet, Zusammenleben zur Routine erstarrt, kein Glück mit den Kindern: Sensibler Sohn, in Kleinkriminalität abgerutscht und vor 4 Jahren tödlich verunglückt (als Faktum unbewältigt), Tochter allein erziehend, Mitte 30, ohne festen Partner. Handlungsschlüssel und Impulsgeber des Geschehens ist ein Antiquariatsgeschäft im Stadtzentrum. Hier kommt Vera die Idee, für ihren Mann Gregor zum 60. Geburtstag, seinem Hobby entsprechend, eine neunbändige Theodor-Fontane-Werkausgabe zu kaufen. Das Vorhaben scheitert daran, dass sich im ersten Band eine Filzstift-Eintragung mit dem Zitat eines düsteren Abschiedsgedichts Fontanes befindet, was dem als pedantisch und rigide beschriebenen Ehemann missfallen würde. Das Fontanegedicht ist Auslöser und Kompass für eine völlig irrationale Besessenheit Veras, den Adressaten des >Fontane-Abschieds< zu finden. Der weitere Verlauf versetzt Vera in völlig neue Welten, bringt Kontakte zu bunt schillernden Personen, und als Höhepunkt eine Art Pilgerreise nach Glyndebourne / England, wo eine weltweit bekannte Barockopernaufführung mit Freiluftpicknick stattfindet. Nach liebevoll gestalteten komödiantischen Szenen kommt es dort zu einer "erfolgreichen, aber folgenlosen" Begegnung mit dem Objekt ihrer Begierde, einem sympathischen, etwas farblosen Christian. Schlussbemerkung für wertkonservative und weltoffene Leser: Die Leichtigkeit des Seins erlaubt ein von manchen als zu abrupt empfundenes "Happy-End". Sprache und Inhalt kommen ohne den verblassten Charme ach-so-lustig-frivoler „Frauenromane“ aus, die seit einer Generation die Szene trüben. Das Buch enthält keinen Hinweis auf die aktuelle Pandemie. Gerade deshalb gehört es ins Gepäck aller, die jetzt einen entspannten Urlaub vom Corona-Alltag genießen wollen.

Sie hat es vollbracht: Als Erstwerk schenkte sie uns die Semi-Autobiographie "Fremde im Dorf", eine Schilderung westfälischen Landlebens in den 50er Jahren. Kernaussagen betrafen die Rolle der ans Bett gebundenen Großmutter, Matriarchin in einer vormodernen Welt, sowie erste, unsichere Schritte im Umgang mit italienischen Gastarbeitern. Im Mittelpunkt stand eine Heranwachsende, die dem Werben eines Dorfcasanovas nicht widerstand und dafür teuer bezahlte.

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Nach den "Turbulenzen des Herrn Rogalla", einer Sammlung teils ernster, teils skurriler Kurzgeschichten, legt die Autorin nun mit Nr. 3, einem ebenso komplexen wie kompakten Werk, genannt Roman, ihre literarische Reifeprüfung ab.

Ein Roman beruht auf einer von der Wirklichkeit losgelösten Geschichte. Dies bedeutet aber nicht, dass die Realität – und diese umfasst die Lebensumstände und Erfahrungen des Autors/der Autorin – gänzlich ausgeblendet wäre. Die anfänglich alltags-banale, zu Ritualen erstarrte Lebensweise der Protagonistin und ihre Versuche, geheimnisvollen Signalen auf die Spur zu kommen, dazu die Kühnheit, einen skandalösen Ausbruch zu wagen, muss nicht in Gänze erfunden sein. Dieser >Verdacht<, der wie ein Elefant im Raume steht, gibt der Lektüre das gewisse Etwas.

Eckpunkte: Bundesstadt Bonn, Akademikermilieu, Hauptperson Vera, Ehefrau eines Uni-Dozenten, selbst mit Studium; seit über 30 Jahren verheiratet, Zusammenleben zur Routine erstarrt, kein Glück mit den Kindern: Sensibler Sohn, in Kleinkriminalität abgerutscht und vor 4 Jahren tödlich verunglückt (als Faktum unbewältigt), Tochter allein erziehend, Mitte 30, ohne festen Partner.

Handlungsschlüssel und Impulsgeber des Geschehens ist ein Antiquariatsgeschäft im Stadtzentrum. Hier kommt Vera die Idee, für ihren Mann Gregor zum 60. Geburtstag, seinem Hobby entsprechend, eine neunbändige Theodor-Fontane-Werkausgabe zu kaufen. Das Vorhaben scheitert daran, dass sich im ersten Band eine Filzstift-Eintragung mit dem Zitat eines düsteren Abschiedsgedichts Fontanes befindet, was dem als pedantisch und rigide beschriebenen Ehemann missfallen würde.

Das Fontanegedicht ist Auslöser und Kompass für eine völlig irrationale Besessenheit Veras, den Adressaten des >Fontane-Abschieds< zu finden. Der weitere Verlauf versetzt Vera in völlig neue Welten, bringt Kontakte zu bunt schillernden Personen, und als Höhepunkt eine Art Pilgerreise nach Glyndebourne / England, wo eine weltweit bekannte Barockopernaufführung mit Freiluftpicknick stattfindet.

Nach liebevoll gestalteten komödiantischen Szenen kommt es dort zu einer "erfolgreichen, aber folgenlosen" Begegnung mit dem Objekt ihrer Begierde, einem sympathischen, etwas farblosen Christian.

Schlussbemerkung für wertkonservative und weltoffene Leser: Die Leichtigkeit des Seins erlaubt ein von manchen als zu abrupt empfundenes "Happy-End".

Sprache und Inhalt kommen ohne den verblassten Charme ach-so-lustig-frivoler „Frauenromane“ aus, die seit einer Generation die Szene trüben.

Das Buch enthält keinen Hinweis auf die aktuelle Pandemie. Gerade deshalb gehört es ins Gepäck aller, die jetzt einen entspannten Urlaub vom Corona-Alltag genießen wollen.

geschrieben am 06.07.2021 | 416 Wörter | 2731 Zeichen

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